Lichen sclerosus der Vulva – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Linderung von Juckreiz, Brennen und Schmerzen
- Abheilung von Fissuren (Hauteinrissen) und Erosionen (oberflächlichen Hautdefekten) sowie Rückbildung von Hyperkeratosen (verstärkten Verhornungen) und entzündlicher Krankheitsaktivität
- Verhinderung beziehungsweise Begrenzung von Vernarbungen, Adhäsionen (Verwachsungen), Introitusstenose (Verengung des Scheideneingangs) und Verlust der Vulvaarchitektur (normalen Form und Anordnung der Vulva)
- Erhaltung der sexuellen und urogenitalen Funktion
- Langfristige Kontrolle der entzündlichen Krankheitsaktivität mit dem Ziel, das Risiko weiterer struktureller Schäden und einer malignen Transformation (bösartigen Entartung) zu verringern [1, LL1, LL2]
Therapieempfehlungen
- Jeder genitale Lichen sclerosus (chronisch-entzündliche Hauterkrankung des Genitalbereichs) soll behandelt werden – unabhängig davon, ob aktuell Beschwerden bestehen [LL1, LL2].
- Topische Glucocorticosteroide (Kortisonpräparate zur äußerlichen Anwendung) der Klasse III oder IV sind die Therapie der ersten Wahl [1, 3, LL1, LL2].
- Bevorzugte Wirkstoffe sind Clobetasolpropionat 0,05 % und Mometasonfuroat 0,1 %.
- Salben werden meist bevorzugt, da sie gewöhnlich weniger brennen, weniger potenzielle Kontaktallergene enthalten und einen zusätzlichen Barriereschutz bieten [LL1, LL2].
- Nach Kontrolle des akuten Schubs ist wegen des chronisch-rezidivierenden Verlaufs (langfristiger Verlauf mit wiederkehrenden Krankheitsschüben) in der Regel eine individuell angepasste Langzeit- beziehungsweise Erhaltungstherapie erforderlich [1, 3, LL1, LL2].
- Topische Calcineurininhibitoren (entzündungshemmende Arzneimittel zur äußerlichen Anwendung) können bei Kontraindikation, Unverträglichkeit oder unzureichender Wirksamkeit topischer Glucocorticosteroide als Zweitlinientherapie oder ergänzende topische Therapie eingesetzt werden – Off-Label-Use [1, 3, LL1, LL2].
- Eine systemische Therapie (Behandlung mit Wirkung im gesamten Körper) bleibt seltenen, schweren und trotz überprüfter leitliniengerechter Lokaltherapie therapierefraktären Verläufen (auf Behandlung nicht ausreichend ansprechenden Verläufen) vorbehalten. Wegen der insgesamt geringen Evidenz soll sie in einem erfahrenen interdisziplinären Zentrum erfolgen [2, LL1, LL2].
Topische Glucocorticosteroide
Initialtherapie bei erwachsenen Frauen
| Wirkstoffe | Besonderheiten |
|---|---|
| Clobetasolpropionat 0,05 % Salbe | Topisches Glucocorticosteroid hoher Wirkstärke; bevorzugter Wirkstoff der Initialtherapie. Applikationsfrequenz nach Krankheitsaktivität und klinischem Ansprechen reduzieren [1, 3, LL1, LL2]. |
| Mometasonfuroat 0,1 % Salbe | Topisches Glucocorticosteroid; Alternative zu Clobetasolpropionat und insbesondere bei Bedarf einer etwas geringeren Wirkstärke geeignet [1, 3, LL1, LL2]. |
Clobetasolpropionat 0,05 %
- Wirkweise: Bindung an intrazelluläre Glucocorticoidrezeptoren mit ausgeprägter antiinflammatorischer (entzündungshemmender), antipruritischer (juckreizlindernder) und immunsuppressiver (die Immunreaktion unterdrückender) Wirkung.
- Indikationen: Therapie der ersten Wahl bei aktivem vulvärem Lichen sclerosus (Lichen sclerosus der Vulva); Initialtherapie sowie individuell angepasste Erhaltungstherapie [1, 3, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation; bei persistierender Hyperkeratose, Erosion, Ulzeration (Geschwürbildung) oder Neoplasieverdacht (Verdacht auf eine Gewebeneubildung) ist vor Fortführung beziehungsweise Eskalation der Therapie eine histologische Abklärung (feingewebliche Untersuchung) erforderlich [LL1, LL2].
- Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen oder lokale Reizung; bei langfristiger nicht bestimmungsgemäßer Anwendung selten Hautatrophie (Verdünnung der Haut), Hypopigmentierung (verminderte Hautfärbung), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße) und sekundäre Infektionen [1, 3, LL1, LL2].
Mometasonfuroat 0,1 %
- Wirkweise: Bindung an intrazelluläre Glucocorticoidrezeptoren mit antiinflammatorischer, antipruritischer und immunsuppressiver Wirkung.
- Indikationen: Therapie der ersten Wahl bei aktivem vulvärem Lichen sclerosus; Initialtherapie und individuell angepasste Erhaltungstherapie [1, 3, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation; bei persistierender Hyperkeratose, Erosion, Ulzeration oder Neoplasieverdacht ist vor Fortführung beziehungsweise Eskalation der Therapie eine histologische Abklärung erforderlich [LL1, LL2].
- Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen oder lokale Reizung; bei langfristiger nicht bestimmungsgemäßer Anwendung selten Hautatrophie, Hypopigmentierung, Teleangiektasien und sekundäre Infektionen [1, 3, LL1, LL2].
- Für den vulvären Lichen sclerosus besteht kein allgemeingültiges Standarddosierungsschema. Wirkstoff, Therapiedauer und Applikationsfrequenz sollen an Krankheitsaktivität, Ausdehnung, Alter, klinisches Ansprechen und Verträglichkeit angepasst werden [LL1, LL2].
- Eine halbe bis eine ganze Fingertip-Einheit entspricht ungefähr 0,25-0,5 g Salbe und reicht abhängig von der Ausdehnung gewöhnlich zur Behandlung der betroffenen Vulvaareale aus [LL1, LL2].
- Nach dreimonatiger Behandlung mit Clobetasolpropionat 0,05 % erreichen etwa 60-70 % der Patientinnen eine vollständige Remission (vollständigen Rückgang) der Symptome. Bereits eingetretene strukturelle Veränderungen bilden sich trotz erfolgreicher Entzündungskontrolle häufig nicht vollständig zurück [1, LL1, LL2].
Erhaltungstherapie
| Wirkstoffe | Besonderheiten |
|---|---|
| Clobetasolpropionat 0,05 % | Anschließend erneute Reduktion auf die niedrigste wirksame Applikationsfrequenz [1, 3, LL1, LL2]. |
| Mometasonfuroat 0,1 % | Langfristige, individuell angepasste Erhaltungstherapie [1, 3, LL1, LL2]. |
| Triamcinolon, topisch | Weniger potente Alternative bei leichteren Schüben oder zur Erhaltung [LL1, LL2]. |
| Prednicarbat, topisch | Weniger potente Alternative bei leichteren Schüben oder zur Erhaltung [LL1, LL2]. |
Triamcinolon, topisch
- Wirkweise: Topisches Glucocorticosteroid mit antiinflammatorischer, antipruritischer und immunsuppressiver Wirkung.
- Indikationen: Leichtere Schübe beziehungsweise Erhaltungstherapie bei ausgewählten Patientinnen [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Lokale Reizung; bei langfristiger nicht bestimmungsgemäßer Anwendung insbesondere Hautatrophie, Hypopigmentierung, Teleangiektasien und sekundäre Infektionen.
Prednicarbat
- Wirkweise: Topisches Glucocorticosteroid mit antiinflammatorischer, antipruritischer und immunsuppressiver Wirkung.
- Indikationen: Leichtere Schübe beziehungsweise Erhaltungstherapie bei ausgewählten Patientinnen [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Lokale Reizung; bei langfristiger nicht bestimmungsgemäßer Anwendung insbesondere Hautatrophie, Hypopigmentierung, Teleangiektasien und sekundäre Infektionen.
- Eine korrekt durchgeführte und ärztlich kontrollierte Langzeittherapie mit topischen Glucocorticosteroiden ist in der Regel gut verträglich. Klinisch relevante steroidbedingte Nebenwirkungen werden bei bestimmungsgemäßer Anwendung selten beobachtet [1, 3, LL1, LL2].
- Eine vollständige, dauerhafte Remission ohne Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) ist selten. Die Beendigung der Therapie allein wegen Beschwerdefreiheit ist daher nicht grundsätzlich angezeigt [LL1, LL2].
