Septin9-Test
Der Septin9-Test ist ein molekulardiagnostischer (auf molekularen Untersuchungen beruhender) Bluttest zum Nachweis methylierten SEPT9 (mSEPT9) in zellfreier DNA (Erbsubstanz) aus Plasma (flüssiger Blutbestandteil). Er dient der nicht-invasiven (ohne Eingriff in den Körper) Früherkennung des kolorektalen Karzinoms (Darmkrebs).
Nach aktueller Evidenz und Leitlinien hat der Test jedoch keinen Stellenwert als Standardverfahren der Darmkrebsfrüherkennung in der asymptomatischen (ohne Beschwerden) Allgemeinbevölkerung; die Koloskopie (Darmspiegelung) bleibt Goldstandard, und auch stuhlbasierte Verfahren sind für die Vorsorge besser etabliert. Der Septin9-Test kommt allenfalls als Ausweichoption in Betracht, wenn etablierte Vorsorgeverfahren abgelehnt werden. [1-6]
Synonyme
- mSEPT9-Test
- Test auf methyliertes Septin 9
- SEPT9-DNA-Methylierungstest
- Epi proColon
- Septin-9-Bluttest
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- 10 ml EDTA-Vollblut
- Zeitnahe Plasmagewinnung, vorzugsweise innerhalb von 2-4 h
- Transport und Lagerung bei 2-8 °C
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Nüchternheit ist nicht erforderlich
- Medikamente müssen in der Regel nicht pausiert werden
- Störfaktoren
- Verzögerte Plasmagewinnung mit Freisetzung genomischer DNA (Erbsubstanz) aus Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
- Hämolyse (Auflösung roter Blutkörperchen)
- Ungeeignete Lagerung oder wiederholtes Einfrieren/Auftauen
- Niedrige Tumorlast, insbesondere bei Frühstadien und Adenomen (gutartige Schleimhautwucherungen)
- Methodenabhängige Unterschiede der Testalgorithmen
- Methode
- Isolierung zellfreier DNA (Erbsubstanz) aus Plasma
- Bisulfit-Konversion
- Nachweis methylierter SEPT9-Sequenzen mittels Real-Time-Polymerase-Kettenreaktion (PCR) (Verfahren zur Vervielfältigung von Erbsubstanz)
Normbereiche (je nach Labor)
| Befund | Referenzbereich |
|---|---|
| negativ | Kein Nachweis methylierter SEPT9-DNA |
| positiv | Nachweis methylierter SEPT9-DNA; erhöhtes Risiko für ein kolorektales Karzinom (Darmkrebs) |
| nicht beurteilbar | Wiederholung erforderlich |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Ergänzende Darmkrebsfrüherkennung bei asymptomatischen (ohne Beschwerden) Personen mit durchschnittlichem Risiko, wenn Koloskopie (Darmspiegelung) oder immunologischer fäkaler Okkultbluttest (FIT) abgelehnt werden
- Steigerung der Teilnahmerate an Vorsorgeprogrammen bei geringer Akzeptanz invasiver (mit Eingriff verbundenen) Verfahren
- Nicht geeignet als primäres Standardverfahren der Darmkrebsvorsorge
Bei folgenden Konstellationen ist primär eine Koloskopie (Darmspiegelung) indiziert:
- Positive Familienanamnese (Erkrankungen in der Familie) für kolorektales Karzinom (Darmkrebs)
- Familiäre adenomatöse Polyposis (erblich bedingte Erkrankung mit vielen Darmpolypen)
- Lynch-Syndrom (erbliches Darmkrebs-Syndrom)
- Colitis ulcerosa (chronische Entzündung des Dickdarms)
- Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) mit Kolonbefall (Befall des Dickdarms)
- Zustand nach kolorektalem Karzinom (Darmkrebs) oder fortgeschrittenem Adenom (fortgeschrittener Darmpolyp)
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Positiver Nachweis von mSEPT9 spricht für ein erhöhtes Risiko eines kolorektalen Karzinoms (Darmkrebs) [1-3]
