Zwölffingerdarmentzündung (Duodenitis) – Operative Therapie
Grundsatz: Eine unkomplizierte Duodenitis (Zwölffingerdarmentzündung) besitzt keine Indikation zur operativen Therapie. Behandelt werden die zugrunde liegende Ursache und gegebenenfalls die säurebedingte Schleimhautschädigung. Operative Verfahren sind lebensbedrohlichen Komplikationen, einer mechanischen Obstruktion (Verschluss) oder einer operationspflichtigen strukturellen Grunderkrankung vorbehalten [LL1, LL2, LL3].
Da keine eigenständige Leitlinie zur operativen Therapie der Duodenitis existiert, werden die Empfehlungen aus Leitlinien zur komplizierten gastroduodenalen Ulkuskrankheit (Geschwürerkrankung von Magen und Zwölffingerdarm), zur gastrointestinalen Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) und zur gastroduodenalen Obstruktion sowie aus der Literatur zum duodenalen Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) abgeleitet [1, LL1, LL2, LL3].
Therapieziele
- Bei Perforation (Durchbruch): Schnellstmögliche Defektversorgung, Kontrolle der intraabdominellen Kontamination und Behandlung einer Peritonitis (Bauchfellentzündung) bzw. Sepsis (lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion)
- Bei Blutung: Definitive Hämostase nach Versagen endoskopischer und gegebenenfalls interventionell-radiologischer Verfahren
- Bei Stenose (Verengung): Wiederherstellung einer ausreichenden Magen-Darm-Passage und Sicherung der enteralen Ernährung
- Bei Fistel (krankhafter Verbindungsgang) oder Abszess (abgekapselte Eiteransammlung): Beherrschung des septischen Fokus und Erhalt möglichst großer funktioneller Duodenalabschnitte
- Bei neoplastischer Ursache (Tumorerkrankung): Stadiengerechte onkologische Resektion oder symptomorientierte Palliation
- Langfristig: Behandlung der Grunderkrankung und Vermeidung erneuter Ulzerationen, Blutungen, Perforationen oder Stenosen
Indikationen zur operativen Therapie
- Freie Duodenalperforation: Nachweis einer extraluminalen Kontrastmittelextravasation, eines relevanten Pneumoperitoneums (freie Luft in der Bauchhöhle) oder klinischer Zeichen einer lokalen bzw. generalisierten Peritonitis. Die Operation soll ohne vermeidbare Verzögerung erfolgen [LL2].
- Nicht sicher abgedichtete Perforation: Ein konservatives Vorgehen kommt nur bei einem hämodynamisch stabilen, engmaschig überwachbaren Patienten und einer durch wasserlösliches Kontrastmittel sicher nachgewiesenen Abdichtung in Betracht. Bei klinischer Verschlechterung besteht eine sofortige Operationsindikation [LL2].
- Therapierefraktäre Blutung: Fortbestehende oder rezidivierende Blutung nach technischer Ausschöpfung der endoskopischen Blutstillung einschließlich geeigneter Reserveverfahren oder eine endoskopisch nicht lokalisierbare Blutungsquelle. In dieser Situation ist eine radiologische oder chirurgische Intervention indiziert [LL1].
- Massive Blutung mit hämodynamischer Instabilität (Kreislaufinstabilität): Bei persistierender Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Schock (lebensbedrohlichem Kreislaufversagen), hohem Transfusionsbedarf oder einem großen Ulkus (Geschwür) von mindestens 2 cm kann nach erfolgloser endoskopischer Hämostase eine frühzeitige operative Blutstillung erforderlich werden [LL1, LL2].
- Versagen der transkatheterarteriellen Embolisation: Fortbestehende oder erneut auftretende Blutung nach technisch durchgeführter transkatheterarterieller Embolisation (TAE) [LL1, LL2]
- Fehlende interventionell-radiologische Verfügbarkeit: Nicht beherrschbare Blutung, bei der eine TAE nicht rechtzeitig verfügbar oder technisch nicht durchführbar ist [LL1, LL2]
- Benigne duodenale Stenose: Klinisch relevante Obstruktion mit persistierendem Erbrechen, Gewichtsverlust oder unzureichender enteraler Ernährung nach erfolgloser konservativer und endoskopischer Therapie oder wenn eine endoskopische Dilatation technisch nicht möglich bzw. nicht vertretbar ist [LL3].
