Herz-Kreislauf-System
Flugreisen stellen für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine besondere Herausforderung dar. In der Flugzeugkabine herrscht ein reduzierter Luftdruck, der einer Höhenlage von etwa 2.400 Metern entspricht. Dadurch sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut leicht ab und das Herz muss stärker arbeiten – eine Belastung, die vor allem bei koronarer Herzkrankheit (KHK; Erkrankung der Herzkranzgefäße), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Hypertonie (Bluthochdruck) oder nach einem Myokardinfarkt (Herzinfarkt) relevant wird. Zusätzlich wirken weitere Stressfaktoren wie eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, veränderte Herzfrequenzregulation, Trockenheit der Kabinenluft und mögliche Verzögerungen oder Stresssituationen auf dem Flughafen.
Ob eine Flugreise sicher möglich ist, hängt daher weniger von der Diagnose allein, sondern vor allem vom aktuellen klinischen Zustand ab: stabil oder instabil, kürzlich erst diagnostiziert oder gut eingestellt, mit oder ohne akute Symptome. Bei akuten Ereignissen wie einem Herzinfarkt, einer instabilen Angina pectoris oder einer dekompensierten Herzinsuffizienz (akut verschlechterte Herzschwäche) besteht grundsätzlich keine Flugreisetauglichkeit. In stabilen Phasen dagegen können viele Herz-Kreislauf-Patienten problemlos fliegen – teilweise mit einfachen Anpassungen wie Sauerstoffgabe, Reduktion der körperlichen Belastung oder medizinischen Begleitmaßnahmen.
Flugreisetauglichkeit bei relevanten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
| Krankheit | Passagier ist flugreisetauglich (Angabe der Zeiträume/Voraussetzungen) |
| Apoplex-Rezidiv (erneut auftretender Schlaganfall) |
|
| Cor pulmonale (Vergrößerung/Schwächung der rechten Herzhälfte durch chronische Lungenerkrankung) |
|
| Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) |
Nur bedingt flugreisetauglich:
|
| Herzinsuffizienz (Herzschwäche) |
NYHA: New York Heart Association – Es handelt sich um eine international verwendete Klassifikation, mit der der Schweregrad einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) eingeteilt wird. Sie beschreibt, wie stark die körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. |
| Herzschrittmacher |
|
| Hypertonie (Bluthochdruck) |
|
| Koronare Herzkrankheit (KHK; Erkrankung der Herzkranzgefäße) |
Beurteilung nach CCS-Klassifikation:
CSS: Canadian Cardiovascular Society-Klassifikation – Sie beschreibt den Schweregrad der Angina pectoris (Brustenge durch Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße). |
| Myokardinfarkt (Herzinfarkt) |
Zeiträume abhängig von Schwere und Verlauf:
|
| Myokarditis (Herzmuskelentzündung) |
Nur bedingt flugreisetauglich:
|
| Apoplex (Schlaganfall), transitorische ischämische Attacke (TIA) |
|
| Zerebralsklerose (schwere arteriosklerotische Durchblutungsstörungen des Gehirns) |
|
Literatur
- Thibeault C, Evans AD, Dowdall NP. AsMA medical guidelines for air travel: fitness to fly and medical clearances. Aerosp Med Hum Perform. 2015;86(7):656. doi:10.3357/AMHP.4222.2015.
- Smith D, Toff W, Joy M et al.: Fitness to fly for passengers with cardiovascular disease. Heart. 2010;96(Suppl 2):ii1-ii16. doi: 10.1136/hrt.2010.203091.
- Hammadah M, Kindya BR, Allard-Ratick MP et al.: Navigating air travel and cardiovascular concerns: Is the sky the limit? Clin Cardiol. 2017;40(9):660-666. doi:10.1002/clc.22741.
- Koh CH: Commercial air travel for passengers with cardiovascular disease: stressors of flight and aeromedical impact. Curr Probl Cardiol. 2021;46(3):100746. doi:10.1016/j.cpcardiol.2020.100746.
- UK Civil Aviation Authority. Cardiovascular disease – guidance for health professionals. London: CAA.
- Powell-Dunford N, Adams JR, Grace C: Medical advice for commercial air travel. Am Fam Physician. 2021 Oct 1;104(4):403-413.