Prevo-Check® Schnelltest
Prevo-Check® Schnelltest ist ein immunologischer Schnelltest zum qualitativen Nachweis von Antikörpern gegen das HPV16-L1-Epitop DRH1 im kapillären Blut, Serum oder Plasma. Der Test wurde zur ergänzenden Erkennung HPV16-assoziierter Präkanzerosen (Krebsvorstufen) und Karzinome (bösartige Tumoren) entwickelt, insbesondere im Oropharynx (Mund-Rachen-Raum) sowie im Anogenitalbereich (Bereich von After und Geschlechtsorganen).
Nach aktueller Evidenz ist der Test jedoch nicht als Screeningverfahren (Früherkennungsverfahren) für asymptomatische Personen (Personen ohne Beschwerden) validiert [2, 3, 5]. Die in der Erstpublikation berichtete hohe diagnostische Güte [1] konnte in neueren unabhängigen Validierungsstudien nicht reproduziert werden [2, 3]. Damit ist der Prevo-Check® Schnelltest derzeit nicht als Ersatz für etablierte diagnostische Verfahren wie klinische Untersuchung, Endoskopie (Spiegelung), Bildgebung (bildgebende Untersuchungen), Histologie (feingewebliche Untersuchung), HPV-spezifische Gewebediagnostik oder zervikale Vorsorgeverfahren (Vorsorgeuntersuchungen am Gebärmutterhals) anzusehen [2, 3, 5].
Synonyme
- DRH1-Test
- HPV16-L1-DRH1-Antikörpertest
- HPV16-Antikörper-Schnelltest
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Kapillarblut aus der Fingerbeere oder aus dem Ohrläppchen
- Alternativ Serum oder Plasma
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Vor der Testdurchführung strukturierte Anamnese (Krankengeschichte) mit Erfassung von Symptomen, HPV-Impfstatus, früheren HPV-assoziierten Läsionen (Gewebeveränderungen) oder Karzinomen, Risikofaktoren sowie Rauch- und Alkoholkonsum
- Die Indikationsstellung erfolgt durch den behandelnden Arzt
- Störfaktoren
- HPV-Impfung, insbesondere mit HPV16-haltigen Vakzinen (Impfstoffen), da hierdurch ebenfalls HPV16-L1-Antikörper induziert werden können
- natürliche HPV16-Infektion (Ansteckung) ohne Karzinom
- Der Test erfasst nur HPV16-bezogene Antikörper und nicht zuverlässig andere High-Risk-HPV-Typen
- Eine fehlende Antikörperantwort schließt eine HPV16-assoziierte Neoplasie (Neubildung) nicht sicher aus
- Eingeschränkte Aussagekraft in nicht validierten klinischen Situationen
- Methode
- Immunochromatographischer Schnelltest zum qualitativen Nachweis von Anti-HPV16-L1-DRH1-Antikörpern
- Der Test beruht nicht auf einem direkten Tumornachweis, sondern auf dem Nachweis einer humoralen Immunantwort (Antikörperantwort des Körpers)
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe | Referenzbereich |
|---|---|
| Nicht HPV-geimpfte Personen | negativ |
| HPV-geimpfte Personen | diagnostisch nicht verwertbar, da auch impfbedingt positiv möglich |
| Testergebnis | qualitativ: positiv/negativ |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen
- Allenfalls ergänzende Diagnostik bei klinischem Verdacht auf ein HPV16-assoziiertes Karzinom im Oropharynx oder im Anogenitalbereich
- Ergänzende Verlaufskontrolle bei bereits gesichertem HPV16-assoziiertem Karzinom, wenn zuvor ein positiver DRH1-Befund vorlag
- Ergänzende Rezidivabklärung (Abklärung eines Wiederauftretens der Erkrankung) im individualisierten Nachsorgekonzept
- Nicht geeignet als bevölkerungsbezogenes Screening asymptomatischer Personen
- Nicht geeignet als alleinige Partnerschaftsuntersuchung
- Nicht geeignet als Ersatz für HPV-DNA-Nachweis, Zytologie (Zelluntersuchung), Histologie oder leitliniengerechte Krebsfrüherkennung
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Möglicher Hinweis auf eine HPV16-assoziierte präkanzeröse oder maligne (bösartige) Läsion
- Möglich auch nach HPV-Impfung
- Möglich auch bei natürlicher HPV16-Infektion ohne Karzinom
- Erniedrigte Werte
- Kein sicherer Ausschluss einer HPV16-assoziierten Präkanzerose oder eines Karzinoms
- Negative Testergebnisse können trotz vorliegender HPV16-getriebener Tumoren vorkommen
