Zucker

Zucker ist lebensmittelrechtlich kein Lebensmittelzusatzstoff, sondern eine Lebensmittelzutat und ein energieliefernder Nährstoff. Er wird in diesem Abschnitt dennoch behandelt, da Verbraucher Zucker, Süßstoffe und andere süßende Zutaten häufig gemeinsam unter dem Themenkomplex „Lebensmittelzusatzstoffe“ suchen.

Lebensmittelzusatzstoffe sind Stoffe, die normalerweise weder selbst als Lebensmittel verzehrt noch als charakteristische Lebensmittelzutat verwendet werden und Lebensmitteln zu einem technologischen Zweck zugesetzt werden. Saccharose, Glucose, Fructose und andere übliche Zuckerarten erfüllen diese Definition bei ihrer Verwendung als Lebensmittelzutaten nicht [1].

Für Zucker als Lebensmittelzutat bestehen daher weder eine E-Nummer noch ein im Rahmen des Zusatzstoffrechts festgelegter Wert für die akzeptable tägliche Aufnahmemenge. Davon zu unterscheiden ist der für Nährstoffe verwendete tolerierbare obere Zufuhrwert (höchste langfristig gesundheitlich unbedenkliche tägliche Aufnahmemenge). Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit konnte für Gesamtzucker, zugesetzte Zucker oder freie Zucker keinen wissenschaftlich belastbaren tolerierbaren oberen Zufuhrwert und keine sichere Zufuhrschwelle ableiten. Sie empfiehlt, die Aufnahme zugesetzter und freier Zucker im Rahmen einer bedarfsdeckenden Ernährung so niedrig wie möglich zu halten [5].

Lebensmittelrechtliche Einordnung

Die Angabe „davon Zucker“ in der verpflichtenden Nährwertdeklaration umfasst sämtliche im Lebensmittel enthaltenen Monosaccharide (Einfachzucker) und Disaccharide (Zweifachzucker) mit Ausnahme der mehrwertigen Alkohole. Sie erfasst sowohl natürlicherweise vorhandene als auch zugesetzte Zucker [2].

Aus der Angabe „davon Zucker“ lässt sich deshalb nicht erkennen, welcher Anteil des Gesamtzuckers zugesetzt wurde bzw. als freier Zucker einzustufen ist. Hinweise ergeben sich aus dem Zutatenverzeichnis, in dem die Zutaten grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt ihrer Verwendung aufgeführt werden [2].

Für nährwertbezogene Angaben gelten in der Europäischen Union folgende Voraussetzungen [3]:

Angabe Rechtliche Voraussetzung
Zuckerfrei höchstens 0,5 g Zucker pro 100 g bzw. 100 ml
Zuckerarm höchstens 5 g Zucker pro 100 g bei festen Lebensmitteln bzw. höchstens 2,5 g Zucker pro 100 ml bei flüssigen Lebensmitteln
Ohne Zuckerzusatz keine zugesetzten Monosaccharide oder Disaccharide und keine anderen wegen ihrer süßenden Wirkung verwendeten Lebensmittel; bei natürlicherweise enthaltenem Zucker ist der Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“ erforderlich
Zuckerreduziert mindestens 30 % weniger Zucker als ein vergleichbares Lebensmittel; der Energiegehalt darf nicht höher sein als beim Vergleichsprodukt

Die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet somit nicht, dass das Lebensmittel zuckerfrei, zuckerarm oder energiearm ist. Fruchtsäfte, Trockenfrüchte, Milchprodukte und andere Lebensmittel können erhebliche Mengen natürlicherweise vorkommender Zucker enthalten [2, 3].

Definitionen von Zucker

Für die ernährungsmedizinische und wissenschaftliche Bewertung muss zwischen Gesamtzucker, zugesetztem Zucker und freiem Zucker unterschieden werden. Die Begriffe sind nicht austauschbar [2, 4, 5].

