Fettstuhl (Steatorrhoe) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verbesserung der Maldigestion (unzureichenden Aufspaltung der Nahrung) und Malabsorption (unzureichenden Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm) sowie Verminderung der Steatorrhoe (Fettstühle)
- Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung eines ausreichenden Ernährungszustands
- Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung
Therapieempfehlungen
- Ursachenbezogene Therapie: Die Therapie der Steatorrhoe richtet sich nach der Ätiologie. Eine Pankreasenzymersatztherapie ist bei exokriner Pankreasinsuffizienz (unzureichender Bildung oder Abgabe von Verdauungsenzymen durch die Bauchspeicheldrüse) angezeigt; andere Ursachen einer Fettmalabsorption (unzureichenden Aufnahme von Fetten aus dem Darm) erfordern eine spezifische Behandlung [1, LL1].
- Siehe unter „Pankreasinsuffizienz (Funktionsschwäche der Bauchspeicheldrüse)/Pharmakotherapie“.
- Bei intestinalen Ursachen, beispielsweise Zöliakie (durch Gluten ausgelöste Erkrankung des Dünndarms), Giardiasis (Darminfektion durch den Parasiten Giardia) oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, siehe die Therapieempfehlungen der jeweiligen Erkrankung.
- Bei medikamentös ausgelöster Steatorrhoe, beispielsweise unter Orlistat, ist die auslösende Medikation zu überprüfen.
- Exokrine Pankreasinsuffizienz: Magensaftresistente Pankreatinpräparate sind die Therapie der ersten Wahl. Die Dosierung erfolgt nach Lipaseaktivität und wird an Mahlzeitengröße, Fettgehalt und klinisches Ansprechen angepasst [1, LL1].
- Die Enzyme während der Mahlzeit einnehmen; bei mehreren Kapseln die Einnahme über die Mahlzeit verteilen. Auch Zwischenmahlzeiten berücksichtigen.
- Bei unzureichendem Ansprechen zunächst Einnahmetreue und Einnahmezeitpunkt überprüfen; anschließend die Enzymdosis schrittweise erhöhen, gegebenenfalls auf das Zwei- bis Dreifache der Anfangsdosis.
- Bei persistierender Steatorrhoe trotz optimierter Enzymtherapie kann ein Protonenpumpenhemmer ergänzend eingesetzt werden. Gleichzeitig andere Ursachen der Beschwerden abklären.
- Ernährungszustand und Therapiekontrolle: Stuhlbeschaffenheit, Körpergewicht und Ernährungszustand im Verlauf kontrollieren. Bei exokriner Pankreasinsuffizienz auch die Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen überwachen und Defizite gezielt behandeln. Eine sehr fettarme Ernährung vermeiden [1].
- Gallensäurebinder: Colestyramin ist keine allgemeine Therapie der Steatorrhoe. Bei ausgeprägtem Gallensäuremangel, insbesondere nach ausgedehnter Ileumresektion (operativer Entfernung eines Abschnitts des letzten Dünndarmanteils), können Gallensäurebinder die Fettmalabsorption verstärken. Ihr Einsatz bei Gallensäurediarrhoe (durch Gallensäuren verursachtem Durchfall) erfordert eine entsprechende Differenzierung [LL2].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Die folgenden Dosierungsangaben beziehen sich auf Erwachsene. Bei Kindern ist eine gesonderte, gewichtsbezogene Dosierung erforderlich.
Pankreasenzyme
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Pankreatin / Pankreas-Pulver vom Schwein, magensaftresistente Pellets oder Mikrotabletten | Dosierung nach Lipaseaktivität, nicht nach Milligramm Pankreatin. Pellets nicht zerkauen oder zerdrücken. Bei Schluckproblemen Kapseln entsprechend der Fachinformation öffnen und die Pellets mit geeigneter saurer, weicher Nahrung unmittelbar einnehmen. Bei Mukoviszidose (angeborene Erkrankung mit Bildung zäher Körpersekrete) die präparatespezifischen Dosisgrenzen beachten [FI1]. |
- Wirkweise: Ersatz fehlender Verdauungsenzyme; Lipase, Amylase und Proteasen unterstützen die Spaltung von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen im Darmlumen [FI1].
- Indikationen: Exokrine Pankreasinsuffizienz mit Maldigestion, beispielsweise bei chronischer Pankreatitis (dauerhafter Entzündung der Bauchspeicheldrüse), nach Pankreasoperation (Operation an der Bauchspeicheldrüse) oder bei Mukoviszidose [LL1, FI1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Präparatebestandteile; bei dem hier zugrunde gelegten Präparat auch nachgewiesene Schweinefleischallergie. Die jeweilige Fachinformation beachten [FI1].
- Nebenwirkungen: Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen), Übelkeit, Erbrechen, Obstipation (Verstopfung), Diarrhoe (Durchfall) und Blähungen; teilweise auch durch die Grunderkrankung bedingt. Allergische Reaktionen sind möglich. Unter hohen Dosen wurde insbesondere bei Mukoviszidose eine fibrosierende Kolonopathie (Erkrankung des Dickdarms mit narbigen Verengungen) beschrieben [FI1].