Anwendungshinweise
- Die Salbe gezielt auf sämtliche aktuell oder ursprünglich vom Lichen sclerosus betroffenen Areale auftragen.
- Eine kontinuierliche Anwendung auf nicht betroffener gesunder Haut vermeiden.
- Bei unzureichendem Ansprechen zunächst überprüfen:
- Richtigkeit der Diagnose;
- Adhärenz (Therapietreue) und Anwendungstechnik;
- ausreichende Wirkstoffmenge und Therapiedauer;
- zusätzliche Kontaktdermatitis (durch Kontakt ausgelöste Hautentzündung) oder Infektion;
- persistierende Hyperkeratose, Erosion, Ulzeration oder Neoplasieverdacht.
- Bei fehlendem Ansprechen trotz korrekter Behandlung sowie bei persistierender Hyperkeratose, Erosion, Ulzeration oder neu aufgetretenem Knoten ist vor einer Therapieeskalation eine histologische Abklärung erforderlich [LL1, LL2].
- Lokales Brennen und Stechen werden häufig eher durch die Grundlage beziehungsweise Zusatzstoffe als durch das Glucocorticosteroid verursacht. In diesem Fall kann ein Wechsel des Präparats oder der Grundlage erforderlich sein [LL1, LL2].
Besondere Patientengruppen
Mädchen
- Auch bei Mädchen sind potente topische Glucocorticosteroide die Therapie der ersten Wahl [1, LL1, LL2].
- Mometasonfuroat 0,1 % kann wegen der geringeren Wirkstärke gegenüber Clobetasolpropionat 0,05 % bevorzugt werden.
- Clobetasolpropionat 0,05 % kann bei ausgeprägter Krankheitsaktivität unter fachärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.
- Dosierung, Therapiedauer und Reduktion der Applikationsfrequenz sollen alters-, befund- und verlaufsabhängig festgelegt werden.
- Die jeweilige Fachinformation und mögliche altersabhängige Zulassungsbeschränkungen sind zu beachten. Eine Anwendung außerhalb der zugelassenen Bedingungen erfordert eine entsprechende Aufklärung.
- Da Rezidive auch während oder nach der Pubertät auftreten können, sind langfristige Verlaufskontrollen erforderlich [LL1, LL2].
Schwangerschaft und Stillzeit
- Eine erforderliche topische Glucocorticosteroidtherapie soll nicht allein wegen einer Schwangerschaft unterbrochen werden.
- Es sollen die niedrigste ausreichend wirksame Wirkstärke und die geringstmögliche Wirkstoffmenge angewendet werden.
- Mometasonfuroat kann wegen der geringeren Wirkstärke gegenüber Clobetasolpropionat bevorzugt werden [LL1, LL2].
- Bei großflächiger, hochfrequenter oder langfristiger Anwendung ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Topische Calcineurininhibitoren
| Wirkstoffe | Besonderheiten |
|---|---|
| Tacrolimus 0,1 % Salbe; bei Kindern altersabhängig Tacrolimus 0,03 % Salbe | Zweitlinientherapie beziehungsweise ergänzende Therapie – Off-Label-Use. Topischen Glucocorticosteroiden hinsichtlich der Kontrolle objektiver Entzündungszeichen unterlegen [1, 3, LL1, LL2]. |
| Pimecrolimus 1 % Creme | Zweitlinientherapie beziehungsweise ergänzende Therapie – Off-Label-Use. Topischen Glucocorticosteroiden hinsichtlich der Kontrolle objektiver Entzündungszeichen unterlegen [1, 3, LL1, LL2]. |
Tacrolimus
- Wirkweise: Hemmung der Calcineurinaktivität mit nachfolgender Reduktion der T-Zell-Aktivierung und Freisetzung proinflammatorischer Zytokine (entzündungsfördernder Botenstoffe).
- Indikationen: Kontraindikation oder Unverträglichkeit topischer Glucocorticosteroide, unzureichende Wirksamkeit trotz bestätigter Diagnose und korrekter Anwendung sowie ergänzende Behandlung ausgewählter therapierefraktärer Areale – Off-Label-Use [1, 3, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Insbesondere vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl und Erythem (Hautrötung). Eine steroidbedingte Hautatrophie tritt nicht auf [LL1, LL2].
