Diaminoxidase (DAO)

Diaminoxidase (DAO) ist eine kupferhaltige Aminoxidase (Enzym zum Abbau bestimmter Stoffe) (EC 1.4.3.22), die vor allem in der Dünndarmschleimhaut (Schleimhaut des Dünndarms), der Niere und der Plazenta (Mutterkuchen) exprimiert wird. Sie baut Histamin sowie weitere biogene Amine (körpereigene Botenstoffe) ab. In der klinischen Labordiagnostik (Laboruntersuchung) wird die Bestimmung der DAO im Serum oder Plasma vor allem im Kontext vermuteter unerwünschter Reaktionen auf oral aufgenommenes Histamin eingesetzt. Nach aktueller Evidenz (wissenschaftlicher Erkenntnis) ist die DAO-Bestimmung im Blut jedoch kein eigenständig validierter diagnostischer Marker; ihre Aussagekraft ist methodisch und klinisch limitiert [1-6].

Synonyme

  • DAO
  • Histaminase
  • Diamine oxidase
  • Amine oxidase, copper containing 1 (AOC1)

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • Serum oder Plasma, abhängig vom verwendeten Testsystem
  • Für Verlaufskontrollen (Kontrolluntersuchungen im Verlauf) möglichst identisches Probenmaterial und identisches Analysensystem verwenden
  • Präanalytische Anforderungen (Anforderungen vor der Laboranalyse) sind methodenabhängig; die Vorgaben des jeweiligen Labors sind zu beachten [1-4]

Vorbereitung des Patienten

  • Keine einheitlich validierte Standardvorbereitung
  • Für Verlaufskontrollen möglichst konstante Bedingungen hinsichtlich Ernährung, Tageszeit und Medikation (Einnahme von Arzneimitteln) wählen
  • Bei der Befundbewertung (Beurteilung des Untersuchungsergebnisses) sollten Symptomkonstellation (Zusammenstellung der Beschwerden), Ernährungsanamnese (Angaben zur Ernährung) und Medikamentenanamnese (Angaben zu eingenommenen Arzneimitteln) mitberücksichtigt werden [1, 4, 6]

Störfaktoren

  • Es besteht keine ausreichende Standardisierung zwischen verschiedenen DAO-Assays (Messverfahren); gemessen werden je nach Testsystem Konzentration oder Aktivität [2-5]
  • Serum-/Plasma-DAO korreliert nicht verlässlich mit der mukosalen (die Schleimhaut betreffenden) DAO-Aktivität des Dünndarms [1, 4]
  • Heparin (blutgerinnungshemmendes Arzneimittel) kann zirkulierende DAO-Werte beeinflussen [4]
  • In der Schwangerschaft sind deutlich erhöhte zirkulierende DAO-Werte möglich, vor allem durch plazentäre Freisetzung (Freisetzung aus dem Mutterkuchen) [4]
  • Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (Körpermassenindex) und assayabhängige Faktoren können Messwerte beeinflussen [3]
  • Isoliert erniedrigte DAO-Werte sind unspezifisch und erlauben keine sichere Diagnosestellung [1-6]

Methode

  • Immunologische Bestimmung (Messung mithilfe von Antikörpern) der DAO-Konzentration oder enzymatische Bestimmung der DAO-Aktivität im Serum/Plasma
  • Es existiert kein international harmonisiertes Referenzmessverfahren für die Routinediagnostik (Laboruntersuchung im normalen klinischen Alltag) [2-5]
  • Methodenwechsel im Verlauf sollten nach Möglichkeit vermieden werden

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Material / Methode Referenzbereich / Entscheidungsbereich
Erwachsene, Serum/Plasma, DAO-Assays in der Routine Kein universell validierter Referenzbereich
Häufig verwendete herstellerspezifische Entscheidungsbereiche < 3 U/ml: deutlich erniedrigt; 3-10 U/ml: grenzwertig/erniedrigt; > 10 U/ml: unauffällig
Schwangerschaft Deutlich erhöhte Werte möglich; nicht mit Referenzbereichen nicht schwangerer Personen vergleichbar

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Die häufig verwendeten Grenzbereiche von < 3 U/ml, 3-10 U/ml und > 10 U/ml sind assayabhängige Entscheidungsbereiche und keine allgemein validierten diagnostischen Grenzwerte für eine Histaminunverträglichkeit (Unverträglichkeit gegenüber Histamin) [1-6].

