Phenylketonurie – Prävention

Die Phenylketonurie (PKU) (angeborene Stoffwechselstörung) ist eine autosomal-rezessiv (erblich, wenn beide Genkopien betroffen sind) vererbte Erkrankung. Ziel der Prävention (Vorbeugung) ist nicht die Vermeidung der genetischen Erkrankung (Erbkrankheit) selbst, sondern die Verhinderung von Folgeschäden (späte Krankheitsfolgen) durch konsequente Kontrolle (Überwachung/Steuerung) der Phenylalaninwerte (Blutkonzentration eines Eiweißbausteins, Stoffwechsel-Marker im Blut) und die Optimierung (Verbesserung) aller beeinflussbaren Faktoren (Lebensstil, Ernährung, Versorgung).

Verhaltensbedingte Risikofaktoren – Faktoren des Lebensstils, die Folgeschäden begünstigen können:

  • Ernährung
    • Zu hohe Phenylalaninzufuhr (zu viel Aufnahme des Eiweißbausteins)
    • Unzureichende Versorgung (zu wenig Zufuhr) mit Tyrosin (Eiweißbaustein, Ausgangsstoff für wichtige Botenstoffe)
    • Mangelhafte (unzureichende/zu geringe) Zufuhr von essentiellen Aminosäuren (lebensnotwendige Eiweißbausteine)
    • Unzureichende diätetische Substitution (Ergänzung im Rahmen der Diät) von Vitaminen und Spurenelementen (z. B. Eisen, Zink)
  • Ungesunde Ernährung 
    • Hoher Konsum eiweißreicher, nicht PKU-angepasster (nicht an die Erkrankung angepasster) Lebensmittel – Risiko starker Stoffwechselentgleisung (Stoffwechselkrise)
    • Unregelmäßige Mahlzeiten (kein strukturierter Essrhythmus) ohne Berücksichtigung metabolischer Anforderungen (stoffwechsel­bezogene Bedürfnisse)
    • Ballaststoffarm, fettreich – Risiko für Dyslipidämie (Störung der Blutfette)
  • Genussmittelkonsum 
    • Alkohol (alkoholhaltige Getränke) – Risiko diätetischer Destabilisierung (Diätentgleisung)
    • Rauchen (Zigaretten­konsum, Tabak­konsum)
    • Aspartamhaltige Produkte (Süßstoffprodukte mit Phenylalanin) – Risiko für Stoffwechsel­belastung
  • Chronischer Stress 
    • Erhöhtes Risiko (gesteigerte Gefahr) mangelnder Therapieadhärenz (Therapie­einhaltungs­probleme)
    • Begünstigt kognitiv-affektive Instabilität (mentale/emotionale Schwankungen)
  • Körperliche Inaktivität (Bewegungs­mangel)
    • Risiko für Übergewicht (Gewichts­überschreitung) – metabolische Instabilität (Stoffwechsel­instabilität)
  • Übergewicht (BMI ≥ 25)
    • Risiko für Stoffwechselentgleisung, erhöhte (gesteigerte) kardiovaskuläre (herz- und kreislaufbezogene) Belastung
  • Schlafqualität (Qualität des Schlafs)
    • Schlechter Schlaf (nicht erholsam) – Risiko diätetischer Unregelmäßigkeit
    • Begünstigt verminderte Aufmerksamkeit (Konzentrations­probleme)
  • Drogenkonsum (Konsum psychoaktiver Substanzen)
    • Hohe Gefahr (starke Gefahr) der Therapieentgleisung (Therapie­abbruch)
  • Psycho-soziale Situation 
    • Mangelnde soziale Unterstützung (fehlender Rückhalt/Assistenz im Alltag)
    • Risiko psychosozialer Therapieabbrüche (Abbruch der Therapie aufgrund seelischer/sozialer Belastung)

Präventionsfaktoren

Die Prävention (Vorbeugung) der Folgeschäden der Phenylketonurie basiert auf einer stabilen Metabolitenkontrolle (Überwachung der Stoffwechselmarker im Blut), einer optimierten Ernährung (Ernährungs­optimierung) und frühzeitiger Diagnostik (medizinische Früherkennung/Abklärung).

