Feuchthaltemittel
Füllstoffe sind Lebensmittelzusatzstoffe, die das Volumen eines Lebensmittels erhöhen, ohne wesentlich zu dessen Gehalt an verwertbarer Energie beizutragen. Sie werden insbesondere eingesetzt, wenn größere Mengen energieliefernder Zutaten wie Zucker oder Fett ersetzt werden und Masse, Volumen, Textur oder Mundgefühl des Lebensmittels erhalten werden sollen [1].
Füllstoffe bilden chemisch, physikochemisch und metabolisch keine einheitliche Stoffgruppe. Zu den Zusatzstoffen, die abhängig von Produkt und Hauptfunktion als Füllstoffe eingesetzt werden können, gehören insbesondere Polydextrose, unmodifizierte und modifizierte Cellulosen sowie verschiedene Polyole. Mehrere dieser Stoffe können gleichzeitig als Süßungsmittel, Feuchthaltemittel, Verdickungsmittel, Stabilisatoren oder Trägerstoffe wirken [1, 3-6].
Für Füllstoffe als Funktionsklasse liegt keine einheitliche klinische Evidenz aus Metaanalysen vor. Die gesundheitliche und mikronährstoffmedizinische Bewertung muss deshalb substanz-, dosis- und formulierungsspezifisch erfolgen. Belastbare Bewertungen liegen vor allem für Cellulosen, Polydextrose und Erythritol sowie zur gastrointestinalen Verträglichkeit (Verträglichkeit im Magen-Darm-Trakt) von Polyolen und anderen nicht verdaulichen Kohlenhydraten vor [4-8].
Definition und Abgrenzung
Die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 definiert Füllstoffe anhand ihrer technologischen Funktion. Die Einordnung einer Substanz als Füllstoff hängt daher nicht allein von ihrer chemischen Identität, sondern von ihrer Hauptfunktion im konkreten Lebensmittel ab [1].
Füllstoffe sind insbesondere von folgenden Stoffgruppen abzugrenzen:
- Trägerstoffe – erleichtern die Handhabung, Dosierung oder gleichmäßige Verteilung eines Zusatzstoffs, Aromas, Enzyms, Nährstoffs oder sonstigen Stoffes
- Verdickungsmittel – erhöhen primär die Viskosität eines Lebensmittels
- Stabilisatoren – erhalten den physikalisch-chemischen Zustand bzw. die gleichmäßige Verteilung dispergierter Bestandteile
- Feuchthaltemittel – vermindern das Austrocknen eines Lebensmittels oder unterstützen die Auflösung pulverförmiger Bestandteile in einem wässrigen Medium
- Süßungsmittel – verleihen Lebensmitteln einen süßen Geschmack
- Lebensmittelzutaten mit Ballaststoffcharakter – sind nicht allein aufgrund ihrer volumenbildenden Eigenschaften Lebensmittelzusatzstoffe
- Pharmazeutische Hilfsstoffe – unterliegen bei der Arzneimittelherstellung anderen rechtlichen und pharmazeutischen Anforderungen
Eine Substanz kann in unterschiedlichen Produkten mit unterschiedlichen Funktionsklassen gekennzeichnet werden. So können Polyole gleichzeitig Volumen bereitstellen, süßen und Feuchtigkeit binden. Cellulosederivate werden abhängig von ihrer Formulierung unter anderem als Füllstoffe, Verdickungsmittel oder Stabilisatoren verwendet [1, 3, 4].
Rechtliche Einordnung und Kennzeichnung
Die Aufnahme eines Zusatzstoffs in die Unionsliste bedeutet keine uneingeschränkte Zulassung für sämtliche Lebensmittel. Maßgeblich sind die zugelassenen Lebensmittelkategorien, Höchstmengen, besonderen Verwendungsvoraussetzungen bzw. das Prinzip quantum satis [1].
Im Zutatenverzeichnis werden Zusatzstoffe grundsätzlich mit der Bezeichnung ihrer Funktionsklasse und anschließend mit ihrem spezifischen Namen oder ihrer E-Nummer angegeben. Wird Polydextrose in einem Lebensmittel hauptsächlich als Füllstoff eingesetzt, kann die Kennzeichnung beispielsweise „Füllstoff: Polydextrose“ oder „Füllstoff: E 1200“ lauten [1, 2].
