Leber-MRT (mit leberspezifischem Kontrastmittel)
Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber mit leberspezifischem Kontrastmittel ist ein nicht-invasives, schnittbildgebendes Verfahren zur hochauflösenden Darstellung von Leberparenchym (Lebergewebe), Lebergefäßen und Gallenwegen. Im Vergleich zur konventionellen MRT mit extrazellulären Kontrastmitteln erlaubt der Einsatz hepatobiliärer Kontrastmittel wie Gadoxetat-Dinatrium (z. B. Primovist®) eine deutlich verbesserte Detektion und Charakterisierung fokaler Leberläsionen (Leberveränderungen), insbesondere im Rahmen der Differenzialdiagnostik gutartiger und maligner (bösartiger) Veränderungen.
Synonyme
- Hepatische MRT mit leberspezifischem Kontrastmittel (Leber-MRT mit gewebespezifischem Kontrastmittel)
- Gadoxetat-verstärkte Leber-MRT (Leber-MRT mit Gadoxetat-Kontrastmittel)
- MRT mit hepatobiliärem Kontrastmittel (Leber-MRT mit gallengängigem Kontrastmittel)
- Leber-MRT mit Primovist® (Leber-MRT mit spezieller Kontrastmittelmarke)
Beurteilbare Strukturen
- Leberparenchym (Lebergewebe: Segmentierung, fokale und diffuse Läsionen)
- Lebergefäße (V. portae, Vv. hepaticae, A. hepatica – Blutgefäße der Leber)
- Intra- und extrahepatische Gallenwege (innerhalb und außerhalb der Leber verlaufend)
- Perihepatische Strukturen (Gallenblase, Nieren, Kolonflexur, Zwerchfell)
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Charakterisierung fokaler Leberläsionen (z. B. FNH, Adenom, Hämangiom, HCC, Metastasen – gut- und bösartige Tumoren)
- Abklärung sonographisch oder CT-morphologisch (Computertomographie – Röntgenschichtbilder) unklarer Leberbefunde
- Screening und Verlaufsbeobachtung bei Leberzirrhose (vernarbte Leber) zur HCC-Früherkennung (Leberkrebs)
- Beurteilung postoperativer Veränderungen (nach Leberoperationen)
- Verdacht auf Cholangiopathien oder biliäre Obstruktion (Gallenwegserkrankungen, Gallestau) mittels MRCP (spezielle MRT-Technik zur Gallenwegdarstellung)
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Allgemeine Kontraindikationen für die MRT (unabhängig von der Kontrastmittelgabe)
Absolute Kontraindikationen
- Nicht MRT-taugliche implantierte Geräte – z. B. Herzschrittmacher (elektronischer Taktgeber des Herzens), Cochlea-Implantate (Innenohrprothesen), Insulinpumpen (Geräte zur Insulinabgabe), Neurostimulatoren (elektronische Nervenstimulationsgeräte)
- Metallische Fremdkörper mit magnetischen Eigenschaften im Körper – z. B. Gefäßclips (Gefäßklammern), Granatsplitter, Metallspäne, Fremdkörper im Auge
Relative Kontraindikationen
- Klaustrophobie (Platzangst) – ggf. mit Beruhigungsmittel oder in einem offenen MRT-Gerät
- Schwangerschaft im ersten Trimenon (erstes Schwangerschaftsdrittel) – Untersuchung nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit
Zusätzliche Kontraindikationen bei geplanter Kontrastmittelgabe
Absolute Kontraindikationen
- Schwer eingeschränkte Nierenfunktion – glomeruläre Filtrationsrate unter 30 ml/min/1,73 m² (erhöhtes Risiko für eine seltene Bindegewebserkrankung)
- Schwere allergische Reaktion auf Gadolinium-haltiges Kontrastmittel in der Vergangenheit
- Dialysepflichtigkeit ohne geplante zeitnahe Dialyse nach der Kontrastmittelgabe
- Kombination von MRT mit Kontrastmittel bei gleichzeitig implantiertem nicht MRT-tauglichem Gerät
