Nervensystem

Neurologische Erkrankungen können die Flugreisetauglichkeit in besonderem Maße beeinflussen. Die physiologischen Bedingungen des Fliegens – ein reduzierter Sauerstoffpartialdruck in der Kabine (entspricht etwa 2.400 m Höhe), Druckschwankungen, trockene Luft sowie eingeschränkte Mobilität – können bestehende neurologische Störungen verschlechtern oder das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Im praktischen Alltag ist es allerdings weniger wahrscheinlich, dass Personen mit akuten Hirnblutungen oder frischen neurochirurgischen Eingriffen bewusst eine Flugreise antreten. Häufiger tritt eine neurologische Erkrankung bzw. ein Unfall mit entsprechenden schweren Verletzungen im Ausland auf, woraufhin ein medizinisch organisierter Rücktransport notwendig wird. Gerade für diese Situationen ist die korrekte Einschätzung der Flugreisetauglichkeit entscheidend.

Internationale Empfehlungen heben insbesondere den neurologischen Stabilitätszustand, aktuelle Bildgebungsbefunde, das Risiko intrakranieller Druckänderungen sowie die Anfalls- bzw. Rezidivgefahr als zentrale Entscheidungskriterien hervor.

Flugreisetauglichkeit bei neurologischen Erkrankungen

Krankheit Flugreisetauglichkeit (Angabe der Zeiträume) Anmerkungen
Epilepsie
(Krampfanfälle)
  • Grundsätzlich möglich, sofern Anfälle unter Kontrolle sind
  • Mindestens 24 Stunden nach einem Anfall sollte gewartet werden.
Attest des behandelnden Arztes erforderlich. Bei jüngsten oder unkontrollierten Anfällen ggf. Sedierung (Ruhigstellung) und Dosisanpassung des Antiepileptikums (Medikament zur Behandlung von Epilepsie) erwägen.
Schwere Gehirnerschütterung
  • Abhängig von neurologischer Beurteilung
  • Mindestens 10 Tage nach einer Operation oder bei anhaltenden Symptomen empfohlen.
Flug erst, wenn keine begleitende intrakranielle Blutung (z. B. Hämatom) oder erhöhter Hirndruck vorliegt.
Subarachnoidalblutung
(SAB; Blutung zwischen Gehirn und Hirnhaut)
  • Bei aneurysmatischer SAB (Blutung zwischen Gehirn und Hirnhaut, die entsteht, wenn ein Aneurysma plötzlich aufreißt) nach Intervention: üblicherweise mindestens 6 Wochen (teilweise sogar 8 Wochen) vor einem kommerziellen Flug empfohlen.
Bei Coiling (minimal-invasives Verfahren, bei dem ein geplatztes oder gefährdetes Hirnaneurysma von innen behandelt wird) evtl. kürzer – immer individuelle Clearance (offizielle medizinische Freigabe) durch Neurologie/Neurochirurgie erforderlich. Begleitung (Arzt/Versorgung) bis zu 3 Monaten kann sinnvoll sein.

Subduralhämatom (SDH; Blutung zwischen der harten Hirnhaut (Dura mater) und der Oberfläche des Gehirns)

oder

Epiduralhämatom (EDH; Blutung zwischen der Schädelinnenseite und der harten Hirnhaut (Dura mater))

Nach abgeschlossener Intervention bzw. stabiler Bildgebung:

  • Mindestens 2-4 Wochen Wartezeit
  • Bei anhaltenden Hämatomen oder Rezidivrisiko (Risiko für ein erneutes Auftreten) bis zu 6 Wochen oder länger.
Bei komplexen Fällen, Drainagen oder anhaltendem Hirnödem ist eine individuell abgestimmte Entscheidung erforderlich.

Literatur

  1. Amato-Watkins A, Rao VM, Leach P: Air travel after intracranial surgery: a survey of advice given to patients by consultant neurosurgeons in the UK. Br J Neurosurg. 2013;27(1):9-11. doi: 10.3109/02688697.2012.716176.
  2. Civil Aviation Authority: Neurology guidance material GM – Implementing Rules (IRs), Acceptable Means of Compliance (AMCs) and Guidance Material (GM) on neurological conditions. London: CAA.