Lebensmittel, denen mehr als 10 % Polyole zugesetzt wurden, müssen den Hinweis tragen, dass ein übermäßiger Verzehr abführend wirken kann [2]. Diese Kennzeichnungspflicht bezieht sich auf zugesetzte Polyole und gilt unabhängig davon, ob sie im konkreten Produkt primär als Füllstoff oder als Süßungsmittel eingesetzt werden.
Lebensmitteltechnologische Funktion
Die Verringerung von Zucker oder Fett verändert nicht nur den Energiegehalt eines Lebensmittels, sondern unter anderem auch Volumen, Masse, Wasseraktivität, Textur, Mundgefühl, Gefrierverhalten, Kristallisation und Aromafreisetzung. Intensiv süßende Stoffe können zwar die Süße ersetzen, liefern aufgrund ihrer geringen Einsatzmenge jedoch nicht die ursprüngliche Masse des Zuckers. Füllstoffe übernehmen deshalb insbesondere in zuckerreduzierten und energiereduzierten Rezepturen strukturelle Funktionen [1, 3-6].
Die technologische Wirkung wird insbesondere durch folgende Eigenschaften bestimmt:
- Molekülgröße und Molekülstruktur
- Löslichkeit und Dispergierbarkeit
- Wasserbindungsvermögen
- Viskosität und Gelbildungsvermögen
- Kristallisationsverhalten
- Hygroskopizität
- Süßkraft und sensorisches Profil
- Temperatur- und Säurestabilität
- Verdaulichkeit und mikrobielle Fermentierbarkeit
Ein Füllstoff kann deshalb nicht ohne formulierungsspezifische Prüfung durch einen anderen ersetzt werden. Polydextrose, Cellulosen und Polyole unterscheiden sich erheblich hinsichtlich Löslichkeit, Süßkraft, Wasserbindung, gastrointestinaler Verarbeitung und verfügbarer Energie [4-8].
Relevante Stoffgruppen
| Zusatzstoff bzw. Stoffgruppe | E-Nummer | Physiologische Eigenschaften | Technologische Einordnung |
|---|---|---|---|
| Mikrokristalline Cellulose und Cellulosepulver | E 460(i), E 460(ii) | Weitgehend unverdauliche und schwer fermentierbare partikuläre Cellulosen | Volumenbildung, Texturbeeinflussung, Stabilisierung und Trägerfunktion [3, 4] |
| Modifizierte Cellulosen | E 461-E 466, E 468 und E 469 | Je nach Substitutionsgrad unterschiedliche Löslichkeit, Quellfähigkeit, Wasserbindung und Viskosität | Füllstofffunktion möglich, häufig zugleich Verwendung als Verdickungsmittel, Stabilisator oder Trägerstoff [3, 4] |
| Polydextrose | E 1200 | Stark verzweigtes Glucosepolymer mit geringer Dünndarmverdaulichkeit und partieller mikrobieller Fermentation im Dickdarm | Volumenbildung, Beeinflussung von Textur und Mundgefühl, teilweiser Ersatz von Zucker oder Fett, zusätzliche Funktion als Feuchthaltemittel oder Trägerstoff möglich [3, 5] |
| Sorbit und Mannit | E 420, E 421 | Unvollständige und dosisabhängige intestinale Resorption (Aufnahme aus dem Darm in den Körper) mit osmotischer und fermentativer Wirkung nicht resorbierter Anteile | Volumenersatz für Zucker, Süßungsmittel und Feuchthaltemittel [1, 3, 7] |
| Isomalt, Maltit, Lactit und Xylit | E 953, E 965, E 966 und E 967 | Substanzspezifische Resorption und Metabolisierung, bei höheren Mengen osmotische Wasserretention und mikrobielle Fermentation | Volumen- und Masseersatz für Zucker, zugleich Süßungsmittel und teilweise Feuchthaltemittel [1, 3, 7] |
| Erythritol | E 968 | Weitgehende Dünndarmresorption und überwiegend unveränderte renale Ausscheidung (Ausscheidung über die Nieren), geringe mikrobielle Fermentation | Volumenersatz für Zucker und Süßungsmittel mit geringer verfügbarer Energie [3, 6] |
Die Tabelle enthält eine Auswahl besonders relevanter Stoffe und stellt keine vollständige Liste aller Zusatzstoffe dar, die in einer bestimmten Rezeptur eine volumenbildende Funktion übernehmen können.
