Basophilenaktivierungstest (BAT)
Basophilenaktivierungstest (BAT) ist ein zellulärer funktioneller In-vitro-Test (Labortest im Reagenzglas) zur Messung der Aktivierung basophiler Granulozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) nach Exposition (Kontakt) gegenüber definierten Allergenen (allergieauslösenden Stoffen), Arzneistoffen (Medikamentenwirkstoffen) oder anderen Auslösern. Er wird in der klinischen Labordiagnostik (Laboruntersuchung) ergänzend zur Abklärung IgE-vermittelter Soforttypreaktionen (unmittelbare allergische Reaktionen) und ausgewählter nicht-IgE-vermittelter Sofortreaktionen eingesetzt, insbesondere wenn Anamnese (Krankengeschichte), Hauttest (Allergietest an der Haut) und spezifische IgE-Diagnostik diskrepant oder nicht ausreichend aussagekräftig sind [1-6].
Der BAT ist kein Screeningtest (Suchtest) für asymptomatische Patienten (Patienten ohne Beschwerden). Er beantwortet ausschließlich die Fragestellung, die durch die eingesetzten Testsubstanzen (Prüfstoffe), Konzentrationen, Kontrollen und validierten Laborprotokolle (Laborabläufe) abgedeckt ist [1, 2].
Synonyme
- BAT
- Basophil activation test
- Flowzytometrischer Basophilenaktivierungstest
- Zellulärer Allergietest
- Funktioneller In-vitro-Allergietest
- CD63-/CD203c-Basophilentest
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Frisches heparinisiertes Vollblut
- EDTA-Blut ist für viele BAT-Protokolle nicht geeignet, da calciumabhängige Aktivierungsprozesse beeinflusst werden können
- Testsubstanzen/Allergene in validierten Konzentrationen
- Negativkontrolle und Positivkontrollen, z. B. Anti-IgE, fMLP oder Anti-FcεRI
- Vorbereitung des Patienten
- Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
- Die Blutentnahme sollte möglichst außerhalb einer akuten schweren allergischen Reaktion erfolgen, sofern keine gezielte Akutdiagnostik vorgesehen ist
- Systemische Glucocorticoide, Biologika, Immunsuppressiva oder relevante antiinflammatorische Therapien können die zelluläre Reaktivität beeinflussen und sollten bei der Interpretation dokumentiert werden
- Antihistaminika beeinflussen den BAT in der Regel weniger als Hauttests, da die basophile Zellaktivierung ex vivo gemessen wird; eine vollständige Unabhängigkeit von Begleitmedikation besteht jedoch nicht für alle Fragestellungen
- Störfaktoren
- Verzögerte Probenverarbeitung, insbesondere >24 h nach Blutentnahme
- Unzureichende Basophilenzahl oder Basophilendefizienz
- Non-Responder-Konstellation bei fehlender Aktivierbarkeit der Basophilen in der Positivkontrolle
- Spontanaktivierung in der Negativkontrolle
- Akute Infektionen, systemische Entzündungsreaktionen oder ausgeprägte hämatologische Erkrankungen
- Unsachgemäße Lagerung, Temperaturabweichungen oder Hämolyse
- Nicht validierte Allergen-/Arzneistoffkonzentrationen
- Zytotoxische oder unspezifisch basophilenaktivierende Testsubstanzen
- Methodenabhängige Unterschiede bei Gating-Strategie, Aktivierungsmarker, Cut-off, Stimulationszeit und Auswertelogik
- Methode
- Durchflusszytometrie nach Ex-vivo-Stimulation von Vollblut mit dem Verdachtsallergen, Arzneistoff oder der zu prüfenden Substanz
- Identifikation der Basophilen meist über Marker-Kombinationen wie CCR3, CD123, HLA-DR-negativ, CRTH2 oder IgE, abhängig vom Laborprotokoll
- Nachweis der Aktivierung vor allem über CD63 und/oder CD203c
- Auswertung als Anteil aktivierter Basophiler, Stimulationsindex oder konzentrationsabhängige Dosis-Wirkungs-Kurve
- Beurteilung immer im Verhältnis zu Negativkontrolle, Positivkontrolle und laborintern validierten Cut-offs [1, 2]