- Komplexe strukturelle Komplikation: Penetration (Durchdringen in benachbartes Gewebe), nicht beherrschbare duodenale Fistel, intraabdomineller Abszess ohne ausreichende perkutane Drainagemöglichkeit oder destruierender entzündlicher Befund
- Morbus Crohn: Fibrotische symptomatische Duodenalstenose, fistulierender Verlauf, Abszess, Perforation oder therapierefraktäre Erkrankung nach interdisziplinärer Beurteilung in einem erfahrenen Zentrum [1]
- Malignitätsverdacht (Verdacht auf eine bösartige Erkrankung): Histologisch oder bildgebend nicht sicher als benigne einzuordnende Raumforderung, therapieresistente Stenose oder suspekter intraoperativer Befund. Die weitere operative Therapie richtet sich nach der jeweiligen Tumorentität und nicht nach der Diagnose Duodenitis.
Relative Kontraindikationen und Grenzen
- Fehlende Komplikation: Eine erosive, peptische, infektiöse, medikamentös induzierte oder immunvermittelte Duodenitis ohne Perforation, unstillbare Blutung oder mechanische Obstruktion ist keine Operationsindikation.
- Hämodynamische Instabilität: Sie ist keine Kontraindikation gegen eine lebensrettende Operation, spricht jedoch gegen einen zeitaufwendigen laparoskopischen oder komplex rekonstruktiven Eingriff. Bei instabilen Patienten wird ein offenes, abgekürztes Vorgehen bevorzugt [LL2].
- Schwere Peritonitis oder septischer Schock: Primäre komplexe Anastomosen und ausgedehnte Resektionen sollen nach Möglichkeit vermieden werden. Gegebenenfalls ist ein Damage-Control-Konzept mit geplanter Folgeoperation erforderlich [LL2].
- Schwere kardiopulmonale Komorbidität (schwere Herz-Lungen-Begleiterkrankung): Die mit dem Pneumoperitoneum verbundene hämodynamische und respiratorische Belastung kann gegen einen laparoskopischen Zugang sprechen [LL2].
- Hohe Komorbidität: Bei sicher abgedichteter Perforation oder chronischer Obstruktion müssen Operationsrisiko, Erfolgsaussicht interventioneller Verfahren und Therapieziel individuell abgewogen werden.
- Palliative Situation: Bei maligner gastroduodenaler Obstruktion richtet sich die Entscheidung zwischen endoskopischem Stent, endosonographisch angelegter Gastroenterostomie und chirurgischer Gastrojejunostomie nach Allgemeinzustand, Lebenserwartung, Tumorprognose, Patientenwunsch und lokaler Expertise [LL3].
Präoperative Maßnahmen
- Interdisziplinäre Versorgung: Frühzeitige Einbindung von Viszeralchirurgie, Gastroenterologie, interventioneller Radiologie, Anästhesiologie und Intensivmedizin
- Bei Perforation: Unverzügliche hämodynamische Stabilisierung, Nahrungskarenz, gegebenenfalls Magendekompression, intravenöse Flüssigkeitstherapie, kalkulierte Breitspektrumantibiotikatherapie und rasche operative Fokuskontrolle [LL2]
- Bei Blutung: Sicherung der Atemwege bei Aspirationsgefahr, großlumige venöse Zugänge, Blutgruppenbestimmung, Bereitstellung von Blutprodukten, Korrektur klinisch relevanter Gerinnungsstörungen und frühzeitige Festlegung des Eskalationswegs [LL1]
- Bei Stenose: Ausgleich von Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Säure-Basen-Störungen, Magendekompression bei Retention, Ernährungsassessment und histologische bzw. bildgebende Abklärung einer malignen Ursache
- Bildgebung bei Perforationsverdacht: Kontrastmittelgestützte Computertomographie, sofern hierdurch die dringend notwendige Operation nicht verzögert wird [LL2]
- Endoskopische Lokalisation: Bei einer Blutung kann ein am Blutungsort platzierter Clip die angiographische oder intraoperative Lokalisation erleichtern [LL1, LL2].
