Urämie – Weitere Therapie
Allgemeine Maßnahmen
- Engmaschige internistisch-nephrologische Betreuung entsprechend dem Schweregrad der Urämie (Harnvergiftung).
- Frühzeitige stationäre Behandlung bei klinisch manifester Urämie oder rascher Verschlechterung der Nierenfunktion (Leistungsfähigkeit der Nieren).
- Strikte Vermeidung nephrotoxischer Substanzen (nierenschädigende Stoffe) (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika, jodhaltige Kontrastmittel, Aminoglykoside).
- Dosisanpassung sämtlicher Medikamente an die aktuelle Nierenfunktion.
- Beachtung der allgemeinen Hygienemaßnahmen (erhöhtes Infektionsrisiko bei Urämie und Dialysepflicht (Notwendigkeit einer Blutwäsche)).
- Beim Auftreten von Fieber:
- Bettruhe und körperliche Schonung (auch bei nur geringem Fieber; bei urämischen Patienten erhöhtes Risiko kardiovaskulärer (das Herz-Kreislauf-System betreffender) und infektiöser Komplikationen).
- Fieber unter 38.5 °C muss nicht zwingend antipyretisch (fiebersenkend) behandelt werden.
- Ausnahmen: immunsupprimierte Patienten (Patienten mit geschwächtem Immunsystem), Dialysepatienten (Patienten mit Blutwäsche), hochbetagte oder stark geschwächte Patienten.
- Bei Fieber ab 39 °C symptomatische Maßnahmen (z. B. Wadenwickel).
- Nach Entfieberung mindestens ein weiterer fieberfreier Tag körperliche Schonung.
- Nikotinrestriktion (Verzicht auf Tabakkonsum; Progressionsfaktor der chronischen Nierenkrankheit (dauerhafte Nierenerkrankung)).
- Alkoholkonsum möglichst vermeiden bzw. strikt begrenzen (potenzielle Volumen-, Blutdruck- und Stoffwechselbelastung).
- Begrenzung des Koffeinkonsums bei arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) oder Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz).
- Normalgewicht anstreben:
- Erfassung des Ernährungsstatus (Body-Mass-Index (Gewichts-Körpergrößen-Verhältnis), ggf. Körperzusammensetzung).
- Vermeidung von Mangelernährung (häufig bei fortgeschrittener Urämie).
- Vermeidung von Adipositas (starkem Übergewicht) als Progressions- und kardiovaskulärer Risikofaktor.
- Überprüfung der Dauermedikation auf nephrotoxisches Potenzial und Akkumulationsrisiken (Anreicherungsrisiken).
- Reduktion psychosozialer Belastungen:
- Chronischer Stress.
- Soziale Isolation (häufig bei Dialysepflicht).
- Vermeidung von Umweltbelastungen mit nephrotoxischem Potenzial:
- Schwermetalle.
- Lösungsmittel.
Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren
- Konservative Therapie der zugrunde liegenden chronischen Nierenkrankheit zur Verzögerung der Progression (des Fortschreitens).
- Strikte Blutdruckkontrolle.
- Behandlung urämieassoziierter Komplikationen:
- Elektrolytstörungen.
- Metabolische Azidose (Übersäuerung des Stoffwechsels).
- Renale Anämie (Blutarmut infolge der Nierenerkrankung).
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen).
- Volumenüberladung (Flüssigkeitsüberlastung).
Siehe dazu unter Pharmakotherapie.
Operative Therapie
- Operative Maßnahmen ausschließlich im Rahmen der Nierenersatztherapie (Ersatz der Nierenfunktion):
- Anlage eines Dialysezugangs (Zugang für die Blutwäsche).
- Nierentransplantation (Nierenverpflanzung).
Medizinische Hilfsmittel
- Dialysehilfsmittel bei Dialysepflicht.
- Blutdruck-Selbstmessgeräte.
- Hilfsmittel zur Flüssigkeits- und Gewichtskontrolle.
