Urämie – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Nierensonographie (Ultraschalluntersuchung der Nieren) – obligate Basisuntersuchung bei Urämie (Harnvergiftung) zur Differenzierung zwischen akuter und chronischer Nierenschädigung (plötzliche bzw. langandauernde Nierenerkrankung) sowie zum Ausschluss postrenaler Abflussstörungen (Harnabflussstörungen nach der Niere); Beurteilung von Nierengröße, Parenchymdicke, Formveränderungen und Hydronephrose (Nierenstauung).

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Duplexsonographie der Nieren (Gefäßultraschall der Nieren) – indiziert bei klinischem Verdacht auf vaskuläre Ursachen der Niereninsuffizienz (Durchblutungsstörungen der Niere), insbesondere bei therapieresistenter arterieller Hypertonie (schwer einstellbarer Bluthochdruck), asymmetrischer Nierengröße (unterschiedlich große Nieren), rasch progredienter Nierenfunktionsverschlechterung oder rezidivierenden Flash-Lungenödemen (plötzlich auftretende Lungenwassereinlagerungen); Ziel ist der Nachweis oder Ausschluss einer Nierenarterienstenose (Verengung der Nierenarterie)
  • Magnetresonanzangiographie (MRA; Gefäßdarstellung mittels Kernspintomographie) oder CT-Angiographie (CTA; Gefäßdarstellung mittels Computertomographie) – nur bei hohem klinischem Verdacht auf relevante Nierenarterienstenose (bedeutsame Verengung der Nierenarterie) oder komplexe vaskuläre Pathologien (komplizierte Gefäßerkrankungen) und wenn das Untersuchungsergebnis therapeutische Konsequenzen erwarten lässt; bei CKD-Stadium 4 und 5 (fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung) strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich. Aktuelle kontrollierte Studien zeigen, dass eine akute Verschlechterung der Nierenfunktion nach intravenöser Kontrastmittelgabe (Gabe eines Kontrastmittels über die Vene) häufig nicht kausal auf das Kontrastmittel selbst zurückzuführen ist, sondern vielmehr durch die Grunderkrankung, hämodynamische Faktoren (Kreislaufveränderungen) oder den zugrunde liegenden Eingriff bedingt ist [2-8].
  • Nierenbiopsie (Gewebeentnahme aus der Niere) – indiziert bei unklarer Ätiologie der Niereninsuffizienz (unklarer Ursache der Nierenschwäche), insbesondere bei rascher Progression (schneller Verschlechterung), aktiver Urinsedimentkonstellation (auffällige Bestandteile im Urin) oder Verdacht auf potenziell reversible glomeruläre oder tubulointerstitielle Erkrankungen (bestimmte, möglicherweise behandelbare Nierenerkrankungen); nicht sinnvoll bei terminaler Schrumpfniere (endstadiumbedingte stark verkleinerte Niere) ohne therapeutische Konsequenz

In der Regel nicht indiziert bei Urämie

  • Nierenszintigraphie (nuklearmedizinische Funktionsuntersuchung der Nieren) – kein Routineverfahren bei Urämie; sinnvoll nur in ausgewählten Fragestellungen zur seitengetrennten Funktionsbeurteilung oder bei speziellen urologisch-nephrologischen Konstellationen
  • Miktionszystourethrographie (röntgenologische Blasen- und Harnröhrenuntersuchung beim Wasserlassen) – im Erwachsenenalter bei Urämie in der Regel nicht indiziert; nur bei gezieltem Verdacht auf vesikoureteralen Reflux (Rückfluss von Urin aus der Blase in die Nieren), meist im Kontext pädiatrischer oder junger Patienten mit entsprechender Anamnese