Normbereiche (je nach Labor)
| Parameter/Konstellation | Referenz-/Bewertungsbereich |
| Negativkontrolle | Niedrige basale Aktivierung; laborabhängig meist <5 % aktivierte Basophile |
| Positivkontrolle | Ausreichende Aktivierbarkeit der Basophilen; laborabhängig definierter Mindestanstieg erforderlich |
| BAT negativ | Keine relevante Aktivierung gegenüber der Testsubstanz oberhalb des laborinternen Cut-offs |
| BAT positiv | Relevante Aktivierung gegenüber der Testsubstanz oberhalb des laborinternen Cut-offs, meist in Abhängigkeit von Prozent aktivierter Basophiler und/oder Stimulationsindex |
| Non-Responder | Keine verwertbare Aktivierung in der Positivkontrolle; Ergebnis nicht valide interpretierbar |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Ergänzende Diagnostik bei Verdacht auf IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie, insbesondere bei unklarer Sensibilisierungslage, hohem Risiko einer oralen Provokation oder diskrepanten Befunden aus Anamnese, Hauttest und spezifischem IgE [3, 4]
- Risikostratifizierung bei ausgewählten Nahrungsmittelallergien, insbesondere bei Fragestellungen zur klinischen Relevanz einer Sensibilisierung [3-5]
- Ergänzende Diagnostik bei Verdacht auf Soforttyp-Arzneimittelhypersensitivität, insbesondere bei Betalactam-Antibiotika, neuromuskulären Blockern, Fluorchinolonen, Chlorhexidin, Opioiden, Röntgenkontrastmitteln, Chemotherapeutika, Biologika, nichtsteroidalen Antirheumatika, Impfstoffen und Hilfsstoffen, sofern validierte Protokolle verfügbar sind [2]
- Abklärung schwerer Reaktionen auf Hymenopterengifte, insbesondere bei diskrepanten oder grenzwertigen Befunden der konventionellen Diagnostik
- Abklärung von Kreuzreaktionen und klinischer Relevanz spezifischer Sensibilisierungen bei komplexen allergologischen Konstellationen
- Ergänzende Diagnostik, wenn Hauttests kontraindiziert, riskant oder nicht aussagekräftig sind
- Therapie- und Verlaufsbeurteilung in spezialisierten Fragestellungen, z. B. bei Desensibilisierung, spezifischer Immuntherapie oder ausgewählten onkologischen Hypersensitivitätsreaktionen [6]
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Eine erhöhte basophile Aktivierung nach Exposition gegenüber einer Testsubstanz spricht für eine funktionell relevante zelluläre Reaktivität gegenüber dieser Substanz
- Bei passender Anamnese kann ein positiver BAT die Wahrscheinlichkeit einer klinisch relevanten Soforttypallergie erhöhen
- Bei Nahrungsmittelallergien zeigt der BAT insbesondere für ausgewählte Allergene eine hohe Spezifität und kann die Zahl unnötiger oraler Provokationen reduzieren [3, 4]
- Bei Arzneimittelhypersensitivität ist ein positiver BAT als ergänzender Baustein zu werten; Aussagekraft und Cut-offs sind substanz- und protokollabhängig [2]
- Erniedrigte Werte
- Ein negativer BAT schließt eine Allergie oder Hypersensitivitätsreaktion nicht sicher aus
- Falsch negative Ergebnisse können bei ungeeigneter Testsubstanz, falscher Konzentration, instabiler Substanz, zu langer Probenlagerung, niedriger Basophilenzahl oder fehlender Basophilenreaktivität auftreten
- Bei Non-Responder-Konstellation ist der Test nicht valide interpretierbar
- Bei hoher klinischer Vortestwahrscheinlichkeit ist trotz negativem BAT eine weiterführende allergologische Diagnostik erforderlich
- Spezifische Konstellationen
- Hohe Spontanaktivierung in der Negativkontrolle erschwert die Interpretation und kann zur Nichtverwertbarkeit führen
- Eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung unterstützt die Plausibilität eines positiven Ergebnisses