Relative Kontraindikationen
- Schwangerschaft – nur bei lebenswichtiger medizinischer Indikation nach sorgfältiger Abwägung
- Stillzeit – ggf. Abpumpen und Entsorgen der Muttermilch für 24 Stunden (je nach verwendetem Mittel)
- Klaustrophobie (Platzangst) – ggf. mit Sedierung oder offenem MRT
- Akute internistische Instabilität – z. B. instabile Angina pectoris (Brustschmerz durch Herzkrankheit), dekompensierte Herzinsuffizienz (nicht mehr ausgeglichene Herzschwäche)
- Bestimmte Knochenmarkskrebserkrankungen mit Nierenbeteiligung – z. B. multiples Myelom (Knochenmarkkrebs)
- Erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke – mögliches Risiko von Gadoliniumablagerungen im Gehirn
- Systemische Speichererkrankungen – z. B. Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit)
Das Verfahren
Technik
- Hochfeld-MRT (1,5 oder 3 Tesla – Stärke des Magnetfelds)
- T1- und T2-gewichtete Sequenzen (verschiedene Bildkontraste) in axialer, sagittaler und koronarer Ebene (Quer-, Längs- und Frontalebenen)
- Diffusionsbildgebung (DWI – Darstellung der Bewegung von Wassermolekülen im Gewebe) zur Erfassung zellulärer Dichte
- Dynamische Kontrastmittel-Sequenzen in arterieller, portalvenöser und spätvenöser Phase (Phasen der Kontrastmittelaufnahme)
- Hepatobiliäre Phase 20 Minuten nach Kontrastmittelgabe (Phase mit Leberzellaufnahme)
- MRCP-Sequenzen zur Darstellung der Gallenwege (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie)
Ablauf der Untersuchung
- Lagerung in Rückenlage, Atemkommandos zur Minimierung von Bewegungsartefakten (Bewegungsunschärfen)
- Applikation von Gadoxetat-Dinatrium (Primovist® – leberspezifisches Kontrastmittel) über periphere Vene (Armvene)
- Dosierung: 0,025 mmol/kg Körpergewicht
- Spülung mit Kochsalzlösung (Infusion)
- Kontrastmittelphasen:
- Arterielle Phase (ca. 20 Sekunden nach Injektion – Darstellung der Arterien)
- Portalvenöse Phase (ca. 60 Sekunden – Darstellung der Pfortader)
- Spätvenöse Phase (ca. 3 Minuten – Darstellung des venösen Rückflusses)
- Hepatobiliäre Phase (ca. 20 Minuten – Darstellung der Leberzellfunktion)
- Gesamtdauer der Untersuchung: ca. 25-35 Minuten
Mögliche Befunde
- Gutartige Läsionen
- FNH: zentrale Narbe, homogene Kontrastmittelaufnahme in arterieller Phase, isointens in hepatobiliärer Phase
- Hämangiom (Blutschwämmchen): peripher noduläre Anflutung mit langsamer zentraler Auffüllung
- Adenom (gutartiger Lebertumor): arterielles Hyperenhancement, keine Aufnahme in hepatobiliärer Phase
- Maligne Läsionen
- Hepatozelluläres Karzinom (HCC – Leberkrebs): arterielles Hyperenhancement, portalvenöser Wash-out, hypointens in hepatobiliärer Phase
- Lebermetastasen (Tochtergeschwülste): häufig randbetonte Kontrastmittelaufnahme mit zentraler Nekrose, hypointens in Spätphasen
- Diffuse Leberveränderungen
- Steatosis hepatis (Fettleber): Signalveränderung in In-/Out-of-Phase-Sequenzen (Fett-Nachweis)
- Leberzirrhose (vernarbte Leber): unregelmäßige Leberkontur, knotige Regeneratknoten, vergrößerte Milz, portale Hypertension (Bluthochdruck in der Pfortader)
- Gallenwegserkrankungen
- Intra- und extrahepatische Cholestase (Gallestau), Konkremente (Gallensteine), Stenosen (Verengungen), Strikturen (narbige Engstellen), biliäre Leckagen (Gallenaustritt)