Regulatorische Sicherheitsbewertung
Die Sicherheitsbewertung erfolgt für jeden Zusatzstoff gesondert. Berücksichtigt werden unter anderem Identität, Reinheit, mögliche Verunreinigungen, Toxikokinetik (Aufnahme, Verteilung, Umwandlung und Ausscheidung eines Stoffes im Körper), Genotoxizität (Schädigung des Erbguts), subchronische und chronische Toxizität (gesundheitsschädliche Wirkung bei mittelfristiger bzw. langfristiger Aufnahme), Reproduktions- und Entwicklungstoxizität (schädliche Wirkung auf Fortpflanzung und Entwicklung des ungeborenen Kindes) sowie die Exposition verschiedener Bevölkerungsgruppen [4-6].
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam bei der Neubewertung der unmodifizierten und modifizierten Cellulosen E 460(i), E 460(ii), E 461-E 466, E 468 und E 469 zu dem Ergebnis, dass keine numerische akzeptable tägliche Aufnahmemenge (lebenslang täglich gesundheitlich tolerierbare Aufnahmemenge) erforderlich war und bei den berichteten Verwendungen und Verwendungsmengen kein Sicherheitsproblem bestand [4].
Auch für Polydextrose E 1200 wurde keine numerische akzeptable tägliche Aufnahmemenge als erforderlich angesehen. Bei den bewerteten Verwendungen und Verwendungsmengen identifizierte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kein Sicherheitsproblem. Dosisabhängige gastrointestinale Wirkungen bleiben von dieser toxikologischen Bewertung unberührt [5].
Für Erythritol E 968 legte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit dagegen eine numerische akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 0,5 g/kg Körpergewicht und Tag fest. Grundlage war der untere Wert des Bereichs der in Humaninterventionsstudien beobachteten Dosen ohne Diarrhoe (Durchfall). Die Behörde bewertete diesen Wert als Schutz vor unmittelbaren laxierenden Wirkungen sowie vor möglichen chronischen Folgen wiederholter Diarrhoen, insbesondere Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts [6].
Die modellierten hohen akuten und chronischen Erythritolexpositionen lagen in mehreren Bevölkerungsgruppen auf Höhe oder oberhalb dieser akzeptablen täglichen Aufnahmemenge. Die Expositionsmodelle wurden zwar als konservativ und wahrscheinlich überschätzend eingeordnet, Personen mit hoher Aufnahme können jedoch einem erhöhten Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen ausgesetzt sein [6].
Beobachtungsstudien berichteten Zusammenhänge zwischen erhöhten zirkulierenden Erythritolkonzentrationen und kardiovaskulären Ereignissen (Herz-Kreislauf-Ereignissen). Nach der Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ist ein kausaler Zusammenhang zwischen der alimentären Aufnahme von Erythritol als Zusatzstoff und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko bislang nicht nachgewiesen. Zirkulierendes Erythritol kann auch endogen gebildet werden und einen Marker bereits bestehender metabolischer Störungen (Stoffwechselstörungen) darstellen. Eine abschließende kardiovaskuläre Langzeitbewertung ist aufgrund fehlender geeigneter Interventionsstudien nicht möglich [6].
Eine fehlende Notwendigkeit für eine numerische akzeptable tägliche Aufnahmemenge bedeutet weder unbegrenzte individuelle Verträglichkeit noch einen gesundheitlichen Nutzen. Gastrointestinale Beschwerden können bei nicht verdaulichen oder unvollständig resorbierten Kohlenhydraten bereits bei Aufnahmemengen auftreten, die toxikologisch nicht als systemisch schädlich bewertet werden [5-8].
Verdauung, Resorption und verfügbare Energie
Die gastrointestinale Verarbeitung unterscheidet sich erheblich zwischen den einzelnen Füllstoffen.
