Zwölffingerdarmentzündung (Duodenitis) – Medikamentöse Therapie

Die Duodenitis (Zwölffingerdarmentzündung) ist kein ätiologisch einheitliches Krankheitsbild, sondern ein endoskopisches und/oder histopathologisches Reaktionsmuster. Eine allgemeingültige medikamentöse Standardtherapie existiert daher nicht. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, endoskopischem Schweregrad, Ulkusnachweis, Komplikationen, Begleiterkrankungen und Begleitmedikation [LL1-LL3].

Grundsatz: Die kausale Therapie steht im Vordergrund. Eine ausschließlich symptomatische Säuresuppression darf die Abklärung einer Helicobacter-pylori-Infektion, einer medikamentös-toxischen Schädigung, einer spezifischen Infektion, einer Zöliakie (glutenbedingte Dünndarmerkrankung), eines Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) oder einer anderen Systemerkrankung nicht ersetzen.

Therapieziele

  • Kausale Behandlung: Eradikation von Helicobacter pylori, Beendigung oder Modifikation schleimhautschädigender Medikamente sowie gezielte Behandlung gesicherter infektiöser oder immunvermittelter Ursachen
  • Schleimhautheilung: Abheilung erosiver, hämorrhagischer oder ulzeröser Läsionen
  • Symptomkontrolle: Reduktion von epigastrischen Schmerzen (Schmerzen im mittleren Oberbauch), Übelkeit, postprandialen Beschwerden und Erbrechen
  • Komplikationsvermeidung: Prävention von Blutung, Perforation (Durchbruch), Penetration (Durchdringen in benachbartes Gewebe), Stenose (Verengung) und Rezidiv
  • Vermeidung unnötiger Therapie: Keine empirische antibiotische, antivirale oder immunsuppressive Behandlung ohne hinreichenden Erreger- bzw. Ätiologienachweis

Voraussetzungen der medikamentösen Therapie

  • Helicobacter-pylori-Diagnostik: Bei peptischer, erosiver oder ulzeröser Duodenitis soll eine Helicobacter-pylori-Infektion abgeklärt werden. Unter Protonenpumpeninhibitoren kann die Sensitivität von Histologie, Urease-Schnelltest, 13C-Harnstoff-Atemtest und Stuhlantigentest vermindert sein [LL1].
  • Medikamentenanamnese: Zu erfassen sind insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Acetylsalicylsäure, Glucocorticoide, Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer, Bisphosphonate, Kaliumchlorid und potenziell schleimhauttoxische onkologische Medikamente.
  • Histologische Differenzierung: Bei chronischer, rezidivierender, therapieresistenter oder atypischer Duodenitis sind unter anderem Zöliakie, Morbus Crohn, eosinophile Duodenitis (Zwölffingerdarmentzündung mit vermehrten eosinophilen Entzündungszellen), Giardiasis (Darmparasiteninfektion durch Giardia), Strongyloidiasis (Fadenwurminfektion), Cytomegalievirusinfektion (Infektion mit dem Zytomegalievirus) und Morbus Whipple (seltene bakterielle Systemerkrankung mit Dünndarmbeteiligung) abzugrenzen.
  • Glucocorticoid-Sicherheit: Vor einer immunsuppressiven Therapie ist bei entsprechender Expositionsanamnese eine Strongyloides-stercoralis-Infektion auszuschließen, da Glucocorticoide eine potenziell letale Hyperinfektion (massive Ausbreitung der Parasiteninfektion) auslösen können [LL2].
  • Komplikationsausschluss: Bei Blutungszeichen, Peritonismus (Zeichen einer Bauchfellreizung), persistierendem Erbrechen oder Kreislaufinstabilität ist keine primär ambulante empirische Arzneimitteltherapie angezeigt.

