IgG/IgG4-Test

IgG/IgG4-Test ist ein serologisches Verfahren (Blutuntersuchungsverfahren) zum Nachweis nahrungsmittelspezifischer Immunglobulin-G- bzw. Immunglobulin-G4-Antikörper.

In der klinischen Labordiagnostik ist der Test nicht zur Diagnostik von Nahrungsmittelallergien (Lebensmittelallergien), Nahrungsmittelintoleranzen (Lebensmittelunverträglichkeiten) oder unspezifischen nahrungsassoziierten Beschwerden (nicht eindeutigen beschwerdeauslösenden Reaktionen auf Lebensmittel) validiert; positive Befunde (Testergebnisse) sprechen in der Regel für Exposition (Kontakt) gegenüber dem jeweiligen Nahrungsmittel und häufig eher für immunologische Toleranz (immunologische Gewöhnung) als für eine pathologische Unverträglichkeit (krankhafte Unverträglichkeit).

Synonyme

  • IgG-Test
  • IgG4-Test
  • Nahrungsmittelspezifischer IgG-Test
  • Nahrungsmittelspezifischer IgG4-Test
  • Food-specific IgG/IgG4 assay
  • IgG/IgG4-Food-Panel

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum (Blutserum)
    • Je nach Testsystem auch Plasma (Blutplasma)
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Eine gezielte Provokation (gezielte Auslösung einer Reaktion) mit verdächtigen Lebensmitteln vor der Blutentnahme ist nicht standardisiert und nicht empfohlen
    • Eine bereits laufende Eliminationsdiät (Auslassdiät) kann das Antikörperprofil beeinflussen und muss bei der Befundbewertung berücksichtigt werden
  • Störfaktoren
    • Fehlende Standardisierung zwischen Herstellern und Testpanels
    • Unterschiedliche Antigenaufbereitung, Cut-offs und Auswertekategorien
    • Hohe Hintergrundpositivität bei klinisch gesunden Personen
    • Expositionsabhängigkeit mit häufig höheren Titern bei regelmäßig konsumierten Lebensmitteln
    • Eingeschränkte Aussagekraft nach längerer Meidung einzelner Nahrungsmittel
    • Gefahr der Überinterpretation semiquantitativer Klassenwerte
  • Methode
    • Meist Enzyme-linked Immunosorbent Assay (ELISA)
    • Seltener Multiplex-Immunoassays oder mikroarraybasierte Panels
    • Bestimmung nahrungsmittelspezifischer IgG- oder IgG4-Antikörper gegen einzelne oder zahlreiche Lebensmittelantigene
    • Häufig semiquantitative Befundausgabe in Klassen oder U/ml ohne klinisch validierte krankheitsspezifische Schwellenwerte

Die wesentlichen methodischen Limitationen (Einschränkungen) bestehen in der fehlenden Standardisierung, der häufigen Positivität bei Gesunden und der unzureichenden Korrelation (Zusammenhang) mit klinischen Symptomen (Beschwerden). 

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe / Geschlecht / Alter Referenzbereich
Erwachsene Kein klinisch validierter Referenzbereich für die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz etabliert
Kinder Kein klinisch validierter Referenzbereich für die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz etabliert
IgG/IgG4 gegen einzelne Nahrungsmittel Hersteller- und methodenabhängige Messbereiche; aus positiven Ergebnissen kann keine krankheitswertige Unverträglichkeit abgeleitet werden

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für nahrungsmittelspezifische IgG-/IgG4-Tests existieren keine allgemein akzeptierten diagnostischen Schwellenwerte, die eine Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz belegen würden.

Indikationen 

  • Keine Indikation zur Routinediagnostik bei Verdacht auf IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie
  • Keine Indikation zur Diagnostik von Nahrungsmittelintoleranzen wie Laktosemalabsorption (Milchzucker-Aufnahmestörung), Fruktosemalabsorption (Fruchtzucker-Aufnahmestörung) oder Zusatzstoffunverträglichkeiten
  • Keine Indikation zur Abklärung unspezifischer gastrointestinaler Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Cephalgie (Kopfschmerzen), Arthralgie (Gelenkschmerzen), Müdigkeit oder dermatologischer Symptome (Hautsymptome) ohne klare allergologische Fragestellung
  • Keine Indikation zur Ableitung breit angelegter Eliminationsdiäten allein auf Basis des Laborbefunds
  • Abgrenzung zu krankheitsspezifischen IgG-basierten Serologien, insbesondere in der Zöliakiediagnostik (Abklärung einer Glutenunverträglichkeit) bei selektivem IgA-Mangel: Diese sind diagnostisch sinnvoll, stellen aber kein Argument für nahrungsmittelspezifische IgG-/IgG4-Panels dar.

Aktuelle allergologische Leitlinien und Positionspapiere empfehlen nahrungsmittelspezifische IgG-/IgG4-Tests nicht für die Routinediagnostik. Die diagnostische Bewertung von Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie) bei IgA-Mangel ist hiervon ausdrücklich zu trennen. 