- Zentrumsversorgung: Fehlt die erforderliche endoskopische, interventionell-radiologische oder chirurgische Expertise, soll eine frühzeitige Verlegung in ein geeignetes Zentrum erfolgen, sofern der klinische Zustand dies zulässt [LL1].
- Antithrombotische Therapie: Individuelle perioperative Steuerung unter Berücksichtigung von Blutungsrisiko, Thromboembolierisiko und Dringlichkeit des Eingriffs
Operative Verfahren bei Duodenalperforation
| Verfahren | Indikation | Besonderheiten |
| Primäre Übernähung | Perforation unter 2 cm bei ausreichend vitalem und belastbarem Gewebe | Standardverfahren für kleine Defekte; bei stabilem Patienten vorzugsweise laparoskopisch, bei Instabilität offen [LL2] |
| Übernähung mit Omentopexie | Friable Defektränder, lokal ungünstige Gewebeverhältnisse oder erhöhtes Risiko einer Nahtinsuffizienz (Undichtigkeit einer Operationsnaht) | Ein routinemäßiger Zusatznutzen gegenüber der alleinigen Naht ist nicht belegt; individuelle Anwendung [LL2] |
| Komplexe Defektdeckung | Großer Duodenaldefekt von mindestens 2 cm, der nicht spannungsfrei primär verschlossen werden kann | Mögliche Verfahren sind Omentumplastik, jejunaler Serosapatch oder Roux-en-Y-Duodenojejunostomie; Auswahl nach Defektlokalisation, Gewebequalität und Beziehung zur Papilla duodeni major [LL2] |
| Pylorusexklusion mit Dekompression | Großer oder komplexer Defekt, ausgeprägte Kontamination bzw. hohes Risiko einer Nahtinsuffizienz | Gegebenenfalls Kombination mit Gastrojejunostomie und externer Gallendrainage; insbesondere als Damage-Control-Verfahren [LL2] |
| Segmentale Resektion bzw. Antrektomie | Nicht rekonstruierbarer proximaler Defekt, destruierendes Ulkus oder nicht sicher auszuschließende Neoplasie | Nur bei geeigneter Anatomie und ausreichender physiologischer Stabilität; Rekonstruktion beispielsweise als Gastroduodenostomie oder Gastrojejunostomie |
| Duodenostomie | Extremsituation mit sehr großem Defekt, schwerster Entzündung, fehlender Mobilisierbarkeit und septischem Schock | Ultima Ratio; aufgrund des hohen Fistel- und Komplikationsrisikos nicht als Standardverfahren empfohlen [LL2] |
| Damage-Control-Operation | Septischer Schock, Koagulopathie (Störung der Blutgerinnung), Hypothermie (Unterkühlung), schwere metabolische Entgleisung oder fehlende Möglichkeit einer sicheren definitiven Rekonstruktion | Abgekürzte Fokuskontrolle, Drainage und Dekompression; definitive Rekonstruktion nach physiologischer Stabilisierung [LL2] |
Zugangsweg: Bei hämodynamisch stabilen Patienten ist bei entsprechender Expertise ein laparoskopischer Zugang zu bevorzugen. Bei hämodynamischer Instabilität, schwerer kardiopulmonaler Komorbidität, ausgedehnter Kontamination oder komplexem Defekt ist die offene Operation angezeigt [LL2].
Große periampulläre Defekte: Die Lagebeziehung zu Ductus choledochus, Papilla duodeni major und Pankreaskopf muss intraoperativ sicher beurteilt werden. Bei unklarer Anatomie kann eine intraoperative Cholangiographie erforderlich sein [LL2].