Begriff Definition Beispiele
Gesamtzucker sämtliche im Lebensmittel vorhandenen Monosaccharide und Disaccharide unabhängig von ihrer Herkunft Zucker in Obst, Milch, Honig, Getränken, Süßwaren und verarbeiteten Lebensmitteln
Zugesetzter Zucker Zucker, der Lebensmitteln während der Herstellung, Zubereitung oder beim Verzehr zugesetzt wird; die genaue institutionelle Definition ist nicht vollständig einheitlich Saccharose, Glucose, Fructose, Glucosesirup, Fructosesirup und Invertzuckersirup
Freier Zucker alle zugesetzten Monosaccharide und Disaccharide sowie natürlicherweise in Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Fruchtsaftkonzentraten enthaltene Zucker Haushaltszucker, Honig, Agavendicksaft, Ahornsirup, Fruchtsaft und Fruchtsaftkonzentrat

Zucker in intaktem Obst und Gemüse sowie Lactose und Galactose in Milch und naturbelassenen Milchprodukten werden nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation nicht den freien Zuckern zugerechnet [4].

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit unterscheidet ebenfalls zwischen Gesamtzucker, zugesetzten Zuckern und freien Zuckern. Der wesentliche Unterschied zwischen zugesetzten und freien Zuckern besteht insbesondere darin, dass freie Zucker zusätzlich die Zucker aus Honig, Sirupen, Fruchtsäften, Gemüsesäften und entsprechenden Konzentraten einschließen [5].

Zuckerarten

Die ernährungsphysiologisch relevanten Zucker gehören zu den Monosacchariden und Disacchariden. Honig, Sirupe, Dicksäfte und Fruchtsaftkonzentrate sind keine eigenständigen chemischen Zuckerarten, sondern enthalten unterschiedliche Gemische dieser Kohlenhydrate.

Zuckerart Chemische Einordnung Typische Vorkommen
Glucose Monosaccharid Obst, Honig, Glucosesirup und Stärkeabbauprodukte
Fructose Monosaccharid Obst, Honig, Saccharose und fructosehaltige Sirupe
Galactose Monosaccharid Bestandteil der Lactose
Saccharose Disaccharid aus Glucose und Fructose Zuckerrüben, Zuckerrohr und Haushaltszucker
Lactose Disaccharid aus Glucose und Galactose Milch und Milchprodukte
Maltose Disaccharid aus zwei Glucosemolekülen Malz, gekeimtes Getreide und Stärkeabbauprodukte

Polyole wie Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit, Xylit und Erythrit gehören chemisch zu den Zuckeralkoholen. Sie werden in der europäischen Nährwertdeklaration nicht unter „davon Zucker“ erfasst. Mehrere Polyole sind als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen und besitzen im Gegensatz zu den üblichen Zuckerarten E-Nummern [1, 2].

Technologische Funktionen

Zucker wird Lebensmitteln nicht ausschließlich zur Süßung zugesetzt. Abhängig von Lebensmittel, Konzentration und Herstellungsverfahren erfüllt er mehrere technologische und sensorische Funktionen [7]:

  • Süßung und Geschmacksmodulation – Vermittlung von Süße, Abschwächung saurer oder bitterer Geschmackseindrücke und Abrundung des Aromaprofils
  • Volumen und Struktur – Beitrag zu Masse, Viskosität, Porenstruktur und Mundgefühl
  • Textur – Beeinflussung von Knusprigkeit, Weichheit, Gelbildung und Kristallisation
  • Wasserbindung – Beeinflussung der Wasseraktivität und der Feuchthaltung
  • Konservierung – Hemmung des mikrobiellen Wachstums bei ausreichend hoher Zuckerkonzentration, beispielsweise in Konfitüren und Gelees
  • Farb- und Aromabildung – Beteiligung reduzierender Zucker an der Maillard-Reaktion und Bildung von Karamellprodukten bei thermischer Behandlung
  • Fermentation – Bereitstellung eines Substrats für Hefen und andere Mikroorganismen
  • Gefrierverhalten – Erniedrigung des Gefrierpunktes und Beeinflussung der Eiskristallbildung, beispielsweise in Speiseeis

Eine Reduktion des Zuckergehalts kann deshalb eine umfassende Reformulierung des Lebensmittels erfordern. Der Ersatz der Süßkraft durch einen Süßstoff kompensiert nicht automatisch die strukturellen, konservierenden und physikalischen Funktionen des Zuckers [7].

Energiegehalt und Lebensmittelmatrix

Verwertbare Zucker liefern etwa 4 kcal bzw. 17 kJ pro Gramm. Die gesundheitliche Wirkung eines zuckerhaltigen Lebensmittels lässt sich jedoch nicht allein aus der chemischen Zuckerart ableiten. Relevant sind ebenfalls die aufgenommene Menge, die Gesamtenergiezufuhr, die Lebensmittelquelle, die flüssige oder feste Darreichungsform und die übrige Zusammensetzung des Lebensmittels [5, 9-11].

