Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test

Beim Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test (HHKT) (Stuhltest auf verborgenes Blut) handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Gastroenterologie (Magen-Darm-Heilkunde) zum Nachweis intestinaler Blutungen (Blutungen im Darm). Das Grundprinzip dieser immunologischen Diagnosetechnik (antikörperbasierte Untersuchungsmethode) beruht auf den biochemischen Eigenschaften von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Haptoglobin (Bindungsprotein im Blut). Bei intestinalen Blutungen kommt es zur vermehrten Bildung von Hämoglobin-Haptoglobin-Komplexen, die im Darmlumen (Inneres des Darms) nachweisbar sind. Der analytische Nachweis dieser Komplexe erfolgt mittels einer Stuhlprobe.

Der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test besitzt eine hohe klinische Relevanz für die Erkennung von Erkrankungen, die mit Blutungen im Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt) assoziiert sind. Hierzu zählen unter anderem Hämorrhoiden (vergrößerte Gefäßpolster am After), Autoimmunerkrankungen mit intestinalem Befall (fehlgeleitete Abwehrreaktionen des Körpers mit Darmbeteiligung) sowie neoplastische Veränderungen (Gewebeneubildungen) wie Darmpolypen (Schleimhautwucherungen), Adenome (gutartige Drüsentumoren) und das Kolonkarzinom (Dickdarmkrebs).

Synonyme

  • Hb-Hp-Komplex-Test
  • Hämoglobin-Haptoglobin-Test
  • Hb-Haptoglobin-Komplex
  • Immunologischer Hämoglobin-Haptoglobin-Stuhltest
  • iFOBT auf Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Stuhlprobe (Stuhl)
    • ggf. spezielles Probenentnahmeröhrchen mit Stabilisator
    • ELISA-Testkit für Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Diät erforderlich
    • Keine Einschränkung bezüglich Medikamenteneinnahme notwendig
    • Keine Karenz von Fleisch oder Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln erforderlich
  • Störfaktoren
    • Unsachgemäße Probenentnahme oder -lagerung
    • Stark verdünnter Stuhl (z. B. bei Durchfall)
    • Längere Lagerung ohne Stabilisator
    • Massive Blutungen mit Proteolyse im Darmlumen
  • Methode
    • Enzyme Linked Immunosorbent Assay (ELISA) (immunologischer Labortest)
      • Immunologischer Nachweis des Hämoglobin-Haptoglobin-Komplexes über spezifische Antikörper (Abwehrstoffe)
      • Bindung des Antigens (Zielstruktur) an einen immobilisierten Antikörper
      • Enzymmarkierte Nachweisantikörper katalysieren eine Farbreaktion
      • Die Intensität des Farbumschlages ist proportional zur Antigenkonzentration und erlaubt eine quantitative Auswertung
  • Physiologischer Hintergrund
    • Der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex entsteht intravasal durch Bindung von freigesetztem Hämoglobin aus gealterten Erythrozyten (rote Blutkörperchen) an Haptoglobin
    • Bindung erfolgt an die β-Untereinheit von α-Haptoglobin
    • Rasche Elimination über das retikulohistiozytäre System (Fresszell-System)
    • Halbwertszeit des Komplexes ca. 10-30 Minuten
    • Halbwertszeit von freiem Haptoglobin ca. 5 Stunden
    • Bei gesunden Personen liegen die Konzentrationen typischerweise unter 2 µg/ml
  • Transport/Lagerung
    • Transport der Probe innerhalb von 24 Stunden
    • Zwischenlagerung im Kühlschrank bei 4-8 °C bis zu 24 Stunden möglich
    • Bei Verwendung spezieller Abnahmesysteme Stabilität bei Raumtemperatur bis zu 5 Tage möglich
  • Diagnostische Aussage
    • Deutlich erhöhte Werte sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit (ca. 95 %) für eine intestinale Blutung (Blutung im Darm)
    • Der Nachweis des Komplexes ist stabiler als freies Hämoglobin und weniger anfällig für Abbauprozesse im Darm

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Hämorrhoiden – je nach Stadium der Hämorrhoiden handelt es sich um ein klinisch relevantes und gegebenenfalls zu Symptomen führendes Gefäßpolster.– chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED); verläuft meist in Schüben und kann den gesamten Verdauungstrakt befallen; charakterisierend ist der segmentale Befall der Darmmukosa (Darmschleimhaut), das heißt, es können mehrere Darmabschnitte befallen sein, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind. – chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Colitis ulcerosa – im Gegensatz zum Morbus Crohn lässt sich bei einer Colitis ulcerosa eine kontinuierliche Ausbreitung der entzündlichen Infiltrate über den Verdauungstrakt feststellen.
  • Tumoren – der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test dient hier als eine spezifische und sensitive Methode zur Diagnose von kolorektalen Adenomen und Karzinomen. Hierbei erkennt der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test vermehrt die Adenome und wird deshalb häufig mit dem immunologischen Hämoglobin-Test des Stuhls kombiniert, der sensitiver und spezifischer für Kolonkarzinome ist.