- Unmodifizierte Cellulose – wird durch humane Verdauungsenzyme nicht hydrolysiert und gelangt überwiegend in den Dickdarm, die mikrobielle Fermentation ist im Vergleich zu gut fermentierbaren löslichen Kohlenhydraten begrenzt [4, 8]
- Modifizierte Cellulosen – zeigen abhängig von Substitution und Löslichkeit unterschiedliche Quellungs- und Viskositätseigenschaften, eine relevante systemische Resorption der hochmolekularen Polymere ist nicht zu erwarten [4]
- Polydextrose – wird im Dünndarm nur in begrenztem Umfang verdaut bzw. resorbiert und im Dickdarm teilweise zu kurzkettigen Fettsäuren (von Darmbakterien gebildeten kleinen Fettsäuren) und Gasen fermentiert [5]
- Polyole – werden substanz- und dosisabhängig resorbiert, nicht resorbierte Anteile erhöhen die osmotische Wasserretention im Darmlumen und können mikrobiell fermentiert werden [6-8]
- Erythritol – wird weitgehend resorbiert, nur geringfügig metabolisiert und überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden [6]
Die rechtliche Definition eines Füllstoffs setzt keinen vollständig fehlenden Energiebeitrag voraus. Fermentierbare Polymere und zahlreiche Polyole können in unterschiedlichem Umfang verwertbare Energie liefern. Der Energiegehalt eines Lebensmittels ergibt sich deshalb aus der Gesamtformulierung und nicht allein aus der Anwesenheit eines Füllstoffs [1, 2, 5, 6].
Einfluss auf die postprandiale Glykämie (Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit)
Werden Zucker in einem Lebensmittel oder Getränk durch bestimmte zugelassene Zuckerersatzstoffe ersetzt, fällt der postprandiale Blutzuckeranstieg im Regelfall geringer aus als nach dem entsprechenden zuckerhaltigen Vergleichsprodukt. Diese Aussage gilt für die geprüften Substanzen und Verwendungsbedingungen und darf nicht als einheitlicher Klasseneffekt sämtlicher Füllstoffe interpretiert werden [9].
Polyole unterscheiden sich deutlich in ihrer Resorption und Metabolisierung. Erythritol zeigte in den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit bewerteten kurzfristigen Humanstudien keinen relevanten Effekt auf die postprandiale Glucosehomöostase (Regulation des Blutzuckerspiegels). Aussagekräftige Langzeitstudien zu glykämischen Endpunkten wurden jedoch nicht identifiziert [6].
Die Kennzeichnungen „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ sind nicht mit „kohlenhydratfrei“, „energiefrei“ oder „ohne Einfluss auf die postprandiale Glykämie“ gleichzusetzen. Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) müssen der konkrete Zuckerersatzstoff, dessen Menge, die übrigen verwertbaren Kohlenhydrate, die Lebensmittelmatrix und die Portionsgröße berücksichtigt werden [2, 6, 9].
Einfluss auf Energieaufnahme und Körpergewicht
Eine Metaanalyse von sechs akuten Interventionsstudien ergab nach der Aufnahme von Polydextrose eine geringe Verminderung der freiwilligen Energieaufnahme bei der unmittelbar nachfolgenden Mahlzeit. Für die Energieaufnahme während des restlichen Tages und für die gesamte tägliche Energieaufnahme zeigte die gepoolte Analyse keinen signifikanten Unterschied [10].
Die eingeschlossenen Studien waren klein, untersuchten kurzfristige Endpunkte und wurden wesentlich unter Beteiligung des Herstellers von Polydextrose durchgeführt. Aus den Ergebnissen lässt sich deshalb weder eine nachhaltige Verminderung der Energiezufuhr noch eine langfristige Gewichtsreduktion oder Prävention der Adipositas (Fettleibigkeit) ableiten [10].
Auch bei anderen Füllstoffen hängt eine mögliche Energieeinsparung von der tatsächlich ersetzten Zutat, dem Energiegehalt des Ersatzstoffs, kompensatorischer Nahrungsaufnahme, Portionsgröße und Gesamtrezeptur ab. Die Anwesenheit eines Füllstoffs allein belegt daher keine klinisch relevante Verringerung der Energieaufnahme.