  • Ernährung – evidenzbasierte Maßnahmen
    • Lebenslange phenylalaninarme Diät (spezielle Phe-arme Ernährung)
    • Regelmäßige Einnahme phenylalaninarmer Eiweißersatzpräparate (Aminosäure­mischungen, bilanzierte medizinische Formula)
    • Ausreichende Tyrosin­zufuhr (gezielte Ergänzung), da Tyrosin bei PKU ein >essentielles Aminosäureäquivalent ist
    • Strukturierte Mahlzeiten (planvoller Ess­rhythmus), um katabole (abbauende) Stoffwechselzustände (Stoffwechsel­abbauphasen) zu vermeiden
    • Leitliniengerechte Supplementierung gemäß Mikronährstoffstatus im Stoffwechselzentrum
  • Genussmittelkonsum
    • Verzicht auf Aspartam (Phenylalaninbelastung vermeiden)
    • Kein Rauchen (Tabakverzicht)
    • Alkohollimitierung (Alkoholbegrenzung), Drogen­verzicht
  • Körperliche Aktivität
    • Regelmäßige Bewegung (moderate Belastung, Ausdauer und Kraft abgestimmt)
    • Anpassung des Eiweißersatzes bei sportlicher Belastung (erhöhter Bedarf, Erhöhung nur über Stoffwechselzentrum planen!)
  • Weitere spezifische Schutzfaktoren
    • Früh­diagnose (Früh­erkennung) im Neugeborenen­screening (Fersenblut-/TMS-basiert)
    • Lebenslange Betreuung in einem Stoffwechselzentrum (spezialisierte Stoffwechselambulanz)
    • Therapie­steuerung durch individualisierte Genotyp-Phänotyp-Korrelation (wenn PAH-Milder-Mutationen → mögliche BH4-Antwort)

Sekundärprävention

Ziel ist die frühzeitige Erkennung von metabolischen Instabilitäten (Stoffwechsel­instabilität-Phasen) und die Vermeidung neurologischer oder psychosozialer Folgeschäden (späte Krankheitsfolgen).

  • Früherkennung und Diagnostik
    • Regelmäßige Re-Evaluation (erneute ärztliche Einschätzung) des Entwicklungs-, neurologischen und Ernährungs­status im Stoffwechselzentrum
    • Beurteilung (Überprüfung) der Diätadhärenz (Diät-Einhaltungs­überwachung) anhand dokumentierter Ernährungs­protokolle
    • Frühe Diagnostik (ärztliche Abklärung) kognitiver/affektiver Veränderungen (mentale/emotionale Schwankungen)
    • EEG (Funktionsmessung der elektrischen Gehirn­aktivität) bei Anfalls­verdacht
    • Magnetresonanztomographie (MRT) (Bildgebung im Schichtverfahren) des Gehirns bei klinischem Verdacht auf neurotoxische Folgen
  • Lebensstiländerungen
    • Konsequente Diätoptimierung (strikte Phe-Kontrolle, strukturierter Essrhythmus)
    • Individuelle Ernährungs­beratung (personalisierte Diätassistenz)
    • Optimierung psychosozialer Rahmenbedingungen
  • Therapieansätze
    • Intensivierte Diätführung (striktere Einstellung bei hohen Werten oder Symptomen)
    • Sapropterin (BH4-Cofaktor­therapie, Enzymhelfer) bei vorliegender Sensitivität (BH4-Ansprechbarkeit)
    • Pegvaliase (Enzym­therapie bei Erwachsenen­therapie-Management) bei unzureichender Kontrolle
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Psychotherapie (Gesprächs­therapie mit medizinischem Fokus)
    • Familien-und-Sozialberatung (Beratung des sozialen/therapeutischen Umfelds)
    • Unterstützung zur langfristigen Diät-und-Therapie­adhärenz (Therapie-Einhaltungs­assistenz)

Tertiärprävention

Ziel ist die Minimierung (Verminderung des Auftretens/der Schwere) langfristiger neurologischer, kognitiver (Denk-/Gedächtnis-bezogener) und psychosozialer Folgeschäden (späte Krankheitsfolgen).

  • Langzeittherapie
    • Lebenslange Einhaltung der individuellen Ziel­bereiche (Phe-Zielbereiche, streng ärztlich eingestellt im Stoffwechselzentrum)
    • Regelmäßige Kontrollen (Nachsorge/Überwachung) im Stoffwechselzentrum
    • Therapie­optimierung durch Diät (Ernährungs­steuerung), BH4-Therapiesteuerung bei PAH-Mild­konstellationen, ggf. Enzym­therapie im Erwachsenen­therapie-Management
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Neuropsychologische Rehabilitation (kognitive/motorische Wiederaufbaumaßnahmen)
    • Kognitive Trainings­programme (strukturierte medizinische Denk­übungs­programme)
    • Schulische/berufliche Unterstützung (Unterstützung durch medizinisch-soziale Assistenzsysteme)
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Psychotherapie (Gesprächs­therapie)
    • Sozialmedizinische Beratung (medizinisch-soziale Nachsorgeberatung)
    • Familien­unterstützung (Assistenz des Alltags-Therapie­umfelds)
  • Lebensstilinterventionen
    • Stabilisierung der Ernährungssituation (Diätstruktur verbessern)
    • Stress- und Schlafoptimierung (Verbesserung des erholsamen Nachtschlafs/Alltagsregulation)
    • Vermeidung (Verzicht im Alltag/Therapie­umfeld) von Alkohol, Nikotin und Drogen (Substanzvermeidung)