PCA 3-Test
Der PCA3-Test ist ein molekulargenetischer Urintest zum Nachweis von Prostate Cancer Antigen 3 (PCA3)-RNA in postdigital-rektal gewonnener Erststrahlurinprobe. PCA3 ist eine prostataassoziierte, nichtkodierende Ribonukleinsäure (Erbsubstanz-Baustein), die in Prostatakarzinomgewebe (Prostatakrebsgewebe) im Vergleich zu benignem Prostatagewebe (gutartigem Prostatagewebe) deutlich überexprimiert ist.
Der Test wird in der klinischen Labordiagnostik nicht als Primärscreening, sondern als ergänzender Risikoindikator im Rahmen der Abklärung eines Prostatakarzinomverdachts (Verdachts auf Prostatakrebs) eingesetzt, vor allem in selektierten Situationen vor einer erneuten Biopsieentscheidung (Entscheidung über eine Gewebeentnahme) [1-6].
Synonyme
- PCA3-Test
- Prostate Cancer Antigen 3-Test
- Prostate Cancer Gene 3-Test
- PCA3-Urintest
- PROGENSA PCA3-Test (assayspezifische Bezeichnung)
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Erststrahlurin nach standardisierter digital-rektaler Untersuchung (Tastuntersuchung des Enddarms) (post-DRE-Urin)
- Spezialentnahmeröhrchen/Stabilisierungsmedium entsprechend dem verwendeten Assay (Testverfahren)
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Nüchternheit erforderlich
- Die Probegewinnung erfolgt regelhaft nach standardisierter digital-rektaler Untersuchung mit Prostatamassage, da hierdurch Prostatazellen und RNA-haltiges Material in die Harnröhre (Ausführungsgang der Blase) mobilisiert werden [5]
- Die Untersuchung sollte nicht isoliert, sondern im klinischen Kontext mit PSA, digital-rektalem Befund, Prostatavolumen/PSA-Dichte, familiärer Belastung und heute insbesondere mpMRT (multiparametrische Magnetresonanztomographie) interpretiert werden [1-4, 6]
- Störfaktoren
- Nicht standardisierte oder unterlassene Prostatamassage vor Uringewinnung
- Präanalytische Fehler mit unzureichender Stabilisierung der RNA
- Sehr geringe Zellzahl in der Urinprobe
- Methoden- und assayspezifische Unterschiede der Score-Berechnung und Cut-off-Definition
- Der Test ist nicht ausreichend für die alleinige Unterscheidung zwischen klinisch insignifikantem und klinisch signifikantem Karzinom (Tumor) und nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage geeignet [2-4, 6]
- Methode
- Nachweis und Quantifizierung von PCA3-mRNA und PSA-mRNA aus post-DRE-Urin mittels nukleinsäurebasierter Amplifikationstechniken, klassisch transcription-mediated amplification (TMA) in kommerziellen Systemen [5]
- Ausgabe als PCA3-Score, üblicherweise als Verhältnis PCA3-mRNA/PSA-mRNA multipliziert mit 1.000
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene Männer | Kein physiologischer Normbereich etabliert |
| Assayspezifische Entscheidungsgrenzen | Kein einheitlich validierter universeller Cut-off; historisch wurden vor allem Schwellenwerte von 20, 25 oder 35 verwendet [3, 4, 6] |
Normbereiche beziehungsweise Entscheidungsgrenzen sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Ergänzende Risikostratifizierung bei persistierendem Prostatakarzinomverdacht nach negativer Vorbiopsie, wenn das Ergebnis die Re-Biopsieentscheidung beeinflussen würde [1, 2, 6]
- Ergänzende Einordnung bei erhöhtem oder grenzwertigem PSA in selektierten Konstellationen, wenn Unsicherheit hinsichtlich der Biopsieindikation besteht [1-4]
- Nicht als alleiniger Screeningtest für asymptomatische Männer
- Nicht als Ersatz für mpMRT, risikoadaptierte Biopsieentscheidung oder histopathologische Diagnosesicherung (feingewebliche Diagnosesicherung) [1-4, 6]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Mit steigenden PCA3-Scores nimmt die Wahrscheinlichkeit einer positiven Biopsie zu [4, 6]
- Die Spezifität für ein Prostatakarzinom ist höher als bei Gesamt-PSA allein, die Sensitivität ist jedoch nicht ausreichend für eine alleinige Steuerung des diagnostischen Vorgehens [3, 4, 6]