Die aktuelle Evidenz rechtfertigt deshalb keine pauschale Gleichsetzung von Zucker in zuckergesüßten Getränken, Fruchtsäften, Süßwaren, Milchprodukten und intaktem Obst. Besonders konsistente ungünstige Zusammenhänge bestehen für zuckergesüßte Getränke [8, 9, 11].

Körpergewicht und Adipositasrisiko (Risiko für starkes Übergewicht)

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien und randomisierter kontrollierter Studien bestätigt einen positiven Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und der Entwicklung des Körpergewichts [8].

In den prospektiven Kohortenstudien war jede zusätzliche tägliche Portion eines zuckergesüßten Getränks bei Kindern mit einem um 0,07 kg/m2 höheren Body-Mass-Index (Verhältnis des Körpergewichts zur Körpergröße) und bei Erwachsenen mit einem um 0,42 kg höheren Körpergewicht verbunden. In den randomisierten kontrollierten Studien führte die zusätzliche Aufnahme zuckergesüßter Getränke bei Erwachsenen gegenüber den Kontrollgruppen zu einer mittleren Gewichtszunahme von 0,83 kg. Die Reduktion zuckergesüßter Getränke führte zu einer mittleren Gewichtsabnahme von 0,49 kg [8].

Diese Ergebnisse beziehen sich auf zuckergesüßte Getränke und dürfen nicht ohne Weiteres auf alle zuckerhaltigen Lebensmittel übertragen werden. Bei der Bewertung des Körpergewichts sind insbesondere die zusätzliche Energiezufuhr und die Lebensmittelquelle zu berücksichtigen [5, 8, 11].

Typ-2-Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Die Evidenz spricht gegen eine undifferenzierte Gleichsetzung sämtlicher Zuckerarten und Zuckerquellen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus [9].

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Dosis-Wirkungs-Metaanalyse prospektiver Kohortenstudien aus dem Jahr 2025 zeigte für jede zusätzliche tägliche Portion eines zuckergesüßten Getränks ein um 25 % höheres relatives Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus. Für jede zusätzliche tägliche Portion Fruchtsaft wurde ein um 5 % höheres relatives Risiko ermittelt. Die Evidenzsicherheit wurde für beide Getränkeexpositionen als moderat bewertet [9].

Für zugesetzten Zucker zeigte sich keine statistisch signifikante Assoziation mit dem Diabetesrisiko, wobei die Evidenzsicherheit niedrig war. Für Fructose zeigte sich ebenfalls keine statistisch signifikante Assoziation; die Evidenzsicherheit war sehr niedrig [9].

Die Ergebnisse unterstützen damit vor allem eine Reduktion zuckergesüßter Getränke. Sie belegen nicht, dass jede Form von Zucker unabhängig von Lebensmittelquelle, Dosis und Energiezufuhr das Diabetesrisiko in gleicher Weise erhöht [9].

Kardiometabolische Risikofaktoren (Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen)

Eine Netzwerk-Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien untersuchte den isokalorischen Austausch von Fructose, Glucose, Saccharose und Stärke. Die Ergebnisse zeigten keine einheitliche Rangfolge, nach der eine einzelne Zuckerart sämtliche kardiometabolischen Risikoparameter konsistent stärker beeinflusst als andere Kohlenhydrate [10].

Einzelne Unterschiede zeigten sich unter anderem für Lipoproteine (Fett-Eiweiß-Transportteilchen im Blut), Triglyceride (Neutralfette), Harnsäure (Stoffwechselabbauprodukt) und Parameter der Glucoseregulation (Blutzuckerregulation). Die Evidenzsicherheit variierte je nach Vergleich und Endpunkt von sehr niedrig bis moderat [10].

Diese Ergebnisse sprechen dagegen, die kardiometabolische Wirkung eines Lebensmittels ausschließlich anhand einer einzelnen enthaltenen Zuckerart zu bewerten. Für die klinische Beurteilung sind die Gesamtenergiezufuhr, die Lebensmittelquelle und das gesamte Ernährungsmuster entscheidend [5, 10].

Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (Fettlebererkrankung infolge einer Stoffwechselstörung)

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse kontrollierter Ernährungsstudien untersuchte fructosehaltige Zucker aus unterschiedlichen Lebensmittelquellen bei unterschiedlicher Energiekontrolle. Wurden fructosehaltige Zucker als zusätzliche Energie aufgenommen, erhöhte sich der intrahepatische Fettgehalt (Fettgehalt in der Leber). Dieser Effekt wurde wesentlich durch zuckergesüßte Getränke bestimmt [11].

