Lipödem – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Lipödem (krankhafte Fettverteilungsstörung) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (starkes Übergewicht) – entwickelt sich häufig infolge psychosozialer Belastung; kann die Symptomatik (Schmerz, Bewegungseinschränkung) verstärken, ist jedoch keine Ursache des Lipödems (krankhafte Fettverteilungsstörung) [S2k-Leitlinie Lipödem, 2024].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Intertriginöse Mazeration (Aufweichung der Haut in Hautfalten)
  • Hautirritationen – entstehen durch mechanische Reibung und Haut-auf-Haut-Kontakt.
  • Sekundäre Hautinfektionen (zusätzliche Hautentzündungen) – begünstigt durch gestörte Hautbarriere und Feuchtigkeit.

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Sekundäres Lymphödem (Flüssigkeitsansammlung durch gestörten Lymphabfluss) – entwickelt sich im Verlauf („Lipolymphödem“ (Kombination aus Lipödem und Lymphödem)) infolge chronischer lymphatischer Überlastung [S2k-Leitlinie Lipödem, 2024].

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Erysipel (Wundrose) – rezidivierend bei bestehender lymphatischer Insuffizienz (Schwäche des Lymphsystems).

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Arthrose (Gelenkverschleiß) – insbesondere Gonarthrose (Kniegelenkverschleiß) und Coxarthrose (Hüftgelenkverschleiß) durch veränderte Biomechanik und Mehrbelastung.
  • Valgusdeformität der Kniegelenke (X-Bein-Fehlstellung) – funktionelle Fehlbelastung mit medialer Gelenküberlastung.
  • Knickfußstellung (Absenkung des Fußgewölbes nach innen) – statische Fehlstellung mit sekundärer Überlastung.
  • Gangbildveränderungen – pseudovarische Hüftstellung (scheinbare O-Bein-Stellung im Hüftbereich) durch disproportionale Fettverteilung.

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Depressionen (anhaltende depressive Verstimmung) – infolge chronischer Schmerzen und Körperbildstörung (gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers).
  • Angststörungen (übermäßige Angstreaktionen) – häufig im Kontext sozialer Einschränkungen.
  • Körperbildstörung (gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers) – relevante Beeinträchtigung der Lebensqualität [S2k-Leitlinie Lipödem, 2024].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Schmerzen (dauerhafte Schmerzen) – charakteristisch für das Lipödem (krankhafte Fettverteilungsstörung), häufig druck- und belastungsabhängig.

Weiteres

  • Soziale und psychische Belastung – Risiko für maladaptives Essverhalten (ungünstiges Essverhalten) mit konsekutiver Gewichtszunahme.

Prognosefaktoren

  • Übergewicht (BMI ≥ 25) – Verstärkung der Symptomatik, insbesondere Schmerz und funktionelle Einschränkung.
  • Adipositas (starkes Übergewicht) (BMI ≥ 30) – negativer Einfluss auf Verlauf, Therapieerfolg und Mobilität.
  • Bewegungsmangel (zu geringe körperliche Aktivität) – begünstigt Progression und funktionelle Einschränkungen.
  • Verzögerte Diagnosestellung (späte Erkennung der Erkrankung) – Risiko für Fortschreiten bis zum Lipolymphödem (Kombination aus Lipödem und Lymphödem).
  • Unzureichende Therapieadhärenz (mangelnde Therapietreue) – z. B. fehlende konsequente Kompressionstherapie (Behandlung mit Druckbekleidung).

Beachte: Das Lipödem (krankhafte Fettverteilungsstörung) ist weder durch eine Adipositas (starkes Übergewicht) bedingt noch verursacht es per se eine Adipositas (starkes Übergewicht); beide Entitäten sind strikt zu differenzieren [S2k-Leitlinie Lipödem, 2024].