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Sprechen nicht für sich genommen für eine Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelintoleranz
    • Reflektieren meist den Kontakt mit dem jeweiligen Nahrungsmittel
    • Insbesondere IgG4 wird eher als Ausdruck immunologischer Exposition bzw. Toleranz gewertet als Marker einer pathogenen Reaktion
    • Positive Resultate sind deshalb auch bei klinisch gesunden Personen häufig zu erwarten
  • Erniedrigte Werte
    • Schließen eine klinisch relevante Nahrungsmittelallergie nicht aus
    • Schließen nicht IgE-vermittelte oder nicht-immunologische Nahrungsmittelunverträglichkeiten ebenfalls nicht aus
    • Können durch geringe Exposition oder vorbestehende Eliminationsdiäten beeinflusst sein
  • Spezifische Konstellationen
    • Bei Verdacht auf IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie ist die strukturierte Anamnese (Krankengeschichte) mit nachfolgender spezifischer IgE-Diagnostik bzw. Hauttestung leitliniengerecht
    • Der oral kontrollierte Provokationstest (gezielter Auslösetest über den Mund) bleibt in geeigneten Konstellationen der Referenzstandard zur klinischen Bestätigung oder zum Ausschluss einer Nahrungsmittelallergie
    • Bei selektivem IgA-Mangel und Verdacht auf Zöliakie sind IgG-basierte Zöliakie-Tests sinnvoll; dies betrifft jedoch nicht IgG-/IgG4-Food-Panels

Die zentrale Aussage bleibt, dass erhöhte nahrungsmittelspezifische IgG-/IgG4-Titer keine belastbare Evidenz (verlässlichen Hinweis) für eine krankheitswertige Unverträglichkeit liefern. 

Weiterführende Diagnostik

  • Strukturierte Ernährungs- und Symptom-Anamnese
  • Ernährungs- und Beschwerdetagebuch
  • Allergologische Basisdiagnostik bei Verdacht auf Soforttyp-Reaktion
    • Spezifisches IgE im Serum
    • Pricktest
  • Bei geeigneter Indikation
    • Standardisierte Eliminations- und Reexpositionsstrategie
    • Oral kontrollierter Provokationstest
  • Bei Verdacht auf nicht-allergische Ursachen
    • H2-Atemtests, je nach Fragestellung
    • Zöliakie-Serologie mit Gesamt-IgA; bei IgA-Mangel IgG anti-TG2 bzw. IgG anti-DGP
    • Weiterführende gastroenterologische Diagnostik (Magen-Darm-Diagnostik) bei Alarmzeichen (Warnzeichen)

Die leitliniengerechte Abklärung nahrungsassoziierter Beschwerden basiert auf Anamnese, gezielter Allergiediagnostik, Eliminations-/Reexpositionsstrategien und gegebenenfalls Provokationstestung, nicht auf Food-IgG-/IgG4-Panels.

Aktueller klinischer Stellenwert

  • Fachgesellschaften und Leitlinien empfehlen nahrungsmittelspezifische IgG-/IgG4-Tests weiterhin nicht für die Routinediagnostik von Nahrungsmittelallergien oder Nahrungsmittelintoleranzen.
  • Der methodische Haupteinwand bleibt bestehen: Ein positiver IgG-/IgG4-Nachweis zeigt typischerweise nur die immunologische Auseinandersetzung mit einem Lebensmittel, nicht dessen Kausalität (ursächlichen Zusammenhang) für Beschwerden.
  • Einzelne neuere Arbeiten, vor allem im Kontext des Reizdarmsyndroms (Syndrom mit chronischen Darmbeschwerden), diskutieren mögliche Effekte IgG-geleiteter Eliminationsdiäten; die Evidenz ist jedoch heterogen und bisher nicht ausreichend, um die bestehende Leitlinienposition zu ändern.
  • Klinisch relevant ist das Risiko unnötig restriktiver Diäten mit möglicher Einschränkung der Lebensqualität, vermeidbarer Verunsicherung sowie Fehl- oder Mangelernährung.

Auch neuere Publikationen zum Reizdarmsyndrom haben die grundsätzliche Ablehnung des Tests als allgemeines diagnostisches Verfahren bislang nicht verändert. 

Weitere Hinweise

  • Die frühere Annahme, nahrungsmittelspezifisches IgG4 sei Ausdruck einer pathologischen Typ-III-Reaktion, wird durch aktuelle allergologische Bewertungen nicht gestützt.
  • Die Bestimmung von IgG oder IgG4 gegen Lebensmittel ist nicht mit der Diagnostik einer Zöliakie gleichzusetzen.
  • Bei gastrointestinalen Beschwerden sollten differenzialdiagnostisch unter anderem Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption, Zöliakie, funktionelle gastrointestinale Störungen (funktionelle Magen-Darm-Störungen), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED; dauerhafte entzündliche Erkrankungen des Darms) und andere organische Ursachen geprüft werden.
  • Laborbefunde sollten niemals isoliert zur Empfehlung umfangreicher Karenzdiäten (Meidungsdiäten) verwendet werden.

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