Lactoferrin
Lactoferrin (Synonym: Lactotransferrin) ist ein eisenbindendes Glykoprotein (Eiweißstoff), das vorwiegend aus neutrophilen Granulozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) freigesetzt wird. In der klinischen Labordiagnostik (medizinische Laboruntersuchung) wird fäkales Lactoferrin als Marker (Hinweisstoff) einer intestinalen Entzündung (Entzündung im Darm) eingesetzt.
Es gehört zu den fäkalen Entzündungsmarkern (Entzündungswerte im Stuhl) und erlaubt eine nichtinvasive (ohne Eingriff in den Körper) Abschätzung der entzündlichen Aktivität (Entzündungsstärke) im Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt).
Synonyme
- Lactotransferrin
- Fäkales Lactoferrin
- Stuhl-Lactoferrin
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Stuhl
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Störfaktoren
- Akute bakterielle oder virale Enterokolitiden (Darmentzündungen durch Bakterien oder Viren) können zu erhöhten Werten führen
- Gastrointestinale Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt) können die Werte beeinflussen
- Kolorektale Neoplasien (Tumoren im Dick- und Enddarm) können ebenfalls mit erhöhten Werten einhergehen
- Methodenabhängige Unterschiede der Cut-off-Werte (Grenzwerte) sind zu berücksichtigen
- Methode
- Immunologischer Nachweis (Nachweis über eine Antikörper-Reaktion) aus Stuhl (z. B. Enzyme-linked Immunosorbent Assay, ELISA)
- Quantitative (messende) oder semiquantitative (halbmessende) Bestimmung je nach Testsystem
Normbereiche (je nach Labor)
| Subgruppe/Geschlecht/Alter | Referenzbereich |
| Erwachsene und Kinder | < 7,25 µg/g Stuhl (methodenabhängig) |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Abklärung chronischer Diarrhö (anhaltender Durchfall) zur Differenzierung zwischen entzündlicher und funktioneller Genese (Ursache ohne organische Erkrankung)
- Verdacht auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen (dauerhafte entzündliche Darmerkrankungen) (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Verlaufs- und Aktivitätskontrolle bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (dauerhafte entzündliche Darmerkrankungen)
- Entscheidungshilfe zur Indikation (Notwendigkeit) einer endoskopischen Diagnostik (Darmspiegelung)
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Hinweis auf intestinale neutrophile Entzündung (Darmentzündung mit Beteiligung bestimmter Immunzellen)
- Typisch bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Auch bei infektiösen Enterokolitiden (Darmentzündungen durch Infektionen), Divertikulitis (Entzündung von Ausstülpungen der Darmwand) und kolorektalen Neoplasien (Tumoren im Dick- und Enddarm) möglich
- Erniedrigte Werte
- Kein Hinweis auf relevante entzündliche Aktivität (Entzündungsstärke) im Darm
- Spricht bei chronischer Diarrhö (anhaltender Durchfall) eher gegen eine entzündliche Darmerkrankung (entzündliche Erkrankung des Darms)
- Spezifische Konstellationen
- Für die Verlaufskontrolle geeignet, jedoch ist Calprotectin derzeit breiter validiert (wissenschaftlich besser untersucht) und klinisch stärker etabliert
Weiterführende Diagnostik
- Fäkales Calprotectin (weiterer Entzündungsmarker im Stuhl) als alternativer bzw. komplementärer Entzündungsmarker (ergänzender Entzündungswert)
- Endoskopie (Koloskopie) (Darmspiegelung) mit histologischer Sicherung (Gewebeuntersuchung) bei pathologischen Befunden (auffälligen Ergebnissen)
- Mikrobiologische Stuhldiagnostik (Untersuchung auf Krankheitserreger im Stuhl) bei Verdacht auf infektiöse Genese (durch Infektion verursachte Ursache)
Literatur
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