Stuhlbetrachtung

Bei der Stuhlbetrachtung (Synonym: Stuhlinspektion) wird der Stuhl in Farbe und Form beurteilt. Diese können wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand des Gastrointestinaltraktes (Magen-Darm-Trakt) geben.

Stuhlfarbe

Stuhlfarbe
Ursachen
Gelbbraun
  • Normale Stuhlfarbe (durch Sterkobilin/Stercobilin), je mehr Fleischnahrung desto dunkler
Gelblich
  • Normale Stuhlfarbe bei Säuglingen; bei Muttermilchstuhl: goldgelblich
  • Auftreten bei Diarrhöen (Durchfälle) und Antibiotikatherapie
Rötlich bis rot
  • Blutstuhl oder Rektalblutung (Hämatochezie); Auftreten von sichtbarem Blutbeimengungen aus den unteren Darmabschnitten (Kolon/Dickdarm, Rektum/Mastdarm)
  • Verfärbung durch Nahrung: Rote Bete
  • Blut kann sichtbar oder okkult (verborgen; unsichtbar) sein!
Schwarz
  • Teerstuhl (Meläna; Pechstuhl); Blutung aus den oberen Darmabschnitten:
    • Ösophagusblutung/Speiseröhrenblutung
    • Magen- oder Zwölffingerdarmblutungen)
  • Verfärbung durch Nahrung: Blaubeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, schwarze Kirschen; Rotwein
  • Verfärbung durch Medikamente: Eisenpräparate, Tierkohle (bei Verstopfung), Wismutpräparate
  • Normale Stuhlfarbe beim Neugeborenenstuhl (Mekonium)
Grünlich bis grün
  • Bei zu schneller Darmpassage kann der Stuhl grünlich sein.
    Unter normalen Umständen werden die Gallenfarbstoffe (das gelbliche Bilirubin und das grünliche Biliverdin) im Darm von den dort ansässigen Bakterien zu Stercobilin, Bilifuscin und Mesobilifuscin abgebaut, die dem Stuhl seine charakteristische Färbung geben.
  • Verfärbung durch Nahrung: viel Spinat oder Salate
  • Erkrankung: Dysbiose (Störung der Darmflora, dabei kommt es zur vermehrten Bildung von Gärungs- und Fäulnisprodukten) durch Antibiotikatherapie
Grauweiß bis gelbgrau
  • Schleim oder Eiter (Pus; typischerweise gelbliches Exsudat)
Weiß bis grauweiß
  • Acholischer Stuhl; Stuhl bei Gallenstau (Gallengangsverschluss); glänzend und grau auch bei Fettstühlen (Steatorrhoe bzw. Pankreasstuhl)
  • Weiß auch bei Röntgenkontrastmittel


Stuhlform und -konsistenz

Stuhlform und -konsistenz
Ursachen
Wurstartiger Stuhl
  • Normale Stuhlform: wurstartig mit rissiger oder glatter Oberfläche (= Idealstuhl)
  • Nach Bristol-Stuhlformen-Skala (engl.: Bristol Stool Scale, auch Bristol Stool Chart): Typ 3 + 4
Nach der Bristol-Stuhlformen-Skala werden folgende 7 Typen, die die Stuhlinkontinenz beschreiben unterschieden:
  • Typ 1: einzelne, harte, nussgroße Kügelchen
  • Typ 2: wurstartig, klumpig
  • Typ 3: wurstartig mit rissiger Oberfläche
  • Typ 4: wurstartig mit glatter Oberfläche
  • Typ 5: einzelne weiche, glattrandige Klümpchen
  • Typ 6: einzelne weiche Klümpchen mit ausgefranstem Rand 
  • Typ 7: wässrig, ohne feste Bestandteile
Acholischer Stuhl
  • Weiß bis grauweißer Stuhl
  • Stuhl bei Cholestase (Gallenstau)/Acholie (Gallengangsverschluss wg. Stein, Tumor u.a.)
Bleistiftstuhl
  • Stenosen (Darmverengung)
    • anatomische Stenose: z. B. durch maligne (bösartige) Neubildungen (Rektumkarzinom/Mastdarmkrebs)
    • funktionelle Stenose: spastische Engstellung des Darms (funktionelle Darmstörungen wie z. B. Reizdarmsyndrom)
Blutstuhl
  • Rötlich bis roter Stuhl
  • Blutung aus den unteren Darmabschnitten (Kolon/Dickdarm, Rektum/Mastdarm); Ursachen sind: Tumoren, schwere Darmentzündung und Diarrhöen (Durchfälle)
  • Aufgelagertes Blut (hellrotes Blut) stammt häufig von Hämorrhoiden, Fissuren (z. B. Afterriss) oder Adenomen (Dickdarmpolpen)
  • Verfärbung durch Nahrung: Rote Bete
Teerstuhl
(Meläna)
 
