Fettstuhl (Steatorrhoe) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße und Body-Mass-Index; des Weiteren:
- Beurteilung des Ernährungszustandes – insbesondere unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Verlust von subkutanem Fettgewebe (Unterhautfettgewebe) und Muskelmasse als Hinweise auf eine klinisch relevante Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme)
- Beurteilung des Hydratationszustandes (Flüssigkeitshaushaltes) – insbesondere bei begleitender Diarrhö (Durchfall)
- Inspektion (Betrachtung) auf periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an Armen bzw. Beinen) als möglicher Hinweis auf eine ausgeprägte Protein-Energie-Malnutrition (Eiweiß- und Energiemangelernährung) bzw. Hypoproteinämie (Eiweißmangel im Blut)
- Stuhlinspektion (Betrachtung des Stuhls) – Beurteilung von Konsistenz, Volumen und sichtbaren Fettbeimengungen
- [Voluminöser, breiiger bis ungeformter, fettglänzender bzw. öliger, häufig schwimmender und schwer abspülbarer Stuhl mit sichtbaren Fettauflagerungen bzw. Öltröpfchen]
- Untersuchung auf klinische Folgen einer chronischen Fettmalabsorption (langandauernde gestörte Fettaufnahme)
- Haut und Schleimhäute – insbesondere Hinweise auf Mangelernährung bzw. Mikronährstoffmangel (Mangel an Vitaminen und Spurenelementen)
- Inspektion auf Hämatome (Blutergüsse) bzw. Blutungszeichen – möglicher Hinweis auf Vitamin-K-Mangel
- Muskuloskelettale Untersuchung (Untersuchung von Muskeln und Skelett) – Knochendruckschmerz und proximale Muskelschwäche (Muskelschwäche körpernaher Muskelgruppen) bei möglichem Vitamin-D-Mangel bzw. Osteomalazie (Knochenerweichung)
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – insbesondere Reflexstatus, Koordination, Gangbild, Vibrations- und Lageempfinden bei Verdacht auf einen ausgeprägten Vitamin-E-Mangel
- Ursachenorientierte körperliche Untersuchung
- Abdomen (Bauch) – Inspektion auf Narben nach Magen-, Pankreas- (Bauchspeicheldrüsen-) oder Dünndarmoperationen als Hinweis auf eine mögliche postoperative Maldigestion (Verdauungsstörung nach einer Operation) bzw. Malabsorption
- Oberbauch – Palpation (Abtasten) auf Druckschmerz bzw. Resistenz (tastbare Verhärtung) bei Verdacht auf eine pankreatische Grunderkrankung (Erkrankung der Bauchspeicheldrüse)
- Haut und Skleren (Augenweiß) – Beurteilung auf Ikterus (Gelbsucht) bei Verdacht auf Cholestase (Gallenstau) bzw. biliäre Obstruktion (Verschluss der Gallenwege) mit vermindertem intestinalem Gallensäureangebot (verminderte Gallensäuremenge im Darm)
- Abdomen – Prüfung auf Hepatomegalie (Lebervergrößerung) und Aszites (Bauchwassersucht) bei klinischem Verdacht auf eine hepatobiliäre Grunderkrankung (Erkrankung von Leber bzw. Gallenwegen)
Red Flags (Warnzeichen) bei Steatorrhö
- Ausgeprägter bzw. progredienter (fortschreitender) unbeabsichtigter Gewichtsverlust oder klinische Mangelernährung
- Neu aufgetretener Ikterus
- Palpable Resistenz (tastbare Verhärtung) im Oberbauch
- Persistierende (anhaltende) bzw. progrediente epigastrische Schmerzen (Schmerzen im Oberbauch), insbesondere mit Ausstrahlung in den Rücken
- Gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt)
- Ausgeprägte Diarrhö mit Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) bzw. Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf)
- Neu aufgetretene bzw. rasch progrediente Steatorrhö in Verbindung mit reduziertem Allgemeinzustand oder Gewichtsverlust
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.