Stuhlbetrachtung
Die Stuhlinspektion ist ein orientierender Bestandteil der klinischen Untersuchung (ärztlichen Untersuchung) des Gastrointestinaltraktes (Magen-Darm-Traktes). Beurteilt werden insbesondere Farbe, Form, Konsistenz (Beschaffenheit) sowie sichtbare Beimengungen des Stuhls.
Die Stuhlinspektion erlaubt keine abschließende Diagnose, kann jedoch wichtige Hinweise auf gastrointestinale Blutungen (Blutungen im Magen-Darm-Trakt), Cholestase (Gallenstau), Maldigestion/Malabsorption (Verdauungsstörung/Aufnahmestörung im Darm), beschleunigte oder verzögerte Darmpassage sowie entzündliche oder infektiöse Prozesse liefern [1-7].
Synonyme
- Stuhlbetrachtung
- makroskopische Stuhlbeurteilung (Beurteilung mit bloßem Auge)
- makroskopische Stuhlinspektion
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Frisch abgesetzter Stuhl, vorzugsweise im Rahmen der klinischen Untersuchung oder dokumentiert durch den Patienten
- Einmalhandschuhe, geeignete Schutzmaßnahmen
- Bei Bedarf Fotodokumentation oder standardisierte Stuhlformen-/Stuhlfarbskalen
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Falls möglich sollten aktuelle Ernährungsgewohnheiten, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel berücksichtigt werden, da diese die Stuhlfarbe und -konsistenz beeinflussen können
- Störfaktoren
- Nahrungsmittelbedingte Farbveränderungen, z. B. Rote Bete, Spinat, Heidelbeeren
- Medikamentös bedingte Veränderungen, z. B. Eisenpräparate, Wismut, Aktivkohle
- Subjektive Farbwahrnehmung und ungenaue Patientenbeschreibung
- Zeitverzögerte Beurteilung, Vermischung mit Urin/Wasser oder hygienischen Zusätzen
- Methode
- Makroskopische Beurteilung von Farbe, Form, Konsistenz, Volumen, Geruch und sichtbaren Beimengungen
- Für die Beschreibung der Stuhlform ist die Bristol-Stuhlformen-Skala klinisch etabliert; sie dient der standardisierten Einordnung der Stuhlkonsistenz und korreliert mit der intestinalen Transitzeit (Darmdurchgangszeit)
- Pathologische Befunde (krankhafte Befunde) erfordern in der Regel weiterführende Diagnostik, z. B. Stuhltest auf okkultes (nicht sichtbares) Blut, mikrobiologische Stuhldiagnostik, Entzündungsmarker im Stuhl, Endoskopie (Spiegelung) oder bildgebende Verfahren
Stuhlfarbe
| Stuhlfarbe | Mögliche Ursachen/klinische Hinweise |
| Hell- bis mittelbraun |
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| Gelblich |
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| Grünlich |
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| Rötlich bis rot |
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| Schwarz |
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| Hellgrau, lehmfarben, weißlich |
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| Grauweiß mit schleimigen Auflagerungen |
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Stuhlform und -konsistenz
| Stuhlform und -konsistenz | Mögliche Ursachen/klinische Hinweise |
| Wurstartiger Stuhl |
Nach der Bristol-Stuhlformen-Skala werden 7 Typen unterschieden:
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| Acholischer Stuhl |
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| Bleistiftförmiger bzw. kaliberschmaler Stuhl |
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| Blutiger Stuhl |
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| Teerstuhl (Meläna) |
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| Schleimiger Stuhl |
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| Fettstuhl |
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| Wässriger Stuhl |
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| Breiig-blutig-schleimiger Stuhl |
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| Harte Kotballen/Schafkotstuhl |
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| Mekonium |
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Klinische Hinweise
- Die Stuhlinspektion ist eine orientierende, nicht spezifische Untersuchung.
- Akut abklärungsbedürftige Befunde sind insbesondere Meläna, Hämatochezie, acholischer Stuhl, neu aufgetretener Fettstuhl, persistierend wässrige Diarrhö sowie sichtbare Blut- oder Schleimbeimengungen in Verbindung mit Allgemeinsymptomen (allgemeinen Krankheitszeichen).
- Bei unklaren Blutbeimengungen, Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut), nächtlichen Beschwerden oder Alter > 50 Jahre ist die Schwelle zur endoskopischen Abklärung niedrig.
Weiterführende Diagnostik
- Digitale rektale Untersuchung (Abtasten des Enddarms mit dem Finger)
- Test auf okkultes Blut im Stuhl bzw. immunologischer fäkaler Okkultbluttest
- Stuhlmikrobiologie bzw. molekulare Erregerdiagnostik bei Verdacht auf infektiöse Genese
- Fäkales Calprotectin bei Verdacht auf entzündliche Darmerkrankung
- Stuhlfettbestimmung bzw. Pankreasdiagnostik bei Verdacht auf Steatorrhoe
- Abdomensonographie (Ultraschall der Bauchorgane), Endoskopie und weitere Bildgebung je nach Befundkonstellation
Literatur
- Shokouhi N, Babaei A, Saeidi A et al.: Development of a new version of the Bristol Stool Form Scale: translation, content validity, face validity, and reliability of the Persian version. BMJ Open Gastroenterol. 2022;9(1):e001017. DOI: 10.1136/bmjgast-2022-001017
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- Dominguez-Muñoz JE, Vujasinovic M, de la Iglesia D et al.: European guidelines for the diagnosis and treatment of pancreatic exocrine insufficiency: UEG, EPC, EDS, ESPEN, ESPGHAN, ESDO, and ESPCG evidence-based recommendations. United European Gastroenterol J. 2025;13(1):125-172. https://doi.org/10.1002/ueg2.12674
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