Protonenpumpenhemmer – ergänzende Therapie bei unzureichendem Ansprechen auf Pankreasenzyme
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Pantoprazol | Ergänzung bei persistierender Steatorrhoe trotz optimierter Enzymtherapie; keine routinemäßige Begleittherapie bei ausreichendem Ansprechen auf magensaftresistente Pankreasenzyme. Die Anwendung zur Optimierung der Enzymersatztherapie erfolgt außerhalb der zugelassenen Indikationen (Off-Label-Use) [LL1, FI2]. |
- Wirkweise: Hemmung der gastralen H+/K+-ATPase und Verminderung der Magensäuresekretion; bei zu saurem intraluminalem Milieu können dadurch Enzymfreisetzung und Enzymaktivität verbessert werden [LL1, FI2].
- Indikationen: Individueller Therapieversuch bei unzureichendem Ansprechen auf eine korrekt eingenommene, ausreichend dosierte Pankreasenzymersatztherapie [LL1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Pantoprazol, substituierte Benzimidazole oder sonstige Präparatebestandteile. Die gleichzeitige Anwendung mit Atazanavir wird nicht empfohlen [FI2].
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) und Hautreaktionen; bei längerfristiger Anwendung unter anderem Hypomagnesiämie (zu niedriger Magnesiumgehalt im Blut) und verminderte Vitamin-B12-Resorption. Interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes) und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich [FI2].
Beachte
- Therapieversagen: Persistierende Steatorrhoe darf nicht allein zu einer fortgesetzten Dosiserhöhung führen. Einnahmefehler, eine unzureichende Dosierung und konkurrierende Erkrankungen müssen überprüft werden [LL1].
- Hohe Enzymdosen bei Mukoviszidose: Für das hier zugrunde gelegte Präparat sollen 2.500 Lipase-Einheiten/kg Körpergewicht je Mahlzeit, 10.000 Lipase-Einheiten/kg Körpergewicht täglich beziehungsweise 4.000 Lipase-Einheiten je Gramm aufgenommenes Fett nicht überschritten werden. Neue oder ungewöhnliche abdominale Beschwerden erfordern eine Abklärung [FI1].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für den Säure-Basen-Haushalt sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (D3)
- Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Magnesium)
- Spurenelemente (Zink)
- Weitere Vitalstoffe (Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat))
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- AGA: American Gastroenterological Association – Amerikanische Gesellschaft für Gastroenterologie
- ATPase: Adenosintriphosphatase
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- EDS: European Digestive Surgery – Europäische Gesellschaft für Verdauungschirurgie
- EPC: European Pancreatic Club – Europäische Fachgesellschaft für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
- ESDO: European Society of Digestive Oncology – Europäische Gesellschaft für Onkologie des Verdauungssystems
- ESPCG: European Society for Primary Care Gastroenterology – Europäische Gesellschaft für Gastroenterologie in der Primärversorgung
- ESPGHAN: European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition – Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung
- ESPEN: European Society for Clinical Nutrition and Metabolism – Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel
- et al.: et alii – und weitere Autoren
- FI: Fachinformation
- Ggf.: gegebenenfalls
- H+: Wasserstoffion
- K+: Kaliumion
- kg: Kilogramm
- LL: Leitlinie
- S3: höchste methodische Entwicklungsstufe einer Leitlinie mit systematischer Evidenzbewertung und strukturierter Konsensfindung
- UEG: United European Gastroenterology – Europäischer Dachverband gastroenterologischer Fachgesellschaften
- z. B.: zum Beispiel
- doi: Digital Object Identifier – dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
Literatur
- Whitcomb DC, Buchner AM, Forsmark CE: AGA Clinical Practice Update on the Epidemiology, Evaluation, and Management of Exocrine Pancreatic Insufficiency: Expert Review. Gastroenterology. 2023;165(5):1292-1301. doi: 10.1053/j.gastro.2023.07.007.
Leitlinien
- Europäische Leitlinie: European guidelines for the diagnosis and treatment of pancreatic exocrine insufficiency: UEG, EPC, EDS, ESPEN, ESPGHAN, ESDO, and ESPCG evidence-based recommendations. Dezember 2024. Dominguez-Muñoz JE, Vujasinovic M, de la Iglesia D et al.: United European Gastroenterol J. 2025;13(1):125-172. doi: 10.1002/ueg2.12674 Langfassung [LL1].
- Kanadische Leitlinie: Canadian Association of Gastroenterology Clinical Practice Guideline on the Management of Bile Acid Diarrhea. Januar 2020. Sadowski DC, Camilleri M, Chey WD et al.: Clin Gastroenterol Hepatol. 2020;18(1):24-41.e1. doi: 10.1016/j.cgh.2019.08.062 Langfassung [LL2].
- S3-Leitlinie: Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse). (AWMF-Registernummer: 021 - 003), September 2021 Langfassung. Aktualisierung in Bearbeitung [LL3].
Fachinformation
- Viatris Healthcare GmbH: Kreon 25 000, Hartkapseln mit magensaftresistenten Pellets. Stand: Dezember 2022. Fachinformation [FI1].
- ratiopharm GmbH: Pantoprazol-ratiopharm 40 mg magensaftresistente Tabletten. Stand: März 2026. Fachinformation [FI2].