Kontaktlinsen: Grundlagen und Überblick

Kontaktlinsen sind optische bzw. medizinische Hilfsmittel, die in unmittelbarem Kontakt mit der Augenoberfläche getragen werden. Je nach Linsentyp liegen sie der Hornhaut auf oder überbrücken Hornhaut und Limbus und stützen sich auf der Sklera ab. Moderne Kontaktlinsen bestehen überwiegend aus weichen Hydrogel- bzw. Silikonhydrogelmaterialien oder aus formstabilen, gasdurchlässigen Materialien [1, 3].

Das wichtigste Einsatzgebiet ist die Korrektur von Refraktionsfehlern (Korrektur von Fehlsichtigkeiten) wie Myopie (Kurzsichtigkeit), Hyperopie (Weitsichtigkeit), Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) und Presbyopie (Alterssichtigkeit). Besondere optische Vorteile können Kontaktlinsen bei ausgeprägter Anisometropie (unterschiedlicher Brechkraft beider Augen), hohen Ametropien (starken Fehlsichtigkeiten) sowie bei irregulären Hornhautoberflächen, z. B. bei Keratokonus (kegelförmiger Vorwölbung der Hornhaut) oder nach hornhautchirurgischen Eingriffen (Operationen an der Hornhaut), bieten. Im Gegensatz zur Brille bewegen sich Kontaktlinsen weitgehend mit dem Auge, sodass das Gesichtsfeld nicht durch eine Fassung begrenzt wird und brillenbedingte periphere Abbildungsunterschiede vermieden bzw. reduziert werden können [2-4].

Das Anwendungsspektrum geht heute über den klassischen Refraktionsausgleich (Ausgleich einer Fehlsichtigkeit) hinaus. Spezielle Kontaktlinsensysteme werden zur Myopiekontrolle (Verlangsamung des Fortschreitens der Kurzsichtigkeit), zur visuellen Rehabilitation (Verbesserung des Sehvermögens) bei irregulären Hornhäuten sowie für therapeutische Zwecke eingesetzt. Hierzu gehören insbesondere Orthokeratologielinsen (Nachtlinsen zur vorübergehenden Formveränderung der Hornhaut), Sklerallinsen (Kontaktlinsen, die auf der Lederhaut aufliegen) und Verbandkontaktlinsen (schützende therapeutische Kontaktlinsen). Kontaktlinsen als Systeme zur kontrollierten okulären Arzneistofffreisetzung (gezielten Wirkstoffabgabe am Auge) stellen zudem ein sich weiterentwickelndes therapeutisches Anwendungs- und Forschungsfeld dar [3, 5, 6].

Kontaktlinsen beeinflussen zugleich die Physiologie von Tränenfilm, Hornhaut und übriger Augenoberfläche. Materialeigenschaften, Sauerstoffdurchlässigkeit, Benetzbarkeit, Linsendesign, Tragezeit und individuelle Faktoren bestimmen daher wesentlich Verträglichkeit und Sicherheit [1]. Eine fachgerechte Kontaktlinsenanpassung (individuelle Auswahl und Anpassung der Kontaktlinse) sowie die Einhaltung der empfohlenen Trage-, Austausch- und Hygieneregeln sind Voraussetzungen für eine langfristig sichere Anwendung. Unsachgemäßer Gebrauch kann mechanische, entzündliche oder infektiöse Komplikationen bis hin zur potenziell visusbedrohenden mikrobiellen Keratitis (durch Krankheitserreger verursachten Hornhautentzündung) begünstigen [7].

Literatur

  1. Morgan PB, Murphy PJ, Gifford KL et al.: BCLA CLEAR - Effect of contact lens materials and designs on the anatomy and physiology of the eye. Cont Lens Anterior Eye 2021;44(2):192-219. doi: 10.1016/j.clae.2021.02.006
  2. Richdale K, Cox I, Kollbaum P et al.: BCLA CLEAR - Contact lens optics. Cont Lens Anterior Eye 2021;44(2):220-239. doi: 10.1016/j.clae.2021.02.005
  3. Barnett M, Courey C, Fadel D et al.: BCLA CLEAR - Scleral lenses. Cont Lens Anterior Eye 2021;44(2):270-288. doi: 10.1016/j.clae.2021.02.001
  4. Morgan PB, Efron N, Papas E et al.: BCLA CLEAR Presbyopia: Management with contact lenses and spectacles. Cont Lens Anterior Eye 2024;47(4):102158. doi: 10.1016/j.clae.2024.102158
  5. Vincent SJ, Cho P, Chan KY et al.: BCLA CLEAR - Orthokeratology. Cont Lens Anterior Eye 2021;44(2):240-269. doi: 10.1016/j.clae.2021.02.003
  6. Shuaibu A, Topah EK, Suleman A et al.: Contact Lenses in Therapeutic Care: A Comprehensive Review of Past Innovations, Present Applications, and Future Directions. Adv Exp Med Biol 2025;1483:171-186. doi: 10.1007/5584_2024_842
  7. Stapleton F, Bakkar M, Carnt N et al.: BCLA CLEAR - Contact lens complications. Cont Lens Anterior Eye 2021;44(2):330-367. doi: 10.1016/j.clae.2021.02.010