- Spezifische Konstellationen
- Ein positives Ergebnis ist stets durch organspezifische Diagnostik abzuklären
- Ein negatives Ergebnis darf bei klinischem Verdacht nicht zum Abbruch der weiteren Diagnostik führen
- Die Aussagekraft ist bei geimpften Personen wesentlich eingeschränkt
Weiterführende Diagnostik
- Bei Verdacht auf Oropharynxkarzinom:
- Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung
- Endoskopie
- Biopsie (Gewebeentnahme) mit Histologie
- p16-Immunhistochemie sowie HPV-spezifische Testung am Tumorgewebe nach lokaler Standarddiagnostik
- Bei Verdacht auf anogenitale Läsionen:
- gynäkologische (frauenärztliche), urologische oder proktologische (den Enddarm betreffende) Untersuchung
- Zytologie, HPV-DNA-Testung und Histologie
- gegebenenfalls Kolposkopie (Betrachtung des Gebärmutterhalses mit einem Spezialmikroskop), Anoskopie (Spiegelung des Analkanals) oder weitere gezielte Abklärung
- Im Nachsorgekontext:
- klinische Untersuchung
- bildgebende Diagnostik je nach Tumorentität (Tumorart)
- histologische Sicherung bei suspekten (verdächtigen) Befunden
Klinische Hinweise
- Die Erstpublikation aus dem Jahr 2020 beschrieb für HPV16-getriebene Kopf-Hals-Karzinome eine hohe Sensitivität und Spezifität [1].
- Eine unabhängige prospektive Validierungsstudie aus dem Jahr 2025 zeigte dagegen eine deutlich niedrigere Sensitivität, sodass sich der Test nicht zum Ausschluss eines HPV16-getriebenen Kopf-Hals-Karzinoms eignet [2].
- Eine weitere aktuelle Validierungsarbeit zeigte, dass der Test Antikörper nach HPV-Impfung, natürlicher HPV-Infektion und HPV16-assoziierter Tumorerkrankung nicht ausreichend sicher voneinander unterscheiden kann [3].
- Für HPV-positive Oropharynxkarzinome werden serologische Screeningansätze in der aktuellen Leitlinienlandschaft nicht empfohlen [5].
- Ein positiver HPV-DNA-Nachweis allein ist nicht gleichbedeutend mit einer manifesten Tumorerkrankung. Dies gilt insbesondere außerhalb etablierter organspezifischer Vorsorgeprogramme [4].
- Die ursprünglichen Aussagen zu Partnerschaftsuntersuchungen und zur breiten Anwendung im Früherkennungssetting sind nach der aktuellen Evidenz nicht ausreichend abgesichert.
- Die klinischen Hinweise zur geschlechtsspezifischen Lokalisation HPV-assoziierter Karzinome bleiben grundsätzlich relevant, sind jedoch nicht spezifisch geeignet, die diagnostische Aussagekraft des Prevo-Check® Schnelltests zu stützen [4].
Literatur
- Weiland T, Eckert AW, Tomazic PV, Wolf A, Pondorfer P, Vasicek S et al.: DRH1 - a novel blood-based HPV tumour marker. EBioMedicine. 2020;56:102804. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.102804
- Schouten CS, van der Vegt B, Renkema K, Plaat BEC, Halmos GB, Koo K et al.: Diagnostic Performance of the PrevoCheck for the Detection of Human Papillomavirus 16-Driven Head and Neck Squamous Cell Carcinoma. J Oral Pathol Med. 2025. https://doi.org/10.1111/jop.70075
- Kusters JMA, Brenner N, Waterboer T, Offringa R, Wierzbicka M, Klussmann JP et al.: Evaluation of an HPV16-L1 antibody rapid test for oropharyngeal cancer diagnosis: diagnostic accuracy and challenges in real-world settings. EBioMedicine. 2026;123:106057. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2025.106057
- Sonawane K, Suk R, Chiao EY, Chhatwal J, Qiu P, Wilkin T et al.: Oral Human Papillomavirus Infection: Differences in Prevalence Between Sexes and Concordance With Genital Human Papillomavirus Infection, NHANES 2011 to 2014. Ann Intern Med. 2017;167(10):714-724. https://doi.org/10.7326/M17-1363
- Waterboer T, Brenner N, Klussmann JP, Brennan P, Wieland U, Robbins HA. Study results and related evidence do not support use of HPV16 L1 DRH1 antibodies as a cancer screening test. EBioMedicine. 2020;62:103143. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2020.103143