Tiefe Venenthrombose – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Kompressionsphlebosonographie (Kompressionsultraschall, KUS; Synonym: Venenkompressionssonographie); Sonographie (Ultraschall) zur Dokumentation und Überprüfung der Kompressibilität (Zusammendrückbarkeit) der tiefen Venen (innenliegende Blutgefäße) an Beinen und Armen
    • Indikation:
      • Verdacht auf tiefe Venenthrombose (TVT) (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene)
      • Wells-Score ≥ 2
      • nicht hohe klinische Wahrscheinlichkeit und erhöhtes D-Dimer
    • Stellenwert:
      • sehr sicheres Verfahren
      • v. a. bei Thromben (Blutgerinnseln) der Oberschenkelvenen (Venen im Oberschenkel) oder der Kniekehlenvene (Vene in der Kniekehle)
      • Goldstandard (beste verfügbare Standardmethode) der nicht-invasiven (ohne Eingriff) TVT-Diagnostik (Abklärung)
    • Untersuchung:
      Beginn bei der V. femoralis communis (gemeinsame Oberschenkelvene) über die V. femoralis (Oberschenkelvene) (inkl. Verlauf durch den Adduktorenkanal (Muskelkanal am Oberschenkel)) bis zur V. poplitea (Kniekehlenvene) und den proximalen Unterschenkelvenen (oben gelegene Venen am Unterschenkel)
    • Ergebnis:
      • positiv: thrombosierte Vene (Vene mit Blutgerinnsel) (aufgetriebene Vene mit echoinhomogenem Inhalt) → Behandlung erforderlich
        Beachte: Bei Phlebitis (Venenentzündung) der epifaszialen Venen (= oberflächliche Venenthrombose, OVT) (Blutgerinnsel in oberflächlichen Venen) sollte ebenfalls eine duplexsonographische Untersuchung (Ultraschalluntersuchung) erfolgen, da eine zusätzliche Beteiligung der tiefen Venen (innenliegende Blutgefäße) der klinischen Diagnostik (ärztlichen Untersuchung) entgehen kann.
      • negativ: → keine Behandlung
      • nicht eindeutig: KUS-Kontrolle (Kontrolluntersuchung) nach 4-7 Tagen
  • Farbkodierte Duplexsonographie (= Kombination aus B-Bild mit PW-Doppler)
    • Indikation:
      • Verdacht auf Thromben (Blutgerinnsel) im Bereich der Hohl- oder Beckenvenen (große Bauch- oder Beckenvenen)
      • bereits erforderlich bei Oberflächenthrombosen (OVT) (Blutgerinnseln in oberflächlichen Venen)
    • Typische Befunde:
      • ggf. direkte Darstellung des Thrombus (Blutgerinnsels)
      • verminderte bzw. fehlende Komprimierbarkeit (Zusammendrückbarkeit) des Venenvolumens (Venenraums)
      • aufgehobene Atemmodulation (fehlende Atemabhängigkeit) der Blutströmung
      • bei komplettem Venenverschluss (vollständigem Verschluss der Vene): fehlender Blutfluss
    • Beachte: Auch bei Phlebitis (Venenentzündung) der epifaszialen Venen (OVT) (oberflächliche Venenthrombose) duplexsonographische Abklärung (Ultraschall-Abklärung) zum Ausschluss einer tiefen Mitbeteiligung.

Vorgehen bei fehlender sofortiger Bildgebung

  • Beachte: Ist bei klinisch begründetem Verdacht auf eine Beinvenenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene) nicht sofort eine Sonographie (Ultraschall) verfügbar, sollte der Patient bereits in der Praxis ein niedermolekulares Heparin (NMH) (Heparinpräparat) erhalten [S2k-Leitlinie].

Fakultative Medizingerätediagnostik

  • Phlebographie (Röntgenuntersuchung der Venen) – indiziert bei sonographisch unklaren Befunden
  • Venenverschluss-Plethysmographie (Messung der venösen Durchblutung) – ggf. indiziert zur Verlaufsbeurteilung
  • Magnetresonanz-Phlebographie (MR-Phlebographie) (MRT-Untersuchung der Venen) – indiziert bei Verdacht auf Thromben (Blutgerinnsel) im Abdomen (Bauch) oder Becken

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie (Behandlungsleitlinie): Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. (AWMF-Registernummer: 065-002), Februar 2023 Kurzfassung Langfassung