Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen

Flugreisen wirken sich durch Druckänderungen, reduzierten Sauerstoffpartialdruck, trockene Kabinenluft und eingeschränkte Beweglichkeit auf Heilungsprozesse, intrakranielle Druckverhältnisse (Druck im Inneren des Schädels) und das venöse Thromboserisiko (Risiko für Blutgerinnsel in den Venen) aus. Besonders nach Kopfverletzungen, Frakturen oder Operationen müssen die individuellen Risiken sorgfältig abgewogen werden.

Flugreisetauglichkeit bei Verletzungen, Vergiftungen und bestimmten anderen Folgen äußerer Ursachen

Krankheiten Passagier ist flugreisetauglich (Angabe der Zeiträume) Hinweise/Besonderheiten
Frakturen (Knochenbrüche)
  • Kurzstreckenflüge (< 2 h): frühestens 24 h nach Anlage eines gespaltenen Gipsverbands oder einer Gipsschiene
  • Langstreckenflüge (> 2 h): frühestens 48 h bei gespaltenem Gips/Gipsschiene 
  • Thromboserisiko beachten!
    Insbesondere bei Immobilisation oder Langstreckenflug.
  • Abhängig von:
    • Lokalisation
    • Weichteilschwellung
    • OP-Status
    • Art der Ruhigstellung
  • Die Spaltung des Gipses ist wichtig wegen Kabinendruck-Schwankungen.
  • Ggf. Thromboseprophylaxe
Schwere Gehirnerschütterung
(GCS 13-15, aber mit länger anhaltenden Beschwerden)
  • Individuelle Abklärung durch Neurologie/Notfallmedizin
  • Druck- und Hypoxiestress (Belastung oder Stress für den Körper durch verminderten Sauerstoffgehalt) können Symptome verschlechtern.
  • Flug erst bei stabiler neurologischer Situation:
    • Keine Bewusstseinsstörungen
    • Keine anhaltende Übelkeit
    • Keine starke Photophobie (Lichtempfindlichkeit)
    • Keine frischen epileptischen Ereignisse
Subarachnoidalblutung (SAB; Blutung im Raum zwischen Gehirn und Hirnhaut), aneurysmatisch
  • Nach Coiling: frühestens 10 Tage
    (Aneurysma wird über einen Katheter mit kleinen Spiralen gefüllt, damit kein Blut mehr hineinfließt.) 
  • Nach Clipping: frühestens 6 Wochen
    (Aneurysma wird chirurgisch „abgeklemmt“)
  • Nach Trepanation: frühestens 6 Wochen
    (operative Öffnung des Schädels)
  • Danach Arztbegleitung empfehlenswert für weitere 3 Monate
  • Voraussetzungen:

    • Stabile Neurologie
    • Keine Liquorzirkulationsstörungen
    • Keine epileptischen Anfälle
  • Risikoerhöhung bei Druckschwankungen (z. B. Gefäßspasmus, Nachblutung)

Subduralhämatom (SDH; Blutansammlung unter der harten Hirnhaut)

oder

Epiduralhämatom (EDH; Blutansammlung zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut)

  • Frühestens nach 6 Wochen
  • Anschließend Arztbegleitung für 3 Monate empfohlen
  • Bei chronischem SDH längere Wartezeit möglich (Einzelfallentscheidung)
  • Voraussetzungen:
    • Stabile Bildgebung
    • Kein Residualhämatom (Restbluterguss)
    • Stabile neurologische Funktion

Literatur

  1. Amato-Watkins A, Rao VM, Leach P: Air travel after intracranial surgery: a survey of advice given to patients by consultant neurosurgeons in the UK. Br J Neurosurg. 2013;27(1):9-11. doi: 10.3109/02688697.2012.716176.
  2. Thibeault C, Evans AD, Dowdall NP: AsMA Medical Guidelines for Air Travel: Fitness to Fly and Medical Clearances. Aerosp Med Hum Perform. 2015;86(7):656-7. doi: 10.3357/AMHP.4222.2015.
  3. Goodman MD et al.: Traumatic Brain Injury and Aeromedical Evacuation: When is the Brain Fit to Fly? J Surg Res. 2009 Aug 26;164(2):286-293. doi: 10.1016/j.jss.2009.07.040.