Vorteile des Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Tests

  • Im Gegensatz zu anderen Nachweismethoden ist der Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Test unempfindlicher gegenüber Vitamin C und Fleisch, sodass bei vorherigem Konsum keine Verfälschung der Testergebnisse erfolgen kann.
  • Aufgrund der hohen Sensitivität (Prozentsatz erkrankter Patienten, bei denen die Krankheit durch die Anwendung des Tests erkannt wird, d. h. ein positives Testresultat auftritt) und Spezifität (Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich Gesunde, die nicht an der betreffenden Erkrankung leiden, im Test auch als gesund erkannt werden) dieser immunologischen Methoden stellt das Verfahren das Mittel der Wahl bei einem Nachweis von Blut im Stuhl dar, da es sowohl leicht durchführbar, als auch klinisch aussagekräftige Ergebnisse liefern kann.
  • Des Weiteren ist bei diesem Verfahren der Vorteil gegeben, dass der Patient keine spezielle Diät einhalten muss. Dieser Vorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass immunologische Methoden ausschließlich auf dem Prinzip der Bindung von hochspezifischen Antikörpern funktionieren.
  • Immunologische Testverfahren, die auf der spezifischen Erkennung des Hämoglobins im Stuhl basieren, verfügen im Vergleich zu weiteren immunologischen Testverfahren über eine signifikante Steigerung der Sensitivität und Spezifität. In verschiedenen klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass mithilfe dieses immunologischen Tests ungefähr 95 % der Kolonkarzinome (Darmkrebsfälle) und 70 % der Kolonpolypen (Gewebevorwölbungen in das Lumen des Kolons; einige Arten der Kolonpolypen sind Präkanzerosen für das Kolonkarzinom) erkannt werden. Ein Nachteil ist der bakterielle Abbau von Hämoglobin im Darm, wodurch es zu falsch negativen Werten bei älteren (> 24 Std.) Stuhlproben kommen kann.

Nachteile des Hämoglobin-Haptoglobin-Komplex-Tests

  • Bei der Auswertung des immunologischen Verfahrens ist zu beachten, dass ein bakterieller Abbau von Hämoglobin im Darm erfolgt. Aufgrund dessen besteht die Möglichkeit, dass es zu falsch negativen Werten bei älteren (mehr als 24 Stunden alten) Stuhlproben kommen kann.

Interpretation

Ein positives Testergebnis erfordert die endoskopische Untersuchung des gesamten Dickdarms (Koloskopie).

Die koloskopische Abklärung sollte gemäß einer europäischen Qualitätsleitlinie innerhalb von 31 Tagen erfolgen [6]. Auswertungen des Forschungsinstituts von Kaiser Permanente von Patienten mit einem positiven Testergebnis zeigten, dass das Risiko, dass bei einer Koloskopie ein Kolonkarzinom entdeckt wurde, mit jedem Monat um 3 % anstieg. Eine signifikant erhöhte Tumorrate (im Vergleich zu Patienten, die im ersten Monat einen Koloskopie-Termin hatten) zeigte sich jedoch erst nach einer 10-monatigen Verzögerung der Koloskopie [7]. 

Literatur

  1. Hundt S, Haug U, Brenner H: Früherkennung von Darmkrebs. Der Gynäkologe. 2010. 43:173-175
  2. Sieg A, Thoms C, Lüthgens K, John MR, Schmidt-Gayk H: Detection of colorectal neoplasms by the highly sensitive hemoglobin-haptoglobin complex in feces. International Journal of Colorectal Disease. 1999. 14:267-271
  3. Engvall E: Immunochemistry. Elsevier B.V. 1971
  4. Löffler G: Biochemie und Pathobiochemie. Springer Verlag 2007
  5. Beinecke M: Tumormarker. Sinnvoller Einsatz in der Praxis. Bioscientia. 2007. 1:1-7
  6. Valori R et al.: European guidelines for quality assurance in colorectal cancer screening and diagnosis. First Edition – Quality assurance in endoscopy in colorectal cancer screening and diagnosis. Endoscopy 2012; 44(S 03): SE88-SE105. doi: 10.1055/s-0032-1309795
  7. Corley DA et al.: Colorectal Cancer and Cancer Stage at Diagnosis. JAMA. 2017;317(16):1631-1641. doi:10.1001/jama.2017.3634