Säuresuppressive Therapie

Eine zeitlich begrenzte Behandlung mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) ist bei säureassoziierter erosiver Duodenitis, begleitendem Duodenalulkus (Zwölffingerdarmgeschwür) oder fortbestehender Exposition gegenüber schleimhautschädigenden Medikamenten sinnvoll. Bei isolierter Duodenitis ohne Ulkus beruht die Anwendung weitgehend auf einer Übertragung der Evidenz zur gastroduodenalen Ulkustherapie [LL1].

Wirkstoff Besonderheiten
Omeprazol Bei endoskopisch gesichertem aktivem Duodenalulkus zunächst 2 Wochen; bei fehlender Heilung weitere 2 Wochen. Bei unzureichendem Ansprechen nach erneuter diagnostischer Prüfung 40 mg p.o. 1-mal täglich für bis zu 4 Wochen [FI1].
Äquivalenter Protonenpumpeninhibitor Auswahl nach Begleitmedikation, Interaktionsprofil, Leberfunktion, Verfügbarkeit und Verträglichkeit. Eine routinemäßige Kombination mehrerer Säureblocker ist nicht angezeigt.
  • Wirkweise: Irreversible Hemmung der Wasserstoff-Kalium-Adenosintriphosphatase der gastralen Belegzelle mit ausgeprägter Reduktion der basalen und stimulierten Magensäuresekretion
  • Indikationen: Säureassoziierte erosive Duodenitis, begleitendes Duodenalulkus, medikamentenassoziierte Schleimhautschädigung und Ulkusprophylaxe bei entsprechendem Risikoprofil
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder substituierte Benzimidazole; Omeprazol darf nicht zusammen mit Nelfinavir angewendet werden. Relevante Interaktionen, insbesondere bei Clopidogrel, hoch dosiertem Methotrexat oder bestimmten antiretroviralen Medikamenten, sind zu prüfen.
  • Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Übelkeit, abdominale Beschwerden, Diarrhö (Durchfall) oder Obstipation (Verstopfung); bei längerer Anwendung unter anderem Hypomagnesiämie, Vitamin-B12-Mangel, enterale Infektionen, mikroskopische Kolitis (mikroskopisch nachweisbare Dickdarmentzündung), interstitielle Nephritis (Entzündung des Nierenzwischengewebes) und bei zusätzlichen Risikofaktoren ein erhöhtes Frakturrisiko

Therapiedauer: Nach Abheilung ist die Indikation erneut zu überprüfen. Eine unbefristete PPI-Therapie ist ohne fortbestehende Indikation nicht gerechtfertigt. Nach längerer hoch dosierter Behandlung kann ein schrittweises Absetzen zur Begrenzung einer vorübergehenden Rebound-Hypersekretion (vorübergehend verstärkten Säureproduktion nach Absetzen) erwogen werden.

Nicht empfohlene Routinetherapie: Antazida oder Sucralfat können allenfalls kurzfristig symptomatisch eingesetzt werden, ersetzen jedoch weder eine PPI-Therapie bei Ulkus noch eine kausale Behandlung. Für eine routinemäßige Kombination mit einem PPI besteht kein belegter Zusatznutzen.

Helicobacter-pylori-assoziierte Duodenitis

Bei gesicherter Helicobacter-pylori-Infektion ist eine Eradikationstherapie angezeigt. Aufgrund der Resistenzsituation wird in Deutschland als empirische Erstlinientherapie eine bismuthhaltige Vierfachtherapie bevorzugt. Eine empirische Clarithromycin-Dreifachtherapie soll ohne gesicherte Clarithromycin-Sensibilität oder verlässlich niedrige Resistenzwahrscheinlichkeit nicht eingesetzt werden [1, LL1].