  • Schwarzer Stuhl
  • Blutung aus den oberen Darmabschnitten:
    • Ösophagusblutung/Speiseröhrenblutung
    • Magen- oder Zwölffingerdarmblutungen
  • Verfärbung durch Nahrung: Brombeeren, Heidelbeeren, schwarze Kirschen; Rotwein
  • Verfärbung durch Medikamente: Eisenpräparate, Tierkohle (bei Verstopfung), Wismutpräparate
  • Normale Stuhlfarbe beim Neugeborenenstuhl (Mekonium)
Eitrig-jauchiger Stuhl
  • Pus (Eiterung) bei Divertikulitis (entzündete Darmausstülpungen), progredienten (fortgeschrittenen) Tumoren, Parasitenbefall
Fäulnisstuhl
  • Faulig stinkender, scharf riechender, eher dünner Stuhl
  • Fäulnisdyspepsie (Zunahme der Fäulnisprozesse im Dünndarm- u. v. a. Kolon/Dickdarm infolge mangelhafter Protein- (Eiweiß-) verdauung); z. B. bei Enzymmangel, Dysbiose (gestörte Darmflora), entzündlichen Darmprozesse, Tumoren mit verstärkter proteinreicher Sekretion.
Fettstuhl
  • Glänzender und grauer Stuhl; lehmartig
  • Bei Fettstühlen (Steatorrhoe/auch Steatorrhö; Synonyme: Pankreasstuhl; Butterstuhl; Salbenstuhl; Bauchspeicheldrüsenstuhl); scharf riechend;
  • Ab 7 g Fett pro Tag im Stuhl spricht man von Fettstühlen (normal: 3,5 g pro 100 g Stuhlmenge)
  • Ursachen
    • Maldigestion (schlechte Verdauung des Fetts) wg.;
      • Defekt der Synthese: Mangel an Pankreassekret (Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit) wg. z. B.:
        • chronischer Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Mukoviszidose (genetisch bedingte Erkrankung, die durch die Produktion von zu zähmen Schleim in verschiedenen Organen gekennzeichnet ist)
      • Defekt der Sekretion wg.:
        • Mangel an Pankreassekret wg. Verschluss des Ductus pancreaticus (Bauchspeicheldrüsengang) (z. B. wg. Stein, Tumor etc.)
        • Mangel an Gallensäuren wg. Gallenwegsverschluss (Gallenstein, Tumor etc.)
    • Malabsorption (schlechte Aufnahme des Fetts)
      • Aufnahmestörung im Darm, z. B. wg. schwerer Diarrhoe (Durchfälle), Sklerodermie (Kollagenose, die mit einer Bindegewebsverhärtung der Haut allein oder der Haut und innerer Organe, besonders Verdauungstrakt, Lungen, Herz und Nieren, einhergeht) des Darms etc.
      • Abflussstörung der Lymphgefäße des Darms
Gärungsstuhl
  • Große Mengen eines schaumigen Stuhls (schwimmt auf dem Wasser); riecht sehr scharf
  • Gärungsdyspepsie (mangelhafter Abbau von Kohlenhydraten/Zucker im oberen Dünndarmbereich und eine daraus resultierende verstärkte bakterielle Gärung durch gasbildende Bakterien im Dünn- und Dickdarm)
  • Ursachen: zu große Kohlenhydratzufuhr, zu schneller Dünndarmdurchgang, Mangel an Pankreassekret (Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit) z. B. wg. Pankreatitis, Mukoviszidose, Fisteln zwischen Magen und Kolon (Dickdarm) etc.
Himbeergelee-artiger Stuhl
  • Breiiger, schleimiger, blutiger Stuhl bei Amöbenruhr – wird von einer Amöbe (Wechseltierchen) der Art Entamoeba histolytica verursacht; 40-50 Stuhlentleerungen pro Tag!
Reiswasserstuhl
  • Mehlsuppenartiger Stuhl bei Cholera – Infektionserkrankung, die durch das gramnegative Stäbchen Vibrio cholerae verursacht wird; reiswasserfarbige Diarrhöen (Durchfälle)
Schafkotstuhl
(Skybala)
  • Verhärtete Kotballen (Skybala), in Form von Kügelchen (spastische Stuhlform)
  • Ursachen: Passagehemmnis durch spastische Kolonpartien (Teile des Dickdarms) bzw. spastische Obstipation/Verstopfung (z. B. bei funktionellen Störungen wie irritables Kolon (Synonyme: spastisches Kolon, Kolonneurose, Colica mucosa, Reizdarmsyndrom)
Kindspech
(Mekonium)
  • Schwärzlich-grünlicher Stuhl des Neugeborenen; kommt innerhalb der ersten 24 Stunden