Gastrointestinale Verträglichkeit
Die häufigsten unerwünschten Wirkungen größerer Mengen niedrig verdaulicher Füllstoffe betreffen den Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt). Wesentliche Mechanismen sind osmotische Wasserretention, mikrobielle Fermentation, Gasbildung und Veränderungen des Stuhlvolumens [5-8].
Mögliche Beschwerden umfassen:
- Flatulenz (Blähungen)
- abdominelles Druck- oder Völlegefühl (Druck- oder Völlegefühl im Bauch)
- Bauchschmerzen oder Krämpfe
- Borborygmen (Darmgeräusche)
- gesteigerten Stuhldrang
- weichen Stuhl
- osmotische Diarrhoe (wässrigen Durchfall durch vermehrten Wassereinstrom in den Darm)
Der systematische Review zur gastrointestinalen Wirkung von Polyolen zeigt eine überwiegend dosisabhängige Symptomatik. Die Verträglichkeit wird durch den konkreten Stoff, die Einzeldosis, die Kombination verschiedener Polyole, die Lebensmittelmatrix, die individuelle Resorptionskapazität und die Zusammensetzung der Darmmikrobiota (Gesamtheit der Darmmikroorganismen) beeinflusst [7].
Für nicht verdauliche Kohlenhydrate insgesamt zeigt die verfügbare Evidenz eine erhebliche Heterogenität der individuellen Symptomschwellen. Ergebnisse zu einem bestimmten Stoff können deshalb nicht auf sämtliche Füllstoffe oder Polyole übertragen werden [8].
Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom (funktioneller Darmerkrankung mit wiederkehrenden Bauchbeschwerden) können Polyole aufgrund ihrer osmotischen und fermentativen Eigenschaften Beschwerden auslösen. Die individuelle Verträglichkeit variiert jedoch erheblich. Eine pauschale und dauerhafte Elimination sämtlicher Polyole oder Füllstoffe ist ohne reproduzierbaren Zusammenhang zwischen Exposition und Symptomatik nicht gerechtfertigt [7].
Darmmikrobiota und Stuhlfunktion
Fermentierbare Füllstoffe können Zusammensetzung und Stoffwechselaktivität der Darmmikrobiota sowie die Bildung kurzkettiger Fettsäuren, den fäkalen pH-Wert (Säuregrad des Stuhls) und Stuhlparameter beeinflussen. Besonders für Polydextrose wurden entsprechende Veränderungen beschrieben [5, 8].
Diese Effekte sind dosis-, matrix- und personenspezifisch. Veränderungen einzelner Bakteriengruppen, mikrobieller Metabolite oder Stuhlparameter sind nicht automatisch mit einem klinisch relevanten gesundheitlichen Nutzen gleichzusetzen.
Aus der bloßen Fermentierbarkeit einer Substanz lässt sich keine allgemeine präbiotische Wirkung (Förderung gesundheitlich günstiger Darmmikroorganismen) ableiten. Für eine solche Einordnung wären reproduzierbare Veränderungen der intestinalen Mikroorganismen und ein daraus resultierender gesundheitlicher Nutzen beim Menschen erforderlich.
Eine therapeutische Empfehlung von Füllstoffen zur Behandlung einer chronischen Obstipation (anhaltenden Verstopfung), eines Reizdarmsyndroms oder anderer gastrointestinaler Erkrankungen lässt sich aus der vorhandenen stoffklassenweiten Evidenz nicht ableiten.
Bedeutung für die Mikronährstoffmedizin
Füllstoffe sind keine Mikronährstoffe und können eine unzureichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen nicht ausgleichen. Ihre Anwesenheit in einem Lebensmittel erlaubt weder eine positive noch eine negative pauschale Aussage über dessen Mikronährstoffqualität.
