Lichen sclerosus der Vulva – Prävention

Eine spezifische Primärprävention (gezielte Verhinderung der erstmaligen Erkrankung) des Lichen sclerosus (chronisch-entzündliche Hauterkrankung) (LS) ist nicht bekannt, da die Ätiologie (Krankheitsursache) nicht vollständig geklärt ist. Maßnahmen zur Reduktion irritativer und mechanischer Belastungen dienen dem Schutz der Vulvahaut (Haut des äußeren weiblichen Genitalbereichs) und können lokale Beschwerden vermindern; eine Verhinderung der Erstmanifestation (erstmaliges Auftreten der Erkrankung) ist dadurch nicht belegt [1, LL1].

Verhaltensbedingte Provokations- und Exazerbationsfaktoren (Faktoren, die Beschwerden auslösen oder verschlimmern können)

  • Mechanische Belastungen [1, LL1]
    • Kratzen und starkes Reiben der Vulvahaut
    • Scheuern durch eng anliegende oder raue Kleidung
    • Wiederholte lokale Hauttraumata (Verletzungen der Haut) – bei entsprechender Prädisposition (Veranlagung) können Läsionen (krankhafte Hautveränderungen) im Sinne eines Köbner-Phänomens (Auftreten typischer Hautveränderungen an mechanisch gereizten oder verletzten Hautstellen) auftreten
  • Irritierende Intimhygiene [LL1]
    • Übermäßiges Waschen und vaginale Spülungen
    • Verwendung parfümierter, alkoholhaltiger oder anderweitig irritierender Intimhygieneprodukte
    • Starkes Abreiben der Vulvahaut beim Waschen oder Abtrocknen
  • Zusätzliche lokale Belastungen [LL1]
    • Längerer Kontakt der Vulvahaut mit Urin bei Harninkontinenz (unwillkürlichem Harnverlust)
    • Feuchtigkeit, Okklusion (luftdichter Abschluss der Haut) und wiederholte Reibung im Genitalbereich

Medikamente

  • Eine medikamentöse Primärprävention des Lichen sclerosus ist nicht etabliert. Ein Absetzen oder Wechsel medizinisch indizierter Arzneimittel allein zur Prävention des Lichen sclerosus ist nicht gerechtfertigt [LL1].

Präventionsfaktoren (Schutzfaktoren)

Die folgenden Maßnahmen dienen der Unterstützung der vulvären Hautbarriere (Schutzfunktion der Haut der Vulva) und der Verminderung lokaler Irritationen. Eine gesicherte Verhinderung der Erstmanifestation des Lichen sclerosus ist durch diese Maßnahmen nicht belegt [LL1].

  • Schonende Vulvapflege [LL1]
    • Reinigung mit lauwarmem Wasser oder einer milden, unparfümierten Waschemulsion
    • Verzicht auf Seifen, Intimdeodorants, Feuchttücher, vaginale Spülungen und andere irritierende Intimpflegeprodukte
    • Vorsichtiges Trockentupfen ohne Reiben
    • Regelmäßige Anwendung einer reizarmen rückfettenden Pflege- oder Barrieresalbe
  • Mechanischer Schutz [1, LL1]
    • Vermeidung individuell erkannter mechanischer Reize und lokaler Hauttraumata
    • Verwendung eines verträglichen Gleitmittels bei sexueller Aktivität zur Verminderung schmerzhafter Reibung
    • Konsequente Behandlung eines bestehenden Pruritus (Juckreizes) zur Unterbrechung des Juckreiz-Kratz-Zyklus
  • Weitere unterstützende Hautschutzmaßnahmen [LL1]
    • Tragen lockerer, atmungsaktiver und nicht scheuernder Unterwäsche und Kleidung
    • Zeitnaher Wechsel feuchter oder verschwitzter Kleidung
    • Geeignete Versorgung einer Harninkontinenz und möglichst kurze Kontaktzeit der Vulvahaut mit Urin

Sekundärprävention 

Die Sekundärprävention dient der frühzeitigen Erkennung und leitliniengerechten Behandlung des Lichen sclerosus, um die Entzündungsaktivität zu kontrollieren und Vernarbungen sowie funktionelle Beeinträchtigungen zu begrenzen [1, LL1, LL2].

