HER2-Protein

HER2-Protein ist ein membranständiger Rezeptor (Eiweißstruktur auf der Zelloberfläche) aus der Familie der epidermalen Wachstumsfaktorrezeptoren (Wachstumsrezeptoren) (ERBB2). Er gehört zu den Tyrosinkinase-Rezeptoren (Signalübertragende Enzyme) und spielt eine zentrale Rolle in der Regulation von Zellproliferation (Zellvermehrung), Differenzierung (Zellentwicklung) und Apoptose (programmierter Zelltod).

In der klinischen Labordiagnostik dient HER2 primär als prädiktiver (vorhersagender) und prognostischer (den Krankheitsverlauf betreffender) Biomarker (messbarer biologischer Marker) beim Mammakarzinom (Brustkrebs) sowie bei weiteren soliden Tumoren (feste Tumoren).

Synonyme

  • HER2
  • ERBB2
  • c-erbB2
  • HER2/neu
  • Human epidermal growth factor receptor 2

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Tumorgewebe (Biopsie (Gewebeprobe) oder Resektat (entferntes Gewebe); formalinfixiert, paraffineingebettet)
    • Serum (Blutflüssigkeit ohne Gerinnungsfaktoren) (für lösliche HER2-Ektodomäne (abgespaltener Rezeptoranteil), ECD)
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
  • Störfaktoren
    • Präanalytik (Einflussfaktoren vor der Analyse): Fixationsdauer, Fixationsqualität
    • Tumorheterogenität (unterschiedliche Zellzusammensetzung im Tumor)
    • Vorangegangene Therapie (vorherige Behandlung)
    • Methodenspezifische Variabilität (unterschiedliche Messergebnisse je nach Methode)
  • Methode
    • Immunhistochemie (IHC) (Färbemethode zum Nachweis von Proteinen im Gewebe)
    • In-situ-Hybridisierung (ISH; FISH, CISH, SISH) (Nachweis von Genveränderungen im Gewebe)
    • Immunoassay (Laborverfahren zum Nachweis von Eiweißen) (Serum-HER2-ECD)

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Befund Referenzbereich
IHC Score 0 negativ
IHC Score 1+ negativ
IHC Score 2+ grenzwertig (ISH erforderlich)
IHC Score 3+ positiv
Serum HER2 (ECD) < 15 µg/l (methodenabhängig)

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Mammakarzinom (Brustkrebs)
    • Primärdiagnostik (Erstdiagnose) und Subtypisierung (Einteilung in Unterformen)
    • Therapieentscheidung (Behandlungsentscheidung) (Anti-HER2-Therapie (gezielte Therapie gegen HER2))
    • Verlaufskontrolle (Überwachung des Krankheitsverlaufs) und Monitoring (regelmäßige Kontrolle)
  • Gastroösophageale Tumoren (Tumoren von Magen und Speiseröhre) (Magenkarzinom (Magenkrebs))

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • HER2-Überexpression (vermehrte Bildung des HER2-Proteins) bzw. Genamplifikation (Vervielfältigung des entsprechenden Gens)
    • Hinweis auf aggressiveres Tumorverhalten (schnelleres Wachstum und Ausbreitung)
    • Prädiktiver Marker (vorhersagender Marker) für Anti-HER2-Therapie (gezielte Therapie gegen HER2)
  • Erniedrigte Werte
    • HER2-negativer Tumor (Tumor ohne erhöhte HER2-Expression)
  • Spezifische Konstellationen
    • IHC 2+: Bestätigung durch ISH erforderlich
    • Diskordanz (Unterschied) zwischen Primärtumor (ursprünglicher Tumor) und Metastasen (Tochtergeschwülste) möglich
    • Serum-HER2 nicht für Primärdiagnostik geeignet

Klinische Hinweise

  • Im Verlauf eines Metastasierungsprozesses (Bildung von Tochtergeschwülsten) des Mammakarzinoms (Brustkrebs) besteht die Möglichkeit der klonalen Selektion (Auswahl bestimmter Zellklone) HER2-positiver Zellen, d. h., ein ursprünglich HER2-negativer Tumor kann in seinen Metastasen HER2 überexprimieren; daher ist eine erneute Testung im Verlauf (Re-Biopsie (erneute Gewebeentnahme) bevorzugt, ergänzend Serum-HER2) sinnvoll
  • Bei lokalisiertem Primärtumor (auf den Ursprungsort begrenzter Tumor) kann HER2 als prognostischer Marker (Marker für den Krankheitsverlauf) dienen; primär entscheidend ist jedoch die Gewebediagnostik (Untersuchung von Gewebeproben) mittels IHC/ISH
  • Eine isolierte Serumbestimmung (Blutuntersuchung) ist nicht ausreichend zur Therapieentscheidung (Behandlungsentscheidung), kann jedoch im Verlauf ergänzende Hinweise liefern
  • Benigne Erkrankungen (gutartige Erkrankungen) der Mamma (Brust) führen selten zu erhöhten Serum-HER2-Werten; erhöhte Werte können jedoch bei ausgeprägten Leberfunktionsstörungen (schweren Funktionsstörungen der Leber) auftreten
  • Serumwerte > 15 µg/l (methodenabhängig) sollten als suspekt (auffällig) gewertet und weiter abgeklärt werden

Weiterführende Diagnostik

  • Östrogenrezeptor (ER), Progesteronrezeptor (PR)
  • Ki-67-Proliferationsindex (Maß für die Zellteilungsrate)
  • Genexpressionsanalysen (Untersuchung der Genaktivität)
  • Bildgebung (darstellende Untersuchungsverfahren) zur Tumorausbreitung
  • Re-Biopsie (erneute Gewebeentnahme) bei Progress (Fortschreiten der Erkrankung)

Literatur

  1. Wolff AC, Hammond MEH, Allison KH et al.: Human epidermal growth factor receptor 2 testing in breast cancer: ASCO/CAP guideline update. J Clin Oncol. 2018;36:2105-2122. https://doi.org/10.1200/JCO.2018.77.8738
  2. Tarantino P, Hamilton E, Tolaney SM et al.: HER2-low breast cancer: pathological and clinical landscape. J Clin Oncol. 2020;38:1951-1962. https://doi.org/10.1200/JCO.19.02488
  3. Modi S, Jacot W, Yamashita T et al.: Trastuzumab deruxtecan in previously treated HER2-low breast cancer. N Engl J Med. 2022;387:9-20. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2203690