Ohren – Warzenfortsatz

Das Mittelohr benötigt einen intakten Druckausgleich, damit es beim Start und bei der Landung nicht zu Schmerzen oder Verletzungen kommt. Besonders wichtig ist die Belüftung über die Ohrtrompete (eustachische Röhre). Entzündungen im Ohr- oder Mastoidbereich können diesen Druckausgleich verhindern. Fliegen kann dann zu starken Schmerzen, Schwindel, Hörminderung oder sogar einem Barotrauma (druckbedingte Verletzung) führen.

Flugreisetauglichkeit bei Erkrankungen von Ohren und Warzenfortsätzen

Krankheit Passagier ist flugreisetauglich (Angabe der Zeiträume)
Allgemeine Voraussetzungen
  • Intakter Druckausgleich (z. B. durch Schlucken, Gähnen)
  • Ausreichende Belüftung der Nasennebenhöhlen
Akute Mastoiditis
(Entzündung des Warzenfortsatzes)
  • Nicht flugreisetauglich! Erst nach vollständiger Abheilung
  • Bei operativer Mastoidektomie: Flugreisen meist wieder nach 2-4 Wochen, abhängig vom HNO-Status
Akute Otitis externa
(Gehörgangsentzündung)
  • Flugtauglich, wenn:
    • Keine Eiterung
    • Keine Schwellung des Gehörgangs
    • Keine Schmerzen beim Druckausgleich
  • Bei starken Schmerzen → nicht flugreisetauglich!
Akute Otitis media
(Mittelohrentzündung)
  • Nicht flugreisetauglich!
  • Flugtauglichkeit erst nach Abheilung und wiederhergestelltem Druckausgleich; in der Regel nach 7-14 Tage nach klinischer Besserung
Barotrauma des Mittelohrs
(bereits aufgetreten)
  • Nicht flugreisetauglich, bis vollständige Heilung erreicht ist; Dauer: individuell, häufig 1-3 Wochen
Chronische Otitis media
(chronische Mittelohrentzündung)
Flugtauglich, wenn:
  • Keine akute Infektion
  • Kein Eiter
  • Keine Schmerzen
  • Stabile Druckverhältnisse bestehen
Nach Myringotomie
(kleiner Schnitt ins Trommelfell, um Flüssigkeit aus dem Mittelohr abzulassen und den Druckausgleich zu verbessern; kann mit oder ohne Paukenröhrchen erfolgen)
  • Im Regelfall flugtauglich, da durch das Röhrchen Druckausgleich gewährleistet ist
  • Bei Schmerzen oder Ausfluss → nicht flugtauglich
Nach Ohr-Operation
(z. B. Tympanoplastik, Stapes-OP)
  • Je nach Eingriff frühestens 2-6 Wochen danach
  • Exakte Freigabe durch HNO-Facharzt notwendig (Risiko von Schwindel, Druckschäden)
Paukenerguss
(Flüssigkeit im Mittelohr)
  • Nicht flugreisetauglich, da Druckausgleich gestört
  • Wieder flugtauglich nach vollständiger Auflösung des Ergusses
Perforiertes Trommelfell
(ohne akute Infektion)
  • Meist flugtauglich, da kein geschlossener Druckraum besteht
  • Nicht flugtauglich bei Entzündung oder frischer Verletzung bzw. OP
Tubenventilationsstörung
(Belüftungsstörung der Ohrtrompete)
  • Nur flugtauglich, wenn ein sicherer Druckausgleich möglich ist.
  • Bei chronischer Dysfunktion → evtl. Flug nur mit Druckausgleichshilfen (z. B. Otovent®), ärztlich entscheiden

Literatur

  1. McHugh N, Lyons RE, Keogh I, Flaherty GT: Ear, nose and throat disorders and international travel. Trop Dis Travel Med Vaccines. 2025;11(1):3. doi: 10.1186/s40794-024-00238-9.
  2. Ryan P, Treble A, Patel N, Jufas N: Prevention of otic barotrauma in aviation: a systematic review. Otol Neurotol. 2018;39(5):539-549. doi: 10.1097/MAO.0000000000001779.
  3. Basu A: Middle ear pain and trauma during air travel. BMJ Clin Evid. 2007;9:501.