Bei einem isokalorischen Austausch fructosehaltiger Zucker gegen andere Makronährstoffe zeigte sich dagegen kein statistisch signifikanter Effekt auf den intrahepatischen Fettgehalt. Die Autoren folgerten, dass sowohl die Energiebilanz als auch die Lebensmittelquelle die Wirkung fructosehaltiger Zucker auf Leberparameter bestimmen [11].

Die Evidenz unterstützt daher die Vermeidung eines Energieüberschusses durch zuckergesüßte Getränke. Sie belegt keine von der Energiezufuhr und der Lebensmittelquelle unabhängige spezifische Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung) üblicher Fructosemengen [11].

Zahnkaries (Zahnfäule)

Für Zahnkaries besteht eine konsistente und biologisch plausible Beziehung zur Aufnahme freier Zucker. Orale Mikroorganismen metabolisieren fermentierbare Kohlenhydrate zu organischen Säuren, wodurch wiederholte Phasen einer Demineralisation (Mineralverlust) der Zahnhartsubstanz (harten Zahnsubstanz) entstehen können [4, 5, 12].

Eine aktualisierte systematische Übersichtsarbeit zeigte bei Kindern und Erwachsenen überwiegend geringere Karieswerte, wenn die Zuckerzufuhr weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr betrug. Sechs von sieben auswertbaren Studien bei Kindern und alle vier auswertbaren Studien bei Erwachsenen zeigten bei einer Zufuhr unter 10 % der Gesamtenergie geringere Karieswerte als bei einer höheren Zufuhr [12].

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deshalb, die Zufuhr freier Zucker auf weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen. Eine weitere Reduktion auf weniger als 5 % kann insbesondere für die Kariesprävention zusätzliche Vorteile bieten, beruht jedoch auf einer weniger belastbaren Evidenzgrundlage [4, 12].

Weitere gesundheitliche Endpunkte

Ein Umbrella-Review von Metaanalysen berichtete statistische Assoziationen einer hohen Zuckerzufuhr mit zahlreichen metabolischen (stoffwechselbezogenen), kardiovaskulären (Herz-Kreislauf-bezogenen), onkologischen (Krebserkrankungen betreffenden) und weiteren gesundheitlichen Endpunkten [13].

Die Evidenzqualität war jedoch für viele dieser Zusammenhänge niedrig oder sehr niedrig. Zahlreiche Ergebnisse beruhten auf Beobachtungsstudien mit erheblicher Heterogenität, möglichen Störfaktoren und unterschiedlichen Definitionen der Zuckerexposition [13].

Aus diesen epidemiologischen Assoziationen lässt sich daher keine pauschale Aussage ableiten, jeder Zucker sei unabhängig von Dosis, Lebensmittelquelle und Energiezufuhr unmittelbar toxisch oder karzinogen (krebserregend).

Mikronährstoffmedizinische Bedeutung

Raffinierte Saccharose liefert Energie, trägt jedoch nicht in relevantem Umfang zur Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen, essenziellen Fettsäuren, Protein oder Ballaststoffen bei.

Eine hohe Aufnahme zugesetzter bzw. freier Zucker kann die Nährstoffdichte der Gesamternährung vermindern, wenn zuckerreiche Lebensmittel nährstoffreichere Lebensmittel verdrängen. Ein aktueller systematischer Review fand überwiegend inverse Assoziationen zwischen einer hohen Aufnahme zugesetzter bzw. freier Zucker und der Ernährungsqualität sowie der Aufnahme von Ballaststoffen, Vitamin D, Calcium und Kalium [14].

Die eingeschlossenen Studien waren jedoch ausschließlich Querschnittsstudien. Die Evidenzsicherheit wurde deshalb als sehr niedrig bewertet. Die beobachteten Zusammenhänge erlauben keine kausale Schlussfolgerung, und die Effektstärken waren überwiegend gering bis moderat [14].

Für Gesamtzucker waren die Ergebnisse uneinheitlicher. Dies ist plausibel, da Gesamtzucker ebenfalls Zucker aus Obst, Milch und anderen Lebensmitteln mit höherer Mikronährstoffdichte umfasst [14].

