B-Streptokokken in der Schwangerschaft

Bei ca. 20 % der Schwangeren finden sich im Genital- oder Analbereich Streptokokken der Serogruppe B.

Normalerweise sind diese Bakterien harmlos. Man findet sie auch auf der Haut und im unteren Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt (Magen-Darm-Trakt sowie Harntrakt und Geschlechtsorgane)

Bei folgenden Erkrankungen sind Streptokokken der Serogruppe B nachzuweisen:

  • Wundinfektionen
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Neugeborenensepsis
  • Zystitis (Blasenentzündung) und Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung)

Die Diagnose Streptokokken der Serogruppe B kann mittels Vaginalabstrich (Scheidenabstrich) inkl. analem Abstrich festgestellt werden.

Besonderheiten in der Schwangerschaft

Bei der Geburt können die Streptokokken auf das Kind übertragen werden.

Dadurch kann entweder direkt nach der Geburt (early onset) oder erst im Verlauf der nächsten ein bis sechs Wochen (late onset) eine schwere Infektion des Kindes ausgelöst werden. Erstere tritt vor allem bei Frühgeborenen auf. Die late onset-Infektion kann auch durch das Pflegepersonal verursacht werden, die frühe Form wird immer durch die Mutter verursacht.

Etwa eines von 3.000 Neugeborenen infiziert sich bei der Geburt mit B-Streptokokken, davon sterben 3,2 Prozent an den Folgen. Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) wird vor allem durch die Meningitis (Hirnhautentzündung) dominiert.

Symptome und Beschwerden des Neugeborenen nach Frühinfektion:

  • Sepsis
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Meningitis
  • Neurologische Schäden

Bei einer Spätinfektion besteht insbesondere für Frühchen ein hohes Mortalitätsrisiko (Sterblichkeitsrate).

Die Mortalität bei reifen Neugeborenen liegt bei 2-3 % und bei Kindern mit einer Schwangerschaftsdauer kürzer als 24 Woche bei bis zu 30 % [2].

Labordiagnostik

Jede Schwangere sollte zwischen der 35. und 36. Woche auf B-Streptokokken untersucht werden (B-Streptokokken­screening; B-Streptokokken-Test für Schwangere).

Auch die aktuelle Leitlinie der deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt den B-Streptokokken-Test gegen Ende der Schwangerschaft.

Die Untersuchung erfolgt mittels Vaginalabstrich (Scheidenabstrich) inkl. analem Abstrich (Erreger- und Resistenzbestimmung).
Hinweis! Durch einen möglichen Verzicht auf den analen Abstrich werden ca. 30 % der positiven Befunde verpasst.

Unabhängig von der oben genannten Untersuchung auf B-Streptokokken wird Schwangeren ein Infektionsscreening auf vaginale asymptomatische Infektionen mit Bakterien und Mykose-Erreger zwischen der 16. und der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche als Kassenleistung angeboten. Durch eine Studie konnte belegt werden, dass dieses Infektionsscreening die Frühgeburtenrate um bis zu 43 % senken kann [1].

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung etc. – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Erregernachweis aus den infizierten Regionen wie Haut-Bakteriologie, Urinprobe oder Rachenabstrich
  • Streptokokken-Antikörper
    • Antistreptolysin O (ASL)
    • Anti-DNAse B (ASNB)
    • Antihyaluronidase
  • Kleines Blutbild
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) bzw. BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

Therapie

Werden B-Streptokokken nachgewiesen, kann die Gefahr einer Infektion des Kindes durch gezielte Gabe von Antibiotika unter der Geburt minimiert werden.

Die Antibiotikatherapie ist erforderlich bei:

  • Frühgeburten vor vollendeter 37. Woche
  • Dauer zwischen Blasensprung und Entbindung von mehr als 12 Stunden
  • Fieber der Schwangeren während der Geburt über 38 °C
  • Streptokokken-Infektion bei früheren Geburten
  • Harnwegsinfektion (HWI) durch B-Streptokokken in der Schwangerschaft
  • Anzeichen einer Infektion bei Mutter und/oder Kind

Impfung: Ein hexavalenter Impfstoff gegen Gruppe-B-Streptokokken (GBS) hat sich in einer Phase-2-Studie bei Schwangeren als sicher erwiesen [3].

Ihr Nutzen

Mittels eines einfachen Vaginalabstrichs kann eine Infektion mit B-Streptokokken erkannt und das Risiko einer Ansteckung des Kindes wirkungsvoll minimiert werden.

Durch Untersuchung der Schwangeren auf B-Streptokokken in Vagina und Rektum sowie präventive Gabe von Antibiotika unter der Geburt bei positiv getesteten Müttern, kann die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) einer B-Streptokokken-Infektion des Kindes auf < 1 Fall pro 1.000 Lebendgeburten gesenkt werden [2].

Literatur

  1. Farr A, Hagnann M, Kiss H, Petricevic L: Konsequentes Infektionsscreening in der Schwangerschaft zur Reduktion der Frühgeburtenrate.  Geburtshilfe und Frauenheilkunde 74(S 01) · September 2015. doi: 10.1055/s-0034-1388594
  2. Phares CR et al.: Epidemiology of invasive group B streptococcal disease in the United States, 1999-2005. JAMA. 2008 May 7;299(17):2056-65. doi: 10.1001/jama.299.17.2056.
  3. Madhi SA et al.: Potential for Maternally Administered Vaccine for Infant Group B Streptococcus N Engl J Med 2023; 389:215-227 doi: 10.1056/NEJMoa2116045

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Sepsis bei Neugeborenen – frühe Form – durch Streptokokken der Gruppe B, Prophylaxe. (AWMF-Registernummer 024 - 020), März 2016 Langfassung
  2. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001), Oktober 2021 Langfassung