Hexachlorcyclohexan

Hexachlorcyclohexan (HCH (chemischer Schadstoff)) ist ein chlorierter cyclischer Kohlenwasserstoff (organische chemische Verbindung mit Chloratomen) mit mehreren Isomeren (chemische Varianten desselben Stoffes). Für die klinische Labordiagnostik ist vor allem das γ-Isomer (bestimmte chemische Form) Lindan (γ-HCH) relevant. Die Bestimmung dient primär der Expositions- (Belastungsnachweis) und Intoxikationsdiagnostik (Vergiftungsdiagnostik) im umweltmedizinischen, arbeitsmedizinischen und toxikologischen Kontext [1-4].

Synonyme

  • Hexachlorcyclohexan (HCH)
  • Lindan
  • γ-HCH
  • γ-Hexachlorcyclohexan
  • Gamma-Hexachlorcyclohexan

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • EDTA-Blut (Blutprobe mit Gerinnungshemmstoff)
    • Je nach Labor Spezialröhrchen bzw. Glasröhrchen
    • Bei Spezialdiagnostik gegebenenfalls weitere Matrizes (Untersuchungsmaterialien), z. B. Fettgewebe oder Materialproben aus dem Expositionsumfeld
  • Vorbereitung des Patienten
    • Bei arbeitsmedizinischer Fragestellung Blutentnahme möglichst am Expositions- (Kontakt mit Schadstoff) bzw. Schichtende
    • Laborvorgaben zur Präanalytik (Vorbereitung der Probe vor der Analyse) beachten; gegebenenfalls Spezialröhrchen anfordern
    • Keine spezielle Nahrungskarenz (Nüchternheit) erforderlich
  • Störfaktoren
    • Präanalytische Kontamination (Verunreinigung der Probe vor der Analyse) durch ungeeignete Entnahme- oder Lagerungsmaterialien
    • Materialabhängige Unterschiede der Messwerte; Referenz- (Vergleichswerte) und Beurteilungswerte sind strikt matrixbezogen (abhängig vom Untersuchungsmaterial) zu interpretieren
    • Ungeeigneter Probentransport oder fehlerhafte Lagerung
  • Methode
    • Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) (analytisches Spezialverfahren zur Stofftrennung und -identifikation) bzw. vergleichbare chromatographische Spezialverfahren (Trennverfahren im Labor)
    • Die Analytik (Laboranalyse) erfolgt in der Regel in spezialisierten Laboratorien (Speziallaboren) [1, 2]

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Material Referenzbereich
EDTA-Blut < 0,1 µg/l
BAT-Wert (biologischer Arbeitsplatz-Toleranzwert) 25 µg/l

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig [1-3].

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Verdacht auf Lindan-/HCH-Exposition (Kontakt mit Schadstoff)
  • Verdacht auf akute oder chronische Intoxikation (Vergiftung) mit chlororganischen Insektiziden (Schädlingsbekämpfungsmitteln)
  • Arbeitsmedizinische Überwachung bei relevanter beruflicher Exposition
  • Umweltmedizinische Abklärung bei möglicher Belastung durch Altlasten (Umweltverschmutzungen), Holzschutzmittel oder kontaminierte Innenräume
  • Forensisch-toxikologische Fragestellungen (gerichtliche Vergiftungsabklärung)

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Hinweis auf eine relevante innere Belastung mit Lindan/γ-HCH
    • Vereinbar mit akuter oder chronischer Exposition bzw. Intoxikation (Vergiftung)
    • Die Bewertung muss stets zusammen mit Expositionsanamnese (Erhebung möglicher Schadstoffkontakte), klinischer Symptomatik (Krankheitszeichen) und Matrixbezug (abhängig vom Untersuchungsmaterial) erfolgen [1-5]
  • Erniedrigte Werte
    • Nicht krankheitsrelevant
    • Nicht nachweisbare oder niedrige Konzentrationen sprechen gegen eine relevante aktuelle innere Belastung
  • Spezifische Konstellationen
    • Lindan ist ein persistenter organochlorierter Schadstoff (langlebiger Umweltgiftstoff) und im Stockholmer Übereinkommen (internationales Umweltabkommen) in Annex A gelistet [4]
    • Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) (internationale Krebsforschungsorganisation) stuft Lindan als karzinogen (krebserregend) für den Menschen ein (Gruppe 1) [5]
    • Bei chronischer Exposition ist die Persistenz (langes Verweilen im Körper) lipophiler Organochlorverbindungen (fettlösliche chlorhaltige Schadstoffe) zu berücksichtigen

Weiterführende Diagnostik

  • Erweiterte Expositionsanamnese (Erhebung möglicher Schadstoffkontakte), insbesondere zu beruflichen, häuslichen und umweltmedizinischen Quellen
  • Gegebenenfalls Bestimmung weiterer organochlorierter Verbindungen (chlorhaltige Schadstoffe) oder HCH-Isomere (chemische Varianten)
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), Bilirubin
  • Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin, ggf. Cystatin C
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) bei Verdacht auf neurotoxische Symptomatik (nervenschädigende Wirkung)
  • Umweltanalytik bei Verdacht auf fortbestehende Innenraum- oder Materialbelastung

Literatur

  1. Medizinisches Labor Bremen. Lindan – Analysendetails. Abruf: 31.03.2026. https://www.mlhb.de/assay-detail?cHash=12bab9ce7a56ace8f9d70a5f5bb9d009&tx_mlhbassays_pi5%5Baction%5D=show&tx_mlhbassays_pi5%5Bcontroller%5D=Substance&tx_mlhbassays_pi5%5Bsubstance%5D=210
  2. Medizinisches Labor Nord. Lindan (+ Metabolit Pentachlorbenzol). 2025. Abruf: 31.03.2026. https://www.mln.de/fuer-praxen/analytik/analysen-a-z/lindan-metabolit-pentachlorbenzol/
  3. DFG. MAK- und BAT-Werte-Liste 2025. Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe. 2025. Abruf: 31.03.2026. https://series.publisso.de/sites/default/files/documents/series/mak/lmbv/Vol2025/Iss1/Doc001/mbwl_2025_deu.pdf
  4. Stockholm Convention. All POPs – Lindane. Abruf: 31.03.2026. https://www.pops.int/TheConvention/ThePOPs/AllPOPs/tabid/2509/Default.aspx
  5. IARC. DDT, Lindane, and 2,4-D. IARC Monogr Eval Carcinog Risks Hum. 2018;113:1-433. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29912510/