Lichen sclerosus der Vulva – Weitere Therapie

Beachte: Eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente, leitliniengerechte Therapie sind entscheidend, um Beschwerden, Vernarbungen, funktionelle Beeinträchtigungen und das Risiko einer malignen Transformation (bösartigen Entartung) zu reduzieren [LL1].

Allgemeine Maßnahmen

  • Reinigung und Pflege des Intimbereichs
    • Seifen, Duschgele, Intimsprays, Duftstoffe und andere potenziell irritierende Produkte im Genitalbereich vermeiden.
    • Zur schonenden Reinigung lauwarmes Wasser oder bei Bedarf eine milde, parfümfreie Waschsubstanz verwenden.
    • Die Haut vorsichtig trocken tupfen und Reiben vermeiden.
    • Lebenslang mindestens zweimal täglich eine fetthaltige, parfümfreie Salbe oder ein geeignetes Emolliens (rückfettendes Hautpflegemittel) auftragen; Emollientien ergänzen die antientzündliche Therapie, ersetzen sie jedoch nicht [LL1].
    • Vor dem Baden in chloriertem Wasser oder vor mechanisch belastenden Aktivitäten kann eine fetthaltige Schutzsalbe aufgetragen werden.
  • Sorgfältige Hygiene nach dem Toilettenbesuch
    • Nach Miktion (Wasserlassen) oder Defäkation (Stuhlentleerung) den Genitalbereich bei Bedarf vorsichtig mit Wasser reinigen.
    • Weiches, unparfümiertes Toilettenpapier verwenden und die Haut nur abtupfen.
    • Feuchte Toilettentücher wegen möglicher Duft-, Konservierungs- und Kontaktallergene vermeiden.
    • Bei urinbedingter Reizung kann vor der Miktion eine Barriere- beziehungsweise Fettsalbe aufgetragen werden.
  • Lokale Irritationen und mechanische Belastungen vermeiden
    • Raue Papiertücher, harte Handtücher und kräftiges Reiben
    • Intimsprays, Deodorants, parfümierte Pflegeprodukte und Desinfektionsmittel
    • Enge oder scheuernde Kleidung
    • Längeres Fahrradfahren oder Reiten bei hierdurch ausgelösten Beschwerden; gegebenenfalls Sitzposition, Sattel und Dauer der Belastung anpassen
    • Kratzen; bei Kindern auf kurz geschnittene Fingernägel achten
  • Locker sitzende, atmungsaktive Unterwäsche aus individuell gut verträglichem Material, beispielsweise Baumwolle oder Seide, tragen.
  • Bei sportlicher oder beruflicher Belastung mit erhöhter Reibung kann eine fetthaltige, parfümfreie Schutzsalbe verwendet werden.
  • Obstipation (Verstopfung) behandeln und starkes Pressen vermeiden, insbesondere bei perianaler Beteiligung (Beteiligung des Bereichs um den After).
  • Sexualität
    • Geschlechtsverkehr ist bei Beschwerdefreiheit möglich, sollte jedoch nicht gegen Schmerzen fortgesetzt werden.
    • Bei Trockenheit oder Reibungsbeschwerden ein gut verträgliches, parfümfreies Gleitmittel verwenden.
    • Bei Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Introitusstenose (Verengung des Scheideneingangs) oder ausgeprägter Berührungsangst können Sexualberatung, Sexualtherapie und spezialisierte Physiotherapie sinnvoll sein [LL1].
  • Patientenschulung und Selbstkontrolle
    • Aufklärung über den chronischen Verlauf, die korrekte Anwendung der Lokaltherapie und die Bedeutung der Langzeitbehandlung
    • Regelmäßige Selbstinspektion der Vulva (äußerer weiblicher Genitalbereich), gegebenenfalls mithilfe eines Handspiegels
    • Dokumentation klinischer Veränderungen durch standardisierte Fotografien nach ärztlicher Anleitung
    • Frühzeitige ärztliche Abklärung neu aufgetretener, persistierender oder sich verändernder Läsionen (krankhafter Gewebeveränderungen) [LL1]

