Psychische und Verhaltensstörungen
Psychische und Verhaltensstörungen können die Flugreisetauglichkeit erheblich beeinflussen – weniger durch den Einfluss von Kabinenhöhe oder Sauerstoff, sondern vor allem durch die Gefahr unvorhersehbaren Verhaltens, akute Krisen und Probleme mit der Medikation.
Im Flugzeug kommen mehrere Stressoren zusammen: Enge, Geräuschpegel, fehlende Rückzugsmöglichkeit, Zeitdruck, Schlafmangel und oft Alkoholkonsum. Leitfrage bei allen psychischen Erkrankungen ist daher immer: Kann der aktuelle Zustand die sichere Durchführung des Fluges stören oder durch den Flug wesentlich verschlechtert werden?
Es gelten folgende Grundprinzipien:
- Die meisten Menschen mit gut eingestellten und stabilen psychischen Erkrankungen sind grundsätzlich flugreisetauglich.
- Instabile Zustände (akute Psychose, akute Manie, schwere depressive Episode mit Suizidalität, akuter Entzug, hochgradig unvorhersehbares oder aggressives Verhalten) gelten als nicht flugreisetauglich.
- Wichtig sind die regelmäßige Einnahme der Medikamente, ein klarer Krisenplan und – bei Bedarf – eine geeignete Begleitperson (vertraute Bezugsperson oder medizinisches Fachpersonal).
- Die endgültige Entscheidung liegt immer bei der Airline; häufig wird ein MEDIF/„Fit-to-Fly“-Formular verlangt.
Flugreisetauglichkeit bei psychischen und Verhaltensstörungen
| Krankheit | Passagier ist flugreisetauglich (Angabe der Zeiträume) | Hinweise/Besonderheiten |
| Angststörungen (Panikstörung, generalisierte Angststörung, Flugangst) |
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| Bipolare affektive Störung |
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| Depressive Störung (unipolar) |
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| Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)) |
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| Persönlichkeitsstörungen |
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| Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) |
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| Psychotische Störungen (z. B. Schizophrenie, schizoaffektive Störung) |
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| Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen (Alkohol, Benzodiazepine, illegale Drogen) |
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| Suizidalität/kürzlich suizidale Krise |
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| Zwangsstörung (Zwangsgedanken, Zwangshandlungen) |
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Wichtiger Hinweis:
Alle Zeitangaben sind Orientierungswerte auf Basis internationaler Empfehlungen und Expertenkonsens. Sie ersetzen nicht die individuelle Beurteilung durch Fachärzte für Psychiatrie/Psychosomatik oder erfahrene Reisemediziner. Die Airline trifft die endgültige Entscheidung, oft auf Basis eines ausgefüllten MEDIF-Formulars.
Literatur
- Thibeault C, Evans AD, Dowdall NP. AsMA Medical Guidelines for Air Travel: Fitness to fly and medical clearances. Aerosp Med Hum Perform. 2015;86(7):656-62. doi: 10.3357/AMHP.4222.2015.
- Civil Aviation Authority (CAA): Psychiatric conditions – Guidance for health professionals. London: UK Civil Aviation Authority
- Aviation Health Unit: Assessing fitness to fly – Guidelines for medical professionals. 2011. UK Civil Aviation Authority (CAA).
- Chiodini J: Fitness to fly. Practice Nurse. August 2019.
- Han CTJ, Flaherty G: Profile of travellers with preexisting medical conditions attending a specialist travel medicine clinic in Ireland. Journal of Travel Medicine, Volume 22, Issue 5, 1 September 2015, Pages 312-317,doi: 10.1111/jtm.12221.