BAT-STAT (Brain-Associated Tumor Marker)
BAT-STAT (Brain-Associated Tumor Marker) wird als potenzieller molekularer Hirntumormarker (Marker bei Hirntumoren) beschrieben, der angeblich als zirkulierendes RNA-Transkript (Abschrift der Erbinformation) im Blut nachweisbar sein soll. Nach aktueller evidenzbasierter Bewertung ist BAT-STAT jedoch kein validierter Laborparameter der klinischen Gliomdiagnostik (Untersuchung von Hirntumoren aus Stützzellen). Für BAT-STAT liegen keine belastbaren, peer-reviewten Validierungsdaten mit standardisierter Methodik, definierten Entscheidungsgrenzen, reproduzierbarer diagnostischer Sensitivität/Spezifität (Treffsicherheit/Abgrenzungssicherheit) und leitliniengestützter klinischer Indikation (Anwendungsgrund) vor [1-5].
Die Diagnostik diffuser Gliome (Hirntumoren aus Stützzellen) und Glioblastome (bösartige Hirntumoren) beruht weiterhin auf klinischer Beurteilung, Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie), histopathologischer Untersuchung (feingeweblicher Untersuchung) und integrierter molekularer Diagnostik des Tumorgewebes (Tumorzellgewebes). Zu den etablierten molekularen Markern gehören insbesondere IDH1/IDH2-Mutationsstatus (Veränderungsstatus), 1p/19q-Kodeletion (gleichzeitiger Verlust zweier Chromosomenabschnitte), ATRX-Verlust, TP53-Mutation (Genveränderung), CDKN2A/B-homozygote Deletion (beidseitiger Genverlust), EGFR-Amplifikation (Genvermehrung), TERT-Promotor-Mutation, Chromosom-7-Gewinn/Chromosom-10-Verlust und MGMT-Promotor-Methylierung (chemische Veränderung eines Gen-Schalters) [1-3].
Liquid-Biopsy-Verfahren (Flüssigbiopsie-Verfahren) bei Glioblastomen, darunter zellfreie DNA (freie Erbsubstanz), zellfreie RNA, microRNA, extrazelluläre Vesikel (Bläschen außerhalb von Zellen), Tumor-educated Platelets (durch Tumoren veränderte Blutplättchen) und zirkulierende Tumorzellen (im Blut kreisende Tumorzellen), sind wissenschaftlich relevant, aber für die Routineversorgung derzeit nicht ausreichend standardisiert und nicht geeignet, die Gewebediagnostik (Untersuchung von Gewebeproben) oder bildgebende Verlaufskontrolle zu ersetzen [4, 5].
Synonyme
- BAT-STAT
- Brain-Associated Tumor Marker
- mutmaßliches zirkulierendes RNA-Transkript bei Hirntumoren
- nicht validierter Liquid-Biopsy-Kandidat bei Gliomen
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Kein standardisiertes, leitliniengerechtes Probenmaterial definiert
- Publizierte Routinedaten zu EDTA-Plasma, Serum oder Liquor (Nervenwasser) mit validierter Präanalytik (Abläufe vor der Laboranalyse) liegen für BAT-STAT nicht belastbar vor
- Vorbereitung des Patienten
- Keine standardisierte Patientenvorbereitung definiert
- Keine Empfehlung zur Nüchternblutabnahme ableitbar
- Störfaktoren
- Keine validierten Interferenzdaten für BAT-STAT verfügbar
- Bei RNA-basierten Liquid-Biopsy-Verfahren grundsätzlich relevant: präanalytische Instabilität von RNA, Verzögerung der Probenverarbeitung, Temperaturführung, Zelllyse (Zellzerfall), Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen), Lagerungsdauer, Einfrier-Auftau-Zyklen und methodenspezifische Extraktions-/Amplifikationsartefakte (Gewinnungs-/Vervielfältigungsfehler)
- Fehlende Standardisierung zwischen Laboren verhindert derzeit eine verlässliche Befundvergleichbarkeit
- Methode
- Für BAT-STAT existiert kein allgemein anerkannter, CE-IVD-validierter oder leitliniengestützter Routinetest
- Eine theoretische Messung wäre nur als Forschungsansatz über RNA-Extraktion (Gewinnung von RNA) mit reverser Transkription (Umschreibung in DNA) und quantitativer Polymerase-Kettenreaktion (Vervielfältigung von Erbmaterial) oder Sequenzierungsverfahren (Analyse der Erbinformation) denkbar
- Es liegen keine validierten Primer-/Sonden-Sets, keine international standardisierten Kalibratoren und keine klinisch etablierten Cut-off-Werte (Grenzwerte) vor
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Material | Referenzbereich |
| Erwachsene, Serum/Plasma | Kein validierter Referenzbereich verfügbar |
| Liquor | Kein validierter Referenzbereich verfügbar |
| Glioblastom-Verlaufskontrolle | Kein validierter Entscheidungsgrenzwert verfügbar |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für BAT-STAT existieren derzeit keine klinisch validierten Normbereiche oder Entscheidungsgrenzen.