Für die mikronährstoffmedizinische Bewertung sind folgende Ebenen zu unterscheiden:
- Nährstoffdichte des Gesamtlebensmittels – entscheidend ist, welche Zutat ersetzt wird und wie sich dadurch der Mikronährstoffgehalt pro Energieeinheit und Portion verändert
- Verdünnungseffekt – werden mikronährstoffreiche Zutaten durch einen überwiegend volumenbildenden Stoff ersetzt, kann der Gehalt einzelner Mikronährstoffe pro 100 g oder Portion sinken
- Lebensmittelmatrix – Wasserbindung, Viskosität, Freisetzung, Transitzeit und Fermentation können theoretisch die luminalen Bedingungen für einzelne Nährstoffe verändern
- Gastrointestinale Verträglichkeit – wiederholte Diarrhoen können sekundär zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten (Verlusten von Wasser und Körpersalzen) führen
- Angereicherte Lebensmittel und bilanzierte Diäten – Füllstoffe können Homogenität, Dosierbarkeit, Stabilität, Zerfall und Freisetzung zugesetzter Mikronährstoffe beeinflussen
Die herangezogenen systematischen Reviews und substanzspezifischen Sicherheitsbewertungen liefern keine belastbare Humanstudienevidenz für einen klinisch relevanten, stoffklassenweiten Einfluss von Füllstoffen auf die Resorption oder den Status von Eisen, Zink, Calcium, Magnesium, Spurenelementen oder Vitaminen [4-8]. Dies bedeutet nicht, dass formulierungsspezifische Wechselwirkungen ausgeschlossen sind.
Aus physikochemischen Veränderungen der Viskosität, aus In-vitro-Modellen, Tierstudien oder Veränderungen mikrobieller Metabolite darf nicht unmittelbar auf eine veränderte systemische Mikronährstoffbioverfügbarkeit (Anteil eines Mikronährstoffs, der dem Körper zur Verfügung steht) geschlossen werden. Eine höhere oder geringere Freisetzung im Darmlumen ist nicht mit einer nachgewiesenen Veränderung der intestinalen Resorption, der systemischen Verfügbarkeit (Verfügbarkeit im gesamten Körper) oder des Mikronährstoffstatus gleichzusetzen.
Für angereicherte Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und bilanzierte Diäten sind deshalb formulierungsspezifische Daten zur Stabilität, Freisetzung und gegebenenfalls zur Bioverfügbarkeit der enthaltenen Mikronährstoffe erforderlich. Ein Klasseneffekt der Füllstoffe kann nicht vorausgesetzt werden.
Länger anhaltende osmotische Diarrhoen infolge hoher Polyol- oder Polydextrosemengen können Flüssigkeits- und Elektrolytverluste verursachen. Dies ist als sekundäre Folge der gastrointestinalen Unverträglichkeit und nicht als nachgewiesene direkte Hemmung der Mikronährstoffresorption einzuordnen [5-8].
Ärztliche und ernährungsmedizinische Bewertung
Bei der Bewertung füllstoffhaltiger Lebensmittel sollten insbesondere berücksichtigt werden:
- konkreter Zusatzstoff und aufgenommene Menge
- technologische Hauptfunktion im betreffenden Lebensmittel
- Portionsgröße und Verzehrhäufigkeit
- gleichzeitige Aufnahme mehrerer Polyole oder anderer fermentierbarer Kohlenhydrate
- individuelle gastrointestinale Verträglichkeit
- Reizdarmsyndrom oder andere Erkrankungen mit erhöhter gastrointestinaler Sensitivität
- Diabetes mellitus und Gesamtmenge verwertbarer Kohlenhydrate
- Energie- und Mikronährstoffdichte des Gesamtlebensmittels
- Zusammensetzung und Qualität des gesamten Ernährungsmusters
Bei vermuteter Unverträglichkeit ist eine strukturierte Ernährungsanamnese (systematische Erfassung der Ernährungsgewohnheiten) mit Erfassung des konkreten Stoffes, der Einzeldosis, der kumulativen Tagesmenge, der Portionsgröße, des zeitlichen Zusammenhangs und gleichzeitig aufgenommener fermentierbarer Kohlenhydrate sinnvoll. Eine zeitlich begrenzte Reduktion mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung ermöglicht eine bessere Beurteilung als eine ungezielte dauerhafte Eliminationsdiät (Ernährungsform mit vollständigem Verzicht auf verdächtige Lebensmittel oder Stoffe).
