Magenkrebs (Magenkarzinom) – Einleitung

Beim Magenkarzinom – umgangssprachlich Magenkrebs genannt – (Synonyme: Gastrokarzinom; Lederbeutelmagen; Magenmalignom; Siegelringzellenkarzinom des Magens; ICD-10-GM C16.-: Bösartige Neubildung des Magens) handelt es sich um eine maligne (bösartige) Neubildung der Magenschleimhaut.

Es ist die fünfthäufigste maligne (bösartige) Erkrankung weltweit.

In 90-95 % der Fälle handelt es sich dabei um sogenannte Adenokarzinome, was bedeutet, dass die Tumoren aus dem drüsenbildenden Gewebe entstehen.

Formen des Magenkarzinoms

Adenokarzinome

  • Intestinaler Typ
    • Epidemiologie: Häufiger bei älteren Patienten, häufiger in Regionen mit hohem Magenkrebsrisiko (z. B. Japan).
    • Merkmale: Häufig mit chronischer Gastritis und intestinaler Metaplasie assoziiert.
    • Wachstumsmuster: Drüsenbildend, ähnlich dem Darmkrebs.
    • Prognose: Bessere Prognose als der diffuse Typ, neigt dazu, sich lokal auszubreiten.
  • Diffuser Typ
    • Epidemiologie: Tritt häufiger bei jüngeren Patienten auf, ohne Geschlechtspräferenz.
    • Merkmale: Häufig mit genetischen Faktoren assoziiert, wie Mutationen im CDH1-Gen.
    • Wachstumsmuster: Nicht-drüsenbildend, diffus infiltrierend, häufig Siegelringzellen enthaltend.
    • Prognose: Schlechtere Prognose aufgrund der diffus-infiltrativen Natur, die eine vollständige Resektion erschwert.

Seltene Typen

  • Siegelringzellenkarzinom
    • Merkmale: Enthält charakteristische Siegelringzellen, die Mucin ansammeln und den Zellkern an den Rand drängen.
    • Verlauf: Meist aggressiv und diffus wachsend, häufig mit schlechter Prognose verbunden.
  • Adenosquamöses Karzinom
    • Merkmale: Enthält sowohl adenokarzinomatöse als auch squamöse (plattzellige) Komponenten.
    • Prognose: Selten, mit schlechterer Prognose als reine Adenokarzinome.
  • Undifferenziertes Karzinom
    • Merkmale: Fehlen einer spezifischen Differenzierung, sehr aggressiv.
    • Prognose: Sehr schlechte Prognose, da es meist spät entdeckt wird.
  • Magenlymphome
    • Merkmale: Maligne Lymphome, die den Magen befallen.
    • Prognose: Bessere Prognose als Adenokarzinome, abhängig vom Lymphomtyp und Stadium.
  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST)
    • Merkmale: Entstehen aus den Cajal-Zellen der Magenwand, können maligne sein.
    • Prognose: Variiert je nach Größe und Mitosezahl des Tumors, mit gezielten Therapien oft gute Behandlungsmöglichkeiten.

Epidemiologie 

Geschlechterverhältnis: Männer zu Frauen beträgt 2 :1.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt vorwiegend nach dem 50. Lebensjahr auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 66 Jahren und bei Frauen bei 70 Jahren.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt für Männer ca. 13 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr und für Frauen ca. 7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr (in Westeuropa). Vor allem in den Ländern Japan (70-95/100.000 Männer, 27-40/100.000 Frauen), China, Finnland, Chile, Kolumbien und Venezuela ist die Inzidenz erhöht. In Westeuropa und den USA (7,5/100.000 Männer, 3,1/100.000 Frauen) ist die Inzidenz abnehmend.

Verlauf und Prognose

Verlauf

  • Frühstadium: Je früher das Magenkarzinom entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Etwa 60 % der Betroffenen weisen bei Diagnosestellung keine endoskopisch sichtbaren Läsionen auf.
  • Fortgeschrittenes Stadium: Bei mehr als 50 % der Fälle befindet sich die Erkrankung bei Diagnosestellung bereits im fortgeschrittenen Stadium (T3 oder T4), was mit einer eher schlechten Prognose einhergeht.
  • Lymphknotenmetastasen: Ca. 70 % der Patienten haben bei Diagnosestellung bereits Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwülste in den Lymphknoten).

Prognose

  • Frühstadium: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt in der westlichen Welt bei ca. 75 %.
  • Fortgeschrittenes Stadium: Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt nur noch ca. 20-25 %.
  • Gesamtüberlebensrate: Die Fünf-Jahres-Überlebensrate in Deutschland liegt bei Frauen bei 33 %, bei Männern bei 30 %.
  • Barrett-Ösophagus: Bis zu 10 % der Patienten mit einer Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre (Ösophagus) durch Zurücklaufen (Reflux) von Mageninhalt in die Speiseröhre) entwickeln ein Barrett-Syndrom. Das Barrett-Syndrom gilt als eine Präkanzerose (Krebsvorstufe) für ein Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs), aus dem sich in ca. 10 % der Fälle ein Adenokarzinom entwickelt.

Leitlinien

  1. Patientenleitlinie: Magenkrebs; Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Mai 2013. Leitlinienprogramm Onkologie
  2. S3-Leitlinie: Magenkarzinom – Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs. (AWMF-Registernummer: 032-009OL), August 2019 Kurzfassung Langfassung