Kostaufbau nach infektiöser Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe)
Der Körper hat im Rahmen der Erkrankung durch Erbrechen und/oder Diarrhoe (Durchfall) viel Flüssigkeit sowie Elektrolyte (Blutsalze) verloren, sodass zunächst die Rehydration (Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolyt-Verlusten) im Vordergrund steht.
Je nach Schwere der Erkrankung bzw. des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts stehen folgende Maßnahmen bei "nieren- und herzgesunden Erwachsenen" zur Verfügung:
- Milder Krankheitsverlauf: Tägliche Flüssigkeitsaufnahme von ca. 3 Litern bzw. 45 ml/kg Körpergewicht
- Bei älteren Menschen und Kleinkindern bzw. Säuglingen muss ggf. ein Elektrolytpulver eingesetzt werden, um weiteren Komplikationen vorzubeugen.
- Bei Fieber sollte die Flüssigkeitsaufnahme bei nieren- und herzgesunden Erwachsenen nach folgender Faustregel erfolgen: bei jedem Grad Körpertemperatur über 37 °C zusätzlich 0,5-1 Liter pro °C.
Am besten geeignet sind kohlensäurefreie bis -arme Mineralwasser sowie Tees: schwarzer Tee, Kamillen-, Fenchel-, Kümmeltee. Der Tee kann mit Salz oder Traubenzucker angereichert werden. - Bei Zeichen der Dehydratation (Flüssigkeitsmangel; > 3 % Gewichtsverlust): Orale Rehydrierung durch Gabe von oralen Rehydrationslösungen (ORL/Oral Rehydration Solution):
- ORL sollten hypoton sein.
- Bei leichter bis mittelschwerer Dehydrierung empfiehlt sich die Gabe zwischen den Mahlzeiten ("Teepausen").
- Geeignet sind:
- fertige Lösungen nach den Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation): ORL (Oral Rehydration Solution)
- Fertiglösung aus 13,5 g Glucose, 2,6 g Natriumchlorid (Kochsalz), 1,5 g Kaliumchlorid und 2,9 g Natriumcitrat
- 1-2 Esslöffel Zucker und 1 Teelöffel Kochsalz in 1 Liter reinem Orangensaft auflösen
- Saft von 4 Orangen, 7 Teelöffel Zucker und 1 Teelöffel Kochsalz auf 1 Liter abgekochtes Wasser geben
- fertige Lösungen nach den Empfehlungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation): ORL (Oral Rehydration Solution)
- Ungeeignet sind:
- reine Fruchtsäfte, Limonade – Sie enthalten zu viel Zucker, wodurch sich eine Diarrhoesymptomatik verstärken kann. Zudem liegen die Elektrolyte im "falschen" Verhältnis vor.
- Säuglinge und Kinder, die oral oder auch enteral gut rehydriert werden können, sollten keine intravenöse Therapie erhalten.
- Der Flüssigkeitsverlust sollte nie durch Alkohol, Kaffee oder Milch ersetzt werden.
Im Rahmen einer infektiösen Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe) sind die Schleimhäute des Gastrointestinaltraktes (Magen-Darm-Trakt) entzündet. Um den Gastrointestinaltrakt zu schonen und zu entlasten, sollte ein langsamer Kostaufbau erfolgen. Anfänglich sollten Lebensmittel, Getränke und Zubereitungsverfahren, die häufig Beschwerden auslösen, weggelassen werden. Diese Kostform wird als "angepasste Vollkost" (ehemals: leichte Vollkost) bezeichnet. Die angepasste Vollkost entspricht hinsichtlich der Nährstoffrelation bzw. -zusammensetzung den Prinzipien der Vollkost, das heißt 55 % der Nahrungsenergie werden aus Kohlenhydraten aufgenommen, 30 % aus Proteinen (Eiweiß) und 15 % aus Fetten.
