Lipödem – Anamnese

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Lipödems dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Lipödem oder anderen Fettverteilungsstörungen?
  • Bestehen in Ihrer Familie Venenerkrankungen oder Lymphödeme?
  • Gab es in der Familie Fälle von Adipositas oder hormonellen Erkrankungen (z. B. Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom))?

Sozialanamnese

  • Arbeiten Sie in einem Beruf mit langem Stehen oder sitzender Tätigkeit?
  • Belastet Sie die Veränderung Ihres Körpers emotional? (Selbstwertprobleme, soziale Isolation?)
  • Haben Sie depressive Verstimmungen oder Ängste im Zusammenhang mit Ihrem Körperbild?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Seit wann bestehen die Veränderungen? (Beginn beziehungsweise Beschwerdezunahme häufig in hormonellen Umbruchphasen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause)
  • Haben sich die Beschwerden im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen (z. B. Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) verstärkt?
  • Treten die Beschwerden an beiden Beinen und/oder Armen symmetrisch (seitengleich) auf?
  • Welche Körperregionen (Körperbereiche) sind betroffen? (Typisch sind Beine und/oder Arme mit Aussparung von Füßen beziehungsweise Händen.)
  • Bestehen Schmerzen, Druckschmerz, Berührungsempfindlichkeit, Spannungsgefühl oder Schweregefühl im betroffenen subkutanen Fettgewebe (Unterhautfettgewebe)?
  • Art der Schmerzen
    • Dumpf, drückend, ziehend, brennend oder stechend?
    • Spontan, belastungsabhängig oder nur bei Druck/Berührung?
    • Zunahme bei längerem Stehen, Gehen, Wärme oder körperlicher Belastung?
  • Schmerzstärke auf einer numerischen Ratingskala (Zahlenskala) von 0-10
    • 0: kein Schmerz
    • 1-3: leichter Schmerz
    • 4-6: mäßiger Schmerz mit relevanter Alltagsbeeinträchtigung
    • 7-10: starker bis stärkster Schmerz mit erheblicher Funktions- und Lebensqualitätsbeeinträchtigung
  • Besteht eine Neigung zu Hämatomen (Blutergüssen)?
  • Besteht eine ausgeprägte Druck- und Berührungsempfindlichkeit?
  • Besteht eine Einschränkung der Mobilität (Beweglichkeit), Gehstrecke, körperlichen Aktivität oder Alltagsfunktion?
  • Nehmen Umfang, Schweregefühl oder Spannungsgefühl im Tagesverlauf zu? (Eine deutliche tagesabhängige Schwellung spricht eher für venöse (venenbedingte), lymphatische (lymphgefäßbedingte) oder orthostatische Ödeme (lageabhängige Wassereinlagerungen) beziehungsweise für Mischbilder.)
  • Bestehen geschwollene Füße, Zehen, Hände oder Finger? (Dies ist untypisch für ein reines Lipödem (schmerzhafte Fettverteilungsstörung) und spricht für Differentialdiagnosen (andere mögliche Erkrankungen) oder ein zusätzliches Lymphödem (Lymphstauung).)
  • Treten Hautveränderungen wie Verhärtungen, Knotenbildung, Rötung, Überwärmung oder Entzündungszeichen auf? (Rötung, Überwärmung und akute Entzündungszeichen sprechen nicht für ein unkompliziertes Lipödem und erfordern differentialdiagnostische Abklärung (Abklärung anderer möglicher Erkrankungen).)
  • Gab es in der Vergangenheit Thrombosen (Blutgerinnsel), Varikosis (Krampfadern), chronische venöse Insuffizienz (dauerhafte Venenschwäche), Lymphödeme oder andere Ödemerkrankungen (Erkrankungen mit Wassereinlagerungen)?
  • Bestehen Adipositas (Fettleibigkeit), relevante Gewichtszunahme oder Gewichtsreduktion (Gewichtsabnahme), und wie verändern sich dabei Beschwerden und Körperproportionen?
  • Bestehen psychische Belastungen, Schamgefühl, depressive Symptome (Anzeichen einer Depression), Angst, Essstörungssymptome (Anzeichen einer Essstörung), sozialer Rückzug oder eine relevante Einschränkung der Lebensqualität?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Sind Sie übergewichtig?
  • Gab es ungewollte Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährung? Geben Sie uns bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
  • Haben Sie eine Ernährungsumstellung oder spezielle Diäten ausprobiert
  • Ernähren Sie sich ausgewogen?
  • Gibt es eine hohe Aufnahme von Zucker, Fett oder Fertigprodukten?
  • Gibt es Unverträglichkeiten?
  • Trinken Sie ausreichend Wasser?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport? Falls ja, welche Art von Bewegung?
  • Hat sich Ihr Aktivitätsniveau durch die Beschwerden verändert?

Eigenanamnese

  • Vorerkrankungen:
    • Bestehen bekannte hormonelle Erkrankungen (z. B. Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom), Nebennierenerkrankungen)?
    • Gibt es Vorerkrankungen im Bereich des Lymph- oder Venensystems (Lymphödeme, Krampfadern, Thrombosen)?
    • Haben Sie in der Vergangenheit orthopädische Beschwerden oder Wirbelsäulenprobleme gehabt?
  • Wurde bereits eine Lymphdrainage oder Kompressionstherapie ausprobiert?
  • Wurde eine Liposuktion (Fettabsaugung) in Erwägung gezogen oder durchgeführt?

Medikamentenanamnese

  • Nehmen Sie Medikamente ein, die das Lipödem beeinflussen können?
    • Hormonelle Verhütungsmittel (Pille, Hormonspirale)? (Östrogene können das Lipödem verschlechtern.)
    • Kortison oder andere entzündungshemmende Medikamente? (Langzeit-Kortison kann Fettverteilungsstörungen verursachen.)
    • Antidepressiva oder Psychopharmaka? (Gewichtszunahme als Nebenwirkung)

Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.