Pimecrolimus
- Wirkweise: Hemmung der Calcineurinaktivität mit Reduktion der T-Zell-Aktivierung und Freisetzung proinflammatorischer Zytokine.
- Indikationen: Kontraindikation oder Unverträglichkeit topischer Glucocorticosteroide, unzureichende Wirksamkeit trotz bestätigter Diagnose und korrekter Anwendung sowie ergänzende Behandlung ausgewählter therapierefraktärer Areale – Off-Label-Use [1, 3, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Insbesondere vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl und Erythem. Eine steroidbedingte Hautatrophie tritt nicht auf [LL1, LL2].
- Ein allgemeingültiges Behandlungsschema besteht für topische Calcineurininhibitoren nicht [LL1, LL2].
- Topische Calcineurininhibitoren können Juckreiz, Brennen und Schmerzen lindern. Topische Glucocorticosteroide kontrollieren die objektiven Entzündungszeichen jedoch wirksamer und bleiben deshalb die Therapie der ersten Wahl [1, 3, LL1, LL2].
- Die langfristige Wirksamkeit und Sicherheit topischer Calcineurininhibitoren beim vulvären Lichen sclerosus sind weniger gut untersucht als die Langzeittherapie mit topischen Glucocorticosteroiden [LL1, LL2].
Intraläsionale Glucocorticosteroide (Kortisonpräparate zur Einspritzung direkt in die Hautveränderung)
| Wirkstoffe | Dosierung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Triamcinolonacetonid | Kein allgemeingültiges Dosierungsschema; Konzentration, Injektionsmenge und Behandlungsintervalle sind individuell festzulegen. | Nur bei ausgeprägten hyperkeratotischen, trotz korrekt durchgeführter topischer Therapie persistierenden Läsionen und nach histologischem Ausschluss einer intraepithelialen Neoplasie (Krebsvorstufe innerhalb des Oberflächengewebes) oder eines Karzinoms (Krebserkrankung); Durchführung ausschließlich durch einen in dieser Methode erfahrenen Arzt [LL1, LL2]. |
Triamcinolonacetonid, intraläsional
- Wirkweise: Lokale Glucocorticoidwirkung mit ausgeprägter antiinflammatorischer und immunsuppressiver Wirkung im infiltrierten Gewebe.
- Indikationen: Ausgeprägte hyperkeratotische Läsionen mit unzureichendem Ansprechen auf eine korrekt durchgeführte topische Therapie nach histologischem Ausschluss einer intraepithelialen Neoplasie oder eines Karzinoms [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Ausgeprägt atrophe Haut oder kleine Läsionen wegen des Risikos einer Gewebeschädigung und Ulzeration; arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation [LL1, LL2].
- Nebenwirkungen: Lokale Gewebeschädigung, Hautatrophie und Ulzeration; das Risiko ist insbesondere bei atropher Haut erhöht [LL1, LL2].
Systemische Reserveoptionen
- Eine systemische Therapie ist beim ausschließlich vulvären Lichen sclerosus nur selten erforderlich. Zuvor müssen Diagnose, Adhärenz, Anwendungstechnik, Kontaktallergien, Infektionen und eine mögliche Neoplasie überprüft werden [2, LL1, LL2].
- Die Evidenz für systemische Arzneimittel beruht überwiegend auf kleinen Studien, Fallserien und Einzelfallberichten. Eine Therapieentscheidung soll deshalb individuell in einem erfahrenen Zentrum erfolgen [2, LL1, LL2].
| Wirkstoffe | Dosierung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Acitretin | Kein für den vulvären Lichen sclerosus allgemein etabliertes Dosierungsschema; individuelle Dosierung im spezialisierten Zentrum. | Kann bei schwerem, therapierefraktärem vulvärem Lichen sclerosus erwogen werden – Off-Label-Use. Ausgeprägte Teratogenität (fruchtschädigende Wirkung) und Notwendigkeit eines konsequenten Schwangerschaftsverhütungsprogramms beachten [2, LL1, LL2]. |
| Methotrexat | Kein für den vulvären Lichen sclerosus allgemein etabliertes Dosierungsschema; individuelle Dosierung im spezialisierten Zentrum. | Reserveoption bei schwerem genitalem und/oder extragenitalem (außerhalb des Genitalbereichs auftretendem), therapierefraktärem Lichen sclerosus – Off-Label-Use [2, LL1, LL2]. |
Acitretin
- Wirkweise: Systemisches Retinoid (Vitamin-A-ähnlicher Wirkstoff) mit regulierendem Einfluss auf epidermale Differenzierung, Keratinisierung und entzündliche Prozesse.