Aus dem Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen im Kohlenhydratstoffwechsel lässt sich keine Indikation für eine routinemäßige Mikronährstoffsupplementierung (ergänzende Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen) bei Zuckerverzehr ableiten. Mikronährstoffdefizite (Mangelzustände bei Vitaminen und Mineralstoffen) sollen anhand der Ernährungsanamnese (Erhebung der Ernährungsgewohnheiten), der klinischen Konstellation und geeigneter Laborparameter individuell beurteilt und gezielt behandelt werden.

Zufuhrsempfehlungen

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen und Kindern, die Zufuhr freier Zucker auf weniger als 10 % der Gesamtenergiezufuhr zu begrenzen [4]. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft, die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung haben diese Empfehlung für Deutschland übernommen [6].

Bei einer täglichen Energiezufuhr von 2.000 kcal entsprechen 10 % der Gesamtenergiezufuhr etwa 50 g freien Zuckern. Dabei handelt es sich um eine Obergrenze und nicht um eine anzustrebende Zufuhrmenge [4, 6].

Eine weitere Reduktion auf weniger als 5 % der Gesamtenergiezufuhr entspricht bei 2.000 kcal etwa 25 g freien Zuckern pro Tag. Diese Empfehlung ist bedingt und stützt sich insbesondere auf mögliche zusätzliche Vorteile für die Kariesprävention [4, 12].

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit konnte keine wissenschaftlich belastbare Aufnahmemenge bestimmen, unterhalb derer gesundheitliche Risiken sicher ausgeschlossen werden können. Sie empfiehlt daher, zugesetzte und freie Zucker im Rahmen einer bedarfsdeckenden Ernährung so niedrig wie möglich aufzunehmen [5].

Die Empfehlungen beziehen sich auf freie bzw. zugesetzte Zucker und nicht auf den gesamten analytisch bestimmten Zucker eines Lebensmittels. Zucker in intaktem Obst und Gemüse sowie Lactose und Galactose in Milch werden nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation nicht den freien Zuckern zugerechnet [4].

Praktische Bewertung zuckerhaltiger Lebensmittel

  • Zuckergesüßte Getränke – besonders relevante Quelle zusätzlicher Energie mit konsistenter Evidenz für Gewichtszunahme und ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes mellitus [8, 9]
  • Fruchtsäfte – enthalten nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation freie Zucker und sind hinsichtlich der Lebensmittelmatrix nicht mit intaktem Obst gleichzusetzen [4, 9]
  • Smoothies – erfordern eine produktspezifische Bewertung; die Definition der Weltgesundheitsorganisation ordnet Fruchtsäfte und Fruchtsaftkonzentrate ausdrücklich den Quellen freier Zucker zu, enthält jedoch keine pauschale Definition sämtlicher Smoothieprodukte [4]
  • Honig, Sirupe und Dicksäfte – gelten trotz ihrer natürlichen Herkunft als Quellen freier Zucker [4, 5]
  • Gesüßte Milchprodukte – die Angabe „davon Zucker“ umfasst sowohl natürliche Lactose als auch gegebenenfalls zugesetzte Zucker [2]
  • Produkte ohne Zuckerzusatz – können von Natur aus erhebliche Zuckermengen enthalten und sind nicht automatisch zuckerfrei oder energiearm [2, 3]

Eine besonders wirksame praktische Maßnahme besteht darin, zuckergesüßte Getränke durch Wasser oder ungesüßte Getränke zu ersetzen. Zusätzlich sind die Portionsgröße, die Verzehrhäufigkeit, die Gesamtenergiezufuhr und die Qualität des gesamten Ernährungsmusters zu berücksichtigen [6, 8, 9].

Fazit

Zucker ist kein Lebensmittelzusatzstoff, sondern eine Lebensmittelzutat und ein energieliefernder Nährstoff. Die Aufnahme wird deshalb nicht über E-Nummern oder einen zusatzstoffrechtlichen Wert für die akzeptable tägliche Aufnahmemenge geregelt.

Für Zucker konnte auch kein tolerierbarer oberer Zufuhrwert bestimmt werden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt, zugesetzte und freie Zucker im Rahmen einer bedarfsdeckenden Ernährung so niedrig wie möglich aufzunehmen [5].

Für die gesundheitliche Bewertung ist die Unterscheidung zwischen Gesamtzucker, zugesetztem Zucker und freiem Zucker entscheidend. Die konsistenteste Evidenz für gesundheitliche Nachteile besteht für eine hohe Aufnahme freier Zucker, insbesondere aus zuckergesüßten Getränken, sowie für die Entstehung von Zahnkaries [4, 5, 8, 9, 12].