Pankreatikoduodenektomie: Eine Pankreatikoduodenektomie ist in der septischen Notfallsituation wegen ihrer hohen physiologischen Belastung grundsätzlich zu vermeiden. Sie bleibt außergewöhnlichen, meist neoplastischen Situationen in spezialisierten Zentren vorbehalten [LL2].
Operative Verfahren bei therapierefraktärer Blutung
| Verfahren | Indikation | Besonderheiten |
| Duodenotomie mit Gefäßumstechung | Persistierende Blutung aus einem posterioren Duodenalulkus, häufig aus der Arteria gastroduodenalis | Direkte Darstellung des Ulkusgrundes; aufgrund der ausgeprägten Kollateralversorgung ist eine sichere proximale, distale und seitliche Gefäßligatur erforderlich [LL2] |
| Lokale Ulkusübernähung | Klar lokalisierbare Blutungsquelle mit erhaltener Gewebestabilität | Gegebenenfalls Kombination mit Pyloroplastik; bei unklarer Blutungsquelle kann eine intraoperative Endoskopie hilfreich sein [LL2] |
| Resektion | Nicht lokal kontrollierbare Blutung, ausgedehnte Gewebedestruktion, Rezidivblutung trotz lokaler Versorgung oder Malignitätsverdacht | Umfang und Rekonstruktion richten sich nach Lokalisation, Gefäßanatomie, Gewebequalität und Allgemeinzustand |
| Damage-Control-Hämostase | Hämorrhagischer Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen durch starken Blutverlust) mit schwerer physiologischer Entgleisung | Schnellstmögliche Blutungskontrolle mit anschließender intensivmedizinischer Stabilisierung und gegebenenfalls geplanter Folgeoperation [LL2] |
Eskalationsstrategie: Bei technischer Ausschöpfung der endoskopischen Blutstillung einschließlich geeigneter Reserveverfahren oder bei endoskopisch nicht lokalisierbarer Blutungsquelle soll eine radiologische oder chirurgische Intervention erfolgen. Die Auswahl richtet sich nach Art, Lokalisation und Schwere der Blutung, den Komorbiditäten sowie der lokalen Expertise [LL1].
Stellenwert der TAE: Sofern ohne relevante Verzögerung verfügbar und technisch durchführbar, kann die TAE insbesondere bei hohem Operationsrisiko der chirurgischen Blutstillung vorgeschaltet werden. Nach erfolgloser TAE, bei fehlender interventionell-radiologischer Verfügbarkeit oder bei fortbestehender lebensbedrohlicher Blutung ist die Operation indiziert [LL1, LL2].
Operationszugang: Für die refraktäre Duodenalblutung wird aufgrund der häufig komplexen Gefäßversorgung und der notwendigen schnellen Blutungskontrolle überwiegend ein offener Zugang empfohlen. Ein laparoskopischer Eingriff kommt nur bei ausgewählten stabilen Patienten und sehr hoher Expertise in Betracht [LL2].
Säurereduzierende Operationen: Vagotomie und säurereduzierende Resektionsverfahren sind angesichts wirksamer Protonenpumpeninhibitoren und der Eradikation von Helicobacter pylori keine regelhaften Bestandteile der Notfalloperation. Sie können in seltenen, individuell ausgewählten Fällen einer anderweitig nicht beherrschbaren rezidivierenden Ulkuskrankheit erwogen werden [LL4].
