Urämie – Klassifikation

Die Urämie (Harnvergiftung) bezeichnet das klinische Syndrom fortgeschrittener oder terminaler Niereninsuffizienz (schwere Nierenschwäche) mit systemischer Akkumulation urämischer Toxine (harnpflichtige Giftstoffe). Die Klassifikation erfolgt primär klinisch-funktionell und orientiert sich an Nierenfunktion (Leistungsfähigkeit der Niere), Symptomatik (Beschwerdebild) und Dialysebedürftigkeit (Notwendigkeit einer Blutwäsche).

Klinisch-funktionelle Klassifikation der Urämie

Stadium eGFR
(ml/min pro 1,73 m²)
Bezeichnung Klinische Charakteristika
U0 > 30 Keine Urämie
  • Keine urämischen Symptome
  • Evtl. laborchemische Retentionsparameter ohne Klinik
U1 15-30 Latente (kompensierte) Urämie
  • Milde Retention harnpflichtiger Substanzen
  • Unspezifische Symptome (Leistungsabfall, Müdigkeit)
  • Meist noch keine Dialyseindikation
U2 10-14 Manifeste Urämie
  • Deutliche urämische Symptomatik
  • Gastrointestinale, neurologische, metabolische Störungen
  • Dialysevorbereitung erforderlich
U3 < 10 Schwere Urämie
  • Ausgeprägte Multisystembeteiligung
  • Urämische Enzephalopathie (Hirnfunktionsstörung), Perikarditis (Herzbeutelentzündung), Azidose (Blutübersäuerung)
  • Absolute Dialyseindikation
U4 Dialysepflichtig Terminale Urämie
  • Lebensbedrohliches Krankheitsbild
  • Dialyse- oder Transplantationsabhängigkeit

Zuordnung der Urämie zur CKD-Stadieneinteilung (KDIGO)

CKD-Stadium eGFR
(ml/min pro 1,73 m²)
Urämischer Status
CKD G1-G3a > 45 Keine Urämie
CKD G3b 30-44 Evtl. beginnende Retention, keine Urämie
CKD G4 15-29 Latente bis manifeste Urämie möglich
CKD G5 < 15 Urämie definitionsgemäß vorhanden

Prognostische Einordnung der Urämie

Urämie-Stadium Risiko für Komplikationen Prognostische Bedeutung
U0-U1 Niedrig bis mäßig Konservativ gut beherrschbar
U2 Hoch Progrediente Systemerkrankung
U3 Sehr hoch Akut lebensbedrohlich
U4 Extrem hoch Überleben nur mit Nierenersatzverfahren (Ersatz der Nierenfunktion)

Hinweis: Die Dialyseindikation richtet sich nicht allein nach der eGFR, sondern nach der Gesamtheit aus klinischer Symptomatik, metabolischen Entgleisungen (Stoffwechselstörungen), Volumenstatus (Flüssigkeitshaushalt) und Komplikationen.

Leitlinien

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2012 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int Suppl. 2013;3(1):1-150. https://doi.org/10.1038/kisup.2012.73