FODMAP-Diät bei funktionellen Darmerkrankungen
FODMAP steht als Abkürzung für "fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols" und heißt übersetzt „fermentierbare (vergärbare) Oligosaccharide (kurzkettige Kohlenhydrate wie Fruktane und Galaktane), Disaccharide (Lactose/Milchzucker), Monosaccharide (Fructose/Fruchtzucker) und Polyole" (= Zuckeralkohole wie Maltit, Mannit, Sorbit, Xylit etc.). Sie sind in vielen Lebensmitteln enthalten und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.
Die genannten Kohlenhydrate bzw. Zuckeralkohole werden im Dünndarm schlecht resorbiert (Malabsorption). Sie gelangen rasch ins Kolon (Dickdarm) und werden dort von den Bakterien der Dickdarmflora zersetzt (Fermentation/Gärungsprozesse). Dabei entstehen vermehrt Gase (Methan, Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff), die zu unangenehmen Blähungen führen können [4]. Des Weiteren wirken die FODMAPs osmotisch, das heißt, sie ziehen Wasser in das Darmlumen, was wiederum Diarrhöen (Durchfällen) auslösen kann. FODMAPs werden bei allen Menschen gleich "schlecht" verdaut. Menschen mit funktionellen Darmerkrankungen wie einem Reizdarmsyndrom reagieren jedoch empfindlicher auf diese Nahrungsbestandteile, da der Reizdarm per se eine Überempfindlichkeit des Darms darstellt. Zudem geht ein Reizdarmsyndrom mit einer veränderten Darmflora sowie einer Motilitätsstörung einher.
Studien zeigen, dass Patienten mit funktionellen Darmerkrankungen von einer FODMAP-reduzierten Ernährung profitieren. So konnten Reizdarmpatienten durch die Umstellung der Ernährung eine Besserung ihrer Beschwerden wie Meteorismus (Blähungen), Diarrhoe (Durchfall) und Völlegfühl erzielen [1, 3].
Inzwischen hat sich die DGVS (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauung- und Stoffwechselkrankheiten) klar für die Low-FODMAP-Diät bei Reizdarmsyndrom ausgesprochen. Die Empfehlung wurde ebenfalls in der Aktualisierung der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom aufgenommen (IA-Empfehlung).
Die Ernährungsumstellung findet in drei Phasen statt:
- Phase 1: Für 6-8 Wochen wird auf FODMAP-reiche Lebensmittel gänzlich verzichtet, Eliminationdiät).
- Phase 2 : FODMAP-reiche Lebensmittel werden nach und nach wieder aufgenommen. So kann sich der Patient an seine individuelle Toleranzgrenze für FODMAP-Lebensmittel herantasten (= Toleranzfindung).
- Phase 3: Langzeiternährung
Folgende Lebensmittel sind reich an FODMAPs:
- Lebensmittel mit Oligosacchariden (vor allem Hülsenfrüchte)
- Fruktane – Getreide*: Gerste, Roggen, Weizen; Obst: Nektarinen, Wassermelone; Gemüse: Artischokken, Brokkoli, Erbsen, Fenchel, Knoblauch, Kohl, Lauch, Rosenkohl, Rucola, Spargel, Zwiebeln
- Galaktane: Bohnen, Kichererbsen, Linsen
- Lebensmittel mit Fructose: Obst und Honig (siehe Lebensmittelliste „Fructose“)
- Lebensmittel mit Lactose: Milch und Milchprodukte (siehe Lebensmittelliste „Lactose“)
- Lebensmittel, die Zuckeralkohole (Maltit, Mannit, Sorbit, Xylit etc.) enthalten: Sie werden häufig als Zuckeraustauschstoffe in zuckerreduzierten oder zuckerfreien Lebensmitteln eingesetzt (siehe Lebensmittelliste "Sorbit“)
- Salicylat-haltige Lebensmittel
- Obst: Orangen, Ananas, Datteln, Trauben, Aprikosen, Kirschen, Pflaumen, Mandarinen, Beeren
- Gemüse: Champignons, Tomaten, Radieschen
- Kräuter und Gewürze: Curry, Kurkuma (Curcuma longa; enthält insb. Curcumin), Paprika, Zimt, schwarzer Pfeffer, Anis, Senf, Ingwer)
*Eine langsamere Brotbereitung im traditionellen Bäckerhandwerk sorgt dafür, dass die Beschwerden verursachenden Bestandteile im Brot bis zum Backen bereits abgebaut sind [2].
Einen niedrigen Gehalt an FODMAP´s haben folgende Lebensmitteln:
- Getreide bzw. Getreideprodukte: Dinkelbrot, glutenfreie Getreideprodukte
- Milch und Milchprodukte: gereifter Käse, lactosefreie Milchprodukte, Briekäse, Feta
- Obst: Bananen, Grapefruits, Himbeeren, Honigmelonen, Kiwis, Weintrauben, Zitrusfrüchte
- Gemüse: Chinakohl, Karotten, Kopfsalat, Kürbisse, Mais, Paprika, Salatgurken, Sellerie, Tomaten, Zucchini
Begleitend zur FODMAP-reduzierten Ernährung empfiehlt sich die Gabe eines Probiotikums. In einer Studie konnte beobachtet werden, dass sich durch die geringe Aufnahme von FODMAP-haltigen Lebensmitteln der Anteil an Bifidobakterien im Darm reduziert. Bifidobakterien unterstützen ebenso wie Laktobazillen die natürliche Darmflora. Zudem wird eine Abnahme von Bifidobakterien mit einer Zunahme der Bauchschmerzen in Verbindung gebracht.
Bevor die Aufnahme FODMAP-haltiger Lebensmittel reduziert wird, sollten andere Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes (Magen-Darm-Trakt) ausgeschlossen werden. Nennenswert sind hier Lactose-, Fructose-, Sorbitintoleranz sowie Pseudoallergie.
Weitere Hinweise
- Bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmentzündung (CED) – die Hälfte der Patienten hatte ein Morbus Crohn – führte eine 4-wöchige Ernährung arm an vergärbaren Zuckern und Zuckeralkoholen, wie Fructose, Lactose oder Sorbit – den FODMAPs – in einer randomisierten Studie mit 52 CED-Patienten zu einer signifikanten Verbesserung der Beschwerden im Vergleich zu einer Scheindiät [5].
Detailliertere Informationen zur FODMAP-Diät finden Sie hier.
Literatur
- Staudacher HM et al.: A Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms in Patients With Irritable Bowel Syndrome and A Probiotic Restores Bifidobacterium Species: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterol 2017; 153: 936-947
- Ziegler JU et al.: Wheat and the irritable bowel syndrome – FODMAP levels of modern and ancient species and their retention during bread making. Journal of Functional Foods Volume 25, August 2016, Pages 257-266
- Gibson PR, Shepherd SJ: Evidence-based dietary management of functional gastrointestinal symptoms: The FODMAP approach. In: J Gastroenterol Hepatol. 25, Nr. 2, August 2010, S. 252-8
- Patsy Catsos: IBS – Free at Last with the FODMAP Elimination Diet In: Pond Cove Press
- Cox SR et al.: Effects of Low FODMAP Diet on Symptoms, Fecal Microbiome, and Markers of Inflammation in Patients With Quiescent Inflammatory Bowel Disease in a Randomized Trial. Gastroenterology 2020;158,1:176-188 https://doi.org/10.1053/j.gastro.2019.09.024
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms. (AWMF-Registernummer: 021-016), März 2021 Langfassung