- Ein erhöhter PCA3-Score kann den Verdacht auf ein Prostatakarzinom stützen, beweist die Diagnose aber nicht
- Erniedrigte Werte
- Ein niedriger PCA3-Score senkt die Vortestwahrscheinlichkeit eines positiven Biopsiebefundes, schließt ein klinisch signifikantes Prostatakarzinom jedoch nicht sicher aus [2-4]
- Ein niedriger Score ist insbesondere bei unauffälliger mpMRT und niedriger PSA-Dichte eher beruhigend als isoliert aussagekräftig
- Spezifische Konstellationen
- Die diagnostische Aussagekraft ist am ehesten als Bestandteil eines multimodalen Pfades sinnvoll, zusammen mit klinischen Risikofaktoren, PSA-Dichte, digital-rektaler Untersuchung und mpMRT [1-4]
- Die heutige Evidenz priorisiert in der Praxis die Integration in Risikokalkulatoren oder Kombination mit anderen Biomarkern eher als die isolierte Nutzung des PCA3-Tests [2, 3]
- Ein allgemein akzeptierter, für alle Populationen und alle Assays gültiger Cut-off existiert nicht [3, 6]
Weiterführende Diagnostik
- Gesamt-PSA, freies PSA, PSA-Dichte
- Multiparametrische Magnetresonanztomographie der Prostata (Kernspintomographie der Vorsteherdrüse) vor Biopsieentscheidung [1, 2]
- Gezielte und gegebenenfalls systematische Prostatabiopsie (Gewebeentnahme aus der Prostata) bei fortbestehendem klinischem Verdacht [1, 2]
- Weitere validierte Blut- oder Urinbiomarker je nach lokal verfügbarer Diagnostik und klinischer Fragestellung
- Histopathologische Sicherung einschließlich ISUP-/Gleason-Klassifikation nach Biopsie
Klinische Hinweise
- Der PCA3-Test hat im Vergleich zu früheren Jahren einen relativ geringeren Stellenwert, weil die mpMRT heute fester Bestandteil moderner Prostatakarzinom-Diagnostikpfade ist [1, 2]
- Sein sinnvollstes Einsatzgebiet bleibt die selektierte ergänzende Risikostratifizierung, vor allem im Kontext negativer Vorbiopsien und fortbestehendem Verdacht
- Ein isolierter PCA3-Befund sollte niemals Grundlage für die Diagnose oder den Ausschluss eines Prostatakarzinoms sein
- Für die klinische Praxis ist entscheidend, ob das Testergebnis das weitere Management tatsächlich ändert; ohne therapeutische oder diagnostische Konsequenz ist die Bestimmung in der Regel nicht sinnvoll [1-3]
Literatur
- Lin DW, Carlsson S, Filson CP, Kim SK, Kirkby E, Konety BR et al.: Updates to Early Detection of Prostate Cancer: AUA/SUO Guideline (2026). J Urol. 2026;215(5):491-501. https://doi.org/10.1097/JU.0000000000004995
- Wei JT, Barocas D, Carlsson S, Coakley F, Eggener S, Etzioni R et al.: Early Detection of Prostate Cancer: AUA/SUO Guideline Part II: Considerations for a Prostate Biopsy. J Urol. 2023;210(1):54-63. https://doi.org/10.1097/JU.0000000000003492
- Kawada T, Shim SR, Quhal F, Rajwa P, Schatloff O, Laukhtina E et al.: Diagnostic Accuracy of Liquid Biomarkers for Clinically Significant Prostate Cancer Detection: A Systematic Review and Diagnostic Meta-analysis of Multiple Thresholds. Eur Urol Oncol. 2024;7(4):649-662. https://doi.org/10.1016/j.euo.2023.10.029
- Wang L, He W, Shi G, Zhao G, Cen Z, Xu F, Tian W, Zhao X, Mo C. Accuracy of novel urinary biomarker tests in the diagnosis of prostate cancer: A systematic review and network meta-analysis. Front Oncol. 2022;12:1048876. https://doi.org/10.3389/fonc.2022.1048876
- Groskopf J, Aubin SMJ, Deras IL, Blase A, Bodrug S, Clark C et al.: APTIMA PCA3 Molecular Urine Test: Development of a Method to Aid in the Diagnosis of Prostate Cancer. Clin Chem. 2006;52(6):1089-1095. https://doi.org/10.1373/clinchem.2005.063289
- Haese A, de la Taille A, van Poppel H, Marberger M, Stenzl A, Mulders PFA et al.: Clinical Utility of the PCA3 Urine Assay in European Men Scheduled for Repeat Biopsy. Eur Urol. 2008;54(5):1081-1088. https://doi.org/10.1016/j.eururo.2008.06.071