NMP22 BladderChek Test

Der Tumormarker NMP22 – das nukleäre Matrixprotein 22 – (Synonyme: Nuclear Matrix Protein 22; NMP22; NMP22 BladderChek Test; NMP22 Harnblasenkrebs-Test) ist ein tumorassoziierter Marker, der der Frühdiagnose des Harnblasenkrebses sowie den Verlaufsuntersuchungen einer Harnblasenkrebserkrankung dient.

Etwa drei Prozent aller Krebserkrankungen sind Karzinome der Harnblase, auch Blasenkrebs genannt.
Die häufigste Form des Harnblasenkrebses ist das Urothelkarzinom, welches 95 % aller malignen (bösartigen) Harnblasentumoren ausmacht. Jährlich erkranken in Deutschland an dieser Tumorart rund 18.000 Männer und 9.000 Frauen, womit der Harnblasenkrebs einer der häufigsten Krebsarten des Mannes ist.

Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem 40. Lebensjahr mit zunehmendem Alter an. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 68 Jahren und für Frauen bei 73 Jahren.
Ein wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Harnblasenkrebs ist das Rauchen. Rauchen ist für etwa die Hälfte aller Erkrankungsfälle bei Männern und für etwa jeden dritten Erkrankungsfall bei Frauen verantwortlich.

Ursachen

Im Folgenden die Risikofaktoren für die Entstehung des Harnblasenkrebses:

  • Rauchen (dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko) – wegen der im Tabakrauch enthaltenen aromatische Amine
  • Aromatische Amine in Medikamenten – zum Beispiel Zytostatika auf Cyclophosphamid-Basis
  • Andere chemische Stoffe bei Arbeitern in der Petrochemie, Textil-, Leder- oder Farbindustrie
  • Friseure
  • Lastwagenfahrer
  • Maler
  • Tankwarte
  • Patienten mit chronischen Harnblaseninfektionen

Zwischen der Belastung mit den krebserregenden Stoffen und der Krebsentstehung vergehen bis zu vierzig Jahre, das heißt die Latenzzeit ist sehr groß.

Cofaktoren – mit verursachende Faktoren – für die Entstehung des Harnblasenkrebses sind:

  • Geschwächtes Immunsystem
  • Immunsuppressiva – zum Beispiel nach Organtransplantation
  • Chronische Harnwegsinfektionen

Symptome

Keine Frühsymptomatik, das heißt in der frühen Entstehungsphase der Krebserkrankung zeigen sich keine Symptome, daher gibt es keine Warnsignale im Frühstadium.

Bei mehr als acht von zehn der Patienten
fällt eine rötliche bis braune Färbung des Urins auf, die durch eine Blutung des Tumors (Hämaturie) verursacht wird. Diese Blutung ist im Regelfall schmerzlos.

Häufigen Harndrang (Pollakisurie) verspüren rund drei von zehn Betroffenen, wobei jeweils nur eine geringe Menge Harn entleert wird.

Fortgeschrittene Harnblasenkarzinome können mit tastbarem Tumor im Bauchraum, Lymphknotenvergrößerungen, Lymph- oder Venenstauung, Schmerzen des seitlichen Körperrumpfes oder Knochenschmerzen einhergehen.

Diagnostik

Im Folgenden die diagnostischen Schritte:

  • Tastuntersuchung des Unterbauches und des inneren Genitales
  • Sonographie – Ultraschalluntersuchung der unteren Bauchregion, der Harnblase und der Nieren
  • Urethrozystoskopie Harnröhren- und Blasenspiegelung, ggf. mit einer Biopsie (Gewebeentnahme)
  • Urographie – Röntgenkontrastdarstellung der Nieren, der Harnleiter und der Harnblase
  • Urinzytologie – Untersuchung des Harns auf Tumorzellen, Bakterien, Harnzylinder – das sind Ablagerungen, die in den Nierenkanälchen entstehen etc.

Die Urinzytologie ist eine gute Methode, die große Erfahrungen des Zytologen voraussetzt. Schwere entzündliche Veränderungen können beispielsweise in seltenen Fällen zu falsch positiven Befunden führen, das heißt der Zytologe stellt fälschlicherweise den Verdacht auf eine Harnblasenkrebserkrankung. Auf der anderen Seite werden in der frühen Erkrankungsphase nur wenige Krebszellen beziehungsweise Zellen einer Präkanzerose (Krebsvorstufe) im Urin nachzuweisen sein, sodass in seltenen Fällen fälschlicherweise ein Normalbefund gestellt wird.

Hier hilft der NMP22 Harnblasenkrebs-Test, der in der Frühdiagnose des Harnblasenkrebses erfolgreich eingesetzt wird: Der Test wird im Regelfall in der Arztpraxis durchgeführt. Es werden dazu nur der Test-Kit und ein paar Tropfen Patientenurin benötigt. Das Testergebnis liegt innerhalb von 30 Minuten vor.

Der NMP22 Harnblasenkrebs-Test ist sehr spezifisch, das heißt falsch positive Befunde sind selten.

Interpretation

Positive Ergebnisse sind nicht mit einem Tumornachweis gleichzusetzen!
Negative Ergebnisse bedeuten keinen Tumorausschluss!

Falsch-positive Ergebnisse:

  • falscher Stabilisator oder unstabilisierter Urin
  • kurz zurückliegende Operationen
  • einige benigne (gutartige) Blasenerkrankungen
  • Patienten unter oder nach Chemotherapie

NMP22 wurde von der FDA für das Screening und Monitoring beim Harnblasenkarzinom zugelassen.
Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) 47-100 %; Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) 55-98 %, je nach Tumorstadium; bei High-grade-Tumoren (undifferenziertes bzw. anaplastisches bösartiges Gewebe) 75-83 %

Cave (Achtung)!
Der NMP22 ist nicht in der Lage, einer Zystoskopie (Blasenspiegelung) zu ersetzen oder Patienten für die Zystoskopie vorzuselektieren.
In einer Multi-Center-Studie wurden durch eine Kombination von Zystoskopie und Harnuntersuchung auf NMP22 knapp 94 Prozent der betroffenen Patienten erkannt.

Ihr Nutzen

Der NMP22 Harnblasenkrebs-Test ist eine sichere Maßnahme, eine Harnblasenkrebserkrankung frühzeitig und damit rechtzeitig zu erkennen, sodass eine erfolgreiche Behandlung der Erkrankung möglich wird.

Literatur

  1. Stampfer D, Carpinito G, Rodriguez-Villanueva J et al.: Evaluation of NMP22 in the Detection of Transitional Cell Carcinoma of the Bladder. J Urol, 1998, 159(2):394-8.
  2. Zippe C, Pandrangi L, and Agarwal A: NMP22 Is a Sensitive, Cost-Effective Test in Patients at Risk for Bladder Cancer. J Urol, 1999, 161(1):62-5.

     
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