Operative Verfahren bei duodenaler Stenose
Grundsatz: Bei einer benignen gastroduodenalen Obstruktion wird in der Regel zunächst eine endoskopische Ballondilatation versucht. Eine generelle Überlegenheit der endoskopischen oder chirurgischen Therapie ist aufgrund der niedrigen Evidenz nicht belegt. Ätiologie, Länge und Komplexität der Stenose, Ansprechen auf Dilatationen, Komorbiditäten und lokale Expertise bestimmen das Vorgehen [LL3].
| Verfahren | Indikation | Besonderheiten |
| Pyloroplastik | Kurze pyloroduodenale oder bulbäre Stenose bei gut mobilisierbarem und ausreichend stabilem Gewebe | Heineke-Mikulicz- oder Finney-Pyloroplastik; eine zusätzliche Vagotomie ist nicht regelhaft erforderlich |
| Gastrojejunostomie | Lange, komplexe, rezidivierende oder endoskopisch nicht passierbare Stenose | Offen oder laparoskopisch; umgeht das stenosierte Segment, beseitigt jedoch nicht die zugrunde liegende Erkrankung [LL3] |
| Duodenojejunostomie | Umschriebene distale Duodenalstenose bei geeigneter Anatomie | Rekonstruktion häufig in Roux-en-Y-Technik; sorgfältige Beachtung der Gallen- und Pankreasgänge |
| Segmentale Duodenalresektion | Lokalisierte, nicht anders beherrschbare Stenose oder Malignitätsverdacht | Wegen der anatomischen Nähe zu Pankreas, Gallenwegen und Mesenterialgefäßen nur bei geeigneter Lokalisation |
| Bypass bei duodenalem Morbus Crohn | Fibrotische, insbesondere proximale oder langstreckige Duodenalstenose | Kann als Gastrojejunostomie oder Duodenojejunostomie erfolgen; in der aktuellen Metaanalyse war der Bypass mit einer geringeren Behandlungsversagensrate als die Strikturoplastik verbunden [1] |
| Strikturoplastik bei duodenalem Morbus Crohn | Kurze oder begrenzte Stenose, wenn ein darmerhaltendes Verfahren technisch sicher möglich ist | Vermeidet eine Resektion, besitzt jedoch bei duodenaler Lokalisation eine anspruchsvolle Indikationsstellung und Technik [1] |
Prädiktoren eines endoskopischen Therapieversagens: Langstreckige Stenosen, komplexe Anatomie, wiederholter Dilatationsbedarf, chronische Pankreatitis (chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung), kaustische Schädigung und fehlende Kontrolle fortbestehender entzündlicher oder ulzerogener Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer später erforderlichen Operation [LL3].
Morbus Crohn: Die Operationsplanung soll interdisziplinär erfolgen. Entzündliche Aktivität, Ernährungszustand, Immunsuppression (Unterdrückung der Immunabwehr), Fisteln, Abszesse und weitere Darmmanifestationen sind einzubeziehen. Eine Metaanalyse von 10 Studien mit 325 Patienten ergab für den Bypass gegenüber der Strikturoplastik eine geringere Behandlungsversagensrate. Die Komplikations- und Reoperationsraten unterschieden sich nicht signifikant [1].
Operative Therapie bei Fistel, Abszess oder Penetration
- Intraabdomineller Abszess: Wenn möglich zunächst bildgesteuerte perkutane Drainage und Behandlung der Grunderkrankung; Operation bei nicht drainierbarem Fokus, fortbestehender Sepsis, freier Perforation oder begleitender nicht passierbarer Stenose
- Duodenale Fistel: Fokuskontrolle, Drainage, Dekompression und Sicherung der Ernährung; definitive Rekonstruktion abhängig von Fistellokalisation, Gewebequalität und Allgemeinzustand
- Penetration in Nachbarorgane: Individuelles Vorgehen unter Beachtung von Pankreas, Gallenwegen, Leber, Colon und Gefäßen; Resektion nur bei technisch sicherer Durchführbarkeit und ausreichender physiologischer Stabilität
- Septische Instabilität: Vorrang eines stufenweisen Damage-Control-Konzepts vor einer komplexen einzeitigen Rekonstruktion [LL2]
Intraoperative Grundsätze
- Exploration: Vollständige Beurteilung von Defektgröße, Gewebevitalität, Kontaminationsausmaß und Beziehung zu Ductus choledochus, Papilla duodeni major, Pankreas und großen Gefäßen
- Fokuskontrolle: Sicherer Verschluss bzw. Ausschaltung des Defekts, Blutstillung und Entfernung bzw. Drainage infizierter Flüssigkeitsansammlungen
- Mikrobiologie: Bei perforationsbedingter Peritonitis sollen intraoperative Proben für bakterielle und mykologische Untersuchungen gewonnen werden [LL2].