Die metabolischen Auswirkungen werden wesentlich durch die Gesamtenergiezufuhr, die Lebensmittelquelle, die Darreichungsform und die Lebensmittelmatrix bestimmt. Die verfügbare Evidenz rechtfertigt weder eine pauschale Gleichsetzung sämtlicher Zuckerquellen noch die Annahme einer von Dosis und Energiezufuhr unabhängigen spezifischen Toxizität einzelner Zuckerarten.

Aus mikronährstoffmedizinischer Sicht besteht das Hauptproblem einer hohen Zufuhr zugesetzter bzw. freier Zucker in der niedrigen Nährstoffdichte entsprechender Lebensmittel und der möglichen Verdrängung nährstoffreicher Lebensmittel. Die Evidenz für eine dadurch verursachte unzureichende Mikronährstoffversorgung ist jedoch sehr niedrig und erlaubt keine pauschalen kausalen Aussagen [14]. Eine routinemäßige Mikronährstoffsupplementierung allein aufgrund eines erhöhten Zuckerverzehrs ist wissenschaftlich nicht begründet.

Literatur

  1. Europäisches Parlament und Rat: Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe. Konsolidierte Fassung vom 18. Februar 2026. EUR-Lex
  2. Europäisches Parlament und Rat: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel. Konsolidierte Fassung vom 1. April 2025. EUR-Lex
  3. Europäisches Parlament und Rat: Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Konsolidierte Fassung vom 13. Dezember 2014. EUR-Lex
  4. World Health Organization: Guideline: Sugars intake for adults and children. Geneva: World Health Organization; 2015. WHO Guideline
  5. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens: Tolerable upper intake level for dietary sugars. EFSA J. 2022;20:e07074. doi:10.2903/j.efsa.2022.7074
  6. Ernst JB, Arens-Azevêdo U, Bitzer B et al.: Quantitative recommendation on sugar intake in Germany. Short version of the consensus paper by the German Obesity Society (DAG), German Diabetes Society (DDG) and German Nutrition Society (DGE). Ernahrungs Umschau. 2019;66:26-34. doi:10.4455/eu.2019.006
  7. Clemens RA, Jones JM, Kern M, Lee SY, Mayhew EJ, Slavin JL, Zivanovic S: Functionality of Sugars in Foods and Health. Compr Rev Food Sci Food Saf. 2016;15:433-470. doi:10.1111/1541-4337.12194
  8. Nguyen M, Jarvis SE, Tinajero MG et al.: Sugar-sweetened beverage consumption and weight gain in children and adults: a systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies and randomized controlled trials. Am J Clin Nutr. 2023;117:160-174. doi:10.1016/j.ajcnut.2022.11.008
  9. Della Corte KA, Bosler T, McClure C et al.: Dietary Sugar Intake and Incident Type 2 Diabetes Risk: A Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. Adv Nutr. 2025;16:100413. doi:10.1016/j.advnut.2025.100413
  10. Schwingshackl L, Neuenschwander M, Hoffmann G, Buyken AE, Schlesinger S: Dietary sugars and cardiometabolic risk factors: a network meta-analysis on isocaloric substitution interventions. Am J Clin Nutr. 2020;111:187-196. doi:10.1093/ajcn/nqz273
  11. Lee D, Chiavaroli L, Ayoub-Charette S et al.: Important Food Sources of Fructose-Containing Sugars and Non-Alcoholic Fatty Liver Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis of Controlled Trials. Nutrients. 2022;14:2846. doi:10.3390/nu14142846
  12. Moores CJ, Kelly SAM, Moynihan PJ: Systematic Review of the Effect on Caries of Sugars Intake: Ten-Year Update. J Dent Res. 2022;101:1034-1045. doi:10.1177/00220345221082918
  13. Huang Y, Chen Z, Chen B et al.: Dietary sugar consumption and health: umbrella review. BMJ. 2023;381:e071609. doi:10.1136/bmj-2022-071609
  14. Cara KC, Fan Z, Chiu YH, Jiang X, Alhmly HF, Chung M: Associations between Intake of Dietary Sugars and Diet Quality: A Systematic Review of Recent Literature. Nutrients. 2024;16:1549. doi:10.3390/nu16111549