Urämie – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen zentralen Baustein in der Diagnostik der Urämie dar.

Familienanamnese

  • Bestehen in der Familie bekannte genetisch bedingte Nierenerkrankungen (z. B. autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung)?
  • Sind bei erstgradigen Verwandten chronische Nierenerkrankungen oder terminale Niereninsuffizienzen (Nierenversagen im Endstadium) bekannt?
  • Gibt es familiäre Stoffwechselerkrankungen mit relevanter Nierenbeteiligung (z. B. hereditäre Tubulopathien)?
  • Gibt es in der Familie eine Häufung von früher Dialysepflicht (z. B. Dialysebeginn vor dem 60. Lebensjahr)?
  • Sind systemische Erkrankungen mit Nierenbeteiligung in der Familie bekannt (z. B. Amyloidose, Vaskulitiden)?

Sozialanamnese inkl. Suchtanamnese

  • Beruf:
    • Welchen Beruf üben Sie aus?
    • Besteht oder bestand eine berufliche Exposition gegenüber nierentoxischen Substanzen (z. B. Schwermetalle, Lösungsmittel)?
    • Falls ja: Dauer, Intensität und verwendete Schutzmaßnahmen?
  • Liegen psychosoziale Belastungen vor, die die Krankheitsbewältigung oder Therapieumsetzbarkeit beeinflussen könnten?
  • Bestehen Einschränkungen im Alltag durch die Erkrankung (z. B. reduzierte Leistungsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit)?
  • Rauchen Sie? Wenn ja: Art (Zigaretten, Zigarren, Pfeife) und Menge pro Tag.
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja: Art der Getränke und durchschnittliche Menge.
  • Nehmen Sie illegale Drogen (z. B. Kokain, Amphetamine)? Wenn ja: Substanz und Häufigkeit.

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Leiden Sie unter allgemeiner Müdigkeit oder ausgeprägter Leistungsminderung?
  • Bestehen Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit?
  • Treten Geschmacksveränderungen oder ein unangenehmer Mundgeruch (Foetor uraemicus) auf?
  • Treten Juckreiz der Haut oder Hautveränderungen auf?
  • Bestehen Atemnot* oder eine verminderte Belastbarkeit?
  • Wurden Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit oder Wesensveränderungen bemerkt?*
  • Wurde eine Abnahme der Urinmenge oder eine Veränderung der Urinfarbe festgestellt?
  • Liegen Muskelkrämpfe, Missempfindungen oder Kälteintoleranz vor?
  • Bestehen Zeichen einer Blutungsneigung (z. B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Hämatome, verlängerte Blutungen)?
  • Haben Sie Schmerzen? Falls ja:
    • Seit wann bestehen die Schmerzen?
    • Wo sind die Schmerzen lokalisiert?
    • Wie werden die Schmerzen beschrieben?
    • Haben sich Intensität oder Häufigkeit verändert?
  • Welche weiteren Symptome wurden bemerkt?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese (urämiespezifisch)

  • Kam es in letzter Zeit zu ungewolltem Gewichtsverlust? Bitte geben Sie aktuelles Körpergewicht (kg) und Körpergröße (cm) an.
  • Wie hoch ist Ihre durchschnittliche tägliche Trinkmenge?
  • Gab es kürzlich Phasen mit verminderter Flüssigkeitszufuhr, Durchfällen oder Erbrechen?
  • Wie würden Sie Ihre Eiweißzufuhr einschätzen (z. B. proteinreiche Ernährung, Eiweißshakes, eiweißreduzierte Kost)?
  • Werden häufig phosphatreiche Lebensmittel konsumiert (z. B. Cola-Getränke, Schmelzkäse, stark verarbeitete Fertigprodukte)?
  • Bestehen Einschränkungen des Appetits oder frühzeitige Sättigung?

Eigenanamnese

  • Vorerkrankungen (z. B. chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Diabetes mellitus, Hypertonie (Bluthochdruck))
  • Bekannte Nierenerkrankungen (z. B. Glomerulonephritis, Pyelonephritis, interstitielle Nephritis, Nephrolithiasis, obstruktive Uropathie)
  • Bestehen Autoimmun- oder Systemerkrankungen mit möglicher Nierenbeteiligung (z. B. Vaskulitiden, systemischer Lupus erythematodes)?
  • Operationen (z. B. urologische Eingriffe, Gefäßoperationen)
  • Frühere oder laufende Dialysebehandlung
  • Gab es kürzlich auslösende Ereignisse mit möglicher Verschlechterung der Nierenfunktion (z. B. Infekt, Fieber, Dehydratation, Kontrastmittelgabe)?
  • Bestehen Hinweise auf Harnabflussstörungen (z. B. Flankenschmerz, abgeschwächter Harnstrahl, Restharngefühl)?

Medikamentenanamnese

  • Werden regelmäßig Medikamente eingenommen (z. B. Antihypertensiva, Diuretika (entwässernde Medikamente), Analgetika (Schmerzmittel))?
  • Werden ACE-Hemmer oder AT1-Blocker eingenommen?
  • Werden blutzuckersenkende Medikamente eingenommen (z. B. Metformin)?
  • Wurden potentiell nierentoxische Medikamente eingenommen (z. B. NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac), bestimmte Antibiotika)?
  • Gab es in letzter Zeit Änderungen der Medikation oder Dosierung?
  • Werden pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte Detox-Produkte eingenommen?

* Falls diese Frage mit „Ja“ beantwortet worden ist, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich!

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.