Wirkstoff Besonderheiten
Bismut-Kalium-Subcitrat, Metronidazol und Tetracyclinhydrochlorid als Fixkombination plus Omeprazol Bevorzugtes empirisches Erstlinienregime. Kapseln mit reichlich Wasser einnehmen und anschließend nicht unmittelbar hinlegen. Milchprodukte, Antazida sowie Eisen-, Calcium-, Magnesium- oder Zinkpräparate zeitlich getrennt einnehmen. Alkohol während der Therapie und mindestens 48 Stunden danach vermeiden [1, LL1, FI2].
Protonenpumpeninhibitor plus zwei resistenzgerecht ausgewählte Antibiotika Nach Versagen einer primären Vierfachtherapie soll eine kulturelle oder molekulare Resistenztestung erfolgen. Fehlgeschlagene antibiotische Regime nicht unverändert wiederholen. Nach erneutem Therapieversagen Behandlung durch einen gastroenterologisch oder infektiologisch erfahrenen Arzt [LL1].
  • Wirkweise: Bismut wirkt lokal antimikrobiell und schleimhautprotektiv; Metronidazol schädigt nach intrazellulärer Aktivierung die bakterielle Desoxyribonukleinsäure; Tetracyclin hemmt die bakterielle Proteinsynthese; Omeprazol erhöht den intragastralen pH-Wert und verbessert die Wirksamkeit der Antibiotika.
  • Indikationen: Gesicherte Helicobacter-pylori-Infektion bei Duodenitis, Duodenalulkus oder anderer leitliniengerechter Eradikationsindikation
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen einen Bestandteil, Schwangerschaft, Stillzeit, Alter unter 12 Jahren sowie relevante Nieren- oder Leberfunktionsstörung bei der Fixkombination; Arzneimittelinteraktionen und vorausgegangene Antibiotikaexposition sind zu berücksichtigen.
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, abdominale Beschwerden, Diarrhö, metallischer Geschmack, reversible Dunkelfärbung von Stuhl oder Zunge, Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut) und Candidose (Pilzinfektion durch Candida); selten periphere Neuropathie (Schädigung peripherer Nerven), schwere Hautreaktionen, Hepatotoxizität (Leberschädigung) oder antibiotikaassoziierte Kolitis (antibiotikabedingte Dickdarmentzündung)
  • Eradikationskontrolle: Der Therapieerfolg muss bei jedem behandelten Patienten kontrolliert werden. Geeignet sind der 13C-Harnstoff-Atemtest, ein monoklonaler Stuhlantigentest oder bei ohnehin indizierter Kontrollendoskopie eine biopsiebasierte Diagnostik [LL1].
  • Zeitpunkt: Die Kontrolle erfolgt frühestens 4 Wochen nach Abschluss der Antibiotika und nach einer mindestens 2-wöchigen Pause des PPI [LL1].
  • Fortgesetzte Säuresuppression: Nach erfolgreicher Eradikation und unkompliziertem Duodenalulkus ist ohne fortbestehenden Risikofaktor gewöhnlich keine dauerhafte PPI-Therapie erforderlich.
  • Therapieversagen: Adhärenz, korrekte Einnahme, Antibiotikaexposition und Resistenzlage &isch vertretbar, bis zur Schleimhautheilung abgesetzt werden. Bei notwendiger Fortführung sind die niedrigste wirksame Dosis, eine alternative Analgesie und eine begleitende PPI-Therapie zu prüfen [LL1].
  • Ulkusnachweis: Bei einem durch NSAR verursachten Duodenalulkus erfolgt eine PPI-Therapie in der Regel für 4 Wochen. Bei fehlender Heilung kann sie nach erneuter Beurteilung um weitere 4 Wochen verlängert werden [LL1, FI1].
  • Sekundärprophylaxe: Nach vorausgegangener Ulkusblutung oder anderer Ulkuskomplikation ist bei unvermeidbarer Fortführung eines NSAR regelmäßig eine dauerhafte PPI-Prophylaxe erforderlich. Eine Helicobacter-pylori-Eradikation ersetzt diese Prophylaxe nicht [LL1].
  • Acetylsalicylsäure und Antikoagulanzien: Die Indikation ist zu überprüfen. Eine zur kardiovaskulären Sekundärprävention erforderliche antithrombotische Therapie darf nicht unkoordiniert abgesetzt werden. Das Vorgehen richtet sich nach Blutungsschwere, endoskopischem Befund und thromboembolischem Risiko [LL3].
  • Glucocorticoide: Eine alleinige Glucocorticoid-Therapie erhöht das Ulkusrisiko weniger ausgeprägt als die Kombination mit NSAR. Bei Kombination mit weiteren Risikofaktoren ist eine PPI-Prophylaxe zu prüfen.
  • Weitere Auslöser: Bei Bisphosphonaten, Kaliumchlorid oder anderen lokal irritierenden Medikamenten sind Einnahmetechnik, Darreichungsform, Indikation und mögliche Alternativen zu überprüfen.