- Indikationen: Schwerer, therapierefraktärer vulvärer Lichen sclerosus als systemische Reserveoption – Off-Label-Use [2, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation; insbesondere sind die strikten Vorgaben des Schwangerschaftsverhütungsprogramms zu beachten.
- Nebenwirkungen: Ausgeprägte Teratogenität, Haut- und Schleimhauttrockenheit, Dyslipidämie (Störung der Blutfettwerte) und Hepatotoxizität (Leberschädigung) [2, LL1, LL2].
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter gelten die Vorgaben des Schwangerschaftsverhütungsprogramms einschließlich der vorgeschriebenen langfristigen Kontrazeption (Empfängnisverhütung) nach Therapieende.
- Kontrollen umfassen insbesondere Schwangerschaftsausschluss, Leberwerte und Lipidstatus (Blutfettwerte).
Methotrexat
- Wirkweise: Folsäureantagonist (Wirkstoff, der die Wirkung von Folsäure hemmt) mit antiproliferativer (zellteilungshemmender) und in niedriger Dosierung vorwiegend immunmodulatorischer (das Immunsystem beeinflussender) und antiinflammatorischer Wirkung.
- Indikationen: Schwerer genitaler und/oder extragenitaler, therapierefraktärer Lichen sclerosus als systemische Reserveoption – Off-Label-Use [2, LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Arzneimittelspezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation; Teratogenität ist bei der Therapieplanung zu berücksichtigen.
- Nebenwirkungen: Insbesondere Myelosuppression (Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark), Hepatotoxizität, Infektionen und Teratogenität [2, LL1, LL2].
- Vor und während der Behandlung mit Methotrexat sind insbesondere Blutbild, Leber- und Nierenfunktionsparameter sowie weitere indikationsabhängige Sicherheitsuntersuchungen erforderlich.
- Für weitere systemische Immunsuppressiva (Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems), Biologika (biotechnologisch hergestellte Arzneimittel) oder Januskinase-Inhibitoren (Medikamente zur Hemmung bestimmter zellulärer Signalwege) reicht die Evidenz nicht für eine routinemäßige Anwendung beim vulvären Lichen sclerosus aus [2, LL1, LL2].
Begleitende Pharmakotherapie
| Wirkstoffe | Dosierung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Lokale Estrogene | Dosierung entsprechend der jeweiligen zugelassenen Präparation und der eigenständigen Indikation des genitourinären Syndroms der Menopause. | Nur bei gleichzeitig bestehendem genitourinärem Syndrom der Menopause (Beschwerden der Geschlechts- und Harnorgane infolge des Estrogenmangels in den Wechseljahren). Lokale Estrogene behandeln nicht die entzündliche Aktivität des Lichen sclerosus und ersetzen keine topische Glucocorticosteroidtherapie [LL1, LL2]. |
Lokale Estrogene
- Wirkweise: Lokale Estrogenwirkung auf das urogenitale Epithel (Deckgewebe der Harn- und Geschlechtsorgane) mit Verbesserung estrogenmangelbedingter trophischer Veränderungen (Gewebeveränderungen infolge des Estrogenmangels).
- Indikationen: Gleichzeitig bestehendes genitourinäres Syndrom der Menopause; keine spezifische Therapie des Lichen sclerosus [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Präparatespezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung.
- Nebenwirkungen: Präparatespezifische lokale und systemische unerwünschte Wirkungen gemäß Fachinformation.
- Persistierende Schmerzen trotz klinisch kontrolliertem Lichen sclerosus sprechen gegen eine unkritische Intensivierung der antientzündlichen Therapie. In diesem Fall sollen insbesondere Vulvodynie (chronische Schmerzen im Bereich der Vulva), Beckenbodendysfunktion (Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur), Neuropathie (Nervenschädigung) und andere Schmerzursachen abgeklärt und indikationsgerecht behandelt werden [LL1, LL2].
