Toxoplasmose-Test

Toxoplasmose-Test umfasst serologische (Blutuntersuchungen auf Antikörper) und molekularbiologische Verfahren (Nachweis von Erbmaterial) zum Nachweis einer Infektion mit Toxoplasma gondii (Erreger der Toxoplasmose). In der klinischen Labordiagnostik dient er der Diagnostik akuter und zurückliegender Infektionen sowie insbesondere der Risikoabschätzung in der Schwangerschaft und bei immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächtem Immunsystem) [1-3].

Synonyme

  • Toxoplasma-Serologie
  • Toxoplasma-Antikörperdiagnostik
  • Toxoplasma-PCR

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Serum – Toxoplasma gondii-IgG, -IgM, ggf. -IgA und IgG-Avidität
    • Fruchtwasser (Flüssigkeit in der Fruchthöhle) – PCR bei pränataler Diagnostik
    • EDTA-Blut (Blutprobe mit Gerinnungshemmung), Liquor (Nervenwasser) oder Gewebe – bei speziellen Fragestellungen
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
    • Verlaufskontrollen möglichst im gleichen Labor durchführen
  • Störfaktoren
    • Persistierende IgM-Antikörper über Monate
    • Falsch positive IgM-Befunde
    • Abgeschwächte Antikörperantwort bei Immunsuppression
    • Methodenabhängige Unterschiede zwischen Assays
  • Methode
    • Immunoassay (Labormethode zum Nachweis von Antikörpern)
    • IgG-Aviditätsbestimmung
    • PCR (Methode zum Nachweis von Erbmaterial) zum direkten Erregernachweis

Normbereiche (je nach Labor)

Parameter Referenzbereich
Toxoplasma gondii-IgG negativ
Toxoplasma gondii-IgM negativ
Toxoplasma gondii-IgA negativ
IgG-Avidität hoch: zurückliegende Infektion; niedrig: frische Infektion
Toxoplasma-gondii-PCR negativ

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen

  • Abklärung des Immunstatus vor oder in der Schwangerschaft
  • Verdacht auf Primärinfektion
  • Verlaufskontrolle unklarer serologischer Befunde
  • Pränatale Diagnostik
  • Diagnostik bei Immunsuppression

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Toxoplasma gondii-IgG
  • Toxoplasma gondii-IgM

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • IgG-Avidität
  • Toxoplasma gondii-IgA
  • Toxoplasma gondii-DNA (PCR)

Interpretation

Toxoplasma gondii-IgG Toxoplasma gondii-IgM IgG-Avidität Interpretation
negativ negativ - Keine Infektion, keine Immunität
positiv negativ hoch Zurückliegende Infektion, Immunität
positiv positiv hoch Persistierendes IgM, keine frische Infektion wahrscheinlich
positiv positiv niedrig/grenzwertig Verdacht auf frische Primärinfektion
negativ positiv - Frühe Infektion oder falsch positiv, Verlaufskontrolle erforderlich

Weiterführende Diagnostik

  • Verlaufskontrollen (Serokonversion)
  • Bestätigungsdiagnostik im Referenzlabor bei positivem oder unklarem IgM
  • Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) mit PCR (Erbmaterialnachweis) (ab ca. 18. Schwangerschaftswoche und ≥4 Wochen nach vermuteter Infektion)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie) bei ZNS-Beteiligung

Klinische Hinweise (inkl. Schwangerschaftsalgorithmus)

  • Erreger
    • Toxoplasma gondii ist ein weltweit verbreitetes Protozoon (Einzeller)
  • Übertragung
    • Rohes oder unzureichend gegartes Fleisch
    • Kontaminierte Erde oder Lebensmittel
    • Diaplazentare Transmission (Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind)
  • Klinik
    • Meist asymptomatisch (ohne Beschwerden) bei Immunkompetenten
    • Schwere Verläufe bei Immunsuppression
    • Kongenital (angeboren): Chorioretinitis (Entzündung von Aderhaut (Choroidea) und Netzhaut (Retina) im hinteren Augenabschnitt), Hydrocephalus ("Wasserkopf"), intrakranielle Verkalkungen (Ablagerungen von Calciumsalzen im Gehirn oder den Hirngefäßen)
  • Schwangerschaft – leitlinienbasierter Algorithmus
    • Erstuntersuchung
      • Bestimmung von Toxoplasma-gondii-IgG und -IgM
    • IgG negativ, IgM negativ
      • Keine Immunität
      • Kontrollen alle 8-12 Wochen bis zum Ende der Schwangerschaft
    • IgG positiv, IgM negativ
      • Zurückliegende Infektion
      • Keine weiteren Kontrollen erforderlich
    • IgM positiv (mit oder ohne IgG)
      • Sofortige Bestätigungsdiagnostik im Referenzlabor
      • Bestimmung der IgG-Avidität
    • Niedrige Avidität bzw. Verdacht auf Primärinfektion
      • Engmaschige serologische Kontrollen
      • Einleitung einer Therapie nach fachärztlicher Beurteilung
      • Amniozentese mit PCR zur fetalen Diagnostik
    • Hohe Avidität
      • Primärinfektion in den letzten Monaten unwahrscheinlich
      • Keine weitere spezifische Diagnostik erforderlich

Literatur

  1. Schneider MO et al. Toxoplasma gondii Infection in Pregnancy. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2023;83:1431-1445. https://doi.org/10.1055/a-2111-7394
  2. Montoya JG, Liesenfeld O. Toxoplasmosis. Lancet. 2004;363:1965-1976. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(04)16412-X
  3. Teimouri A, Mahmoudi S, Keshavarz H. Current and emerging techniques for the diagnosis of toxoplasmosis in pregnancy: a review. Iran J Parasitol. 2024;19(4):384-396. https://doi.org/10.18502/ijpa.v19i4.17159