HCG (Humanes Choriongonadotropin)

Humanes Choriongonadotropin (HCG) ist ein Glykoproteinhormon (Eiweißhormon) aus der Familie der Gonadotropine (Geschlechtshormone). In der Tumordiagnostik (Krebsdiagnostik) wird in der Regel β-HCG beziehungsweise ein Assay (Labortest) bestimmt, der intaktes HCG und freie β-Untereinheiten (Bestandteile des Hormons) erfasst.

Der Parameter dient vor allem der Diagnostik, Stadieneinteilung (Bestimmung des Krankheitsstadiums), Therapieüberwachung und Nachsorge trophoblastärer Neoplasien (Tumoren des Mutterkuchens) sowie HCG-produzierender Keimzelltumoren (Tumoren aus Vorläuferzellen der Keimzellen).

Synonyme

  • HCG
  • hCG
  • β-HCG
  • Beta-Humanes Choriongonadotropin
  • Human Chorionic Gonadotropin
  • Gesamt-HCG/Total hCG
  • Intaktes HCG plus freie β-Untereinheit, assayspezifisch

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum
    • Bei speziellen Fragestellungen zusätzlich Urin
  • Vorbereitung des Patienten
    • In der Regel keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Für Verlaufsbeurteilungen möglichst Messungen im gleichen Labor mit demselben Assay (Labortest)
    • Bei hochdosierter Biotin-Einnahme ist ein methodenabhängiger Abstand zur letzten Einnahme sinnvoll
  • Störfaktoren
    • Heterophile Antikörper (fehlgeleitete Antikörper)/Human-anti-mouse-Antikörper und andere Immunoassay-Interferenzen (Störungen im Labortest)
    • Biotin, methodenabhängig
    • Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen) mit hypophysärer HCG-Produktion (HCG-Bildung in der Hirnanhangsdrüse), insbesondere peri-/postmenopausal oder bei primärem Hypogonadismus
    • Fortgeschrittene Niereninsuffizienz (schwere Nierenschwäche)
    • Frühe oder okkulte Schwangerschaft (nicht erkannte Schwangerschaft), Residuen nach Abort (Fehlgeburt)/Geburt
    • Zwischen verschiedenen HCG-Assays (Labortests) besteht nur eine begrenzte Vergleichbarkeit
  • Methode
    • Quantitativer Immunoassay (Messverfahren zur Bestimmung von Eiweißen), meist Zwei-Seiten-Sandwich-Immunoassay
    • Häufig Elektrochemilumineszenz-Immunoassay (spezielles Messverfahren mit Lichtsignal)
    • Für die Tumordiagnostik (Krebsdiagnostik) sind Assays (Labortests), die intaktes HCG und freie β-Untereinheiten (Bestandteile des Hormons) erfassen, sensitiver als reine Schwangerschafts-Assays (Schwangerschaftstests)

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Männer meist < 1,4 IU/l
Frauen, prämenopausal, nicht schwanger meist < 1,0 IU/l
Frauen, postmenopausal meist < 7,0 IU/l
Kinder > 3 Monate meist < 1,0-1,4 IU/l
Neugeborene/erste 3 Monate deutlich höhere Übergangswerte möglich

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen 

  • Verdacht auf gestationsbedingte trophoblastäre Erkrankungen (Erkrankungen des Mutterkuchens) beziehungsweise trophoblastäre Neoplasien (Tumoren des Mutterkuchens)
    • Hydatidiforme Mole (Blasenmole)
    • Invasive Mole (in das Gewebe einwachsende Blasenmole)
    • Chorionkarzinom (bösartiger Tumor des Mutterkuchens)
    • Plazentabett-Trophoblasttumor/epithelioider Trophoblasttumor, allerdings mit deutlich variablerer HCG-Dynamik
  • Verdacht auf HCG-produzierende Keimzelltumoren (Tumoren aus Vorläuferzellen der Keimzellen)
    • Testikuläre Keimzelltumoren (Hodentumoren)
    • Ovarielle Keimzelltumoren (Eierstocktumoren)
    • Extragonadale Keimzelltumoren (Keimzelltumoren außerhalb der Geschlechtsorgane)
  • Stadieneinteilung (Bestimmung des Krankheitsstadiums), Risikostratifizierung (Einschätzung des Krankheitsrisikos), Therapieansprechen (Ansprechen auf die Behandlung) und Nachsorge bei bekannten HCG-produzierenden Tumoren
  • Abklärung eines unklar erhöhten HCG außerhalb einer Schwangerschaft im klinischen Kontext gemeinsam mit Anamnese (Krankengeschichte), Bildgebung (bildgebende Verfahren) und weiteren Tumormarkern (Krebsmarker), insbesondere Alpha-Fetoprotein (AFP) und Lactatdehydrogenase (LDH) bei Keimzelltumoren