Das alleinige Vorhandensein einer E-Nummer oder der Funktionsbezeichnung „Füllstoff“ begründet weder die Diagnose einer Unverträglichkeit noch die Annahme eines Mikronährstoffmangels. Ebenso ist ein Lebensmittel nicht allein aufgrund einer Zucker- oder Energiereduktion ernährungsphysiologisch hochwertig. Entscheidend bleiben Gesamtzusammensetzung, Nährstoffdichte, Verarbeitungsgrad, Portionsgröße und Verzehrhäufigkeit.
Fazit
Füllstoffe ersetzen in Lebensmitteln Volumen und strukturgebende Masse, ohne wesentlich zum Gehalt an verwertbarer Energie beizutragen. Die Funktionsklasse umfasst chemisch und metabolisch unterschiedliche Substanzen, insbesondere Polydextrose, Cellulosen und Polyole. Eine einheitliche gesundheitliche Bewertung der gesamten Stoffgruppe ist daher nicht möglich.
Für unmodifizierte und modifizierte Cellulosen sowie Polydextrose ergaben die substanzspezifischen Neubewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit unter den bewerteten Verwendungsbedingungen kein Sicherheitsproblem und keine Notwendigkeit einer numerischen akzeptablen täglichen Aufnahmemenge. Dies schließt dosisabhängige gastrointestinale Beschwerden nicht aus [4, 5].
Für Erythritol wurde eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 0,5 g/kg Körpergewicht und Tag festgelegt. Grundlage war die Vermeidung von Diarrhoen und möglichen sekundären Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der alimentären Erythritolaufnahme und kardiovaskulären Ereignissen ist bislang nicht nachgewiesen, kann aufgrund fehlender geeigneter Langzeitstudien jedoch auch nicht abschließend bewertet werden [6].
Polyole und fermentierbare Füllstoffe können dosisabhängig Flatulenz, abdominelle Beschwerden und osmotische Diarrhoen auslösen. Die individuelle Verträglichkeit variiert erheblich und erlaubt keine stoffklassenweit gültige Grenzdosis [6-8].
Die Metaanalyse zu Polydextrose zeigt lediglich eine geringe kurzfristige Verminderung der Energieaufnahme bei der unmittelbar nachfolgenden Mahlzeit. Ein nachhaltiger Effekt auf die tägliche Energieaufnahme, das Körpergewicht oder metabolische Erkrankungen ist nicht belegt [10].
Ein klinisch relevanter stoffklassenweiter Einfluss von Füllstoffen auf Mikronährstoffresorption, Mikronährstoffbioverfügbarkeit oder Mikronährstoffstatus ist nicht nachgewiesen. Für die mikronährstoffmedizinische Bewertung sind die Gesamtformulierung, die Nährstoffdichte, die individuelle gastrointestinale Verträglichkeit und gegebenenfalls formulierungsspezifische Bioverfügbarkeitsdaten maßgeblich.
Literatur
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- European Parliament, Council of the European Union: Regulation (EU) No 1169/2011 of the European Parliament and of the Council of 25 October 2011 on the provision of food information to consumers. Official Journal of the European Union. 2011;L304:18-63. Konsolidierte Fassung vom 01.04.2025
- European Commission: Commission Regulation (EU) No 231/2012 of 9 March 2012 laying down specifications for food additives listed in Annexes II and III to Regulation (EC) No 1333/2008 of the European Parliament and of the Council. Official Journal of the European Union. 2012;L83:1-295. Konsolidierte Fassung vom 09.05.2026
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- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to the sugar replacers xylitol, sorbitol, mannitol, maltitol, lactitol, isomalt, erythritol, D-tagatose, isomaltulose, sucralose and polydextrose and maintenance of tooth mineralisation by decreasing tooth demineralisation (ID 463, 464, 563, 618, 647, 1182, 1591, 2907, 2921, 4300), and reduction of post-prandial glycaemic responses (ID 617, 619, 669, 1590, 1762, 2903, 2908, 2920) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA J. 2011;9:2076. doi:10.2903/j.efsa.2011.2076
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