Indikationen
- Keine leitliniengerechte Indikation in der Primärdiagnostik (Erstdiagnostik) von Gliomen
- Keine leitliniengerechte Indikation in der Rezidivdiagnostik (Diagnostik bei Wiederauftreten) von Glioblastomen
- Keine leitliniengerechte Indikation zur Therapiekontrolle nach Operation, Radiotherapie (Strahlentherapie), Temozolomid-Therapie, Tumortherapiefeldern oder Rezidivtherapie (Behandlung bei Wiederauftreten)
- Keine Indikation als Ersatz für Magnetresonanztomographie (MRT), histopathologische Untersuchung oder molekulare Gewebediagnostik
- Allenfalls wissenschaftliche Fragestellung im Rahmen kontrollierter Studien zu Liquid-Biopsy-Verfahren bei Gliomen
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Nicht interpretierbar, da keine validierten Cut-off-Werte vorliegen
- Kein belastbarer Nachweis, dass ein erhöhter BAT-STAT-Wert eine Gliomdiagnose, ein Glioblastomrezidiv (Wiederauftreten eines Glioblastoms) oder eine Tumorprogression (Tumorfortschreiten) zuverlässig anzeigt
- Erniedrigte Werte
- Nicht interpretierbar, da keine validierten Referenzbereiche vorliegen
- Ein negativer oder nicht nachweisbarer Befund kann eine aktive Gliomerkrankung nicht ausschließen
- Spezifische Konstellationen
- Bei Verdacht auf Gliom ist die diagnostische Standardkette aus Magnetresonanztomographie (MRT), neurochirurgischer Gewebegewinnung (operativer Gewinnung von Gewebe aus dem Nervensystem), Histopathologie (Feingewebsuntersuchung) und molekularer Tumordiagnostik maßgeblich
- Bei Verdacht auf Rezidiv (Wiederauftreten) oder Pseudoprogression (scheinbares Fortschreiten) sind Verlaufsmagnetresonanztomographie, klinischer Verlauf, gegebenenfalls Perfusionsbildgebung (Durchblutungsbildgebung), Aminosäure-Positronenemissionstomographie (Stoffwechselbildgebung mit Aminosäuren) und interdisziplinäre Tumorboard-Beurteilung (gemeinsame Beurteilung durch verschiedene Fachrichtungen) entscheidend
- MGMT-Promotor-Methylierung ist ein etablierter prädiktiver Marker (vorhersagender Marker) für das Ansprechen auf Temozolomid beim Glioblastom; BAT-STAT besitzt diese Evidenz nicht
Weiterführende Diagnostik
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns mit Kontrastmittel nach neuroonkologischem Protokoll (Untersuchungsablauf für Tumoren des Nervensystems)
- Histopathologische Untersuchung des Tumorgewebes
- Immunhistochemie (Gewebeuntersuchung mit Antikörperfärbung) und molekulare Diagnostik gemäß WHO-2021-/EANO-orientierter integrierter Diagnostik
- IDH1/IDH2-Mutationsanalyse
- 1p/19q-Kodeletionsanalyse bei oligodendroglialer Fragestellung
- ATRX- und p53-Status
- CDKN2A/B-homozygote Deletion bei IDH-mutiertem Astrozytom (Hirntumor aus Stützzellen)
- EGFR-Amplifikation, TERT-Promotor-Mutation und Chromosom-7-Gewinn/Chromosom-10-Verlust bei IDH-Wildtyp-diffusem Astrozytom/Glioblastom
- MGMT-Promotor-Methylierung zur prädiktiven Einordnung des Temozolomid-Ansprechens
- DNA-Methylierungsprofilierung bei diagnostisch unklaren ZNS-Tumoren (Tumoren des zentralen Nervensystems)
- Liquor- oder Blut-basierte Liquid-Biopsy-Verfahren nur im Studienkontext oder in spezialisierten Fragestellungen, nicht als Routineersatz für Gewebe- und Bildgebungsdiagnostik
Klinische Hinweise
- BAT-STAT sollte nicht als etablierter Tumormarker für Glioblastome dargestellt werden.
- BAT-STAT ist nicht Bestandteil aktueller EANO-orientierter molekularer Gliomdiagnostik.
- Ein BAT-STAT-Befund darf keine diagnostische oder therapeutische Entscheidung begründen.
- Die Bezeichnung „Brain-Associated Tumor Marker“ kann missverständlich sein, da sie den Eindruck eines etablierten Hirntumormarkers erzeugt.