- Ggf. Kompressionsstrümpfe bei chronischer Volumenüberladung.
Impfungen
Die nachfolgenden Impfungen sind angeraten:
- COVID-19-Impfung
- Grippe-Impfung
- Hepatitis-B-Impfung
- Herpes zoster-Impfung wg. Personen ≥ 50 Jahre bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grundkrankheit (hier: Nierenerkrankung)
- Pneumokokken-Impfung
Beachte: Immunsupprimierte sollten sequentiell mit dem 13-valenten Konjugatimpfstoff PCV13 und sechs bis zwölf Monate später mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23 gegen Pneumokokken geimpft werden.
Bei der Mehrheit der Dialysepatienten ist nach einer COVID-19-Impfung die humorale Immunantwort nach Impfungen beeinträchtigt, ein Großteil aber bildet ausreichend reaktive T-Zellen [1].
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
- Regelmäßige internistisch-nephrologische Kontrolluntersuchungen.
- Regelmäßige Laborkontrollen zur Beurteilung von:
- Nierenfunktion.
- Elektrolyt- und Säure-Basen-Status.
- Anämie.
- Mineral- und Knochenstoffwechsel.
- Regelmäßige Überprüfung der Dialyseadäquanz (Wirksamkeit der Dialyse) bei Dialysepatienten.
Ernährungsmedizin
- Ernährungsberatung auf Grundlage einer strukturierten Ernährungsanalyse.
- Ernährungsempfehlungen unter Berücksichtigung der Urämie und des Dialysestatus.
- Krankheitsadaptierte Ernährung:
- Angepasste Proteinzufuhr (nicht dialysepflichtig vs. dialysepflichtig).
- Phosphatreduktion.
- Kaliumrestriktion bei Hyperkaliämie (erhöhtem Kaliumspiegel).
- Kochsalz- und Flüssigkeitsrestriktion bei Volumenüberladung.
- Auswahl geeigneter Lebensmittel auf Grundlage der Ernährungsanalyse.
- Ernährung reich an:
- Essentiellen Vitaminen (bedarfsgerecht).
- Spurenelementen.
- Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure).
Sportmedizin
- Regelmäßige körperliche Aktivität zur Erhaltung von Muskelmasse und Leistungsfähigkeit.
- Bevorzugt moderates Ausdauertraining und leichtes Krafttraining.
- Anpassung der Belastung an Urämiesymptomatik, Dialysestatus und kardiovaskuläre Begleiterkrankungen.
Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)
- Bewegungs- und Mobilisationstherapie zur Prävention urämieassoziierter Muskelatrophie (Muskelabbau).
- Atemtherapie bei Volumenüberladung oder eingeschränkter Belastbarkeit.
Psychotherapie
- Psychosoziale Unterstützung bei chronischer Erkrankung.
- Unterstützung bei depressiven Symptomen (Niedergeschlagenheit) und Anpassungsstörungen.
- Förderung der Therapieadhärenz (therapietreue).
Schulungsmaßnahmen
- Schulungen zur chronischen Nierenkrankheit.
- Dialyseschulungen.
- Ernährungs- und Flüssigkeitsschulungen.
Rehabilitation
- Nephrologische Rehabilitation zur Stabilisierung der Leistungsfähigkeit.
- Unterstützung bei sozialmedizinischer Reintegration.
Organisationen und Selbsthilfegruppen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300, E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de - Bundesverband Niere e. V.
Weberstraße 2, 55130 Mainz
Telefon: +49 6131 85152, Telefax: +49 6131 835198, E-Mail: geschaeftsstelle@bnev.de, Internet: www.bnev.de
Literatur
- Thieme CJ et al.: Impaired Humoral but Substantial Cellular Immune Response to Variants of Concern B1.1.7 and B.1.351 in Hemodialysis Patients after Vaccination with BNT162b2 JASN November 2021, 32 (11) 2725-2727; doi: https://doi.org/10.1681/ASN.2021050672