- Ein positives Ergebnis ohne passende klinische Anamnese beweist keine klinisch relevante Allergie
- Ein negativer BAT vor geplanter Provokation reduziert das Risiko nicht zuverlässig auf null
- Der BAT ersetzt nicht die ärztlich überwachte Provokation, wenn diese zur abschließenden Diagnosesicherung erforderlich und vertretbar ist
Weiterführende Diagnostik
- Allergologische Spezialanamnese mit zeitlichem Zusammenhang, Expositionsdosis, Symptomtyp, Schweregrad, Cofaktoren und Reproduzierbarkeit
- Haut-Pricktest, Intrakutantest oder Epikutantest, abhängig von der Fragestellung
- Spezifisches IgE im Serum
- Komponentendiagnostik bei Nahrungsmittel-, Pollen-, Latex- und Insektengiftallergien
- Gesamt-IgE als ergänzender Kontextparameter, nicht als beweisender Allergietest
- Serumtryptase bei Anaphylaxieverdacht, insbesondere Akutwert und Basalwert
- Orale Nahrungsmittelprovokation bei Nahrungsmittelallergie, wenn nach Risiko-Nutzen-Abwägung indiziert
- Kontrollierte Arzneimittelprovokation oder Ausweichpräparate-Testung in spezialisierten Zentren, wenn erforderlich und vertretbar
- Evaluation auf Mastozytose oder Mastzellaktivierungssyndrom bei schweren, rezidivierenden oder unklaren Anaphylaxien
Klinische Hinweise
- Der BAT ist ein ergänzender funktioneller Test und darf nicht isoliert interpretiert werden.
- Die diagnostische Wertigkeit ist stark abhängig von Allergen/Substanz, Testprotokoll, Laborerfahrung und klinischer Vortestwahrscheinlichkeit.
- Die beste Evidenz besteht derzeit für ausgewählte Nahrungsmittelallergien, bestimmte Arzneimittelhypersensitivitäten und spezialisierte Fragestellungen der Hymenopterengift- und onkologischen Hypersensitivitätsdiagnostik [2-6].
- Für viele Substanzen fehlen validierte Cut-offs, standardisierte Konzentrationen und externe Qualitätskontrollen.
- Ein BAT-Befund sollte immer mit der Anamnese, Hauttestung, spezifischer IgE-Diagnostik, Komponentendiagnostik und gegebenenfalls Provokationstestung zusammengeführt werden.
Literatur
- Pascal M, Edelman SM, Nopp A, Möbs C, Geilenkeuser WJ, Knol EF et al.: EAACI task force report: A consensus protocol for the basophil activation test for collaboration and external quality assurance. Allergy. 2024;79(2):290-293. https://doi.org/10.1111/all.15907
- Mayorga C, Çelik GE, Pascal M, Hoffmann HJ, Eberlein B, Torres MJ et al.: Flow-based basophil activation test in immediate drug hypersensitivity. An EAACI task force position paper. Allergy. 2024;79(3):580-600. https://doi.org/10.1111/all.15957
- Santos AF, Riggioni C, Agache I, Akdis CA, Akdis M, Alvarez-Perea A et al.: EAACI guidelines on the diagnosis of IgE-mediated food allergy. Allergy. 2023;78(12):3057-3076. https://doi.org/10.1111/all.15902
- Riggioni C, Santos AF, Agache I, Akdis CA, Akdis M, Alvarez-Perea A et al.: Systematic review and meta-analyses on the accuracy of diagnostic tests for IgE-mediated food allergy. Allergy. 2024;79(2):324-352. https://doi.org/10.1111/all.15939
- Bergmann MM, Caubet JC, Eigenmann PA, Santos AF. Basophil activation test in the food allergy clinic: its current use and future applications. Expert Rev Clin Immunol. 2024;20(6):611-622. https://doi.org/10.1080/1744666X.2024.2336568
- Pascal M, Chauhan J, Knol E, Bianchini R, Castells M, De Las Vecillas L et al.: Basophil Activation Test: Bridging Allergy and Oncology for Diagnostic, Therapeutic and Prognostic Applications in AllergoOncology: An EAACI Position Paper. Allergy. 2025;80(8):2097-2112. https://doi.org/10.1111/all.16607