M2-PK-Darmkrebstest

M2-PK-Darmkrebstest ist ein stuhlbasierter Biomarkertest (Untersuchung auf bestimmte Stoffe) zum Nachweis der dimeren M2-Pyruvatkinase (Tumor-M2-PK) im Stuhl. Er soll veränderte Tumormetabolismus- und Proliferationsmuster (veränderte Stoffwechsel- und Wachstumsaktivität) kolorektaler Neoplasien (Tumoren des Dick- und Enddarms) erfassen.

Nach aktueller Evidenz hat der Test jedoch keinen Stellenwert als Standardverfahren der Darmkrebsfrüherkennung in der asymptomatischen Allgemeinbevölkerung; leitliniengerecht sind immunologische fäkale Okkultbluttests (FIT) und die Koloskopie (Darmspiegelung) [1-5]. Die ältere Darstellung des M2-PK-Tests als breit einsetzbarer Blut- oder Stuhltest zum Nachweis unterschiedlichster Tumoren ist in dieser Form nicht evidenzbasiert [1-5].

Synonyme

  • Tumor-M2-PK
  • M2-Pyruvatkinase
  • fäkale M2-PK
  • Tu-M2-PK

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Stuhlprobe
  • Vorbereitung des Patienten
    • In der Regel keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Diätetische Restriktionen (Ernährungseinschränkungen) sind üblicherweise nicht erforderlich; maßgeblich sind die Herstellerangaben des jeweils verwendeten Tests [2, 3]
  • Störfaktoren
    • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (dauerhafte entzündliche Erkrankungen des Darms) und andere intestinale Entzündungen (Entzündungen des Darms) können zu erhöhten Werten führen und die Spezifität (Treffsicherheit) vermindern [2, 6]
    • Methodische Heterogenität (Unterschiede zwischen den Untersuchungsverfahren) zwischen ELISA- und Schnelltestverfahren; die diagnostische Leistung ist testabhängig [2-5]
    • Präanalytische Einflüsse (Einflüsse vor der eigentlichen Untersuchung) durch Probengewinnung, Lagerung und Transport sind testabhängig zu beachten [2, 3]
  • Methode
    • Immunologischer Nachweis der dimeren Form der M2-Pyruvatkinase im Stuhl
    • Je nach Testsystem ELISA oder immunochromatographischer Schnelltest [2-5]

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Geschlecht / Alter Referenzbereich
Erwachsene Kein allgemein validierter biologischer Referenzbereich
Testabhängiger Cut-off Methodenabhängig; in Studien häufig 4 U/ml, jedoch nicht standardisiert

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Historisch untersuchter stuhlbasierter Marker bei kolorektalen Neoplasien (Tumoren des Dick- und Enddarms) [2-5]
  • Keine empfohlene Standardmethode zur Darmkrebsfrüherkennung bei asymptomatischen Personen mit durchschnittlichem Risiko [1]
  • Kein Ersatz für FIT oder Koloskopie (Darmspiegelung) in der Vorsorge [1, 4, 5]
  • Allenfalls ergänzende Bedeutung in Einzelfällen oder in Studienkontexten, jedoch ohne leitliniengestützte Empfehlung [1-5]

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Möglich bei kolorektalem Karzinom (Dick- oder Enddarmkrebs) [2-5]
    • Möglich bei Adenomen (gutartigen Schleimhautwucherungen), jedoch mit unzureichender Sensitivität (Empfindlichkeit) insbesondere für fortgeschrittene Adenome [3, 5]
    • Möglich bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (dauerhafte entzündliche Erkrankungen des Darms) und anderen organischen intestinalen Erkrankungen (Erkrankungen des Darms); daher eingeschränkte Tumorspezifität (Eindeutigkeit für einen Tumor) [2, 6]
  • Erniedrigte Werte
    • Schließen ein kolorektales Karzinom (Dick- oder Enddarmkrebs) nicht sicher aus [2-5]
    • Schließen Adenome (gutartige Schleimhautwucherungen) oder Vorläuferläsionen (Vorstufen einer Erkrankung) nicht zuverlässig aus [3, 5]
  • Spezifische Konstellationen
    • Die S3-Leitlinie bewertet die Evidenzlage als nicht ausreichend für eine Empfehlung des M2-PK-Tests in der Früherkennung der asymptomatischen Allgemeinbevölkerung [1]
    • Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen (Zusammenfassungen mehrerer Studien) zeigen zwar eine potenzielle diagnostische Brauchbarkeit, die Aussagekraft ist jedoch durch Heterogenität (Unterschiedlichkeit) der Studien, unterschiedliche Testverfahren und eingeschränkte Spezifität (Treffsicherheit) limitiert [4, 5]
    • FIT ist für die populationsbezogene Früherkennung besser etabliert und leitliniengerecht [1, 4]

Weiterführende Diagnostik

  • Immunologischer fäkaler Okkultbluttest (FIT) als leitliniengerechter Stuhltest in der Vorsorge [1, 4]
  • Koloskopie (Darmspiegelung) als Goldstandard der Früherkennung und der Abklärung positiver Stuhltests [1]
  • Histopathologische Sicherung (feingewebliche Untersuchung) bei endoskopisch detektierten Läsionen (auffälligen Gewebeveränderungen)
  • Vollständige leitliniengerechte diagnostische Abklärung bei positivem oder klinisch suspektem Befund

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. (AWMF-Registernummer: 021 - 007OL), September 2025 Langfassung
  2. Chung-Faye G, Hayee B, Maestranzi S, Donaldson N, Gaffney K, Rodriguez-Justo M et al.: Fecal M2-pyruvate kinase (M2-PK): A novel marker of intestinal inflammation. Inflamm Bowel Dis. 2007;13(11):1374-1378. Fecal M2-pyruvate kinase (M2-PK): A novel marker of intestinal inflammation
  3. Naumann M, Schaum B, Oremek G, Hanisch E, Rösch W, Mössner J et al.: Faecal pyruvate kinase type M2 for colorectal cancer screening: a prospective multicentre study. Gut. 2004;53(11):1637-1641. Faecal pyruvate kinase type M2 for colorectal cancer screening: a prospective multicentre study
  4. Huang J, Zhuang J, Yin Y, Huang Y, Wu Y, Han S et al.: Comprehensive evaluation and progress of colorectal cancer screening methods. Gut Pathog. 2025;17(1):73. Comprehensive evaluation and progress of colorectal cancer screening methods
  5. Aalami AH, Shahriari A, Mazaheri M, Aalami F, Amirabadi A, Sahebkar A. Diagnostic accuracy of tumor M2-pyruvate kinase (tM2-PK) as a non-invasive biomarker in colorectal cancer: A systematic review and meta-analysis. Clin Biochem. 2023;120:110652. Diagnostic accuracy of tumor M2-pyruvate kinase (tM2-PK) as a non-invasive biomarker in colorectal cancer: A systematic review and meta-analysis
  6. Chan SCH, Liang JQ. Advances in tests for colorectal cancer screening and diagnosis. Expert Rev Mol Diagn. 2022;22(4):449-460. Advances in tests for colorectal cancer screening and diagnosis