Gesicherte infektiöse Duodenitis

Eine antiinfektive Therapie setzt grundsätzlich einen mikrobiologischen, histologischen oder molekularen Erregernachweis voraus. Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene mit normaler Leber- und Nierenfunktion [LL2, LL5].

Wirkstoff Besonderheiten
Metronidazol bei Giardiasis Bei gesicherter oder epidemiologisch hochwahrscheinlicher Giardiasis. Alkohol während der Behandlung und mindestens 48 Stunden danach vermeiden. Bei Persistenz Diagnose, Adhärenz, Reinfektion und Immundefizienz überprüfen [LL2, FI3].
Ivermectin bei unkomplizierter Strongyloidiasis Bei Hyperinfektion, disseminierter Erkrankung oder erheblicher Immunsuppression 200 µg/kg Körpergewicht täglich bis zur klinischen Stabilisierung und bis Stuhl- bzw. Sputumuntersuchungen über 2 Wochen negativ bleiben. Vor der Behandlung ein relevantes Loa-loa-Risiko berücksichtigen [LL2, FI4].
Ganciclovir oder Valganciclovir bei Cytomegalievirus-Duodenitis Intravenöse Therapie bei schwerer oder lebensbedrohlicher Erkrankung sowie bei unsicherer enteraler Resorption. Dosis strikt an die Nierenfunktion anpassen; Blutbild und Nierenfunktion engmaschig kontrollieren [LL5, FI5].
Ceftriaxon, anschließend Cotrimoxazol bei klassischem Morbus Whipple Leitlinienbasiertes Standardregime. Vor Therapiebeginn neurologische, kardiale und okuläre Manifestationen erfassen. Unter der Langzeittherapie Blutbild, Kreatinin, Kalium und Leberwerte kontrollieren [LL2].
Doxycyclin plus Hydroxychloroquin bei klassischem Morbus Whipple In einer randomisierten Nichtunterlegenheitsstudie war das vollständig orale Regime dem Standardregime nicht unterlegen [3]. Da diese Daten noch nicht in die deutsche S2k-Leitlinie integriert sind, Einsatz nur nach infektiologischer bzw. gastroenterologischer Einzelfallentscheidung. QT-Zeit, Begleitmedikation und augenärztliche Risiken berücksichtigen.
  • Wirkweise: Metronidazol wirkt nach Reduktion toxisch auf die Nukleinsäuren anaerober Protozoen; Ivermectin führt über glutamatgesteuerte Chloridkanäle zur neuromuskulären Paralyse des Parasiten; Ganciclovir und Valganciclovir hemmen die virale Desoxyribonukleinsäure-Polymerase; Ceftriaxon hemmt die bakterielle Zellwandsynthese; Cotrimoxazol hemmt sequenziell die bakterielle Folsäuresynthese; Doxycyclin hemmt die bakterielle Proteinsynthese; Hydroxychloroquin erhöht den intrazellulären pH-Wert und unterstützt die intrazelluläre Erregerelimination.
  • Indikationen: Ätiologisch gesicherte Giardiasis, Strongyloidiasis, invasive Cytomegalievirusinfektion oder Morbus Whipple mit duodenaler Beteiligung
  • Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Überempfindlichkeit; bei Ivermectin besondere Vorsicht bei möglicher hochgradiger Loa-loa-Mikrofilariämie (starkem Befall des Blutes mit Wurmlarven); bei Ganciclovir und Valganciclovir Berücksichtigung von Myelotoxizität, Reproduktionstoxizität und Nierenfunktion; bei Ceftriaxon und Cotrimoxazol Ausschluss schwerer Beta-Laktam- bzw. Sulfonamidreaktionen; Doxycyclin nicht in Schwangerschaft oder Stillzeit; Hydroxychloroquin nur nach Prüfung von QT-Verlängerung, Retinopathie (Netzhauterkrankung) und relevanter Begleitmedikation
  • Nebenwirkungen: Metronidazol kann gastrointestinale Beschwerden, metallischen Geschmack und Neuropathien verursachen; Ivermectin Schwindel, Exanthem (Hautausschlag) und inflammatorische Reaktionen; Ganciclovir und Valganciclovir insbesondere Neutropenie (Mangel an neutrophilen weißen Blutkörperchen), Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen), Anämie (Blutarmut) und Nierentoxizität; Ceftriaxon und Cotrimoxazol allergische Reaktionen, Zytopenien (Mangel an Blutzellen), Nierenfunktionsstörungen, Hyperkaliämie und schwere Hautreaktionen; Doxycyclin gastrointestinale Beschwerden, Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung) und Photosensibilität; Hydroxychloroquin QT-Verlängerung, Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) und Retinopathie