- Die Sensitivität (Treffsicherheit) liegt insgesamt bei etwa 60-75 % [1-3]
- Stadium I: etwa 35-50 % [1-3]
- Stadium II: etwa 60-80 % [1-3]
- Stadium III-IV: etwa 70-95 % [1-3]
- Für fortgeschrittene Adenome (fortgeschrittene Darmpolypen) beträgt die Sensitivität (Treffsicherheit) meist weniger als 20 % [1, 3]
- Die Spezifität (Genauigkeit bei Gesunden) liegt bei etwa 80-90 % [1-3]
- Jeder positive Befund erfordert eine vollständige Koloskopie (Darmspiegelung) [4-6]
- Erniedrigte Werte
- Ein negatives Ergebnis schließt ein kolorektales Karzinom (Darmkrebs) nicht sicher aus
- Frühkarzinome (frühe Krebsstadien) und fortgeschrittene Adenome (fortgeschrittene Darmpolypen) können übersehen werden
- Bei klinischem Verdacht oder Risikokonstellation ist trotz negativem Testergebnis eine Koloskopie (Darmspiegelung) erforderlich
- Spezifische Konstellationen
- Der Test erkennt überwiegend invasive Karzinome (bösartige Tumoren), jedoch präkanzeröse Adenome (Krebsvorstufen in Form von Darmpolypen) nur unzureichend
- Der diagnostische Nutzen ist geringer als beim immunologischen Stuhltest
- Ein negativer Septin9-Test darf eine indizierte Endoskopie (Spiegelungsuntersuchung) nicht verzögern
Weiterführende Diagnostik
- Bei positivem Septin9-Test
- Vollständige Koloskopie (Darmspiegelung) mit histologischer (feingeweblicher) Sicherung auffälliger Läsionen (Gewebeveränderungen)
- Gegebenenfalls Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Stadieneinteilung
- Bei negativem Septin9-Test, aber fortbestehendem Verdacht
- Immunologischer fäkaler Okkultbluttest (FIT)
- Koloskopie (Darmspiegelung)
- Wiederholung des Tests frühestens nach 1-2 Jahren
Literatur
- Church TR, Wandell M, Lofton-Day C, Mongin SJ, Burger M, Payne SR, Castaños-Vélez E, Blumenstein BA, Rösch T, Osborn NK, Snover D, Day RW, Ransohoff DF. Prospective evaluation of methylated SEPT9 in plasma for detection of asymptomatic colorectal cancer. Gut. 2014;63:317-325. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2012-304149
- Grützmann R, Molnar B, Pilarsky C, Habermann JK, Schlag PM, Saeger HD, Miehlke S, Stolz T, Model F, Roblick UJ, Bruch HP, Koch R, Liebenberg V, deVos T, Song X, Day RH, Sledziewski AZ, Lofton-Day C. Sensitive detection of colorectal cancer in peripheral blood by septin 9 DNA methylation assay. PLoS One. 2008;3:e3759. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0003759
- Hariharan R, Jenkins M. Utility of the methylated SEPT9 test for the early detection of colorectal cancer: a systematic review and meta-analysis of diagnostic test accuracy. BMJ Open Gastroenterology. 2020;7:e000355. https://doi.org/10.1136/bmjgast-2019-000355
- Wolf AMD, Fontham ETH, Church TR, Flowers CR, Guerra CE, LaMonte SJ, Etzioni R, McKenna MT, Oeffinger KC, Shih YT, Walter LC, Andrews KS, Brawley OW, Brooks D, Fedewa SA, Manassaram-Baptiste D, Siegel RL, Wender RC, Smith RA. Colorectal cancer screening for average-risk adults: 2018 guideline update from the American Cancer Society. CA Cancer J Clin. 2018;68:250-281. https://doi.org/10.3322/caac.21457
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- Malila N, Senore C, Armaroli P. European guidelines for quality assurance in colorectal cancer screening and diagnosis. First Edition - Organisation. Endoscopy. 2012;44 Suppl 3:SE74-SE87. https://doi.org/10.1055/s-0032-1309788