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Schwangerschaftsassoziierte trophoblastäre Erkrankungen (Erkrankungen des Mutterkuchens) und trophoblastäre Neoplasien (Tumoren des Mutterkuchens) zeigen häufig ausgeprägte HCG-Erhöhungen; die serielle HCG-Bestimmung ist dort zentral für Diagnostik (Erkennung von Erkrankungen) und Verlauf
    • Bei testikulären Keimzelltumoren (Hodentumoren) ist HCG ein etablierter Serumtumormarker (Krebsmarker im Blut); Erhöhungen finden sich typischerweise häufiger bei nichtseminomatösen als bei seminomatösen Tumoren
    • Sehr hohe HCG-Werte sprechen bei einem vermeintlich reinen Seminom (bestimmter Hodentumor) gegen ein reines Seminom und legen eine gemischte Histologie (Gewebszusammensetzung) nahe
    • Selten können auch andere Malignome (bösartige Tumoren) HCG beziehungsweise freie β-Untereinheiten (Bestandteile des Hormons) produzieren, meist in geringerer Ausprägung und mit begrenzter Spezifität (Treffsicherheit)
  • Erniedrigte Werte
    • Erniedrigte Werte haben als Tumormarker (Krebsmarker) keine eigenständige diagnostische Bedeutung
    • Normale HCG-Werte schließen eine Tumorpersistenz (Fortbestehen eines Tumors) nicht sicher aus, da nicht alle Tumorkomponenten HCG produzieren, beispielsweise differenziertes Teratom (meist aus pluripotenten Keimzellen entstehender Tumor)
  • Spezifische Konstellationen
    • Persistierend oder neu ansteigende Werte nach Therapie (Behandlung) sprechen für Residualtumor (Resttumor), Progression (Fortschreiten der Erkrankung) oder Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung)
    • Unplausible, niedriggradige Erhöhungen außerhalb einer Schwangerschaft sollten immer auf Interferenzen (Messstörungen) oder hypophysäre HCG-Produktion (HCG-Bildung in der Hirnanhangsdrüse) geprüft werden
    • Bei Serumwerten > 15-20 IU/l sollte bei echter HCG-Erhöhung in der Regel auch Urin-HCG nachweisbar sein; ein negatives Urin-HCG kann für einen falsch positiven Serumwert sprechen
    • Nach erfolgreicher Therapie (Behandlung) HCG-produzierender Tumoren ist ein Abfall zu erwarten; für die serielle Interpretation sind Kinetik (Verlauf über die Zeit) und Halbwertszeit (Zeit bis zur Halbierung des Wertes) wichtiger als ein Einzelwert

Weiterführende Diagnostik

  • Schwangerschaft sicher ausschließen, falls klinisch relevant
  • Wiederholungsmessung im selben Assay (Labortest) und gegebenenfalls Kontrollmessung in einem zweiten Assay
  • Urin-HCG bei Verdacht auf falsch positives Serum-HCG
  • Abklärung möglicher Interferenzen (Messstörungen) durch das Labor, einschließlich Verdünnungsprüfung/Blockierungsverfahren
  • Gonadotropine (Geschlechtshormone) und Sexualhormone (Geschlechtshormone) bei Verdacht auf hypophysäre HCG-Produktion (HCG-Bildung in der Hirnanhangsdrüse)
  • Bei Keimzelltumoren (Tumoren aus Vorläuferzellen der Keimzellen) ergänzend Alpha-Fetoprotein (AFP) und Lactatdehydrogenase (LDH)
  • Bildgebung (bildgebende Verfahren) und histologische Sicherung (Gewebeuntersuchung) entsprechend der vermuteten Tumorentität
  • Bei trophoblastären Erkrankungen (Erkrankungen des Mutterkuchens) serielle HCG-Kontrollen nach den jeweiligen krankheitsspezifischen Protokollen

Klinische Hinweise

  • HCG ist in der Onkologie (Krebsmedizin) kein Screeningmarker (Früherkennungswert) für die Allgemeinbevölkerung.
  • Außerhalb einer Schwangerschaft ist ein erhöhter HCG-Wert nicht automatisch beweisend für einen Tumor (Geschwulst).
  • Für Verlaufskontrollen ist die Seriendynamik (Verlauf über mehrere Messungen) wichtiger als ein Einzelwert.
  • Assaywechsel (Wechsel des Labortests) während der Nachsorge sollten vermieden werden.
  • Bei testikulären Keimzelltumoren (Hodentumoren) muss HCG immer zusammen mit Alpha-Fetoprotein (AFP) und Lactatdehydrogenase (LDH) interpretiert werden.
  • Bei trophoblastären Neoplasien (Tumoren des Mutterkuchens) ist HCG der zentrale Verlaufsmarker (Kontrollwert).

Literatur

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  4. Lok C, Froeling FEM, Massuger L, Ottevanger N, Seckl M, Lurain JR et al.: Practical Guidelines for the Treatment of Gestational Trophoblastic Disease. J Clin Oncol. 2025;43(18):2071-2081. https://doi.org/10.1200/JCO-24-02326