Immunvermittelte und systemische Ursachen

  • Morbus Crohn: Eine gastroduodenale Beteiligung wird nicht als isolierte Duodenitis behandelt. Induktions- und Erhaltungstherapie richten sich nach Aktivität, Ausdehnung, Komplikationen, Vorbehandlung und dem eigenständigen Projekt Morbus Crohn.
  • Zöliakie: Die kausale Behandlung besteht in einer lebenslangen strikt glutenfreien Ernährung. Eine routinemäßige antiinflammatorische Arzneimitteltherapie ist nicht angezeigt. Eisen, Folsäure, Vitamin B12, Vitamin D oder Calcium werden nur bei dokumentiertem Mangel substituiert [LL4].
  • Refraktäre Zöliakie (trotz glutenfreier Ernährung fortbestehende Zöliakie): Vor einer immunsuppressiven Therapie müssen fortbestehende Glutenexposition, Fehldiagnosen, Infektionen und maligne Komplikationen ausgeschlossen werden. Die Behandlung erfolgt in einem erfahrenen Zentrum entsprechend dem eigenständigen Projekt Zöliakie [LL4].
  • Eosinophile Duodenitis: Sekundäre Ursachen der Gewebeeosinophilie sind auszuschließen. Ein PPI kann bei gleichzeitiger säureassoziierter Erkrankung eingesetzt werden. Systemische oder lokal wirksame Glucocorticoide sowie Biologika sind keine empirische Standardtherapie und sollen nur nach histologischer Sicherung, Ausschluss parasitärer Ursachen und fachärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden.
  • Weitere Systemerkrankungen: Sarkoidose (entzündliche Erkrankung mit Granulombildung), Immunglobulin-G4-assoziierte Erkrankung, Vaskulitis (Gefäßentzündung), Behçet-Krankheit (entzündliche Gefäßerkrankung) oder medikamentös induzierte Immunreaktionen erfordern die spezifische Therapie der Grunderkrankung.
  • Hypersekretion: Bei multiplen, rezidivierenden oder distal gelegenen Ulzera ist an ein Zollinger-Ellison-Syndrom (Erkrankung mit übermäßiger Magensäureproduktion) zu denken. Die notwendige hoch dosierte PPI-Therapie wird anhand der Säuresekretion und des klinischen Verlaufs individuell titriert.