Konventionelle nichtoperative Therapieverfahren

  • Beckenbodenphysiotherapie
    • Bei sekundärer Beckenbodenhypertonie (erhöhter Muskelspannung des Beckenbodens), Dyspareunie, schmerzbedingter muskulärer Abwehrspannung oder Funktionsstörungen kann eine spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie eingesetzt werden.
    • Die Behandlung kann Wahrnehmungsschulung, Entspannung, manuelle Techniken und ein individuell angepasstes Übungsprogramm umfassen.
    • Eine aktive entzündliche oder erosive Erkrankung soll zuvor ausreichend behandelt werden.
  • Vaginaldilatatoren (Dehnkörper zur Erweiterung der Scheide beziehungsweise des Scheideneingangs)
    • Bei Introitusverengung, Dyspareunie oder nach operativer Korrektur können graduierte Vaginaldilatatoren unter fachkundiger Anleitung eingesetzt werden.
    • Die Anwendung erfolgt schonend, mit Gleitmittel und nur bei ausreichend kontrollierter Entzündung; schmerzhafte oder traumatisierende Anwendungen sind zu vermeiden [LL1].
  • Psychologische und sexualmedizinische Begleitung
    • Bei erheblicher Einschränkung der Lebensqualität, Angst, depressiver Symptomatik, Scham, Partnerschaftskonflikten oder sexueller Funktionsstörung kann eine psychotherapeutische beziehungsweise sexualmedizinische Mitbehandlung angezeigt sein [LL1].
  • Fraktionierte ablative CO2-Lasertherapie (Laserbehandlung mit punktueller Abtragung von Gewebe)
    • Bei Frauen mit genitalem Lichen sclerosus (chronisch-entzündlicher Hauterkrankung des Genitalbereichs) kann eine Behandlung mit einem fraktionierten ablativen CO2-Laser erwogen werden [LL1].
    • Die Lasertherapie kann bei einzelnen Patientinnen Beschwerden und bestimmte klinische Befunde verbessern; die Studienergebnisse sind jedoch heterogen und erlauben keine abschließende Beurteilung der langfristigen Krankheitskontrolle und Karzinomprävention (Vorbeugung einer Krebserkrankung) [1, 2].
    • In einer randomisierten, doppelblinden, shamkontrollierten Studie war die fraktionierte CO2-Lasertherapie als Monotherapie hinsichtlich des primären histopathologischen Endpunkts (feingeweblichen Hauptbewertungskriteriums) nicht wirksamer als die Scheinbehandlung [2].
    • Die fraktionierte ablative CO2-Lasertherapie ist keine Erstlinientherapie (zuerst empfohlene Behandlung) und darf die leitliniengerechte antientzündliche Behandlung mit potenten beziehungsweise ultrapotenten topischen Glukokortikoiden (stark beziehungsweise sehr stark wirksamen Kortisonpräparaten zur äußerlichen Anwendung) nicht ersetzen [1, 2, LL1].
    • Vor der Lasertherapie sollen Krankheitsaktivität, bisherige Standardtherapie und deren korrekte Anwendung fachärztlich beurteilt werden. Bei klinischem Verdacht auf eine intraepitheliale Neoplasie (Krebsvorstufe innerhalb des Oberflächengewebes) oder ein Vulvakarzinom (Krebs der Vulva) ist vor einer Laserbehandlung eine histologische Abklärung (feingewebliche Untersuchung) erforderlich [LL1].
    • Die Indikationsstellung soll nach Aufklärung über die begrenzte Evidenz, mögliche Nebenwirkungen, Kosten und weiterhin erforderliche Langzeitkontrollen erfolgen [1, LL1].
  • Für plättchenreiches Plasma, Stammzellpräparate, photodynamische Therapie (Behandlung mit lichtaktivierbaren Substanzen), Radiofrequenztherapie (Behandlung mit hochfrequenten elektromagnetischen Wellen) und andere regenerative beziehungsweise energiebasierte Verfahren besteht derzeit keine ausreichende Evidenz für eine routinemäßige Anwendung beim Lichen sclerosus vulvae (Lichen sclerosus der Vulva) [LL1].

