Sprunggelenk/Fuß-MRT
Die Magnetresonanztomographie (MRT) des Sprunggelenks und Fußes ist ein hochauflösendes, nicht-invasives bildgebendes Verfahren zur Beurteilung von Knochen, Knorpel, Bändern, Sehnen, Muskeln und Weichteilen in diesem komplexen anatomischen Bereich. Sie kommt insbesondere bei unklaren Beschwerden, Bandverletzungen, posttraumatischen Veränderungen und degenerativen Erkrankungen zum Einsatz.
Synonyme
- MRT des oberen Sprunggelenks (OSG)
- MRT des unteren Sprunggelenks (USG)
- Fuß-MRT
- MRT des Rück-, Mittel- und Vorfußes
Beurteilbare Strukturen
- Knochen (z. B. Talus (Sprungbein), Calcaneus (Fersenbein), Tibia (Schienbein), Fibula (Wadenbein), Os naviculare (Kahnbein), Ossa metatarsalia (Mittelfußknochen))
- Gelenkflächen und Gelenkspalten (OSG, USG, Chopart-, Lisfranc-Gelenk (Fußwurzelgelenke))
- Bandstrukturen (z. B. Ligamentum talofibulare anterius (vorderes Außenband), deltoides Band (Innenband), Syndesmosen (Bandverbindungen zwischen Schien- und Wadenbein))
- Sehnen (z. B. Achillessehne, Peronealsehnen (Sehnen der Wadenbeinmuskulatur), Tibialis-posterior-Sehne (hintere Schienbeinsehne), Flexoren/Extensoren (Beuger/ Strecker))
- Muskeln und Muskelansätze
- Gelenkkapseln, Bursa (Schleimbeutel), Plantarfaszie (Fußsohlenbindegewebe)
- Knorpel- und subchondrale Strukturen (unter dem Knorpel liegendes Knochengewebe)
- Weichteile, Hämatome (Blutergüsse), Ganglien (Zystenartige Gebilde), Raumforderungen (z. B. Tumoren)
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Traumatische Läsionen
- Bänderrisse (z. B. Ligamentum talofibulare anterius, Syndesmosenruptur)
- Frakturen (Brüche) und Knochenkontusionen (Knochenprellungen)
- Sehnenrupturen (Achillessehne, Tibialis-posterior-Sehne)
- Degenerative Veränderungen
- Arthrose (Gelenkverschleiß; z. B. OSG-Arthrose, Tarsometatarsalarthrose)
- Tendinosen (Sehnenverschleiß; z. B. Achillodynie, Peronealsehnen)
- Plantarfasziitis (Entzündung der Fußsohlenfaszie)
- Entzündlich-rheumatische Erkrankungen
- Früharthritis (frühes Stadium einer Gelenkentzündung; z. B. Rheumatoide Arthritis)
- Tendovaginitiden (Sehnenscheidenentzündungen) und Bursitiden (Schleimbeutelentzündungen)
- Osteonekrose und Knocheninfarkte
- Talusnekrose (z. B. Morbus Köhler II – Knochensterben im Sprungbein)
- Osteochondrosis dissecans (Knochen-Knorpel-Abstoßung)
- Tumoröse oder pseudotumoröse Läsionen
- Ganglien, Weichteiltumoren, Knochentumoren
- Postoperative Kontrolle
- Evaluation von Heilungsverläufen, Komplikationen oder Re-Rupturen (erneute Risse)
- Beurteilung von Osteosynthesematerial (Metallimplantate zur Knochenstabilisierung)
- Abklärung unklarer Fußschmerzen
- Impingement-Syndrome (Einklemmungserscheinungen)
- Stressfrakturen (Überlastungsbrüche)
- Morton-Neuralgie (Nervenschmerz zwischen den Mittelfußknochen)
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Allgemeine Kontraindikationen für die MRT (unabhängig von der Kontrastmittelgabe)
Absolute Kontraindikationen
- Nicht MRT-taugliche implantierte Geräte – z. B. Herzschrittmacher (elektronischer Taktgeber des Herzens), Cochlea-Implantate (Innenohrprothesen), Insulinpumpen (Geräte zur Insulinabgabe), Neurostimulatoren (elektronische Nervenstimulationsgeräte)