- Histologie: Biopsie oder Resektatdiagnostik bei unklarer Stenose, suspektem Ulkus, Raumforderung oder atypischem Gewebebefund
- Anastomosen: Vermeidung komplexer Anastomosen bei Vasopressorpflicht, schwerer Kontamination oder ausgeprägter physiologischer Instabilität [LL2]
- Drainagen: Selektive Anlage bei komplexer Rekonstruktion, ausgeprägter Kontamination oder erhöhtem Risiko einer Duodenalfistel; keine unkritische routinemäßige Anwendung
Postoperative Nachbehandlung
- Überwachung: Engmaschige Kontrolle von Kreislauf, Diurese, Lactat, Hämoglobin, Entzündungsparametern, abdominellem Befund und Drainagesekret
- Antibiotikatherapie: Nach perforationsbedingter Peritonitis kalkulierte Breitspektrumtherapie gegen grampositive, gramnegative und anaerobe Erreger; nach adäquater Fokuskontrolle ist bei klinisch stabilem Verlauf meist eine kurze Behandlungsdauer von 3-5 Tagen ausreichend [LL2].
- Antimykotische Therapie: Keine routinemäßige empirische Gabe; gezielte Behandlung insbesondere bei kritischer Erkrankung, Immunsuppression, persistierender intraabdomineller Infektion oder entsprechender mikrobiologischer Konstellation [LL2]
- Säuresuppression: Protonenpumpeninhibitor bei peptischer bzw. ulzeröser Genese
- Helicobacter pylori: Diagnostik, leitliniengerechte Eradikation bei positivem Nachweis und anschließende Eradikationskontrolle [LL4]
- Ulkusauslösende Faktoren: Überprüfung der Indikation für nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure, Glucocorticoide und antithrombotische Arzneimittel sowie risikoadaptierte Begleittherapie
- Ernährung: Frühzeitige enterale Ernährung, sobald Kreislaufstabilität, Rekonstruktionssicherheit und Magen-Darm-Funktion dies zulassen; bei längerer Passageunterbrechung individuelle jejunale oder parenterale Ernährung
- Kontrolle auf Nahtinsuffizienz: Bei klinischem Verdacht zeitnahe kontrastmittelgestützte Computertomographie und gegebenenfalls wasserlösliche Kontrastdarstellung
- Endoskopische Verlaufskontrolle: Abhängig von Ätiologie (Ursachen), Histologie (feingewebliche Untersuchung), vorausgegangener Blutung, Stenose und fortbestehenden Beschwerden
Komplikationen der operativen Therapie
- Frühkomplikationen: Nachblutung, Naht- oder Anastomoseninsuffizienz, Duodenalfistel, biliäre oder pankreatische Fistel, intraabdomineller Abszess, Peritonitis, Sepsis, Wundinfektion, Pneumonie (Lungenentzündung), verzögerte Magenentleerung, paralytischer Ileus (Darmlähmung) und Multiorganversagen (Versagen mehrerer lebenswichtiger Organe)
- Gefäßkomplikationen: Rezidivblutung aus der Arteria gastroduodenalis oder aus Kollateralgefäßen, Gefäßverletzung und Ischämie (Minderdurchblutung)
- Spätkomplikationen: Anastomosenstenose, erneute Passagebehinderung, Narbenhernie (Narbenbruch), Adhäsionsileus (Darmverschluss durch Verwachsungen), Dumping-Syndrom (beschleunigte Magenentleerung mit Kreislauf- und Verdauungsbeschwerden), Gallenreflux (Rückfluss von Galle), marginales Ulkus, bakterielle Fehlbesiedlung einer ausgeschalteten Darmschlinge und Mangelernährung
- Nach Damage-Control-Operation: Risiko eines offenen Abdomens, enteroatmosphärischer Fisteln, wiederholter Operationen und langwieriger Rekonstruktion
Prognose
Determinierende Faktoren: Die Prognose wird weniger durch die Duodenitis selbst als durch Art und Schwere der Komplikation bestimmt. Höheres Alter, Komorbiditäten, Schock, Organversagen, metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes), Nierenfunktionsstörung, ausgedehnte Kontamination und verzögerte Fokuskontrolle sind mit einem ungünstigeren Verlauf verbunden. Bei einer perforierten gastroduodenalen Läsion verschlechtert jede vermeidbare Verzögerung der Operation die Überlebenswahrscheinlichkeit [LL2].