Kontrastmittelgabe und Nierenschäden

  • Umfangreiche kontrollierte Studien und Metaanalysen konnten zeigen, dass die Häufigkeit akuter Nierenfunktionsverschlechterungen nach intravenöser Gabe iodhaltiger oder gadoliniumhaltiger Kontrastmittel (röntgen- bzw. kernspintomographische Kontrastmittel) nicht signifikant höher ist als bei vergleichbaren Patientenkollektiven ohne Kontrastmittelgabe [2-8].
  • Die früher als „Kontrastmittel-induzierte Nephropathie“ (durch Kontrastmittel verursachte Nierenschädigung) bezeichnete Entität wird heute zunehmend als „kontrastassoziierte akute Nierenschädigung“ (im zeitlichen Zusammenhang auftretende Nierenschädigung) interpretiert, wobei Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), hämodynamische Instabilität (Kreislaufinstabilität), entzündliche Prozesse und die Grunderkrankung die entscheidenden Risikofaktoren darstellen [4-8].
  • Bei Risikopatienten (eingeschränkte Nierenfunktion, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)) werden dennoch nephroprotektive Maßnahmen (nierenschützende Maßnahmen) empfohlen: Verwendung möglichst geringer Kontrastmittelvolumina, Vermeidung nephrotoxischer Medikamente (nierenschädigende Medikamente; z. B. nicht-steroidale Entzündungshemmer), sowie Pausieren von Metformin (Blutzuckermedikament) mindestens 24 Stunden vor iodhaltiger Kontrastmittelgabe.

Weitere Hinweise

  • Die Urämie ist primär eine klinisch-laborchemische Diagnose. Die Medizingerätediagnostik dient nicht der Bestätigung der Urämie selbst, sondern der ätiologischen Einordnung (Ursachenabklärung), der Therapieplanung und der Prognoseabschätzung (Einschätzung des Krankheitsverlaufs).
  • Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (schwerer Nierenschwäche) und Urämie weisen ein ausgeprägtes kardiovaskuläres Hochrisiko (erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen) auf; eine eingeschränkte Nierenfunktion ist insbesondere bei älteren Patienten nach Myokardinfarkt (Herzinfarkt) unabhängig mit ungünstigeren Outcomes (schlechteren Krankheitsverläufen) assoziiert [1].

Literatur

  1. Shlipak MG, Heidenreich PA, Noguchi H, Chertow GM, Browner WS, McClellan MB. Association of renal insufficiency with treatment and outcomes after myocardial infarction in elderly patients. Ann Intern Med. 2002;137(7):555-562. https://doi.org/10.7326/0003-4819-137-7-200210010-00007
  2. Newhouse JH, Kho D, Rao QA, Starren J. Frequency of serum creatinine changes in the absence of iodinated contrast material: implications for studies of contrast nephrotoxicity. AJR Am J Roentgenol. 2008;191(2):376-382. https://doi.org/10.2214/AJR.07.3280
  3. Cely CM, Schein RMH, Quartin AA. Risk of contrast-induced nephropathy in the critically ill: a prospective, case-matched study. Crit Care. 2012;16(2):R67. https://doi.org/10.1186/cc11317
  4. Baumgarten DA, Ellis JH. Contrast-induced nephropathy: contrast material not required? AJR Am J Roentgenol. 2008;191(2):383-386. https://doi.org/10.2214/AJR.08.1310
  5. Katzberg RW, Newhouse JH. Intravenous contrast medium-induced nephrotoxicity: is the medical risk really as great as we have come to believe? Radiology. 2010;256(1):21-28. https://doi.org/10.1148/radiol.10092000
  6. Davenport MS, Cohan RH, Ellis JH. Contrast media controversies in 2015: imaging patients with renal impairment or risk of contrast reaction. AJR Am J Roentgenol. 2015;204(6):1174-1181. https://doi.org/10.2214/AJR.14.14259
  7. Thomsen HS, Stacul F. Contrast-induced nephropathy: can we forget it? Acta Radiol. 2014;55(9):1027-1030. https://doi.org/10.1177/0284185114545153
  8. McDonald JS, McDonald RJ, Carter RE, et al. Risk of intravenous contrast material–mediated acute kidney injury: a propensity score–matched study stratified by baseline-estimated glomerular filtration rate. Radiology Jan 16, 2014 https://doi.org/10.1148/radiol.13130775