- Metallische Fremdkörper mit magnetischen Eigenschaften im Körper – z. B. Gefäßclips (Gefäßklammern), Granatsplitter, Metallspäne, Fremdkörper im Auge
Relative Kontraindikationen
- Klaustrophobie (Platzangst) – ggf. mit Beruhigungsmittel oder in einem offenen MRT-Gerät
- Schwangerschaft im ersten Trimenon (erstes Schwangerschaftsdrittel) – Untersuchung nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit
Zusätzliche Kontraindikationen bei geplanter Kontrastmittelgabe
Absolute Kontraindikationen
- Schwer eingeschränkte Nierenfunktion – glomeruläre Filtrationsrate unter 30 ml/min/1,73 m² (erhöhtes Risiko für eine seltene Bindegewebserkrankung)
- Schwere allergische Reaktion auf Gadolinium-haltiges Kontrastmittel in der Vergangenheit
- Dialysepflichtigkeit ohne geplante zeitnahe Dialyse nach der Kontrastmittelgabe
- Kombination von MRT mit Kontrastmittel bei gleichzeitig implantiertem nicht MRT-tauglichem Gerät
Relative Kontraindikationen
- Schwangerschaft – nur bei lebenswichtiger medizinischer Indikation nach sorgfältiger Abwägung
- Stillzeit – ggf. Abpumpen und Entsorgen der Muttermilch für 24 Stunden (je nach verwendetem Mittel)
- Klaustrophobie (Platzangst) – ggf. mit Sedierung oder offenem MRT
- Akute internistische Instabilität – z. B. instabile Angina pectoris (Brustschmerz durch Herzkrankheit), dekompensierte Herzinsuffizienz (nicht mehr ausgeglichene Herzschwäche)
- Bestimmte Knochenmarkskrebserkrankungen mit Nierenbeteiligung – z. B. multiples Myelom (Knochenmarkkrebs)
- Erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke – mögliches Risiko von Gadoliniumablagerungen im Gehirn
- Systemische Speichererkrankungen – z. B. Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
Das Verfahren
Technik
- Hochfeld-MRT (1,5 oder 3 Tesla)
- Verwendung spezieller Fuß- oder Extremitätenspulen zur Signalverstärkung
- T1- und T2-gewichtete Sequenzen in transversaler, sagittaler und koronarer Ebene (quer, seitlich, frontal)
- STIR- oder PD-FS-Sequenzen (flüssigkeitssensitive Sequenzen) zur Darstellung von Knochenödemen (Flüssigkeitseinlagerungen), Entzündungen, Sehnenpathologien
- Gadoliniumhaltiges Kontrastmittel (optional) bei Tumorverdacht oder entzündlichen Fragestellungen
Ablauf der Untersuchung
- Lagerung in Rückenlage mit fixierter Fußposition (in Neutralstellung oder Plantarflexion (Fußspitze nach unten) je nach Fragestellung)
- Dauer ca. 20-30 Minuten (ggf. länger bei Kontrastmittelgabe)
- Bei Kontrastmittelgabe intravenöse Injektion während der Untersuchung
Mögliche Befunde
- Bandrupturen und Bandlaxität (Bandlockerung; v. a. laterale Bandstrukturen)
- Sehnenpathologien: Tendinosen, Teil-/Komplettrupturen, Paratendinitiden (Begleitentzündungen)
- Osteochondrale Läsionen (Knorpel-Knochen-Schäden; z. B. Talusrolle)
- Knochenödeme bei Stressfrakturen, Osteonekrose (Knochensterben) oder posttraumatisch
- Arthritiszeichen: Synovitis (Gelenkinnenhautentzündung), Erguss (Flüssigkeit im Gelenk), Kapselverdickung
- Arthrosezeichen: Knorpeldefekte, osteophytäre Anbauten (Knochenanbauten), subchondrale Sklerose (Verdichtung unter dem Knorpel)
- Ganglien, Weichteiltumoren, zystische Veränderungen
- Morton-Neurom zwischen den Zehenstrahlen