Hämorrhagische oder ulzeröse Duodenitis

Eine aktive Blutung erfordert Kreislaufstabilisierung und dringliche endoskopische Diagnostik mit gegebenenfalls endoskopischer Blutstillung. Eine präendoskopische PPI-Gabe kann begonnen werden, darf die Endoskopie jedoch nicht verzögern [LL3].

Wirkstoff Besonderheiten
Pantoprazol oder äquivalenter intravenöser Protonenpumpeninhibitor Für ulzeröse Läsionen mit endoskopischen Hochrisikostigmata. Eine hoch dosierte intermittierende intravenöse oder orale Therapie kann nach lokalem Standard als Alternative eingesetzt werden [2, LL3]. Anschließend orale Weiterbehandlung entsprechend Befund und Rezidivrisiko. Die Hochdosistherapie kann vom Wortlaut einzelner produktspezifischer Zulassungen abweichen [FI6].
  • Wirkweise: Ausgeprägte Säurehemmung stabilisiert das Koagel (Blutgerinnsel) und vermindert die säurebedingte Fibrinolyse.
  • Indikationen: Blutendes Duodenalulkus oder eine vergleichbare duodenale Hochrisikoläsion nach erfolgreicher endoskopischer Blutstillung
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den eingesetzten PPI; die Notwendigkeit der Behandlung überwiegt in der akuten Blutungssituation regelmäßig relative Bedenken.
  • Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, gastrointestinale Beschwerden, Exanthem und lokale Infusionsreaktionen; bei der kurzzeitigen Hochdosistherapie insgesamt meist gute Verträglichkeit

Antithrombotische Begleittherapie: Pausierung, Antagonisierung und Wiederaufnahme von Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmern erfolgen abhängig von Wirkstoff, Blutungsschwere, endoskopischer Blutstillung und thromboembolischem Risiko interdisziplinär [LL3].

Verlaufskontrolle und Therapieversagen

  • Frühe Kontrolle: Klinische Beurteilung nach 2-4 Wochen bzw. früher bei Verschlechterung
  • Fehlendes Ansprechen: Adhärenz, fortbestehende Noxen, Helicobacter-pylori-Status, Diagnose und Histologie überprüfen; eine bloße Dosiseskalation ohne Ursachenklärung ist zu vermeiden.
  • Erneute Endoskopie: Bei persistierenden Beschwerden, Anämie, Blutung, Gewichtsverlust, Erbrechen, unklarer Histologie, Ulkuskomplikation oder Verdacht auf Stenose, Neoplasie (Tumorerkrankung) oder Systemerkrankung
  • Laborüberwachung: Je nach Therapie Blutbild, Kreatinin, Elektrolyte, Leberwerte und gegebenenfalls Viruslast kontrollieren.
  • Langzeittherapie: Fortbestehende PPI-, antiinfektive oder immunsuppressive Behandlungen regelmäßig auf Indikation, Dosis, Interaktionen und Nebenwirkungen überprüfen.

Red Flags (Warnzeichen) bei Duodenitis

  • Gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt): Hämatemesis (Bluterbrechen), kaffeesatzartiges Erbrechen, Meläna (Teerstuhl), Hämatochezie (Abgang von frischem Blut über den After), rascher Hämoglobinabfall oder Kreislaufinstabilität erfordern eine sofortige notfallmedizinische Abklärung [LL3].
  • Perforationsverdacht: Plötzlich einsetzender stärkster Oberbauchschmerz, Abwehrspannung, Loslassschmerz oder freie intraabdominelle Luft erfordern unverzügliche chirurgische und endoskopische Mitbeurteilung.
  • Kreislaufgefährdung: Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Kaltschweißigkeit, Verwirrtheit oder Oligurie (verminderte Urinausscheidung) sprechen für eine relevante Blutung oder Dehydratation (Austrocknung).
  • Obstruktion (Verschluss): Anhaltendes Erbrechen, fehlende orale Flüssigkeitstoleranz, Magenretention (Zurückhalten von Nahrung im Magen) oder zunehmende abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches) können auf eine entzündliche oder narbige Stenose hinweisen.
  • Malignitätsverdacht (Verdacht auf eine bösartige Erkrankung): Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, progrediente Anämie, persistierende nächtliche Beschwerden, tastbare Raumforderung oder pathologische Lymphknoten erfordern eine zeitnahe endoskopische und bildgebende Abklärung.
  • Schwere Infektion: Fieber, Sepsiszeichen (Zeichen einer lebensbedrohlichen Reaktion des Körpers auf eine Infektion) oder rasch progrediente Beschwerden bei immunsupprimierten Patienten erfordern eine dringliche Diagnostik auf invasive Infektionen, insbesondere Cytomegalievirus- oder Strongyloides-Erkrankung.