  • Früherkennung [1, LL1]
    • Zeitnahe ärztliche Untersuchung bei anhaltendem vulvärem Juckreiz, Brennen, Schmerzen, Fissuren (Hauteinrissen), weißlichen Hautveränderungen, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) oder beginnenden anatomischen Veränderungen
    • Gezielte klinische Untersuchung der gesamten Vulva (äußerer weiblicher Genitalbereich) und der perianalen Region (Bereich um den After) bei charakteristischen Beschwerden oder verdächtigen Hautveränderungen
    • Histologische Abklärung (feingewebliche Untersuchung) bei unklarem klinischen Befund, fehlendem Therapieansprechen oder Verdacht auf eine intraepitheliale Neoplasie (Krebsvorstufe innerhalb des Oberflächengewebes) beziehungsweise ein Vulvakarzinom (Krebs der Vulva)
  • Frühzeitige leitliniengerechte Therapie [LL1, LL2]
    • Konsequente Initialtherapie (Behandlung zu Beginn der Erkrankung) mit einem potenten bis ultrapotenten topischen Glucocorticoid (stark bis sehr stark wirksamem Kortisonpräparat zur äußerlichen Anwendung) nach ärztlich festgelegtem Behandlungsschema
    • Überprüfung der Auftragungsmenge, Applikationsstelle (Auftragungsstelle), Behandlungsdauer und Therapietreue
    • Frühzeitige Behandlung von Rezidiven (erneutem Auftreten der Erkrankung) zur Begrenzung der kumulativen Entzündungsaktivität und der Narbenprogression (Fortschreiten der Narbenbildung)

Tertiärprävention 

Die Tertiärprävention zielt auf die langfristige Krankheitskontrolle, die Begrenzung von Vernarbungen und funktionellen Einschränkungen sowie auf die Reduktion des Malignitätsrisikos (Risikos für eine bösartige Erkrankung) und die frühzeitige Erkennung neoplastischer Veränderungen (krankhafter Gewebeneubildungen) [1, LL1, LL2].

  • Langzeittherapie [LL1, LL2]
    • Individuell angepasste Erhaltungstherapie (langfristige Behandlung zur Stabilisierung des Krankheitszustands) mit einem potenten oder ultrapotenten topischen Glucocorticoid entsprechend der Krankheitsaktivität
    • Fortführung einer reizarmen rückfettenden Basispflege
    • Keine eigenständige Beendigung der Behandlung allein wegen Beschwerdefreiheit, da eine klinisch relevante Entzündungsaktivität auch bei geringen oder fehlenden Beschwerden fortbestehen kann
    • Kontrolle der korrekten Anwendung und Anpassung der Therapie bei unzureichendem Ansprechen oder unerwünschten Wirkungen
  • Langfristige Nachsorge [1, LL1, LL2]
    • Erste Verlaufskontrolle nach Abschluss der Initialtherapie, in der Regel nach etwa drei Monaten
    • Anschließend risikoadaptierte Langzeitkontrollen, bei stabilem Befund in der Regel alle 6-12 Monate
    • Kürzere Kontrollintervalle bei aktiver Erkrankung, unzureichendem Therapieansprechen, ausgeprägter Narbenbildung, vorausgegangener vulvärer intraepithelialer Neoplasie beziehungsweise vorausgegangenem Vulvakarzinom oder malignitätsverdächtigen Veränderungen
    • Regelmäßige Selbstbeobachtung der Vulva; zeitnahe ärztliche Vorstellung bei neu auftretenden Knoten, Verhärtungen, Erosionen (oberflächlichen Hautdefekten), Ulzerationen (Geschwürbildungen), Blutungen oder persistierenden hyperkeratotischen Arealen (anhaltend stark verhornten Hautbereichen)
    • Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) persistierender, therapieresistenter oder malignitätsverdächtiger Läsionen
  • Begrenzung funktioneller Folgeerkrankungen [LL1, LL2]
    • Frühzeitige fachärztliche Beurteilung bei Dyspareunie, Introitalstenose (Verengung des Scheideneingangs), Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen) oder progredienten anatomischen Veränderungen (fortschreitenden Veränderungen der Körperstrukturen)
    • Bei entsprechender Indikation ergänzende physiotherapeutische, sexualmedizinische oder psychosomatische Mitbehandlung
    • Operative Korrektur narbenbedingter funktioneller Einschränkungen nur bei klarer Indikation und unter fortgeführter antientzündlicher Langzeitbehandlung

Autoren: Prof. Dr. med. G. Grospietsch, Dr. med. W. G. Gehring

Literatur

  1. De Luca DA, Papara C, Vorobyev A et al.: Lichen sclerosus: The 2023 update. Front Med (Lausanne) 2023;10:1106318. doi: 10.3389/fmed.2023.1106318

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Lichen sclerosus. (AWMF-Registernummer: 013-105), Stand Juni 2025, Version 1.0; Langfassung
  2. Kirtschig G, Kinberger M, Kreuter A et al.: EuroGuiDerm guideline on lichen sclerosus—Treatment of lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2024;38(10):1874-1909. doi: 10.1111/jdv.20083