Polytrauma – Symptome – Beschwerden
Ein Polytrauma stellt immer einen medizinischen Notfall dar, der eine sofortige intensivmedizinische Versorgung und multidisziplinäres Management erfordert. Der Zustand kann sich rasch verschlechtern.
Folgende Symptome und Beschwerden können auf ein Polytrauma hinweisen:
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf ein Polytrauma und werden oft zuerst bemerkt:
- Schocksymptomatik: Blässe, Kaltschweißigkeit, Tachykardie (Herzrasen) und Hypotonie (niedriger Blutdruck); bei bis zu 70 % der Polytrauma-Patienten bereits bei Eintreffen der Notfallversorgung erkennbar
- Starke Blutungen: Sichtbar (z. B. offene Frakturen, Wunden) oder verdeckt (z. B. innere Blutungen); bei 40-60 % der Fälle beteiligt
- Bewusstseinsstörung: Geringe Reaktion bis zu Bewusstlosigkeit; tritt bei ca. 30-50 % der Polytrauma-Patienten auf [Hinweis auf Schädel-Hirn-Trauma oder Kreislaufversagen]
- Multiple Verletzungen: Gleichzeitig bestehende Verletzungen an mindestens zwei Körperregionen oder Organsystemen, von denen mindestens eine oder ihre Kombination lebensbedrohlich ist
- Starke Schmerzen: In verschiedenen Körperregionen (z. B. Kopf, Brust, Abdomen, Extremitäten) [oft Hinweis auf multiple Verletzungsorte]
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild eines Polytraumas:
- Frakturen großer Röhrenknochen (z. B. Oberschenkel, Becken): Häufig bei ca. 60-70 % der Fälle; oft verbunden mit erheblichem Blutverlust
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Bewusstseinsveränderung, Übelkeit, Erbrechen, Pupillendifferenz; bei etwa 50 % der Polytraumatisierten mitbeteiligt
- Thoraxverletzungen: Rippenserienfrakturen, Pneumothorax oder Hämatothorax; treten bei etwa 30-40 % der Polytrauma-Patienten auf
- Abdominelle (den Bauchraum betreffende) Verletzungen: Z. B. Milz-, Leber- oder Darmverletzungen; bei 20-30 % der Patienten beteiligt
- Wirbelsäulenverletzungen: Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen; in etwa 10-20 % der Polytrauma-Fälle
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf Komplikationen hinweisen:
- Dyspnoe (Atemnot): Bei Thoraxtrauma oder Aspiration (Eindringen von Nahrung, Flüssigkeit, Speichel oder auch Erbrochenem in die Atemwege); bei etwa 25-40 %
- Hypothermie (Unterkühlung): Durch Schock, Umgebungstemperatur und Blutverlust; bei bis zu 30 % der Patienten
- Oligurie/Anurie (verminderte oder fehlende Urinausscheidung): Hinweis auf Kreislaufzentralisation, Nierenversagen oder Schock – bei schwerem Verlauf
- Unruhe, Agitation (krankhafte Unruhe) oder Apathie (Teilnahmslosigkeit): Frühe Zeichen einer Hypoxie (Sauerstoffunterversorgung) oder neurologischer Beteiligung
Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Erkrankungen auf und tragen weniger zur Diagnose bei:
- Übelkeit und Erbrechen: Nicht selten bei SHT oder abdominellen Verletzungen; in etwa 20-30 % der Fälle
- Schwindel oder Orientierungslosigkeit: Hinweis auf Schädeltrauma, Schock oder Blutverlust