Langzeitprognose: Nach erfolgreicher Komplikationsbehandlung hängt das Rezidivrisiko entscheidend von der konsequenten Behandlung der Ursache ab. Dazu gehören insbesondere die Eradikation von Helicobacter pylori, die Vermeidung ulzerogener Arzneimittel, eine ausreichende Säuresuppression und die Kontrolle eines Morbus Crohn [LL4].
Red Flags (Warnzeichen) bei Duodenitis
- Hinweis auf Perforation: Plötzlich einsetzender stärkster Oberbauchschmerz, Abwehrspannung, Loslassschmerz, fehlende Darmgeräusche, freie Luft oder extraluminale Kontrastmittelextravasation
- Hinweis auf septischen Schock: Hypotonie, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Bewusstseinsstörung, Oligurie (verminderte Urinausscheidung), kalte oder marmorierte Haut und Lactat [↑]
- Hinweis auf massive obere gastrointestinale Blutung: Hämatemesis (Bluterbrechen), Kaffeesatzerbrechen, Meläna (Teerstuhl), Kreislaufinstabilität, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) und Hämoglobin [↓]
- Hinweis auf fortbestehende Blutung: Anhaltender Transfusionsbedarf, erneuter Kreislaufabfall oder wiederholte Hämatemesis bzw. Meläna nach endoskopischer oder angiographischer Therapie
- Hinweis auf Duodenalstenose: Persistierendes Erbrechen, ausgeprägte Magenretention (Zurückhalten von Nahrung im Magen), Gewichtsverlust, Exsikkose (Austrocknung) und nicht ausreichende enterale Ernährung
- Hinweis auf Abszess oder Fistel: Fieber, zunehmender lokaler Schmerz, Leukozyten [↑], C-reaktives Protein [↑], galliges Drainagesekret oder persistierende Sepsis
- Postoperativer Hinweis auf Nahtinsuffizienz: Neu auftretende Tachykardie, zunehmende abdominelle Schmerzen, Peritonismus, Kreislaufinstabilität, Lactat [↑] oder enterales bzw. galliges Drainagesekret
Abkürzungsverzeichnis
- ASGE: American Society for Gastrointestinal Endoscopy
- LL: Leitlinie
- TAE: Transkatheterarterielle Embolisation
- WSES: World Society of Emergency Surgery
Literatur
- Dourado J, Wignakumar A, Emile SH et al.: Bypass is associated with lower treatment failure than stricturoplasty in duodenal Crohn's disease: a systematic review with pairwise and network meta-analyses. J Gastrointest Surg. 2025;29(6):102041. doi: 10.1016/j.gassur.2025.102041.
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Blutung, Version 2.0. AWMF-Register-Nr. 021-028, November 2025. Langfassung.
- Tarasconi A, Coccolini F, Biffl WL et al.: Perforated and bleeding peptic ulcer: WSES guidelines. World J Emerg Surg. 2020;15:3. doi: 10.1186/s13017-019-0283-9.
- Jue TL, Storm AC, Naveed M et al.: ASGE guideline on the role of endoscopy in the management of benign and malignant gastroduodenal obstruction. Gastrointest Endosc. 2021;93(2):309-322.e4. doi: 10.1016/j.gie.2020.07.063.
- S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit, Version 4.0. AWMF-Register-Nr. 021-001, Juli 2022. Langfassung.