Bei einem schweren Krankheitsverlauf empfiehlt es sich, vor Beginn mit der angepassten Vollkost, ein bis zwei Teetage einzulegen. Geeignet sind Kräutertees wie Fenchel-, Ingwer-, Kamille-, Pfefferminz- und Kümmeltee. Der Tee wird schluckweise getrunken. Anschließend wird eine Getreideschleimsuppe, z. B. Haferschleimsuppe, hinzugenommen. Der Schleimsuppe sollte ein wenig Salz zugegeben werden. Bei guter Verträglichkeit können gekochtes und zerkleinertes Obst oder Milch ergänzt werden. Anschließend kann auf feste Nahrung umgestellt bzw. mit der angepassten Vollkost begonnen werden.
Angepasste Vollkost
Es empfiehlt sich, die Nahrung auf 6-8 kleine Mahlzeiten über den Tag zu verteilen.
- Begonnen werden sollte mit leicht resorbierbaren Kohlenhydraten (Mono- und Disaccharide/Einfach- und Zweifachzucker). Sie dienen der schnellen Energiebereitstellung und werden gut vertragen.
- Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Knäckebrot
- Salzstangen
- Im Anschluss daran hat sich die sogenannte Pektin-Diät bewährt. Pektin ist Bestandteil der pflanzlichen Zellwände und kommt in den meisten Früchten vor. Es zählt zu den löslichen Ballaststoffen, welche im Magen aufquellen und durch die Zunahme des Volumens für eine Verstärkung des Sättigungsgefühls sorgen. Zudem regen lösliche Ballaststoffe die Darmperistaltik (Darmbewegung) an.
- Karottensuppe: 500 g geschälte/geraspelte Karotten in 1 Liter Wasser für ca. 60 Minuten kochen; durch ein Sieb gießen und auf 1 Liter Gesamtmenge auffüllen; salzen
oder - 3-6 geriebene Äpfel (mit Schale); über den Tag verteilt essen
- Karottensuppe: 500 g geschälte/geraspelte Karotten in 1 Liter Wasser für ca. 60 Minuten kochen; durch ein Sieb gießen und auf 1 Liter Gesamtmenge auffüllen; salzen
- Folgende Lebensmittel können folgen, da sie in der Regel gut vertragen werden:
- Bananen – sie liefern vor allem die Mineralstoffe Kalium und Magnesium und enthalten wiederum Pektine
- Gemüse wie Fenchel, Karotten, Kürbis, Schwarzwurzeln, Sellerie, Spargel, Spinat, Zucchini
- gekochter Reis oder gekochte Nudeln
- Magerquark, fettarmer Joghurt
- fettarmer Käse (bis 45 % F. i. Tr.)
- fettarme Wurst (Geflügelwurst)
- fettarmes Fleisch oder Fisch (gedünstet, gekocht)
- Marmelade, Gelee
- Zu bevorzugende Zubereitungsverfahren sind Dünsten, Dämpfen, Garen und Kochen.
Folgende Lebensmittel und Zubereitungsverfahren sollten nach einer infektiösen Gastroenteritis gemieden werden, da sie häufig Beschwerden verursachen:
- voluminöse und fettreiche Mahlzeiten – fette Brühen, Suppen, Soßen, frittiertes und paniertes Essen
- frisches Brot, grobes Vollkornbrot
- unreifes Obst, Steinobst
- blähende Gemüse, Kohlgemüse und Hülsenfrüchte – z. B. Grünkohl, Weißkohl, Wirsing, Paprika, Sauerkraut, Lauch, Zwiebeln, Pilze
- hartgekochte Eier
- Mayonnaise
- Nüsse
- fette Süßigkeiten
- stark angebratene, geräucherte Lebensmittel
- sehr stark gewürzte oder sehr süße Lebensmittel
- zu kalte bzw. zu heiße Lebensmittel
- kohlensäurehaltige Getränke
- Auf Genussmittel ist noch eine Woche nach Genesung zu verzichten.
Wie schnell der Kostaufbau erfolgen kann, muss in jedem Einzelfall ausprobiert werden. Erlaubt ist, was vertragen wird!