Nicht empfohlene Arzneimittel
| Wirkstoffe | Dosierung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Testosteron, topisch | Keine – zur Behandlung des Lichen sclerosus nicht einsetzen. | Nicht empfohlen [LL1, LL2]. |
| Dihydrotestosteron, topisch | Keine – zur Behandlung des Lichen sclerosus nicht einsetzen. | Nicht empfohlen [LL1, LL2]. |
| Progesteron, topisch | Keine – zur Behandlung des Lichen sclerosus nicht einsetzen. | Nicht ausreichend wirksam [LL1, LL2]. |
Testosteron, topisch
- Wirkweise: Androgene Hormonwirkung; kein etablierter therapeutischer Nutzen beim Lichen sclerosus.
- Indikationen: Keine Indikation zur Behandlung des Lichen sclerosus [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Eine Anwendung zur Behandlung des Lichen sclerosus ist nicht empfohlen.
- Nebenwirkungen: Arzneimittelspezifische unerwünschte Wirkungen gemäß Fachinformation.
Dihydrotestosteron, topisch
- Wirkweise: Androgene Hormonwirkung; kein etablierter therapeutischer Nutzen beim Lichen sclerosus.
- Indikationen: Keine Indikation zur Behandlung des Lichen sclerosus [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Eine Anwendung zur Behandlung des Lichen sclerosus ist nicht empfohlen.
- Nebenwirkungen: Arzneimittelspezifische unerwünschte Wirkungen.
Progesteron, topisch
- Wirkweise: Lokale Gestagenwirkung (Wirkung eines Gelbkörperhormons); keine ausreichend nachgewiesene therapeutische Wirksamkeit beim Lichen sclerosus.
- Indikationen: Keine Indikation zur Behandlung des Lichen sclerosus [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Eine Anwendung zur Behandlung des Lichen sclerosus ist aufgrund unzureichender Wirksamkeit nicht empfohlen.
- Nebenwirkungen: Arzneimittelspezifische unerwünschte Wirkungen gemäß Fachinformation.
- Eine alleinige Behandlung mit Emollientien (rückfettenden Hautpflegemitteln) kontrolliert die entzündliche Krankheitsaktivität nicht und ersetzt keine topische Glucocorticosteroidtherapie [LL1, LL2].
- Antibiotika, Antimykotika (Medikamente gegen Pilzinfektionen) oder antivirale Arzneimittel sind nur bei einer gesondert diagnostizierten Infektion indiziert.
Generelle Hinweise
- Emollientien beziehungsweise reizfreie Fettsalben sollen ergänzend, gewöhnlich mindestens 2-mal täglich, zur Unterstützung der Hautbarriere angewendet werden [LL1, LL2].
- Applikationsareal (Auftragungsbereich), Wirkstoffmenge und Behandlungsschema sollen bei Therapiebeginn praktisch demonstriert werden.
- Eine frühzeitige klinische Verlaufskontrolle dient der Beurteilung von Wirksamkeit, Verträglichkeit und korrekter Anwendung.
- Auch bei klinischer Remission sind langfristige Kontrollen erforderlich, da Rezidive, Vernarbungen und maligne Veränderungen (bösartige Veränderungen) auftreten können [1, LL1, LL2].
Legende der Abkürzungen
- FTU: Fingertip-Unit
- Off-Label-Use: Anwendung eines Arzneimittels außerhalb der zugelassenen Indikation oder Anwendungsbedingungen
Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring
Literatur
- De Luca DA, Papara C, Vorobyev A et al.: Lichen sclerosus: The 2023 update. Front Med (Lausanne) 2023;10:1106318. doi: 10.3389/fmed.2023.1106318
- Hargis A, Ngo M, Kraus CN et al.: Systemic Therapy for Lichen Sclerosus: A Systematic Review. J Low Genit Tract Dis 2024;28(1):84-90. doi: 10.1097/LGT.0000000000000775
- Conte S, Mohamed S, Shergill M et al.: Treatment Modalities for Genital Lichen Sclerosus: A Systematic Review. Dermato 2024;4(4):136-172. doi: 10.3390/dermato4040014
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Lichen sclerosus. (AWMF-Registernummer 013-105) Juni 2025. Langfassung. [LL1]
- Kirtschig G, Kinberger M, Kreuter A et al.: EuroGuiDerm guideline on lichen sclerosus – Treatment of lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2024;38(10):1874-1909. doi: 10.1111/jdv.20083. [LL2]