Abkürzungsverzeichnis

  • FI: Fachinformation
  • H. pylori: Helicobacter pylori
  • i.v.: intravenös
  • LL: Leitlinie
  • NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika
  • p.o.: per os
  • PPI: Protonenpumpeninhibitor
  • QT: QT-Intervall

Literatur

  1. Malfertheiner P, Bazzoli F, Delchier JC et al.: Helicobacter pylori eradication with a capsule containing bismuth subcitrate potassium, metronidazole, and tetracycline given with omeprazole versus clarithromycin-based triple therapy: a randomised, open-label, non-inferiority, phase 3 trial. Lancet. 2011;377(9769):905-913. doi: 10.1016/S0140-6736(11)60020-2.
  2. Sachar H, Vaidya K, Laine L: Intermittent vs continuous proton pump inhibitor therapy for high-risk bleeding ulcers: a systematic review and meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014;174(11):1755-1762. doi: 10.1001/jamainternmed.2014.4056.
  3. Moos V, Krüger J, Allers K et al.: Oral treatment of Whipple's disease with doxycycline and hydroxychloroquine versus intravenous therapy with ceftriaxone followed by oral trimethoprim-sulfamethoxazole in Germany: a phase 2/3, prospective, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial. Lancet Infect Dis. 2025;25(7):788-800. doi: 10.1016/S1473-3099(24)00797-7.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. (AWMF-Registernummer: 021 - 001), Juli 2022. Langfassung.
  2. S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Infektionen, Version 2.0. (AWMF-Registernummer: 021 - 024), November 2023. Langfassung.
  3. S2k-Leitlinie: Gastrointestinale Blutung, Version 2.0. (AWMF-Registernummer: 021 - 028), Dezember 2025. Langfassung.
  4. S2k-Leitlinie: Zöliakie. (AWMF-Registernummer: 021 - 021), Dezember 2021. Langfassung.
  5. Kotton CN, Kumar D, Manuel O et al.: The Fourth International Consensus Guidelines on the Management of Cytomegalovirus in Solid Organ Transplantation. Transplantation. 2025;109(7):1066-1110. doi: 10.1097/TP.0000000000005374.

Fachinformationen

  1. ratiopharm GmbH: Omeprazol-ratiopharm NT 10 mg/20 mg/40 mg magensaftresistente Hartkapseln. Fachinformation, aktuelle Fassung. Fachinformation
  2. Laboratoires Juvisé Pharmaceuticals: Pylera 140 mg/125 mg/125 mg Hartkapseln. Fachinformation, aktuelle Fassung. Fachinformation
  3. ratiopharm GmbH: Metronidazol-ratiopharm 400 mg Tabletten. Fachinformation, aktuelle Fassung. Fachinformation
  4. Orion Pharma GmbH: Ivermectin Orion 3 mg Tabletten. Fachinformation, aktuelle Fassung. Fachinformation
  5. Roche Pharma AG: Cymevene und Valcyte. Fachinformationen, aktuelle Fassungen. Fachinformationen
  6. ratiopharm GmbH: Pantoprazol-ratiopharm 40 mg sowie zugelassene intravenöse Pantoprazol-Präparate. Fachinformationen, aktuelle Fassungen. Fachinformationen