Tabellarische Übersicht zur evidenzbasierten Einordnung ausgewählter Hirntumor-Biomarker:
| Marker | Molekularer Typ | Material/Technik | Klinische Einordnung | Einsatzgebiet | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| BAT-STAT | mutmaßliches zirkulierendes RNA-Transkript | nicht standardisiert; theoretisch RNA-basierte Polymerase-Kettenreaktion oder Sequenzierung | nicht validiert; kein etablierter Laborparameter | keine leitliniengerechte Indikation | keine belastbaren Normbereiche, keine validierten Entscheidungsgrenzen, keine gesicherte Sensitivität/Spezifität |
| GFAP (Glial Fibrillary Acidic Protein) | astrozytäres Strukturprotein | Serum, Plasma oder Liquor; immunologische Verfahren | experimenteller beziehungsweise wissenschaftlich untersuchter Biomarker; keine Routine-Verlaufskontrolle bei Gliomen | Forschungskontext bei glialen Tumoren und ZNS-Schädigung | nicht tumorspezifisch; auch bei traumatischer, vaskulärer oder entzündlicher ZNS-Schädigung erhöht |
| YKL-40 (CHI3L1) | entzündungs- und matrixassoziiertes Glykoprotein | Serum oder Plasma; immunologische Verfahren | prognostisch untersucht, aber nicht ausreichend für die Routinediagnostik validiert | Forschungskontext bei Glioblastomen und anderen Malignomen (bösartigen Tumoren) | geringe Tumorspezifität; Beeinflussung durch Entzündung, Gewebeumbau und andere Tumorerkrankungen möglich |
| miR-21 | microRNA | Serum, Plasma oder extrazelluläre Vesikel; quantitative Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion oder Sequenzierung | experimenteller Liquid-Biopsy-Marker; keine etablierte klinische Routinediagnostik | Forschungskontext bei hochgradigen Gliomen | nicht gliomspezifisch; auch bei zahlreichen extrazerebralen Tumoren (Tumoren außerhalb des Gehirns) und Entzündungsprozessen beschrieben |
| MGMT-Promotor-Methylierung | epigenetischer DNA-Methylierungsstatus (chemischer Veränderungsstatus der Erbsubstanz) | Tumorgewebe; Methylierungsanalyse | etablierter prädiktiver Marker beim Glioblastom | Therapieplanung, insbesondere Abschätzung des Ansprechens auf Temozolomid | kein Blut-, Serum- oder Plasma-Tumormarker; nicht zur nichtinvasiven Verlaufskontrolle (Verlaufskontrolle ohne Eingriff in den Körper) geeignet |
Legende
- GFAP: Glial Fibrillary Acidic Protein
- YKL-40/CHI3L1: Chitinase-3-like Protein 1
- miR-21: microRNA-21
- MGMT: O6-Methylguanin-DNA-Methyltransferase
Literatur
- van den Bent MJ, Franceschi E, Touat M, French PJ, Idbaih A, Lombardi G, Rudà R, Schweizer L, Capper D, Sanson M, Wesseling P et al.: Updated EANO guideline on rational molecular testing of gliomas, glioneuronal, and neuronal tumors in adults for targeted therapy selection - Update 1. Neuro Oncol. 2025;27(2):331-337. https://doi.org/10.1093/neuonc/noae213
- Sahm F, Brandner S, Bertero L, Capper D, French PJ, Figarella-Branger D, Giangaspero F, Haberler C, Hegi ME, Kristensen BW, Kurian KM et al.: Molecular diagnostic tools for the World Health Organization (WHO) 2021 classification of gliomas, glioneuronal and neuronal tumors; an EANO guideline. Neuro Oncol. 2023;25(10):1731-1749. https://doi.org/10.1093/neuonc/noad100
- Weller M, van den Bent M, Preusser M, Le Rhun E, Tonn JC, Minniti G, Bendszus M, Balana C, Chinot O, Dirven L, French P et al.: EANO guidelines on the diagnosis and treatment of diffuse gliomas of adulthood. Nat Rev Clin Oncol. 2021;18(3):170-186. https://doi.org/10.1038/s41571-020-00447-z
- Seyhan AA. Circulating Liquid Biopsy Biomarkers in Glioblastoma: Advances and Challenges. Int J Mol Sci. 2024;25(14):7974. https://doi.org/10.3390/ijms25147974
- Niemira M, Bielska A, Chwialkowska K, Raczkowska J, Skwarska A, Erol A, Kretowski A et al.: Circulating serum miR-362-3p and miR-6721-5p as potential biomarkers for classification patients with adult-type diffuse glioma. Front Mol Biosci. 2024;11:1368372. https://doi.org/10.3389/fmolb.2024.1368372