TRH-Test
TRH-Test ist ein dynamischer endokrinologischer Funktionstest (Hormonbelastungstest) zur Beurteilung der hypothalamisch-hypophysär-thyreoidalen Achse (Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Schilddrüse). Er wird in der heutigen klinischen Labordiagnostik nur noch in seltenen spezialdiagnostischen Konstellationen eingesetzt, da sensitive basale Hormonbestimmungen und die molekulargenetische Diagnostik (Untersuchung der Gene) in den meisten Fragestellungen diagnostisch überlegen sind [1-4].
Synonyme
- TRH-Test
- TRH-Stimulationstest
- Protirelin-Test
- Thyreotropin-Releasing-Hormon-Test
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Serum
- Vorbereitung des Patienten
- Blutentnahme morgens, möglichst in Ruhebedingungen
- Nach Möglichkeit vor Einnahme interferierender Medikamente
- Basale Bestimmung von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), optional zusätzlich Prolaktin
- Intravenöse Gabe von TRH/Protirelin mit erneuter Blutentnahme in der Regel nach 20-30 Minuten; je nach Protokoll zusätzliche spätere Zeitpunkte
- Störfaktoren
- Dopaminerge Substanzen bzw. Dopaminagonisten
- Glucocorticoide
- Somatostatin bzw. Somatostatin-Analoga
- Akute/systemische Erkrankungen mit Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse (Steuerung zwischen Gehirn und Schilddrüse)
- Vorbestehende manifeste Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Methoden- und assayabhängige Unterschiede der TSH-Messung
- Methode
- Stimulationstest nach intravenöser Gabe von Protirelin/TRH
- Messung der TSH-Antwort, in ausgewählten Konstellationen zusätzlich der Prolaktinantwort
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe / Geschlecht / Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene | Kein einheitlich validierter aktueller universeller Referenzbereich für die stimulierte TSH-Antwort; Interpretation protokoll-, methoden- und laborabhängig |
| Historische Schwellenwerte | Früher verwendete Cut-offs sind nur orientierend und sollen heute nicht isoliert zur Diagnosestellung herangezogen werden |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig
Indikationen
- Seltene differentialdiagnostische Abklärung einer vermuteten zentralen Hypothyreose (Störung der Schilddrüsensteuerung im Gehirn), wenn basales TSH und fT4 nicht schlüssig sind
- Ausgewählte Fälle mit Verdacht auf hypothalamische (im Zwischenhirn gelegene) gegenüber hypophysärer (in der Hirnanhangsdrüse gelegene) Störung der thyreotropen Regulation
- Spezielle Differentialdiagnostik bei inappropriater TSH-Sekretion (unangemessene Hormonfreisetzung) mit erhöhtem fT4/fT3 und nicht supprimiertem TSH, insbesondere im Rahmen der Abgrenzung zwischen TSH-sezernierendem Hypophysentumor (Hirnanhangsdrüsentumor) und Schilddrüsenhormonresistenz (verminderte Wirkung der Schilddrüsenhormone), jedoch heute nur als ergänzender Test
- Ausgewählte spezialdiagnostische Fragestellungen der Prolaktinsekretion (Milchhormonfreisetzung)
Interpretation
- Erhöhte oder erhaltene TSH-Antwort
- Spricht gegen eine manifeste thyreotrope Hypophyseninsuffizienz (Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse)
- Kann bei hypothalamischer Dysfunktion (Funktionsstörung des Zwischenhirns) verzögert und prolongiert sein
- Kann bei Schilddrüsenhormonresistenz (verminderte Hormonwirkung) erhalten sein; die Diagnose wird heute primär genetisch gesichert
- Erniedrigte oder ausbleibende TSH-Antwort
- Vereinbar mit thyreotroper Hypophyseninsuffizienz (Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse)
- Kann bei Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) auftreten
- Kann bei TSH-sezernierendem Hypophysentumor (Hirnanhangsdrüsentumor) blunted sein; für die heutige Diagnostik ist der Test jedoch nur ergänzend
- Kann auch durch Medikamente oder schwere Allgemeinerkrankungen beeinflusst sein
- Spezifische Konstellationen
- Zentrale Hypothyreose (Störung der Hormonsteuerung im Gehirn): Die Diagnose beruht primär auf vermindertem fT4 bei inadäquat niedrigem/normalem TSH und dem klinischen Kontext; der TRH-Test kann allenfalls ergänzend hilfreich sein
- Schilddrüsenhormonresistenz (verminderte Hormonwirkung): Bei biochemischer Konstellation mit erhöhtem fT4/fT3 und nicht supprimiertem TSH ist die molekulargenetische Untersuchung des THRB-Gens heute diagnostisch richtungsweisend
Weiterführende Diagnostik
- Basale Schilddrüsenparameter – TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), fT4 (freies Thyroxin), fT3 (freies Trijodthyronin)
- Hypophysenparameter – ggf. Prolaktin sowie weitere Hypophysenachsen je nach klinischer Fragestellung
- Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypophyse bei Verdacht auf zentrale Ursache bzw. TSH-sezernierenden Hypophysentumor
- Genetische Diagnostik (Untersuchung der Gene), insbesondere THRB-Analytik, bei Verdacht auf Schilddrüsenhormonresistenz
- Bei Verdacht auf TSH-sezernierenden Hypophysentumor zusätzliche biochemische und bildgebende Abklärung in einem endokrinologischen Zentrum
Literatur
- Van Uytfanghe K, Ehrenkranz J, Halsall D, Hoff K, Loh TP, Spencer CA et al.: Thyroid Stimulating Hormone and Thyroid Hormones (Triiodothyronine and Thyroxine): An American Thyroid Association-Commissioned Review of Current Clinical and Laboratory Status. Thyroid. 2023;33(9):1013-1028. https://doi.org/10.1089/thy.2023.0169
- Persani L, Rodien P, Moran C, Visser WE, Groeneweg S, Peeters RP et al.: 2024 European Thyroid Association Guidelines on diagnosis and management of genetic disorders of thyroid hormone transport, metabolism and action. Eur Thyroid J. 2024;13(4):ETJ-24-0125. https://doi.org/10.1530/ETJ-24-0125
- De Herdt C, Philipse E, De Block C. ENDOCRINE TUMOURS: Thyrotropin-secreting pituitary adenoma: a structured review of 535 adult cases. Eur J Endocrinol. 2021;185(2):R65-R74. https://doi.org/10.1530/EJE-21-0162
- Persani L, Brabant G, Dattani M, Bonomi M, Feldt-Rasmussen U, Fliers E et al.: 2018 European Thyroid Association (ETA) Guidelines on the Diagnosis and Management of Central Hypothyroidism. Eur Thyroid J. 2018;7(5):225-237. https://doi.org/10.1159/000491388
- Beck-Peccoz P, Lania A, Beckers A, Chatterjee K, Wemeau JL. 2013 European Thyroid Association Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Thyrotropin-Secreting Pituitary Tumors. Eur Thyroid J. 2013;2(2):76-82. https://doi.org/10.1159/000351007