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Nach Einleitung oder Änderung der Therapie soll eine zeitnahe Verlaufskontrolle erfolgen, um Ansprechen, korrekte Anwendung und Verträglichkeit zu beurteilen.
  • Bei stabiler Erkrankung sind lebenslange fachärztliche Kontrollen in der Regel alle 6-12 Monate angezeigt; bei aktiver Erkrankung, unzureichendem Therapieansprechen, früheren Neoplasien (Gewebeneubildungen) oder diagnostischer Unsicherheit sind kürzere Intervalle erforderlich [LL1].
  • Bei den Kontrollen sollen Krankheitsaktivität, Vernarbung, Funktionsbeeinträchtigungen, Therapietreue und mögliche Nebenwirkungen beurteilt werden.
  • Neu aufgetretene oder persistierende Erosionen (oberflächliche Gewebedefekte), Ulzerationen (Geschwüre), Hyperkeratosen (verstärkte Verhornungen), Verhärtungen, Knoten, Blutungen oder nicht heilende Wunden müssen kurzfristig ärztlich untersucht und gegebenenfalls biopsiert (durch Entnahme einer Gewebeprobe untersucht) werden [LL1].
  • Die Patientin soll über das erhöhte Risiko eines vulvären Plattenepithelkarzinoms (bösartigen Tumors der Vulva aus Deckzellen) und die Bedeutung der regelmäßigen Selbstkontrolle informiert werden [LL1].

Physikalische Therapie einschließlich Physiotherapie

  • UVA1-Phototherapie (Lichtbehandlung mit langwelligem ultraviolettem Licht)
    • Die UVA1-Phototherapie führte in einer randomisierten Vergleichsstudie bei Frauen mit vulvärem Lichen sclerosus zu einer klinischen Besserung, war einer hochpotenten topischen Glukokortikoidtherapie hinsichtlich Prurituslinderung (Linderung des Juckreizes), Verbesserung der Lebensqualität und Praktikabilität jedoch unterlegen [3].
    • Sie ist beim Lichen sclerosus vulvae keine Erstlinientherapie und ersetzt nicht die leitliniengerechte topische Glukokortikoidtherapie [3, LL1].
    • Bei ausgewählten Patientinnen mit therapierefraktärem (auf Behandlung nicht ausreichend ansprechendem) genitalem Lichen sclerosus kann eine UVA1-Phototherapie nach fachärztlicher Beurteilung als nachrangige Therapieoption erwogen werden [3, LL1].
    • Bei extragenitalem Lichen sclerosus (Lichen sclerosus außerhalb des Genitalbereichs) besitzt die UV-Phototherapie als Ergänzung zur topischen Therapie einen höheren leitlinienbezogenen Stellenwert; diese Empfehlung ist nicht ohne Weiteres auf den genitalen Lichen sclerosus übertragbar [LL1].
  • Beckenbodenphysiotherapie – bei muskulärer Schutzspannung, Dyspareunie oder sekundären Funktionsstörungen als Ergänzung zur konsequenten antientzündlichen Therapie.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

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Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. Wei D, Meng J, Li Q et al.: Efficacy and Safety of Laser Treatment in Vulvar Lichen Sclerosus: A Systematic Review. Lasers Surg Med 2025;57(10):760-770. doi: 10.1002/lsm.70062
  2. Mitchell L, Goldstein AT, Heller D et al.: Fractionated Carbon Dioxide Laser for the Treatment of Vulvar Lichen Sclerosus: A Randomized Controlled Trial. Obstet Gynecol 2021;137(6):979-987. doi: 10.1097/AOG.0000000000004409
  3. Terras S, Gambichler T, Moritz R et al.: UV-A1 Phototherapy vs Clobetasol Propionate, 0.05%, in the Treatment of Vulvar Lichen Sclerosus: A Randomized Clinical Trial. JAMA Dermatol 2014;150(6):621-627. doi: 10.1001/jamadermatol.2013.7733

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Lichen sclerosus. (AWMF-Registernummer: 013-105), Version 1.0, Stand: 16.06.2025 Langfassung