Indikationen

  • Allenfalls ergänzende Labordiagnostik bei klinischem Verdacht auf unerwünschte Reaktionen auf oral aufgenommenes Histamin [1, 4, 6]
  • Nicht als Screeningverfahren (Untersuchung zur Früherkennung) und nicht als isolierte Bestätigungs- oder Ausschlussdiagnostik [1-3]
  • Gegebenenfalls ergänzend in der spezialisierten allergologischen (auf Allergien spezialisierten)/gastroenterologischen (auf Magen-Darm-Erkrankungen spezialisierten) Abklärung unklarer Symptomkonstellationen [1, 4]

Interpretation

Erhöhte Werte

  • Häufig physiologisch (normal) in der Schwangerschaft [4]
  • Möglich nach Heparinexposition (Kontakt mit Heparin) [4]
  • In der Regel keine eigenständige krankheitsspezifische diagnostische Aussage hinsichtlich vermuteter Histaminunverträglichkeit [1, 4]

Erniedrigte Werte

  • Können mit einer verminderten zirkulierenden DAO-Aktivität assoziiert sein, erlauben jedoch keinen sicheren Rückschluss auf die intestinale (den Darm betreffende) Histaminabbaukapazität [1, 4]
  • Isoliert erniedrigte Werte sind unspezifisch und diagnostisch nicht beweisend [1-6]
  • Die diagnostische Güte (Zuverlässigkeit der Untersuchung) ist begrenzt; in populationsbasierten (auf Bevölkerungsgruppen beruhenden) und klinischen Studien fanden sich erhebliche Überlappungen zwischen Betroffenen und Kontrollpersonen [2, 3, 5, 6]

Spezifische Konstellationen

  • Die aktuelle Leitlinie (medizinische Handlungsempfehlung) bevorzugt die Formulierung „unerwünschte Reaktionen auf oral aufgenommenes Histamin“ gegenüber einer kausal gesicherten „Histaminintoleranz“ [1]
  • Placebokontrollierte Provokationsdaten (Ergebnisse aus Tests mit Scheinmedikament) zeigen, dass sich der klinische Verdacht in einem relevanten Teil der Fälle nicht bestätigen lässt [4]
  • DAO sollte daher nur als fakultativer Zusatzparameter und stets im klinischen Gesamtkontext interpretiert werden [1-6]

Weiterführende Diagnostik

  • Detaillierte Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) mit Symptomprofil, Nahrungsmittelbezug, Alkoholbezug und Medikamentenanamnese [1, 4, 6]
  • Symptom- und Ernährungsprotokoll [1, 6]
  • Ausschluss relevanter Differenzialdiagnosen (anderer möglicher Ursachen), insbesondere IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, chronischer spontaner Urtikaria (Nesselsucht), Mastzellerkrankungen (Erkrankungen bestimmter Immunzellen), gastrointestinaler Erkrankungen (Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes) und anderer Nahrungsmittelunverträglichkeiten [1, 4, 6]
  • Zeitlich begrenzte, strukturierte, histaminarme Ernährung mit anschließender systematischer Reexposition (erneuter gezielter Kontakt mit Histamin) unter fachkundiger Anleitung [1, 6, 7]
  • Orale Histaminprovokation (gezielter Test mit Histamin) nur in spezialisierten Zentren und nicht als Routinediagnostik [1, 4]

Literatur

  1. Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, Dölle-Bierke S, Kleine-Tebbe J, Klimek L, Lämmel S, Lepp U, Saloga J, Schäfer C, Szepfalusi Z, Treudler R, Werfel T, Zuberbier T, Worm M. Guideline on management of suspected adverse reactions to ingested histamine: Guideline of the German Society for Allergology and Clinical Immunology (DGAKI), the Society for Pediatric Allergology and Environmental Medicine (GPA), the Medical Association of German Allergologists (AeDA) as well as the Swiss Society for Allergology and Immunology (SGAI) and the Austrian Society for Allergology and Immunology (ÖGAI). Allergo J Int. 2021;30(8):305-314. https://doi.org/10.5414/ALX02269E
  2. van Odijk J, Weisheit A, Arvidsson M, Miron N, Nwaru B, Ekerljung L. The Use of DAO as a Marker for Histamine Intolerance: Measurements and Determinants in a Large Random Population-Based Survey. Nutrients. 2023;15(13):2887. https://doi.org/10.3390/nu15132887
  3. Arih K, Đorđević N, Košnik M, Rijavec M. Evaluation of Serum Diamine Oxidase as a Diagnostic Test for Histamine Intolerance. Nutrients. 2023;15(19):4246. https://doi.org/10.3390/nu15194246
  4. Bent RK, Kugler C, Faihs V, Darsow U, Biedermann T, Brockow K. Placebo-Controlled Histamine Challenge Disproves Suspicion of Histamine Intolerance. J Allergy Clin Immunol Pract. 2023;11(12):3724-3731.e11. https://doi.org/10.1016/j.jaip.2023.08.030
  5. Jochum C. Histamine Intolerance: Symptoms, Diagnosis, and Beyond. Nutrients. 2024;16(8):1219. https://doi.org/10.3390/nu16081219
  6. Rentzos G, Weisheit A, Ekerljung L, van Odijk J. Measurement of diamine oxidase (DAO) during low-histamine or ordinary diet in patients with histamine intolerance. Eur J Clin Nutr. 2024;78(8):726-731. https://doi.org/10.1038/s41430-024-01448-2
  7. Jackson K, Busse W, Gálvez-Martín P, Terradillos A, Martínez-Puig D. Evidence for Dietary Management of Histamine Intolerance. Int J Mol Sci. 2025;26(18):9198. https://doi.org/10.3390/ijms26189198