MCA (Mucin-like carcinoma-associated antigen)
Mucin-like carcinoma-associated antigen (MCA) ist ein älterer serologischer Tumormarker (Krebsmarker im Blut) aus dem MUC1-assoziierten Antigenspektrum. Der Marker wurde vor allem beim Mammakarzinom (Brustkrebs) für Verlaufsbeurteilungen untersucht, hat in der aktuellen klinischen Routine jedoch nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Für Screening (Früherkennung), Primärdiagnostik (erste diagnostische Abklärung) und routinemäßige Nachsorge ist MCA nach heutigem Stand nicht etabliert; selbst für gebräuchlichere MUC1-bezogene Marker wie CA 15-3 ist der Einsatz nur in ausgewählten klinischen Situationen sinnvoll und stets ergänzend zu Klinik und Bildgebung (bildgebenden Untersuchungen) zu bewerten [1-5].
Synonyme
- MCA
- Mucin-like carcinoma-associated antigen
- Mucin-like cancer-associated antigen
Das Verfahren
Benötigtes Material
- Serum (Blutflüssigkeit)
Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Verlaufskontrollen sollten nach Möglichkeit im selben Labor und mit derselben Methode erfolgen
Störfaktoren
- Methodenabhängigkeit mit eingeschränkter Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Assays (Testverfahren)
- Immunoassay-typische Interferenzen (Störeinflüsse), z. B. heterophile Antikörper
- Biologische Unspezifität mit möglichen Erhöhungen auch bei benignen Erkrankungen (gutartigen Erkrankungen) und in der Schwangerschaft
- Präanalytische Einflüsse wie Hämolyse, Lipämie und Lagerung sind methodenspezifisch zu beachten
Methode
- Immunologisches Nachweisverfahren/Immunoassay für zirkulierende mucinartige Antigene (Eiweißstrukturen)
- Die konkrete Testplattform ist laborabhängig
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
|---|---|
| Erwachsene | Kein einheitlich standardisierter Referenzbereich (Normbereich); historisch wurden assayabhängig meist Entscheidungsgrenzen im Bereich von etwa 11-15 U/ml verwendet |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Der in älteren deutschsprachigen Quellen häufig genannte Grenzwert von < 13 U/ml ist kein allgemein standardisierter, aktuell validierter Universalreferenzbereich [4, 6, 7].
Indikationen
- Historisch: ergänzende Verlaufs- und Therapiekontrolle bei bekanntem Mammakarzinom
- Allenfalls in Einzelfällen: serielle Verlaufskontrolle bei metastasiertem Mammakarzinom (Brustkrebs mit Tochtergeschwülsten), wenn ein validierter Vorwertverlauf vorliegt
- Nicht empfohlen: Screening asymptomatischer Personen (Personen ohne Beschwerden)
- Nicht empfohlen: Primärdiagnostik bei Verdacht auf Mammakarzinom
- Nicht empfohlen: isolierte Rezidivsuche (Suche nach einem Rückfall) oder Staging (Bestimmung der Tumorausbreitung)
Interpretation
Erhöhte Werte
- Können bei Mammakarzinom auftreten, insbesondere bei höherer Tumorlast (Tumormenge) oder metastasierter Erkrankung
- Sind nicht tumorspezifisch
- Können auch bei anderen malignen Tumoren (bösartigen Tumoren) beschrieben sein
- Können auch bei benignen Konstellationen (gutartigen Befundkonstellationen) und in der Schwangerschaft erhöht sein
- Eine isolierte Erhöhung ist nicht diagnostisch für ein Mammakarzinom
Erniedrigte Werte
- Keine eigenständige diagnostische Bedeutung
- Normale Werte schließen ein Mammakarzinom oder eine Tumorprogression (Tumorfortschreiten) nicht aus
Spezifische Konstellationen
- Wenn der Marker überhaupt verwendet wird, ist der serielle Verlauf aussagekräftiger als ein Einzelwert
- Ein Anstieg darf nie isoliert als Progressionsbeweis (Nachweis eines Fortschreitens) gewertet werden
- Die Befundinterpretation (Deutung des Untersuchungsergebnisses) muss immer zusammen mit Klinik, Bildgebung und dem übrigen onkologischen Verlauf (Krankheitsverlauf bei Krebs) erfolgen
- Gegenüber CA 15-3 ist für MCA kein gesicherter klinischer Zusatznutzen belegt [1-5]
Weiterführende Diagnostik
- Bei Verdacht auf Mammakarzinom: leitliniengerechte Bildgebung und histopathologische Sicherung (feingewebliche Bestätigung)
- Bei bekannter metastasierter Erkrankung: Verlaufskontrolle primär klinisch und bildgebend
- Falls Tumormarker ergänzend eingesetzt werden: bevorzugt etabliertere Marker wie CA 15-3 und CEA, jedoch nie als alleinige Entscheidungsgrundlage
- Bei unklar erhöhtem Wert: Prüfung auf methodische Interferenz und auf benigne Ursachen
Klinische Hinweise
- MCA ist ein historischer Tumormarker mit heute nur noch sehr begrenzter praktischer Relevanz
- Die frühere Angabe „Verdacht auf Mammakarzinom“ als reguläre Indikation ist nach aktuellem Stand nicht leitliniengerecht
- Die Aussage „keine Störfaktoren bekannt“ ist nicht haltbar
- Eine Neuetablierung von MCA als Routinemarker ist nicht sinnvoll
Literatur
- Henry NL, Somerfield MR, Dayao Z et al.: Biomarkers for Systemic Therapy in Metastatic Breast Cancer: ASCO Guideline Update. J Clin Oncol. 2022;40(27):3205-3221. https://doi.org/10.1200/JCO.22.01063
- Loibl S, André F, Bachelot T et al.: Early breast cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2024;35(2):159-182. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2023.11.016
- Gennari A, André F, Barrios CH et al.: ESMO Clinical Practice Guideline for the diagnosis, staging and treatment of patients with metastatic breast cancer. Ann Oncol. 2021;32(12):1475-1495. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2021.09.019
- Filella X, Rodríguez-García M, Ruiz-Borrego M. Clinical usefulness of circulating tumor markers. Clin Chem Lab Med. 2023;61(5):895-905. https://doi.org/10.1515/cclm-2022-1090
- Gautam SK, Khan P, Natarajan G et al.: Mucins as Potential Biomarkers for Early Detection of Cancer. Cancers (Basel). 2023;15(6):1640. https://doi.org/10.3390/cancers15061640
- Rasoul-Rockenschaub S, Zielinski CC, Kubista E et al.: Diagnostic value of mucin-like carcinoma-associated antigen (MCA) in breast cancer. Eur J Cancer Clin Oncol. 1989;25(11):1627-1632. https://doi.org/10.1016/0277-5379(89)90390-8
- Cooper EH, Forbes MA, Hancock AK, Price JJ, Parker D. An evaluation of mucin-like carcinoma associated antigen (MCA) in breast cancer. Br J Cancer. 1989;59(5):797-800. https://doi.org/10.1038/bjc.1989.166