Zwölffingerdarmentzündung (Duodenitis) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung: einschließlich Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Körpergewicht und Körpergröße; Berechnung des Body-Mass-Index (BMI)
- Beurteilung des Allgemein- und Ernährungszustands [reduzierter Allgemeinzustand, unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Untergewicht]
- Beurteilung des Bewusstseins und der Kreislaufsituation [Unruhe, Somnolenz (Schläfrigkeit), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Orthostase (Kreislaufabfall beim Aufstehen)]
- Beurteilung des Hydratationszustands [trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor, verlängerte Rekapillarisierungszeit]
- Inspektion von Haut und sichtbaren Schleimhäuten [Blässe bei gastrointestinaler Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) bzw. Anämie (Blutarmut)]
- Untersuchung des Abdomens
- Inspektion des Abdomens [Schonhaltung, abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches)]
- Auskultation des Abdomens [verminderte bzw. fehlende Darmgeräusche bei Peritonitis (Bauchfellentzündung); gesteigerte, hochgestellte Darmgeräusche bei Obstruktion (Verschluss)]
- Perkussion des Abdomens [umschriebener oder diffuser Klopfschmerz; ausgeprägte Tympanie bei abdomineller Distension]
- Oberflächliche und tiefe Palpation aller vier Quadranten mit besonderer Beachtung des Epigastriums und des rechten Oberbauchs [epigastrische bzw. rechtsseitige Oberbauchdruckschmerzhaftigkeit]
- Prüfung auf peritoneale Reizzeichen (Zeichen einer Bauchfellreizung) [unwillkürliche Abwehrspannung, Loslassschmerz, diffuse Druckschmerzhaftigkeit, bretthartes Abdomen bei Perforation (Durchbruch) bzw. Peritonitis]
- Palpation auf abdominelle Resistenzen und Organomegalien (Organvergrößerungen) [tastbare Oberbauchresistenz]
- Untersuchung bei Verdacht auf eine gastrointestinale Blutung bzw. einen Volumenmangel (Mangel an zirkulierender Flüssigkeit bzw. Blut)
- Kontrolle der Kreislaufparameter im Liegen und ggf. im Stehen [Tachykardie, Hypotonie, orthostatischer Blutdruckabfall]
- Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung) [kalte, blasse bzw. kaltschweißige Haut, verlängerte Rekapillarisierungszeit, schwache periphere Pulse]
- Digitale rektale Untersuchung mit Beurteilung des Stuhls [Meläna (Teerstuhl); bei massiver oberer gastrointestinaler Blutung ggf. Hämatochezie (Abgang von frischem Blut über den After)]
- Gezielte Untersuchung bei Hinweisen auf eine zugrunde liegende Systemerkrankung
- Inspektion der Mundhöhle und der Haut bei Verdacht auf Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) bzw. Zöliakie (glutenbedingte Dünndarmerkrankung) [orale Aphthen (schmerzhafte Schleimhautgeschwüre), Cheilitis angularis (Entzündung der Mundwinkel), Dermatitis herpetiformis (chronisch juckende Hauterkrankung bei Zöliakie), Erythema nodosum (entzündliche schmerzhafte Hautknoten)]
- Untersuchung der Augen und Gelenke bei Verdacht auf Morbus Crohn [Episkleritis (Entzündung oberflächlicher Augenhüllen), Uveitis (Entzündung der mittleren Augenhaut), periphere Arthritis (Gelenkentzündung an Armen oder Beinen)]
- Inspektion der Perianalregion bei Verdacht auf Morbus Crohn [perianale Fissuren (Einrisse im Bereich des Afters), Fisteln (krankhafte Verbindungsgänge), Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen) bzw. Marisken (Hautfalten am After)]
Bei einer unkomplizierten Duodenitis (Zwölffingerdarmentzündung) ist die körperliche Untersuchung häufig unauffällig oder zeigt lediglich eine unspezifische epigastrische Druckschmerzhaftigkeit. Ein unauffälliger Untersuchungsbefund schließt eine Duodenitis nicht aus. Die körperliche Untersuchung dient insbesondere der Beurteilung des Schweregrads sowie dem Erkennen von Blutung, Volumenmangel, Obstruktion, Perforation und Hinweisen auf eine zugrunde liegende Systemerkrankung.
Red Flags (Warnzeichen) bei Duodenitis
- Hämatemesis (Bluterbrechen), kaffeesatzartiges Erbrechen, Meläna oder Hämatochezie
- Kreislaufinstabilität mit Tachykardie, Hypotonie, Orthostase, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) oder klinischen Schockzeichen
- Plötzlich einsetzender oder rasch zunehmender starker Oberbauchschmerz
- Abwehrspannung, Loslassschmerz oder bretthartes Abdomen als Hinweis auf eine Perforation bzw. Peritonitis
- Anhaltendes Erbrechen, ausgeprägte abdominelle Distension oder fehlende Darmpassage als Hinweis auf eine Obstruktion
- Fieber, Schüttelfrost, Bewusstseinsstörung oder andere klinische Zeichen einer Sepsis (lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion)
- Ausgeprägte Dehydratation (Austrocknung) oder fehlende Möglichkeit zur oralen Flüssigkeitsaufnahme
- Progredienter unbeabsichtigter Gewichtsverlust, ausgeprägte Blässe, tastbare Oberbauchresistenz oder supraklavikuläre Lymphadenopathie (vergrößerte Lymphknoten oberhalb des Schlüsselbeins)
- Starker Bauchschmerz, dessen Ausmaß durch den Palpationsbefund nicht erklärt wird, insbesondere bei kardiovaskulärem Risikoprofil
Red Flags erfordern eine unverzügliche weiterführende bzw. notfallmedizinische Abklärung.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische körperliche Befunde hingewiesen.
Abkürzungsverzeichnis
- BMI: Body-Mass-Index (Körpermassen-Index)