Fettstuhl (Steatorrhoe) – Einleitung

Als Steatorrhoe – umgangssprachlich Fettstuhl genannt – (Synonyme: Butterstuhl, Pankreasstuhl, Salbenstuhl; ICD-10 K90.-: Intestinale Malabsorption) bezeichnet man eine pathologische (krankhafte) Erhöhung der Fettmenge (> 7 g Fett/Tag) im Stuhl (besonders von Neutralfett).

Ursachen

Die Ursache der Steatorrhoe ist meistens ein Mangel des Enzyms Lipase im Dünndarm. Ursachen des Lipasemangels können sein:

  • Synthesedefekt: Unzureichende Herstellung der Lipase.
  • Sekretionsdefekt: Störung der Lipaseausscheidung durch das Pankreas oder den Gallengang.

Formen der Steatorrhoe

  • Chronische Steatorrhoe
    • Langfristige Erkrankungen wie chronische Pankreatitis oder Mukoviszidose.
    • Charakterisiert durch anhaltende Fettmalabsorption.
  • Akute Steatorrhoe
    • Plötzlich auftretende Erkrankungen wie Gallengangverschluss.
    • Meist reversibel nach Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.

Assoziierte Erkrankungen

  • Chronische Pankreatitis: Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die zu einer Zerstörung des exokrinen Pankreasgewebes führt.
  • Mukoviszidose: Genetische Erkrankung mit Dysfunktion der exokrinen Drüsen.
  • Gallengangsverschluss: Mechanischer Verschluss der Gallenwege durch Gallensteine, Tumoren oder Strikturen.
  • Zöliakie: Autoimmunerkrankung, die durch Glutenkonsum die Dünndarmschleimhaut schädigt.

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Keine signifikante Geschlechterprävalenz.

Häufigkeitsgipfel: Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung.

  • Chronische Pankreatitis und Mukoviszidose: Häufig in jüngeren Altersgruppen diagnostiziert.
  • Gallengangsverschluss und Zöliakie: Kann in jedem Alter auftreten, jedoch Zöliakie oft in jüngeren Jahren und Gallengangsverschluss häufiger in mittlerem bis höherem Alter.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Steatorrhoe ist eng mit der zugrunde liegenden Erkrankung verknüpft. Hier einige Beispiele für den Verlauf und die Prognose bei unterschiedlichen Ursachen:

  • Chronische Pankreatitis: Diese Erkrankung führt zu einer fortschreitenden Zerstörung des exokrinen Pankreasgewebes (Gewebe mit Ausscheidungsfunktion). Steatorrhoe tritt erst bei einer Zerstörung von etwa 90 % des exokrinen Pankreasgewebes auf. Der Verlauf ist oft chronisch und kann zu erheblichen Verdauungsproblemen führen. Mit einer adäquaten Behandlung und Enzymsubstitution kann die Fettverdauung jedoch erheblich verbessert werden.
  • Mukoviszidose: Diese genetische Erkrankung führt zu einer Dysfunktion der exokrinen Drüsen, einschließlich des Pankreas. Die Steatorrhoe ist ein häufiges Symptom. Der Verlauf der Mukoviszidose ist chronisch und progressiv, aber moderne Therapien haben die Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen deutlich verbessert.
  • Gallengangverschluss: Ein mechanischer Verschluss der Gallenwege, etwa durch Gallensteine, Tumoren oder Strikturen (hochgradige Verengung), kann zu einer verminderten Fettverdauung und damit zu Steatorrhoe führen. Die Prognose hängt von der Ursache des Verschlusses ab. Eine chirurgische oder endoskopische Intervention kann oft die Ursache beheben und die Symptome lindern.
  • Zöliakie: Bei dieser Autoimmunerkrankung führt der Konsum von Gluten zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut, was zu Malabsorption (Störung der Aufnahme von Nahrungsbestandteilen aus dem Speisebrei) und Steatorrhoe führen kann. Die Prognose ist gut, wenn eine strikte glutenfreie Diät eingehalten wird, was zur vollständigen Wiederherstellung der Dünndarmschleimhaut führen kann.

Zusammenfassung

Die Prognose der Steatorrhoe hängt stark von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. In vielen Fällen kann die Fettmalabsorption durch spezifische Behandlungen und diätetische Anpassungen erheblich verbessert werden. Eine frühzeitige Diagnose und zielgerichtete Therapie sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Pankreatitis. (AWMF-Registernummer: 021-003), September 2021 Langfassung